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Ab Freitag auf Netflix

Wenn der Broadway den lesbischen Abschlussball rettet

Erfolglose Broadway-Sänger*innen wollen nicht ganz uneigennützig einer Schülerin helfen, mit ihrer Freundin zum Abschlussball zu gehen. Ryan Murphys neues Musical "The Prom" ist zwar ein starbesetztes queeres Spektakel, das aber zu viel auf einmal will.


Dee Dee Allen (Meryl Streep) und Berry Glickman (James Corden) tanzen und singen für zwei lesbische Schülerinnen (Bild: Netflix)
  • Von Fabian Schäfer
    10. Dezember 2020, 08:07h, 1 Kommentar

Was machen Broadway-Darsteller*innen, nachdem ihre Premiere verrissen wurde? Sie machen gute PR. Den Hunger der Welt stillen? Armut besiegen? Vielleicht lieber eine Spur schmaler. Mal sehen, was auf Twitter trendet, schlägt Angie (Nicole Kidman) vor. Sie findet einen Fall, der wie gemacht ist für die arroganten, alternden Narzist*innen: An der Highschool von Emma hat der Elternbeirat den Abschlussball abgesagt (das ist Cancel Culture!), weil sie so verhindern wollen, dass sie ihr Date (auch eine Schülerin!) mitbringt. Eine lokale Ungerechtigkeit, irgendwo in Indiana, perfekt für schöne Bilder der Musical-Stars. Also ab nach Edgewater.

Dort wartet natürlich niemand auf Berry Glickman (James Corden) und Dee Dee Allen (Meryl Streep). Dass sie die Leute als Tölpel und bigotte Monster beschimpft, während sie selbst ihre Tony-Awards an der Hotelrezeption herausholt, um ein besseres Zimmer zu ergattern, macht sie und ihre Agenda nicht beliebter.

Das lesbische Pärchen will nichts mehr als zusammen zu tanzen


Poster zum Film: "The Prom" startet am 11. Dezember 2020 auf Netflix

Glitzer, Camp, Massen-Tanzszenen, sehr kalkulierte Gags: Von Anfang an fährt Ryan Murpheys Netflix-Musical "The Prom" alles auf, was es hergeben kann. Die New Yorker Stars lässt er dabei schön größenwahnsinnig und unsympathisch rüberkommen. Manche Lacher, etwa dass Trent (Andrew Rannells) bei jeder Gelegenheit erwähnt, dass er an der Juilliard studiert hat, sind aber schon nach gut einer halben Stunde ausgelutscht.

Dafür sind die Songtexte umso frecher und selbstironischer. Die Musik hat wenig Ohrwurmpotenzial, und alles klingt ein wenig wie schon einmal gehört. Auch hier: Nicht schlecht, aber sehr konventionell gut. Musikalisch überrascht nichts, aber es tut auch nicht weh. Ein Eindruck, der sich durch den ganzen Film ziehen wird.

Die Handlung ist überwiegend vorhersehbar, was aber nicht weiter stört. Schade ist, dass die Beziehung zwischen Emma und Alyssa so wenig Raum findet. Das lesbische Pärchen, das schon eineinhalb Jahre zusammen ist, wünscht sich nichts sehnlicher als wie jedes andere Paar beim Prom zu tanzen. Leider bleiben beide charakterlich überwiegend flach, auch wenn vor allem Newcomerin Jo Ellen Pellman als Emma schauspielerisch und gesanglich auffällt.

Kein queeres Netflix-Highlight

Aber es ist eben wie in der Geschichte: Die New Yorker Stars ziehen alle Aufmerksamkeit an sich. Ist ja auch klar, wenn man Zugpferde wie Meryl Streep, Nicole Kidman und James Corden an Bord hat, brauchen sie auch genug Auslauf. Und so bekommen alle drei ihre eigene kleine Geschichte, die aber wie ein schlecht angeklebter Fremdkörper wirkt. Und überhaupt, der Cast: Dass James Corden den sehr flamboyanten Barry Glickman spielt, der sich an seinen eigenen Abschlussball, den er nie hatte, erinnert, nimmt man ihm nicht so richtig ab. Eine Fehlbesetzung.

Handwerklich ist "The Prom" solide, die Kamera von Matthew Libatique hat oft richtig gute Ideen und fängt viele Momente sehr hübsch ein. Der Cast ist, vor allen an der Highschool und für die Verhältnisse in Indiana, in Netflix-Manier sehr vielfältig. Die Ausstattung ist großartig.

Regisseur Ryan Murphy weiß natürlich auch, wann und wie er seine Zuschauer*innen berühren kann – und schafft das zumindest zum Ende hin auch. Dennoch hätte "The Prom" eine Straffung um eine halbe Stunde gut getan. Das Musical-Spektakel wäre ohne seine großen Stars wohl nicht mal halb so gut – und ist sicher kein queeres Netflix-Highlight.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer



#1 MiknikAnonym
  • 12.12.2020, 07:53h
  • Wie schön bunt und besser die Welt sein könnte - ja im Großen und Ganzen ist dass die Handlung des Films.

    Aber wenn ich ehrlich bin - ich hab den Film geschaut, da er mir gute Laune macht. Ob nun Hairspray, HSM 1-3 oder Mamma Mia! - alle Musicalfilme zeichnen sich wohl nicht durch die tiefgreifende Story und die detaillierte Ausarbeitung der Darsteller aus. Sie zeichnen sich gerade durch ein traumhaftes Bühnenbild und Musik zum Mitträllern aus. Durch ihre Leichtigkeit. Einfach mal weg von all der täglichen Tristesse und rein in die Traumwelt, die einem glauben lässt, dass alles besser wird.

    Das hat der Film ohne Probleme geschafft, man(n) muss sich nur drauf einlassen. Für mich waren für 1 1/2 Stunden Covid-19 und die damit verbundenen Sorgen, die Ungerechtigkeiten um mich herum, einfach mal wie weggeblasen. Andere trinken dafür, ich schaue Musicals-Filme. Und mal ganz ehrlich 2020 braucht keine weiteren Filme die das Drama des Lebens zeigen oder einen 150igsten Sternenkrieg oder Angriff der Zombies, Aliens, Trumps, Wahlfrei einsetzen was gerade Bauchschmerzen verursacht...

    Insofern wünsche ich mir mehr Musical-Filme wie The Prom und allen ein paar sorgenfreie Stunden...
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