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Südamerika

Bolivien erkennt erstmals Lebenspartnerschaft von schwulem Paar an

Die beiden Männer hatten vor Gericht für die Anerkennung ihrer Rechte gekämpft, die die Regierung nun allen Paaren ermöglichen will.


Nach dem Standesamt ging es für das Paar zum Sekt bei einer Pressekonferenz

Nach einem jahrelangen Rechtsstreit hat Bolivien erstmals die eingetragene Partnerschaft eines gleichgeschlechtlichen Paares anerkannt. Die Verbindung zwischen David Víctor Aruquipa Pérez und Guido Alvaro Montaño Durán wurde am Freitag standesamtlich registriert, teilte die Ombudsfrau Nadia Cruz mit.

Das schwule Paar war bis vor das Verfassungsgericht gezogen, um die Anerkennung der Lebenspartnerschaft zu erreichen. Es handle sich um einen Präzedenzfall, teilte Cruz mit. Dies werde es "auch anderen gleichgeschlechtlichen Paaren erlauben, ihre Rechte ohne Diskriminierung auszuüben".

Die bolivianischen Behörden hatten bislang argumentiert, das Landesrecht umfasse keine gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. Die Behörden beriefen sich dabei auf Artikel 63 der Verfassung, wonach eine Ehe sich auf die Verbindung zwischen Frau und Mann bezieht. Bolivien kennt allerdings auch sogenannte "Free Unions" – die Lebenspartnerschaften sind Ehen größtenteils gleichgestellt.

Das Paar wandte sich daraufhin an das Verfassungsgericht. Die Richter beriefen sich bei ihrer Entscheidung auf eine Erklärung der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH), wonach die Staaten verpflichtet sind, die familiären Verbindungen von Menschen des gleichen Geschlechts anzuerkennen und zu schützen. Auch der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte hatte 2018 die Anerkennung homosexueller Paare gefordert (queer.de berichtete).

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"Dies ist ein historischer Meilenstein", freute sich Aruquipa Pérez, der seit elf Jahren mit Montaño Durán zusammen ist. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP im vergangenen August hatte er sich bereits kämpferisch gezeigt: "Liebe ist Liebe, und deshalb ist ganz klar: Wenn diese Liebe Widerstand erfährt, wenn diese Liebe verletzt wird, dann muss man für sie kämpfen, das gilt für jedes Paar, auch für Homosexuelle."


Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2017 sind 60 Prozent der Bolivianer für eine komplette Gleichstellung homo- und heterosexueller Paare und nur 17 Prozent gegen die Anerkennung. Die Verfassung verbietet derzeit die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare, nicht jedoch durch einzelne Personen. Homosexualität ist seit 1832 legal. LGBTI sind seit einigen Jahren durch Antidiskriminierungs- und Hassverbrechengesetze geschützt, trans Personen können seit 2016 nach Vorlage eines Gutachtens eine Anerkennung in ihrem Geschlecht erlangen. (afp/cw)



#1 GayofcultureAnonym
  • 13.12.2020, 04:00h
  • Das ist einer der Gründe, warum ich Lateinamerika und Südeuropa so mag, weil die schon seit Jahrhunderten ein offenes und entspanntes Verhältnis zur Homosexualität haben- außer in den Zeiten der Militärdiktaturen, die es auch in Bolivien gab.

    Glückwunsch dem Paar, auf das der Spruch Brechts anzuwenden ist:Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.

    Schade, dass die Regierung von Evo das nicht ermöglicht hat, es zeigt aber, Bolivien ist mittlerweile eine funktionierende Demokratie! Es kann eigentlich nur besser werden..,
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#2 Ralph
  • 13.12.2020, 10:43h
  • Antwort auf #1 von Gayofculture
  • Das ist keine Frage nur der historischen Militärdiktaturen. In der Gegenwart sind es die linken Regime, die Schwulen und Lesben die Anerkennung und rechtliche Gleichstellung verweigern: Chavez/Maduro in Venezuela, Morales in Bolivien, Ortega in Nikaragua. Demgegenüber haben nicht mal die derzeit in Brasilien regierenden Faschisten (bei aller Stimmungsmache gegen LSBTI) die Eheöffnung zurückgenommen.
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#3 Korinthen KKAnonym
#4 Ralph
  • 13.12.2020, 11:20h
  • Antwort auf #3 von Korinthen KK
  • Zur Erinnerung: Es geht hier um Lateinamerika. Nach meinen geographischen Kenntnissen liegen Polen und Ungarn woanders. Im Übrigen machst Du hier den Klassiker: die Zustände in linken Diktaturen durch Ablenkung auf rechte Diktaturen, die auch nicht besser sind, relativieren.
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#5 Korinthen KKAnonym
#6 dellbronx51069Anonym
  • 13.12.2020, 17:24h
  • Antwort auf #4 von Ralph
  • Oft genug schweifen die Diskussionen hier in Sozialismus gut/ Kapitalismus böse ab. Auch wenn das Ursprungsthema gar nichts damit zu tun hat . Und diejenigen die genau dies betreiben sind dann auch die die das Abschweifen vom Thema beklagen. Hab ich hier wie oft erlebt. Aber das soll ja nicht unser Thema sein. Mich freut es für das Paar im Besonderen und Bolivien im Allgemeinen. Ich habe das Land vor 8 Jahren bereist. Da konnte noch nicht die Rede von sein. Evo hat da noch homophobe Witzchen gerissen. Zum Glück entwickelt sich das Land jetzt weiter.
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#7 Ralph
  • 13.12.2020, 17:45h
  • Antwort auf #5 von Korinthen KK
  • Ach, Himmel, weil da noch Südeuropa genannt wurde - tja, Pech, Ungarn und Polen liegen auch nicht in Südeuropa. Gemeint waren ohne Zweifel Portugal und Spanien, zusammen mit Lateinamerika also der iberoromanische Sprachraum - und auch zu dem zählen Ungarn und Polen nicht.
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#8 Ralph
  • 13.12.2020, 17:51h
  • Antwort auf #6 von dellbronx51069
  • Wie soll ich das verstehen? Sozialismus ist also gut? Insbesondere Regime wie in Venezuela und Nikaragua, samt Unterdrückung von Schwulen und Lesben? Der Sozialist Ortega war der letzte lateinamerikanische Machthaber, der Schwule noch von Polizei und Justiz verfolgen ließ. Castro tat das auch sehr lange. Beide zu Zeiten, als kein kapitalistischer Staat Europas das mehr tat.Tut mir leid. Sozialismus ist nicht per definitionem gut. Und noch was: Politisch betrachtet (und nicht ökonomisch) ist das Gegenteil von Sozialismus die Freiheit des Individuums.
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#9 zundermxeAnonym
  • 13.12.2020, 17:56h
  • Antwort auf #2 von Ralph
  • Lieber Ralph,
    finde es absolut erschreckend und auch sehr fahrlässig so mit dem Begriff links versus Militärdiktatur umzugehen.
    Als würde das eine das andere bedingen oder zur logischen Folge haben und beides ganz binär zwei Seiten der selben Medaille sein.
    Im Zusammenhang mit bestimmten autoritären Staaten immer zu allererst das links zu betonen halte ich für eine typische und lange anerzogene Attitüde und Konditionierung, die im Ursprung auf Nationalismus, Kapitalismus und nicht zuletzt auf Katholizismus zurück greift. Mit diesem Reflex hat Trump zuletzt in Florida gepunktet und hatte Hoover seine Menschenverfolgung begründet.
    Was war an der DDR tatsächlich so links oder ist in China in einem Maß links, dass dieser Staat zu allererst als linkes Regime bezeichnet werden könnte und dabei noch der Hauch von Objektivität übrig bliebe?
    Links pauschal als Gewalt, Demokratiefeindlichkeit und Diktatur zu suggerieren halte ich für gefährlich, abenteuerlich und äußerst tendenziös.
    Links ist ein so weit umfassender und kaum definierbarer Streubegriff, dass er überall und auch ganz aktuell gegen uns als politischer Kampfbegriff verwendet und missbraucht wird (links-grüner Gender-Gaga, linker Bruder, links-grün versifft, ...).
    Wir übernehmen damit Sprache und Formulierung der Nazis von gestern sowie vieler Populist*innen von heute.
    Schade!

    Zum Artikel:
    Wirklich historisch und sehr erfreulich diese Eheschließung.
    Bemerkenswert zu sehen, dass in dieser Zeit auch noch Lichter gesetzt werden.
    Wünsch den beiden viel Glück und Liebe.
    Möchte mich voll und ganz einem vorherigen Kommentar anschließen: wer kämpft, kann verlieren.
    Wer nicht kämpft, hat es schon.
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#10 Ralph
  • 13.12.2020, 18:19h
  • Antwort auf #9 von zundermxe
  • Mein Gott, was für ein Unsinn... Beitrag #1 sprach von vermeintlich freier Einstellung Lateinamerikas zur Homosexualität außer in Zeiten von Militärdiktaturen. Das ist ganz einfach falsch. Auch linke Regime, die keine Militärdiktaturen waren (bzw. sind) haben dort Schwule und Lesben unterdrückt und verfolgt. Das habe ich gerade gerückt. Nicht weniger, aber auch nicht mehr. Mir zu unterstellen, ich denke bei autoritären Regimen immer zuerst an die politisch linke Fraktion, ist schlicht Quatsch. Wer hier auf Queer.de meine Einlassungen zu Polen oder zum Dritten Reich gelesen hat, weiß das.
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