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Staatlich geförderte Homophobie

ILGA World: 69 Länder verbieten Homosexualität

In seinem Bericht "State Sponsored Homophobia" zeigt der LGBTI-Verband ILGA auf, welche Länder besonders queerfeindlich sind – und in welchen es sich als Mitglied einer sexuellen oder geschlechtlichen Minderheit gut leben lässt.


Die ausführlich Karte ist auch als PDF-Datei erhältlich (Bild: ILGA World)

Die in Genf ansässige International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA World) hat am Dienstag einen aktualisierten Bericht über staatlich geförderte Homophobie veröffentlicht. Aus der auf Englisch und Spanisch herausgegebenen Übersicht über die Lage von LGBTI in allen Ländern der Erde geht hervor, dass 69 Staaten nach wie vor einvernehmliche gleichgeschlechtliche Aktivitäten per Gesetz verbieten. Sechs Länder (Brunei, Iran, Jemen, Mauretanien, Nigeria und Saudi-Arabien) sehen dafür sogar die Todesstrafe vor, in fünf weiteren (Afghanistan, Pakistan, Katar, Somalia und die Vereinigten Arabischen Emirate) könnte die Todesstrafe unter bestimmten Bedingungen gegen Homosexuelle ausgesprochen werden.

Die Zahl der Verfolgerstaaten ist im Vergleich zum Vorjahr um eines gesunken, da Gabun sein relativ neues Homo-Verbot wieder abgeschafft hat (queer.de berichtete). Zudem könnte die Zahl in Kürze auf 68 sinken, da beide Parlamentskammern in Bhutan der Aufhebung des Verbots zugestimmt haben (queer.de berichtete).

ILGA World erklärte, dass mindestens 34 UN-Mitgliedsstaaten diese Gesetze in den letzten Jahren aktiv verfolgt hätten. Aber derartige Gesetze seien selbst in jenen Staaten, in der in letzter Zeit keine Verurteilungen bekannt geworden seien, gefährlich für Homosexuelle: "Wo auch immer so ein Gesetz existiert, können Menschen nur wegen des Verdachts, Sex mit einer Person des gleichen Geschlechts zu haben, jederzeit angeschwärzt oder verhaftet werden", erklärte Lucas Ramón Mendos, der Chefautor des Berichts.

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Elf Länder schützen LGBTI in ihrer Verfassung

Auf der anderen Seite stehen Länder, die sexuelle und geschlechtliche Minderheiten ausdrücklich schützen. Elf Länder sehen laut dem Bericht den Schutz von LGBTI sogar in ihrer Verfassung vor, darunter drei EU-Länder (Malta, Portugal und Schweden). In Deutschland muss weiter auf einen derartigen Schutz gewartet werden: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat erst diese Woche erklärt, dass die Bundesregierung nicht plane, den Gleichbehandlungsartikel 3 zu ergänzen (queer.de berichtete).

57 weitere Länder böten laut ILGA immerhin einen weitreichenden Schutz – dazu zählen auch Deutschland und Österreich. In weiteren 24 Staaten gibt es diesen Schutz nur im Arbeitsrecht, etwa in der Schweiz oder den Vereinigten Staaten. Zusätzlich hätten elf Länder einen "begrenzten Schutz".

Der Bericht nennt zahlreiche regionale Verschlechterungen der Lage von LGBTI – etwa die Einführung "LGBT-freier Zonen" in Polen (queer.de berichtete). In vielen queerfeindlichen Ländern habe die Corona-Pandemie die Lage noch verschlimmert. Gleichzeitig gebe es positive Entwicklungen wie die Abschaffung der Todesstrafe für Homosexualität im Sudan (queer.de berichtete). Deutschland wird für sein Gesetz gegen "Homo-Heilung" gelobt.

ILGA World war 1978 in England gegründet worden. Dem Dachverband gehören mehr als 1.300 LGBTI-Organisationen aus aller Welt an, allein aus Deutschland sind es rund 50. Seit 2011 wird die ILGA von den Vereinten Nationen offiziell anerkannt (queer.de berichtete). (dk)



#1 seb1983
  • 17.12.2020, 13:34h
  • Soviel zum Thema Deutschland fällt immer weiter zurück wenn man mal über den europäischen Tellerrand blickt.
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#2 Daniel123Anonym
  • 17.12.2020, 13:46h
  • Als Jurist muss man widersprechen.Die sexuelle Identität wird geschützt in der Verfassung.Das BVERFG hat mehrfach betont,dass der gleiche Maßstab für eine verfassungsrechtliche Rechtfertigung von Ungleichbehandlungen wie bei allen anderen,explizit in Art. 3 Abs. 3 GG genannten Merkmalen,gilt.
    Davon zu trennen ist die Frage,ob es nicht trotzdem ein starkes Zeichen wäre die sexuelle Identität in Art. 3 Abs. 3 GG aufzunehmen.
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#3 AthreusProfil
  • 17.12.2020, 13:59hSÜW
  • Antwort auf #2 von Daniel123
  • Wenn man schon einen Juristen im Kommentarbereich hat:

    Wie sieht die juristische Einordnung von Merkels Aussage aus, dass Artikel 1 im Grunde Artikel 3 obsolet macht? Braucht es juristisch gesehen, einen solchen Artikel, wenn die Würde des Menschen unantastbar ist?
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#4 michael hnkAnonym
  • 17.12.2020, 15:13h
  • Analysen, die sich nur auf einen einzigen Parameter (hier: die förmliche Gesetzeslage) beziehen und die Diskriminierungslage nicht komplex betrachten, sind mit Vorsicht zu genießen. Das ist auch hier der Fall. In den lateinamerikanischen Gesellschaften sind Vorurteile gegenüber Homosexualität wesentlich tiefer verankert als in Nordamerika und Westeuropa, sodass die Gesamtsituation für Homosexuelle in Mexiko und Bolivien ganz bestimmt nicht besser ist als in Kanada oder in Deutschland, beispielsweise. Italien und die Schweiz in der gleichen "Anti-Diskriminierungsliga" zu sehen wie etwa Polen und die Ukraine, geht ebenso komplett an der Realität vorbei, wie auch der angebliche Befund, dass es Lesben und Schwule in Nepal und der Mongolei einfacher hätten als in Japan und Südkorea. So manch andere, orange oder gar nur beige gefärbte Staaten müssten hingegen auch dunkelrot aufleuchten. In Nigeria, beispielsweise, mag ja formal keine Diskriminierung von Homosexuellen in der Verfassung drinstehen, faktisch aber gilt in weiten Teilen des Landes die Scharia und damit für praktizierte Homosexualität die Todesstrafe. Die Diskriminierungslage nur anhand eines einzigen, zudem nur begrenzt aussagefähigen Parameters zu beurteilen, ist falsch und kann zu verzerrten Rückschlüssen führen. Die Darstellung hier ist geradezu ein Musterbeispiel dafür, leider.
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#5 nervAnonym
#6 michael hnkAnonym
  • 17.12.2020, 15:58h
  • Antwort auf #5 von nerv
  • Stimmt, bezüglich Nigeria hab ich mich vertan, die Lage dort ist tatsächlich differenziert dargestellt. Ich meinte das Nachbarland Niger, welches in der Karte lediglich beige eingefärbt ist, die Verhältnisse dort sich aber kaum unterscheiden vom angrenzenden Nigeria. Sorry, mein Fehler, nobody's perfect. ;-)

    Aber auch viele andere Staaten in Afrika dürften nicht bloß orange oder beige gefärbt sein. Nur die formale Gesetzeslage zu betrachten, ist viel zu wenig, um die tatsächliche Diskriminierungssituation zu beurteilen.
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#7 Ralph
  • 17.12.2020, 16:35h
  • Antwort auf #2 von Daniel123
  • In diesen Entscheidungen ging es ausschließlich um bestimmte Lebenssachverhalte. Sind die gleich, müssen die Betroffenen auch gleich behandelt werden. Das bedeutet nicht, das Schwule und Lesben nicht benachteiligt werden dürften, wenn gerade nicht ein bestimmter Lebenssachverhalt maßgeblich ist, sondern die sexuelle Orientierung selbst.
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#8 Danke ILGAAnonym
  • 17.12.2020, 18:09h
  • Ich danke der ILGA, dass sie immer wieder mit viel Akribie solche aktuellen Karten und Tabellen veröffentlicht.

    Während viele Politiker ja gerne bei sowas wegschauen oder "diplomatische Spannungen" fürchten und dafür sogar bei schwersten Menschenrechtsverstößen schweigen, setzen sich Organisationen wie die ILGA immer wieder und unermüdlich ein. Und scheuen auch keine Konflikte bei ihrer Arbeit.

    Als ich aus der Kirche ausgetreten bin, habe ich gleich einen Dauerauftrag eingerichtet, der das, was ich vorher an Kirchensteuern bezahlen musste, an die ILGAeurope und die HRC überweist.
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#9 PeerAnonym
  • 17.12.2020, 18:57h
  • Ich kann nicht verstehen, wie manche Leute (sogar auch LGBTI) in solchen Barbarenstaaten auch noch Urlaub machen können.

    Es gibt so viele tolle Staaten unterschiedlichster Klimazonen, unterschiedlichster Natur, unterschiedlichster Architektur und unterschiedlichster Kultur, die homofreundlich sind. Da muss man echt nicht in solchen Staaten Urlaub machen, wo das nicht der Fall ist.

    Solche Staaten sollten boykottiert werden. Nicht nur im Tourismusbereich, sondern aus solchen Staaten sollte man auch keine Produkte mehr kaufen, um das nicht weiter zu unterstützen.
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#10 lindener1966Profil
  • 17.12.2020, 19:04hHannover
  • Antwort auf #3 von Athreus
  • Die Frage stelle ich mir auch. Artikel 1 GG ist natürlich ein sehr wichtiger Artikel, um den uns viele Länder beneiden, aber in der Vergangenheit bot dieser Artikel für uns keinen Schutz, weil wir einfach als Verbrecher eingestuft wurden und damit auch keine vollen Bürgerrechte mehr genossen.
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