Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?37775

Kritik an Laschet-Regierung

SPDqueer empört über Einstufung von schwulen Saunen als Puffs

Für die NRW-Landesregierung sind schwule Saunen grundsätzlich ähnlich wie Swinger-Clubs. Für die SPDqueer sind sie hingegen "Safe Spaces" für queere Menschen.


Für die NRW-Landesregierung sind schwule Saunen weiterhin nicht mit gewöhnlichen Saunen vergleichbar (Bild: Eric Wahlforss / flickr)

  • 17. Dezember 2020, 14:55h 33 4 Min.

Der nordrhein-westfälische Landesverband der "Arbeitsgemeinschaft der SPD für Akzeptanz und Gleichstellung" (NRWSPDqueer) hat am Donnerstag erneut die schwarz-gelbe Landesregierung attackiert, weil diese schwule Saunen weiter ähnlich wie Prostitutionsbetriebe und nicht wie Schwimmbäder, Saunen und Thermen einstuft. Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte zuvor nach zwei schriftlichen Anfragen des Essener SPD-Abgeordneten Frank Müller diese Einstufung im Rahmen der Corona-Schutzverordnungen verteidigt. Die Frage könnte bei möglichen Lockerungen ab Januar wieder relevant werden.

"In der Krise zeigt sich nicht nur der Charakter, sondern oft auch die Gesinnung", erklärte Frank Spies, der Landeschef der NRWSPDqueer. Neben dem "chaotischen Zickzack-Kurs in der Corona-Politik" der Regierung von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) werde jetzt deutlich, "welche wirklichkeitsfremden und diskriminierenden Vorstellungen in den Köpfen der schwarz-gelben Landesregierung verankert zu sein scheinen".

"Auch wenn es ihren Vorstellungen widerspricht: schwule Saunen sind keine Bordelle"

Spies forderte die Landesregierung und Minister Laumann zum Umdenken auf. "Auch wenn es ihren Vorstellungen widerspricht: schwule Saunen sind keine Bordelle! Als Safe Spaces sind sie Orte, an denen sich LSBTIQ*-Personen sicher vor Gewalt und Diskriminierung bewegen und frei entfalten können", so der SPDqueer-Landesvorsitzende.

Zu derartigen sicheren Orten gehörten nicht nur Versammlungs- und Beratungsräume in queeren Vereinen, sondern auch Clubs, Bars, Kinos und eben Saunen. "Schwule Saunen sind Teil queerer Community-Strukturen. Hier finden unabhängig von sexuellen Handlungen soziale Begegnungen aber auch Aufklärungsarbeit, etwa durch die Aids-Hilfen, statt." Diese Strukturen seien kein Selbstzweck, sondern ein solidarisches Netzwerk, das über Jahrzehnte gewachsen sei und queeren Menschen Schutz und Unterstützung gewährten. "Statt schwule Saunen durch schwammige Gleichsetzungen zu stigmatisieren, sollte die Landesregierung sie in ihrer Bedeutung als Community-Struktur unterstützen und für Rechtssicherheit sorgen!", forderte Spies.

Landesregierung stuft schwule Saunen weiterhin als Prostitutionsstätten und Bordellen ähnlich ein ? NRWSPDqueer fordert...

Posted by NRWSPDqueer on Thursday, December 17, 2020
Facebook / NRWSPDqueer
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Konkret hatte Laumann bereits im Oktober nach einer Anfrage von Frank Müller in einem Schreiben zur damaligen Coronaschutzverordnung erklärt, dass Saunen zwar grundsätzlich öffnen dürften. "Bei den Männersaunen stellt sich allerdings die Frage, ob diese vom Sinn und Zweck von dem Begriff 'Sauna' im Sinne der [Coronaschutzverordnung] umfasst sind oder nicht vielmehr ein Betrieb vorliegt, der eher vergleichbar ist mit den Swinger-Clubs, die nach der geltenden Verordnung weiterhin untersagt sind", so Laumann damals. Daher müssten auch schwule Saunen schließen. In der Verordnung heißt es: "Der Betrieb von Bordellen, Prostitutionsstätten und ähnlichen Einrichtungen ist untersagt". Dies gelte "auch für die Erbringung sexueller Dienstleistungen außerhalb von Einrichtungen sowie für Swingerclubs und ähnliche Einrichtungen."

Mit der zweiten Corona-Welle hat die Regierung schon zum "Lockdown Light" im November alle Saunen schließen lassen. Der SPD-Politiker Müller wollte daraufhin in einer schriftlichen Anfrage an Minister Laumann erfahren, ob schwule Saunen immer noch als prostitutionsähnliche Betriebe gelten würden. In einer am Dienstag bei Müller eingegangenen Antwort, die queer.de vorliegt, erklärte der Minister, dass er "Männersaunen weiterhin nicht als eine mit gewöhnlichen Saunen vergleichbare Einrichtung [betrachtet], sondern als eine den Prostitutionsstätten ähnliche Einrichtung".


Karl-Josef Laumann ist seit 2017 Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (Bild: Holger Groß / wikipedia)

Als Begründung für diese Einstufung erklärte Laumann: "Die Kunden einer Männersauna begeben sich nicht nur zum Saunieren dorthin, sondern auch zur Pflege sexueller Kontakte. Da sie hierfür einen Eintrittspreis entrichten, liegt im weiteren Sinne eine entgeltliche Komponente vor." Daher halte er eine Gleichbehandlung mit Prostitutionsstätten für gerechtfertigt.

Laumann profilierte sich als Gegner von LGBTI-Rechten

Minister Laumann hatte sich in der Vergangenheit als erbitterter Gegner von LGBTI-Rechte hervorgetan. So lehnte er vor wenigen Jahren die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht mit der Begründung ab, dass damit heterosexuelle Familien geschädigt werden würden: "Ohne viele gesunde Familien gibt es letzten Endes keine gute Gesellschaft", sagte er 2012 (queer.de berichtete). Selbst die sonst mit ihren Parteifreund*innen sehr nachsichtigen Lesben und Schwulen in der Union (LSU) kritisierten Laumanns Haltung damals als "unchristlich" (queer.de berichtete).

Über die Einstufung von schwulen Saunen gibt es immer wieder Streitereien. So berechnen manche Kommunen Betreibern dieser Einrichtungen etwa eine "Sexsteuer" (queer.de berichtete). In Dortmund wird diese etwa als Steuer "zur Einräumung der Gelegenheit zu sexuellen Vergnügen und das Angebot sexueller Handlungen" bezeichnet. (dk)

20.11.25 | Kommentar
SPD ohne König
18.11.25 | "Ich gehe ohne Groll, aber mit Klarheit"
Berlin: SPDqueer-Chef Mehmed König tritt aus Partei aus
02.07.25 | Kritik an abfälliger Kanzleräußerung
"Die Regenbogen­flagge ist kein Symbol für einen Zirkus"
28.05.25 | "Ich bin selbst Teil der Community"
Sophie Koch ist neue Queer­beauftragte der Bundes­regierung
-w-

#1 TimonAnonym
  • 17.12.2020, 16:01h
  • Das wäre nur dann glaubwürdig, wenn die SPD nicht an anderer Stelle genau das mittragen würde.

    Aber so kennen wir die SPD:
    In der Opposition den Leuten weismachen, man stünde auf unserer Seite, aber in Regierungsverantwortung das genaue Gegenteil tun.

    Wer auf die SPD noch reinfällt, ist selber Schuld.
  • Direktlink »
#2 PhoenixAnonym
  • 17.12.2020, 16:44h
  • Also Leute, jetzt bleibt mal locker. Dass sich der Betrieb einer Gaysauna nicht mit der Corona-Verordnung verträgt ist wohl offensichtlich.
    Den Vergleich mit einem swinger club finde ich treffend. Warum drum herum reden?
  • Direktlink »
#3 LegatAnonym
  • 17.12.2020, 16:48h
  • "Männersaunen weiterhin nicht als eine mit gewöhnlichen Saunen vergleichbare Einrichtung [betrachtet], sondern als eine den Prostitutionsstätten ähnliche Einrichtung".

    Wenigstens ist Herr Laumann ehrlich in seinem unbedingten Willen, eine ihm verhasste menschliche Verhaltensweise zu diskriminieren, sprich das offene und freie Ausleben von Sexualität, sei es nun unentgeltlich oder entgeltlich.

    "Die Kunden einer Männersauna begeben sich nicht nur zum Saunieren dorthin, sondern auch zur Pflege sexueller Kontakte. Da sie hierfür einen Eintrittspreis entrichten, liegt im weiteren Sinne eine entgeltliche Komponente vor."

    Allein schon die Formulierung "im weiteren Sinne" ist entlarvend. Hier wird nach jedem Strohhalm gegriffen, um möglichst weitreichend diskriminieren zu können.

    Umgekehrt wird ein Schuh draus. Mit der selben Argumentation könnte man behaupten, dass aus einer "normalen" Sauna sofort ein Bordell würde, wenn dort jemand "sexuelle Kontakte pflegt", denn immerhin hat derjenige ja einen Eintrittspreis entrichtet. Wenn ich mich in einer "normalen" Sauna bewege muss ich mich regelrecht anstrengen, um von der "sexuellen Kontaktpflege" meiner Mitmenschen nichts mitzubekommen. Aber ich nehme mal an, der Besuch von Saunen, noch dazu splitternackt, entzieht sich einem Herrn Laumann aus für einem erwachsenen Mann unwürdigen Schamgründen.

    Dahinter steckt natürlich eine christlich motivierte Sexfeindlichkeit und Sex gehört für unsere christlichen Konvervativen nun mal zu den Verhaltenweisen, die staatlich gemaßregelt gehören. Politiker wie Laumann würden lieber heute als morgen zurück in die muffigen 50er Jahre und nach Gutdünken in typischer Herrenmenschenmanier absolut harmlose menschliche Verhaltensweisen rekriminialisieren.
  • Direktlink »