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"Têtu"-Interview

Frankreichs Europa-Staatssekretär Clément Beaune outet sich als schwul

Der 39-Jährige kündigte an, im nächsten Jahr eine "LGBT-freie Zone" in Polen besuchen zu wollen.


Beaune vor wenigen Tagen in Paris (Bild: Clement Beaune / twitter)

Laut einer Vorabmeldung des Magazins "Têtu" und einer Zusammenfassung von Politico hat sich der französische Europa-Staatssekretär Clément Beaune in einem Interview für die neueste Ausgabe des queeren Magazins als schwul geoutet. Auf eine Frage nach LGBT-Rechten in Europa habe der 39-Jährige unter anderem gesagt: "Ich bin schwul, und ich habe kein Problem, das zu sagen."

Homosexualität sei "kein Hindernis mehr" für ein politisches Amt. "Heute scheint es trivial zu sein, das zu sagen, aber es ist keine Selbstverständlichkeit", so der 39-Jährige, der das Coming-out auch in einen gesellschaftlichen Kontext setzte und erklärte: "Schläge, Gewalt, Ablehnung, das alles geschieht im Jahr 2020. Heute von meiner sexuellen Orientierung zu berichten, ist keine Unanständigkeit oder Inszenierung von Intimität."

Twitter / TETUmag

Das Interview ist eines der Highlights der am Mittwoch erscheinenden "Têtu"-Ausgabe, die das 25. Jubiläum des Magazins feiert.

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Mission Toleranz

Beaune, der sich bereits kurz nach seinem Amtsantritt kritisch zur Lage von LGBTI in Polen geäußert hatte, kündigte in dem Interview an, im nächsten Jahr eine der Gegenden zu besuchen, die sich quasi zur "LGBT-freien Zone" erklärt haben. Auch wolle er eine polnische Organisation zur Verteidigung des Rechts auf Abtreibung unterstützten. "Als Staatssekretär für europäische Angelegenheiten habe ich eine zusätzliche Verantwortung. Ich muss dafür kämpfen, Toleranz zu verbreiten."

"Ich stamme aus einer Familie, in der Menschen deportiert wurden, weil sie noch vor zwei Generationen Juden waren. Das hallt bei mir nach", so der Staatssekretär weiter. "Aber ich möchte nicht, dass die Leute sagen, ich kämpfe gegen 'LGBT-freie Zonen', weil ich schwul bin. Es wäre beleidigend zu sagen, dass ich diesen Kampf für mich selbst führe."

Twitter / MiRo_SPD | Im September wurde Beaune in Berlin von seinem deutschen Amtskollegen Michael Roth empfangen. Der SPD-Politiker ist ebenfalls schwul

Beaune, Absolvent des Pariser Institut d'études politiques, des College of Europe in Brügge und der École nationale d'administration, begann seine Karriere als Wirtschafts- und Haushaltsbeamter. Der überzeugte Europäer hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in den letzten Jahren in Fragen der europäischen und internationalen Politik beraten und beispielsweise bei EU-Gipfeln im Hintergrund die Fäden gezogen. Ende Juli wurde er zum Nachfolger von Amélie de Montchalin im Staatssekretärsamt. Nach einigen Jahren in der Macron-Partei En Marche wechselte er im November zur sozialdemokratischen Neugründung Territoires de progrès. (nb)



#1 FinnAnonym
  • 08.12.2020, 20:53h
  • Im Artikel steht: "Auch wolle er eine polnische Anti-Abtreibungsorganisation unterstützten."

    In der verlinkten Zusammenfassung von Politico steht: "[...] as well as bringing his support to a Polish abortion rights organization."

    Ist im deutschen Satz vielleicht einfach das "Anti" reingerutscht? Sollte sowas heißen wie "Auch wolle er eine polnische Organisation, die für das Recht für Schwangerschaftsabbrüche kämpft, unterstützen" o.ä.?
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  • Anm. d. Red.: Danke für den Hinweis auf den Flüchtigkeitsfehler.
#2 ZurEinordnungAnonym
  • 08.12.2020, 21:49h
  • "Heute von meiner sexuellen Orientierung zu berichten, ist keine Unanständigkeit oder Inszenierung von Intimität.""

    Da schimmert, trotz richtiger Verneinung, immer noch der Gedanke durch, eine queere Orientierung könne als etwas rein Intimes, rein Privates angesehen werden, das "die Öffentlichkeit nichts anginge".

    Zu sagen, dass man schwul ist, ist jedoch genauso wenig eine "Inszenierung von Intimität" wie ganz selbstverständlich hetero zu sein und das bei jeder Gelegenheit, immer und überall im Alltag, automatisch allen zu präsentieren.

    Solange irgendjemand noch glaubt, eine queere Orientierung sei reine Privatangelegenheit, die sonst ja niemanden etwas anginge, solange sind wir noch stigmatisiert, gibt es dieses Othering, wird uns eine völlige Selbstverständlichkeit vorenthalten. Erst wenn man so etwas wie oben zitiert überhaupt nicht mehr sagen muss, ist das Ziel erreicht.
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#3 LukasQueerAnonym
#4 ZurEinordnungAnonym
  • 09.12.2020, 09:44h
  • Antwort auf #3 von LukasQueer
  • Heterosexualität WIRD aber ständig und überall "präsentiert", indem sie als selbstverständlich und für alle vordefiniert gilt. Es ist auch kein unangemessenes Verhalten, von Partner oder Partnerin zu sprechen, vom Wochenende/Urlaub mit dem_derselben, etc. Sondern das wird als "normal" erachtet.

    Ebenso wird in Werbung, Film und Fernsehen als "normal" erachtet, dass Menschen und Paare ganz selbstverständlich hetero sind. Insofern diese sich, sofern sie hetero sind, auch so verhalten, ist das ja auch absolut in Ordnung. Jedoch wird in diesem Fall verschwiegen, dass auch andere sexuelle Orientierungen existieren und ebenso "normal" sind.

    JEDER Mensch, egal ob hetero oder queer, muss das Recht haben, seine_ihre sexuelle Orientierung völlig alltäglich und offen auszuleben. "Angemessenes Verhalten" darf kein verschämtes Duckmäusertum sein; es darf kein Sich-verstecken-müssen sein, aus Angst vor Diskriminierung oder Gewalt. "Angemessenes Verhalten" muss sein, so sein zu dürfen, wie man ist, und das auch immer und überall zeigen zu können, ob nun hetero oder in irgendeiner Form queer.
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#5 Ralph
  • 09.12.2020, 10:14h
  • Der Satz, dass es eine Beleidigung wäre zu sagen, er kämpfe gegen die LSBTI-Feindschaft der Polen, weil er schwul ist, erschließt sich mir nicht. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Es wäre ein Unding, nicht gegen die polnische LSBTI-Feindschaft zu kämpfen, obwohl man schwul ist.
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#6 globoProfil
#7 Still_Ith
  • 09.12.2020, 19:43h
  • Dann hoffen wir mal, dass er für seinen Besuch nen paar gute Bodyguards mitgeschickt bekommt, ne.
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