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Serientipp

Auf dem Skateboard queer durch New York

In der modernen und ungemein coolen Comedyserie "Betty" über eine junge Skaterinnen-Clique, die jetzt auf Sky zu sehen ist, geht's neben Abhängen und Kiffen auch um Rassismus, #MeToo und queere Selbstfindung.


Skaterin Kit (Nina Moran) geht mit ihrem Lesbischsein selbstbewusst und offensiv um (Bild: HBO)
  • Von Patrick Heidmann
    12. Dezember 2020, 07:00h, noch kein Kommentar

Es wimmelt nur so vor jungen Frauen in "Betty" (seit dem 8. Dezember 2020 zu sehen bei Sky), doch den Namen der Serie trägt keine von ihnen. Viel mehr verdankt sich der Titel dem meist etwas abschätzig gemeinten Ausdruck, mit dem Männer in den USA gerne mal Skateboard fahrende Frauen meinen. Denn genau darum geht es in dieser vorerst sechsteiligen Serie (eine zweite Staffel ist bereits bestellt): um Skaterinnen!

Die Serie baut auf "Skate Kitchen" auf


Poster zur Serie: "Betty" läuft seit 8. Dezember 2020 auf Sky

Basierend auf ihrem eigenen semi-dokumentarischen und von der Kritik gefeierten Film "Skate Kitchen" erzählt Regisseurin Crystal Moselle in "Betty" von den beiden besten Freundinnen Janay (Dede Lovelace) und Kit (Nina Moran). Die beiden begeisterten Skaterinnen sind dabei, sich eine Clique mit Gleichgesinnten aufzubauen, darunter die schüchterne Honeybear (Kabrina "Moonbear" Adams), die davon träumt, Filmemacherin zu werden, oder die coole Indigo (Ajani Russell), einer Drogendealerin aus wohlhabendem Haus, die eigentlich mit Skateboards nicht viel am Hut hat. Und dann ist da noch Camille (Rachelle Vinberg), die eine gute Portion Ehrgeiz an den Tag legt, was das Skaten angeht und auch deswegen meint, sich eher an Männern orientieren zu müssen als an anderen Frauen.

Beinahe nebenbei werden in "Betty" übrigens durchaus wichtige und sehr zeitgemäße Themen verhandelt. Nicht nur wird ganz klar ein männlich geprägtes Milieu unter die Lupe genommen, durch das es für die Protagonistinnen zu navigieren gilt. Sondern es geht auch ganz dezidiert um Rassismus, #MeToo und queere Selbstfindung, denn während etwa Kit mit ihrem Lesbischsein selbstbewusst und offensiv umgeht, ist für Honeybear das Ausloten der eigenen, auch sexuellen Identität eine vollkommen andere Erfahrung. Kurzum: "Betty" ist eine kleine, unaufgeregte, sehr moderne und ungemein coole Angelegenheit. Und taugt selbst für Zuschauer*innen, die noch nie auf einem Skateboard standen, als Sehnsuchtsserie. Sei es nach dem prickelnden Gefühl des Jungseins oder auch einfach nur heißen Sommern in New York City.

"Betty" lebt vor allem von der Atmosphäre


Rastlos-flirrende Bilder aus dem sommerlichen New York City (Bild: HBO)

Viel Handlung im eigentlichen Sinn hat "Betty" nicht zu bieten: die Girls streifen durch New York und hängen ab, kiffen viel, feiern und flirten. Und natürlich fahren sie Skateboard, immerzu und immer wieder. Viel mehr als von Plot lebt die Serie von Atmosphäre. Was es bedeutet jung zu sein, heutzutage und in einer Metropole wie New York, das fängt Moselle mit enormer Wahrhaftigkeit und in rastlos-flirrenden Bildern ein.

Entscheidend zur Authentizität beitragen tun die Darstellerinnen, die alle auch schon in "Skate Kitchen" mit von der Partie waren. Sie alle sind in erster Linie nicht Schauspielerinnen, sondern Skaterinnen (deren Können sie mit tausenden Instagram-Follower*innen teilen); einige von ihnen spielen hier fiktive Versionen ihrer selbst. Sie wirken mitunter, auch in den Dialogen, ein wenig unbedarft oder gar unbeholfen, doch gerade im vollkommen Ungesteltzten liegt letztlich der eigentliche Charme.

Direktlink | Englischer Originaltrailer zur Serie