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Kardinal vs. Laien

"Kircheninterner Kampf" im Erzbistum Köln

Verdammt das Erzbistum Homosexuelle oder empfindet es Vielfalt als "bereichernd"? Darüber ist im Reich des skandalgeplagten Kardinals Rainer Maria Woelki eine bittere Auseinandersetzung entbrannt.


Kardinal Rainer Maria Woelki gerät immer mehr unter Druck (Bild: Erzbistum Köln)
  • 11. Dezember 2020, 11:16h 17 2 Min.

Katholik*innen im Erzbistum Köln begehren gegen ihren konservativen Erzbischof Rainer Maria Woelki auf. Wie der "Spiegel" am Donnerstag berichtete, gebe es einen "Aufstand katholischer Laien", was zu einem "kircheninternen Kampf" führe.

Hintergrund ist ein Positionspapier der katholischen Hochschulgemeinde (KHG), das unter anderem Vielfalt als "bereichernd" bezeichnet und sich "für eine wertschätzende Haltung und Anerkennung gegenüber Beziehungen von homosexuellen und heterosexuellen Paaren" einsetzt. Das Woelki-Erzbistum war aber über das Papier so aufgebracht, dass es seine Verbreitung per Dienstanweisung stoppen ließ – und deshalb sogar zeitweise die KHG-Website abschaltete (queer.de berichtete). Außerdem wurde dem verantwortlichen Hochschulpfarrer als Strafe die Leitung entzogen und mehreren Mitarbeiter*innen mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen gedroht. Das Papier ist allerdings auf anderen Seiten noch erhältlich – etwa auf der Homepage der evangelischen Hochschulgemeinde, die sich mit den katholischen Studierenden solidarisierte (PDF).

Hochschulgruppe fordert Ende der Schikanen durch das Erzbistum

Die Hochschul-Pastoralteam will sich aber nicht unterbuttern lassen: In einer internen Petition fordert es laut "Spiegel" das Recht auf Veröffentlichung seines Positionspapiers, ein "Ende der sogenannten kommissarischen Übergangsleitung" sowie "Autonomie in inhaltlichen und strukturellen Entscheidungsfragen vor Ort". Zudem müsse die arbeitsrechtliche Prüfung beendet werden. Das harte Vorgehen des Kardinals gegen die kleine Hochschulgemeinde, so das Nachrichtenmagazin weiter, gelte "vielen als weiterer Beweis für seine Ignoranz gegenüber den Bedürfnissen der Laien".

Zudem gibt es derzeit Kritik an Woelki, weil am Donnerstag publik wurde, dass er sich offenbar schützend vor einen Priester gestellt hatte, der ein Kindergartenkind sexuell missbraucht hatte: Woelki hatte demnach eine Vorermittlung gegen den Düsseldorfer Pfarrer, den er seit seiner Ausbildungszeit gekannt hatte, abgelehnt und den Fall außerdem dem Vatikan verschwiegen – beides verstieß laut Kirchenexperten gegen Kirchenrecht (queer.de berichtete).

Das Erzbistum begründete diese Milde gegenüber dem mutmaßlichen Sexualverbrecher am Donnerstagnachmitag damit, dass dieser alt und gebrechlich gewesen sei. Der schlechte Gesundheitszustand des Priesters habe eine Untersuchung verhindert. Nachdem es einen öffentlichen Aufschrei nach Bekanntwerden des Falles gegeben hatte, kündigte Woelki am Freitag an, dass der Papst den Fall prüfen solle. Die Nachsicht gegenüber einem Sextäter – bei gleichzeitiger harter Hand gegen eine kleine homofreundliche Hochschulgruppe – wurde als heuchlerisch kritisiert. (dk)

-w-

#1 einfachAnonym
  • 11.12.2020, 12:37h
  • "Kircheninterner Kampf"

    Die katholischen Laienschafe müssen den Kampf weder hinnehmen noch antreten noch fortführen. Es gibt ein ganz einfaches Mittel, das zu beenden:
    www.kirchenaustritt.de
  • Direktlink »
#2 LegatAnonym
  • 11.12.2020, 12:52h
  • "Das Erzbistum begründete diese Milde gegenüber dem mutmaßlichen Sexualverbrecher am Donnerstagnachmitag damit, dass dieser alt und gebrechlich gewesen sei. Der schlechte Gesundheitszustand des Priesters habe eine Untersuchung verhindert."

    Für das Erzbistum Köln ist es völlig in Ordnung einen Schwerverbrecher zu decken (und damit vorsätzlich die Strafvervolgung zu behindern), der ein hilfloses Kindergartenkind schwer sexuell missbraucht und damit für sein ganzes Leben auf brutalste Weise gezeichnet hat!

    Ist vermerkt!

    Die Staatsanwaltschaft muss jetzt sofort aktiv werden. Hier liegt ja wohl ganz eindeutig die Verdeckung einer Straftat vor.

    Kann mir andererseits keinesfalls vorstellen, dass dafür irgendjemand aus der Kirche zur Rechenschaft gezogen wird. Nicht im Kirchenstaat Deutschland.

    Wann wird Deutschland eigentlich Teil der zivilisierten Welt, sprich säkular?
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#3 LarsAnonym
  • 11.12.2020, 13:00h
  • Antwort auf #1 von einfach
  • So einfach ist es nicht, denn Missbrauchsfälle gibt es auch außerhalb der katholischen Kirche - Leider, z.B. in der Filmindustrie. Eigentlich überall, wo Macht und oft auch Geld im Spiel ist und besonders, wo es abgeschottete Strukturen gibt, um die sich niemand kümmert.

    Insofern ist es wichtig, innerhalb aller bestehender Strukturen über Missbrauchsgefahren zu sprechen, Transparenz herzustellen. Nur da, wo eine Kultur der Offenheit und des kritischen Bewusstseins über Missbrauchsgefahren herrscht, gibt es eine Chance zur Prävention.

    Ich finde es deshalb sehr wichtig und interessant, wie die Laienbewegung sich des Themas annimmt und hoffe, dass hier die notwendigen Strategien angewendet und der notwendige Druck ausgeübt wird.
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