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Südamerika

Bolivien erkennt erstmals Lebenspartnerschaft von schwulem Paar an

Die beiden Männer hatten vor Gericht für die Anerkennung ihrer Rechte gekämpft, die die Regierung nun allen Paaren ermöglichen will.


Nach dem Standesamt ging es für das Paar zum Sekt bei einer Pressekonferenz

  • 12. Dezember 2020, 19:56h 12 2 Min.

Nach einem jahrelangen Rechtsstreit hat Bolivien erstmals die eingetragene Partnerschaft eines gleich­geschlechtlichen Paares anerkannt. Die Verbindung zwischen David Víctor Aruquipa Pérez und Guido Alvaro Montaño Durán wurde am Freitag standesamtlich registriert, teilte die Ombudsfrau Nadia Cruz mit.

Das schwule Paar war bis vor das Verfassungsgericht gezogen, um die Anerkennung der Lebenspartnerschaft zu erreichen. Es handle sich um einen Präzedenzfall, teilte Cruz mit. Dies werde es "auch anderen gleich­geschlechtlichen Paaren erlauben, ihre Rechte ohne Diskriminierung auszuüben".

Die bolivianischen Behörden hatten bislang argumentiert, das Landesrecht umfasse keine gleich­geschlechtlichen Partnerschaften. Die Behörden beriefen sich dabei auf Artikel 63 der Verfassung, wonach eine Ehe sich auf die Verbindung zwischen Frau und Mann bezieht. Bolivien kennt allerdings auch sogenannte "Free Unions" – die Lebenspartnerschaften sind Ehen größtenteils gleichgestellt.

Das Paar wandte sich daraufhin an das Verfassungsgericht. Die Richter beriefen sich bei ihrer Entscheidung auf eine Erklärung der Interamerikanischen Menschenrechtskommission (CIDH), wonach die Staaten verpflichtet sind, die familiären Verbindungen von Menschen des gleichen Geschlechts anzuerkennen und zu schützen. Auch der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte hatte 2018 die Anerkennung homo­sexueller Paare gefordert (queer.de berichtete).

"Dies ist ein historischer Meilenstein", freute sich Aruquipa Pérez, der seit elf Jahren mit Montaño Durán zusammen ist. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP im vergangenen August hatte er sich bereits kämpferisch gezeigt: "Liebe ist Liebe, und deshalb ist ganz klar: Wenn diese Liebe Widerstand erfährt, wenn diese Liebe verletzt wird, dann muss man für sie kämpfen, das gilt für jedes Paar, auch für Homosexuelle."


Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2017 sind 60 Prozent der Bolivianer für eine komplette Gleichstellung homo- und heterosexueller Paare und nur 17 Prozent gegen die Anerkennung. Die Verfassung verbietet derzeit die Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare, nicht jedoch durch einzelne Personen. Homosexualität ist seit 1832 legal. LGBTI sind seit einigen Jahren durch Antidiskriminierungs- und Hassverbrechengesetze geschützt, trans Personen können seit 2016 nach Vorlage eines Gutachtens eine Anerkennung in ihrem Geschlecht erlangen. (afp/cw)

-w-

#1 GayofcultureAnonym
  • 13.12.2020, 04:00h
  • Das ist einer der Gründe, warum ich Lateinamerika und Südeuropa so mag, weil die schon seit Jahrhunderten ein offenes und entspanntes Verhältnis zur Homosexualität haben- außer in den Zeiten der Militärdiktaturen, die es auch in Bolivien gab.

    Glückwunsch dem Paar, auf das der Spruch Brechts anzuwenden ist:Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.

    Schade, dass die Regierung von Evo das nicht ermöglicht hat, es zeigt aber, Bolivien ist mittlerweile eine funktionierende Demokratie! Es kann eigentlich nur besser werden..,
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#2 Taemin
  • 13.12.2020, 10:43h
  • Antwort auf #1 von Gayofculture
  • Das ist keine Frage nur der historischen Militärdiktaturen. In der Gegenwart sind es die linken Regime, die Schwulen und Lesben die Anerkennung und rechtliche Gleichstellung verweigern: Chavez/Maduro in Venezuela, Morales in Bolivien, Ortega in Nikaragua. Demgegenüber haben nicht mal die derzeit in Brasilien regierenden Faschisten (bei aller Stimmungsmache gegen LSBTI) die Eheöffnung zurückgenommen.
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#3 Korinthen KKAnonym