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Heimkino

Verstoßen vom eigenen Vater

Nach Lolas Coming-out als trans bricht ihr Dad den Kontakt ab, doch zwei Jahre später müssen sich die beiden nach dem Tod der Mutter zusammenraufen. Laurent Michelis berührendes Familiendrama "Lola" ist jetzt auf DVD erschienen.


Für ihre einfühlsame Darstellung der 18-jährigen Lola wurde Mya Bollaers als erste trans Schauspielerin für den belgischen Filmpreis Magritte nominiert (Bild: Edition Salzgeber)

Lola ist 18, hat pinke Haare und macht gerade ihr Diplom als Veterinär-Assistentin. Als ihre Mutter Catherine stirbt, sorgt ihr Vater Philippe dafür, dass sie die Trauerfeier verpasst. Vor zwei Jahren hat Philippe den Kontakt zu ihr abgebrochen, weil er ihr Coming-out als trans nicht akzeptieren konnte.

Ein Roadtrip mit vielen Emotionen


Die Edition Salzgeber hat "Lola" mit deutschen Untertiteln auf DVD veröffentlicht

Doch Lola ist entschlossen, ihrer Mutter den letzten Wunsch zu erfüllen: Catherine wollte unbedingt an der belgischen Küste beigesetzt werden – und zwar von Philippe und Lola zusammen. Widerwillig machen sich Vater und Tochter auf die gemeinsame Reise, auf der sie immer wieder aneinander geraten.

Für ihre einfühlsame Darstellung als Titelheldin in Laurent Michelis Film "Lola" wurde Mya Bollaers als erste trans Schauspielerin mit dem belgischen Filmpreis Magritte ausgezeichnet. An ihrer Seite spielt der französische Kinostar Benoît Magimel ("Die Klavierspielerin").

Die Edition Salzgeber hat den berührenden Film jetzt mit deutschen Untertiteln auf DVD veröffentlicht. (cw/pm)

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Film

Lola und das Meer. Drama. Belgien, Frankreich 2019. Regie: Laurent Micheli. Darsteller*innen: Mya Bollaers, Benoît Magimel, Els Deceukelier, Sami Outalbali, Jérémy Zagba. Laufzeit: 90 Minuten. Sprache: französisch-flämische Originalfassung. Untertitel: Deutsch (optional). FSK 12. Edition Salzgeber


#1 Still_Ith
  • 09.12.2020, 19:20h
  • Meine Formulierung des Plots wäre ja eher gewesen:

    "Verstoßene trans*-Person unterwirft sich dem sadistischen Wunsch der verstorbenen Mutter, sich für Tage oder Wochen offenem Hass und Unterdrückung durch ihren Erzeuger auszusetzen."

    Ich wage zu spoilern: Es wird vor allem deutlich werden, wie schwierig es für die arme, arme Cisse ist, mit einem so verkorksten Kind leben zu müssen. "Großer Gott, wieso nur wurde ich so gestraft? Wieso nur konnte ich nicht einen vollwertigen Menschen als Kind bekommen, der sich als Thronfolger für das Familienerbe eignet?? Ich LEIDE ganz doll!!!"

    Er wird nicht einen einzigen Tritt in die Eier dafür kassieren, und am Ende werden alle lächeln, weil das ja das ist, was die sadistische Mutter wollte. Und schließlich ist es ja auch total verständlich, wenn man trans*-Leute eklig, hassens- und verachtenswert findet. Ich mein, mal ganz ehrlich, so einen Freak wirklich lieben?! Wär total unrealistisch. Und außerdem dürften wir dann unter dem Deckmantel der Aufklärung gar nicht dabei zugucken, wie hier das prädestinierte Opfer fertiggemacht wird und hauptsächlich einstecken.
    Es wird so 2-3 Gegenwind-Attacken der geschädigten Person geben, die aber wahrscheinlich so sehr unter die Gürtellinie gehen, dass wir total verstehen können, wieso die Cisse keine Lust hat, auf dem Niveau zu diskutieren. Und 99% der Gewalt, bzw. das Gewaltmonopol, wird dann auch beim vollwertigen Menschen liegen.

    Ich geb zu, das ist geraten, aber ich bin extrem sicher, dass es darauf hinauslaufen wird. Andernfalls hätte doch keine Cisse dafür einen Oscar übrig.

    Also, ist ja nett, wenn sie jetzt tatsächlich mal trans*-Personen schauspielern lassen. Noch netter wär aber, wenn sie's schaffen würden, von diesen fundamental queerfeindlichen Plots wegzukommen, die sämtlichen Zuschauenden Dutzende Lektionen dazu erteilen, was man mit trans*-Menschen alles tun darf. Und was die dann ertragen müssen. Und wofür sie dann am Ende... lächeln. Weil, was hätten sie sonst schon für eine Wahl, ne.
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#2 Still_Ith
  • 09.12.2020, 20:02h
  • Falls sich wer wundert, woher meine Scheiß-Wut kommt: Filme wie diese haben meinen Eltern beigebracht, dass es okay ist, wie sie mit mir umgehen. Sich nen ganzen Film lang dran aufgeilen, bei queerfeindlicher Misshandlung zuzugucken.
    Und am Ende mit dem befreienden Gefühl nach Hause gehen, dass sie besser sind als er da. Und überhaupt, dass es ja nicht nur an ihnen liegt. Und es gibt noch andere (Produktion, Regie, Drehbuchautor*innen) die das ganz genau so sehen wie sie, deswegen sind sie auf jeden Fall in der Mehrheit, in guter Gesellschaft, im Recht.
    Ich könnte ja einfach mal lächeln, so wie die misshandelte Person im Film an Ende. Und mich auch nach dem hundertsten Mal munter weiter verletzen lassen. Immer schön lieb bleiben. Brav. Weich. Bloß nicht wütend. Bloß nicht mit zu viel Selbstwertgefühl, um mir den Dreck zu geben.

    Jo, das ist die Lektion von dem Mist, den Cissen am Ende dann "sensibel"nennen.

    Oooh, guck mal, sooo brav können Leute bleiben, wenn man sie psychisch vernichtet. Wie niedlich, bei der weggedrückten Träne zuzugucken, diesem stillen Hinnehmen, dieser devoten Bereitschaft, anzunehmen, dass man ja nunmal wirklich der Freak ist. Dass man wusste, was man den anderen Menschen antut. Dass es total egoistisch ist, wie man so lebt. Man hätte doch Rücksicht nehmen. Man hätte doch normal bleiben können. Es lassen. Einfach mal einsehen, dass es in erster Linie hier nicht um eine*n selbst geht.

    Zumindest aber sollte man, auch das lernen wir, dankbar sein, als Freak, für den am Ende hingeworfenen Krumen: >> Solange ich dich genügend misshandeln und ausgrenzen und abwerten darf und du dir das annimmst, und MIR dann nicht noch obendrein wehtust (zurückschlagen wär ja dreist, schließlich bist du hier der Freak, was wir beiden wissen), ja gut, DANN seh ich jetzt doch ein, dass du schon existieren darfst.

    Komm doch mal auf'n Kaffee vorbei, da demütige ich dich dann vor Leuten, die alle auf meiner Seite sind, das wird voll lustig. :-) <<
    * Trans*-Person nickt dankbar*
    *Publikum verzückt*
    *Großeltern lächeln milde*
    *Cis-Menschen wird warm ums Herz*

    Ich verabscheue das dermaßen. Nur, Emanzipation würd sich ja schließlich nicht sensibel anfühlen. Gleichberechtigung von Freaks - total das brutale Konzept. Vollwertige Menschen, die einstecken müssten und zurückgezahlt bekämen, was sie tun. Das wär voll die Gewalt. Das wär ein schlechtes Beispiel. Sowas wollen wir bitte nicht sehen.
    Zumindest nicht, wenn dieses "wir" diejengien sind, die bei der Unterdrückung mitmachen und daran gewöhnt sind, ihr gutes (gesellschaftlich abgesichertes) Recht darauf zu haben. Aber das ist schon legitim, in erster Linie mal an die zu denken. Die sind ja schließlich das zahlende Publikum, nicht wahr. Und das sind auch die, die die Oscars vergeben.
    Weil, dass die Freaks das Geld haben, oder obendrein noch Einfluss, davon brauchen wir echt nicht ausgehen.
    Zu recht.
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#3 la_passanteAnonym
  • 09.12.2020, 21:05h
  • Antwort auf #2 von Ith_
  • Ich teile deine Erfahrungen und Sichtweise voll und ganz (und auch deinen geratenen, in der Tat sehr erwartbaren, Spoiler).

    Falls du Französisch verstehst (kann auch sein, daß es da Untertitel gibt), schau dir mal "Gare aux trans 2.0" auf YouTube an. Karine Espiñeira ist die Spezialistin überhaupt zum Thema "Transpersonen in den Medien" und hat dazu sehr viel geforscht und interessantes veröffentlicht.
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