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Kritik an Laschet-Regierung

SPDqueer empört über Einstufung von schwulen Saunen als Puffs

Für die NRW-Landesregierung sind schwule Saunen grundsätzlich ähnlich wie Swinger-Clubs. Für die SPDqueer sind sie hingegen "Safe Spaces" für queere Menschen.


Für die NRW-Landesregierung sind schwule Saunen weiterhin nicht mit gewöhnlichen Saunen vergleichbar (Bild: Eric Wahlforss / flickr)

Der nordrhein-westfälische Landesverband der "Arbeitsgemeinschaft der SPD für Akzeptanz und Gleichstellung" (NRWSPDqueer) hat am Donnerstag erneut die schwarz-gelbe Landesregierung attackiert, weil diese schwule Saunen weiter ähnlich wie Prostitutionsbetriebe und nicht wie Schwimmbäder, Saunen und Thermen einstuft. Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatte zuvor nach zwei schriftlichen Anfragen des Essener SPD-Abgeordneten Frank Müller diese Einstufung im Rahmen der Corona-Schutzverordnungen verteidigt. Die Frage könnte bei möglichen Lockerungen ab Januar wieder relevant werden.

"In der Krise zeigt sich nicht nur der Charakter, sondern oft auch die Gesinnung", erklärte Frank Spies, der Landeschef der NRWSPDqueer. Neben dem "chaotischen Zickzack-Kurs in der Corona-Politik" der Regierung von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) werde jetzt deutlich, "welche wirklichkeitsfremden und diskriminierenden Vorstellungen in den Köpfen der schwarz-gelben Landesregierung verankert zu sein scheinen".

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"Auch wenn es ihren Vorstellungen widerspricht: schwule Saunen sind keine Bordelle"

Spies forderte die Landesregierung und Minister Laumann zum Umdenken auf. "Auch wenn es ihren Vorstellungen widerspricht: schwule Saunen sind keine Bordelle! Als Safe Spaces sind sie Orte, an denen sich LSBTIQ*-Personen sicher vor Gewalt und Diskriminierung bewegen und frei entfalten können", so der SPDqueer-Landesvorsitzende.

Zu derartigen sicheren Orten gehörten nicht nur Versammlungs- und Beratungsräume in queeren Vereinen, sondern auch Clubs, Bars, Kinos und eben Saunen. "Schwule Saunen sind Teil queerer Community-Strukturen. Hier finden unabhängig von sexuellen Handlungen soziale Begegnungen aber auch Aufklärungsarbeit, etwa durch die Aids-Hilfen, statt." Diese Strukturen seien kein Selbstzweck, sondern ein solidarisches Netzwerk, das über Jahrzehnte gewachsen sei und queeren Menschen Schutz und Unterstützung gewährten. "Statt schwule Saunen durch schwammige Gleichsetzungen zu stigmatisieren, sollte die Landesregierung sie in ihrer Bedeutung als Community-Struktur unterstützen und für Rechtssicherheit sorgen!", forderte Spies.

Landesregierung stuft schwule Saunen weiterhin als Prostitutionsstätten und Bordellen ähnlich ein ? NRWSPDqueer fordert...

Posted by NRWSPDqueer on Thursday, December 17, 2020
Facebook / NRWSPDqueer

Konkret hatte Laumann bereits im Oktober nach einer Anfrage von Frank Müller in einem Schreiben zur damaligen Coronaschutzverordnung erklärt, dass Saunen zwar grundsätzlich öffnen dürften. "Bei den Männersaunen stellt sich allerdings die Frage, ob diese vom Sinn und Zweck von dem Begriff 'Sauna' im Sinne der [Coronaschutzverordnung] umfasst sind oder nicht vielmehr ein Betrieb vorliegt, der eher vergleichbar ist mit den Swinger-Clubs, die nach der geltenden Verordnung weiterhin untersagt sind", so Laumann damals. Daher müssten auch schwule Saunen schließen. In der Verordnung heißt es: "Der Betrieb von Bordellen, Prostitutionsstätten und ähnlichen Einrichtungen ist untersagt". Dies gelte "auch für die Erbringung sexueller Dienstleistungen außerhalb von Einrichtungen sowie für Swingerclubs und ähnliche Einrichtungen."

Mit der zweiten Corona-Welle hat die Regierung schon zum "Lockdown Light" im November alle Saunen schließen lassen. Der SPD-Politiker Müller wollte daraufhin in einer schriftlichen Anfrage an Minister Laumann erfahren, ob schwule Saunen immer noch als prostitutionsähnliche Betriebe gelten würden. In einer am Dienstag bei Müller eingegangenen Antwort, die queer.de vorliegt, erklärte der Minister, dass er "Männersaunen weiterhin nicht als eine mit gewöhnlichen Saunen vergleichbare Einrichtung [betrachtet], sondern als eine den Prostitutionsstätten ähnliche Einrichtung".


Karl-Josef Laumann ist seit 2017 Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (Bild: Holger Groß / wikipedia)

Als Begründung für diese Einstufung erklärte Laumann: "Die Kunden einer Männersauna begeben sich nicht nur zum Saunieren dorthin, sondern auch zur Pflege sexueller Kontakte. Da sie hierfür einen Eintrittspreis entrichten, liegt im weiteren Sinne eine entgeltliche Komponente vor." Daher halte er eine Gleichbehandlung mit Prostitutionsstätten für gerechtfertigt.

Laumann profilierte sich als Gegner von LGBTI-Rechten

Minister Laumann hatte sich in der Vergangenheit als erbitterter Gegner von LGBTI-Rechte hervorgetan. So lehnte er vor wenigen Jahren die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Ehe-Recht mit der Begründung ab, dass damit heterosexuelle Familien geschädigt werden würden: "Ohne viele gesunde Familien gibt es letzten Endes keine gute Gesellschaft", sagte er 2012 (queer.de berichtete). Selbst die sonst mit ihren Parteifreund*innen sehr nachsichtigen Lesben und Schwulen in der Union (LSU) kritisierten Laumanns Haltung damals als "unchristlich" (queer.de berichtete).

Über die Einstufung von schwulen Saunen gibt es immer wieder Streitereien. So berechnen manche Kommunen Betreibern dieser Einrichtungen etwa eine "Sexsteuer" (queer.de berichtete). In Dortmund wird diese etwa als Steuer "zur Einräumung der Gelegenheit zu sexuellen Vergnügen und das Angebot sexueller Handlungen" bezeichnet. (dk)



#1 TimonAnonym
  • 17.12.2020, 16:01h
  • Das wäre nur dann glaubwürdig, wenn die SPD nicht an anderer Stelle genau das mittragen würde.

    Aber so kennen wir die SPD:
    In der Opposition den Leuten weismachen, man stünde auf unserer Seite, aber in Regierungsverantwortung das genaue Gegenteil tun.

    Wer auf die SPD noch reinfällt, ist selber Schuld.
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#2 PhoenixAnonym
  • 17.12.2020, 16:44h
  • Also Leute, jetzt bleibt mal locker. Dass sich der Betrieb einer Gaysauna nicht mit der Corona-Verordnung verträgt ist wohl offensichtlich.
    Den Vergleich mit einem swinger club finde ich treffend. Warum drum herum reden?
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#3 LegatAnonym
  • 17.12.2020, 16:48h
  • "Männersaunen weiterhin nicht als eine mit gewöhnlichen Saunen vergleichbare Einrichtung [betrachtet], sondern als eine den Prostitutionsstätten ähnliche Einrichtung".

    Wenigstens ist Herr Laumann ehrlich in seinem unbedingten Willen, eine ihm verhasste menschliche Verhaltensweise zu diskriminieren, sprich das offene und freie Ausleben von Sexualität, sei es nun unentgeltlich oder entgeltlich.

    "Die Kunden einer Männersauna begeben sich nicht nur zum Saunieren dorthin, sondern auch zur Pflege sexueller Kontakte. Da sie hierfür einen Eintrittspreis entrichten, liegt im weiteren Sinne eine entgeltliche Komponente vor."

    Allein schon die Formulierung "im weiteren Sinne" ist entlarvend. Hier wird nach jedem Strohhalm gegriffen, um möglichst weitreichend diskriminieren zu können.

    Umgekehrt wird ein Schuh draus. Mit der selben Argumentation könnte man behaupten, dass aus einer "normalen" Sauna sofort ein Bordell würde, wenn dort jemand "sexuelle Kontakte pflegt", denn immerhin hat derjenige ja einen Eintrittspreis entrichtet. Wenn ich mich in einer "normalen" Sauna bewege muss ich mich regelrecht anstrengen, um von der "sexuellen Kontaktpflege" meiner Mitmenschen nichts mitzubekommen. Aber ich nehme mal an, der Besuch von Saunen, noch dazu splitternackt, entzieht sich einem Herrn Laumann aus für einem erwachsenen Mann unwürdigen Schamgründen.

    Dahinter steckt natürlich eine christlich motivierte Sexfeindlichkeit und Sex gehört für unsere christlichen Konvervativen nun mal zu den Verhaltenweisen, die staatlich gemaßregelt gehören. Politiker wie Laumann würden lieber heute als morgen zurück in die muffigen 50er Jahre und nach Gutdünken in typischer Herrenmenschenmanier absolut harmlose menschliche Verhaltensweisen rekriminialisieren.
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#4 steffdaAnonym
  • 17.12.2020, 17:01h
  • "Dass sich der Betrieb einer Gaysauna nicht mit der Corona-Verordnung verträgt ist wohl offensichtlich. "
    Corona-Viren sind nur bis etwas 60°C hitzebeständig. Insofern verträgt sich das sehr gut.
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#5 AthreusProfil
  • 17.12.2020, 17:18hSÜW
  • Auf jeden Fall schließt sich der Kreis, da Laumann von Laschet berufen wurde, letzterer einen Merz und seine Pädophilenerzählungen medienwirksam verteidigte und zur Kandidatur um den Parteivorsitz möglichst viele Stimmen auch aus der LSU braucht, die ihm das allzu gern bereite Feigenblatt Jens Spahn besorgen soll. Wer um die früheren Aussagen eines Laschet weis, kann kaum von der Gedankenwelt seines Kabinetts überrascht werden. Der Herr Ministerpräsident umgibt sich logischerweise mit seinesgleichen.
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#6 qwertzuiopüAnonym
  • 17.12.2020, 17:59h
  • Dass Schwarz-Gelb Gaysaunen eher zu Orten sexueller Kontaktpflege zählt als zu normalen Saunen zeigt einfach nur, dass sie mehr Ahnung davon haben als die SPD. Come on, Leute, niemand der mal sowas besucht hat, kann ersthaft behaupten, das seien einfache Saunen.

    Wer sich hier seine Lieblingssauna nicht zusammen mit Bordellen genannt sehen will, sollte daher eher mal seine Vorbehalte gegenüber Sexarbeiter*innen überdenken ;)
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#7 LarsAnonym
  • 17.12.2020, 18:06h
  • Das Virus sieht die Welt mit anderen Augen: Es ist ihm völlig egal, ob es sich in einer Gay-Sauna, einem Pfingstgottesdienst mit Gesang oder sonstwo verbreitet. Es ist ihm auch egal, wie sich die Menschen dabei fühlen. Entscheidend ist für das Virus, wie nah sich die Menschen bei einer Veranstaltung kommen können und welche Übertragungswege ihm geboten werden.
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#8 Ralph
  • 17.12.2020, 18:16h
  • Vielleicht bin ich ja naiv oder habe nicht genug Ahnung. Aber meiner Meinung nach neigt jeder Saunabetrieb, egal welcher Art, zur Brutstätte dieser Scheißkrankheit. Heiß und feucht und viele Menschen.
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#9 PeerAnonym
  • 17.12.2020, 18:46h
  • "SPDqueer empört"

    Und wo ist die Empörung von SPDqueer über die Machenschaften ihrer eigenen Partei?

    Z.B. darüber,

    - dass jetzt Art. 3 GG geändert werden soll, die Merkmale "sexuelle Identität" und "geschlechtliche Identität" aber weiterhin außen vor bleiben sollen

    - dass die SPD damals mit der Union im Kabinett Merkel 1 beim AGG explizit Kirchen und Religionsgemeinschaften ausgenommen hat und ihnen explizit das Diskriminieren erlaubt hat

    - dass nur ein Teil der Opfer lebensgefährlicher "Homoheiler-Therapien" geschützt wird. Wodurch gleichzeitig der Druck auf die angeblich geschützten Opfer noch größer wird.

    - dass es nach wie vor Zwangs-OPs an Intersexuellen gibt

    - dass es nach wie vor den teuren und überflüssigen Gutachterzwang im Transsexuellengesetz gibt

    etc. etc. etc.

    Wo ist die Empörung von SPDqueer bei all diesen Dingen, die ihre eigene Partei verbrockt hat?

    Das ist ja wohl alles schlimmer und langfristiger als eine temporäre Schließung einer Gay-Sauna um eine Pandemie einzudämmen. (So wie andere ja auch schließen müssen.)

    Aber die Parteidisziplin steht bei SPDqueer über Grundrechten.

    Was für ein verlogener, scheinheiliger Verein...
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#10 SamberlinAnonym
  • 17.12.2020, 18:50h
  • Antwort auf #4 von steffda
  • Die finnische Sauna, in der Temperaturen über 60 Grad erreicht werden (auch nicht immer) , machen aber nur einen sehr kleinen Teil der Sauna aus. In den anderen Bereichen einer üblichen Gay Sauna herrschen hingegen ideale Bedingungen für den Virus, es ist warm, die Luftfeuchtigkeit ist hoch, und man kommt sich meistens ziemlich nach und das dann heftig atmend. Besser geht´s nicht für´s Corona Virus.
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