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Gleiche Rechte

Ehe für alle jetzt auch in der Schweiz

Am Freitagvormittag stimmten der Stände- und der Nationalrat in endgültigen Abstimmungen mit großer Mehrheit für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.


Regenbogen über der Schweiz (Bild: Oyvind Solstad / flickr)

Ein Tag zum Jubeln für Lesben und Schwule in der Schweiz: In der sogenannten Schlussabstimmung votierten am Freitagvormittag beide Kammern des Parlaments mit großer Mehrheit für die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. Im Ständerat, der Kantonalkammer, gab es 24 Ja-Stimmen, 11 Nein-Stimmen und 7 Enthaltungen. Im Nationalrat, dem schweizerischen Unterhaus, votierten 136 Abgeordnete für die Ehe für alle, 48 dagegen, 9 enthielten sich.

Die Schweiz ist das 29. Land der Welt, das die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare vollzieht. Die Diskussion dauerte sieben Jahre. Der Gesetzentwurf zur rechtlichen Gleichstellung von lesbisch-schwulen Paaren war 2013 von der Grünliberalen Partei eingebracht worden.

Eine kleine Diskriminierung bleibt

Mit dem Gesetz erhalten gleichgeschlechtliche Paare praktisch gleiche Rechte wie heterosexuelle. Lediglich bei der Samenspende enttäuschte der gefundene Kompromiss zwischen beiden Kammern LGBTI-Aktivst*innen. Denn nach dem vorliegenden Entwurf werden die beiden Ehefrauen bei privat durchgeführten oder ausländischen Samenspenden nicht automatisch als Co-Mütter anerkannt.

Noch können Homo-Gegner*innen allerdings mit einem Volksentscheid die Gleichstellung stoppen. Politiker*innen der rechtspopulistischen SVP sowie einige Konservative hatten in der Vergangenheit einen entsprechenden Schritt angekündigt. Dafür müssen innerhalb von 100 Tagen lediglich 50.000 Unterschriften gesammelt werden. LGBTI-Aktivist*innen sehen einer derartigen Volksinitiative, die vor Inkrafttreten des Gesetzes durchgeführt würde, aber gelassen entgegen. Laut einer letzten Monat veröffentlichten Umfrage sind 82 Prozent der Schweizer*innen für die Öffnung der Ehe (queer.de berichtete).

Die Schweiz hat mit Deutschland, Frankreich und Österreich drei Nachbarländer, die gleichgeschlechtliche Paare bereits in den letzten Jahren gleichgestellt haben. Die zwei anderen Nachbarländer, Italien und Liechtenstein, halten dagegen nach wie vor am Ehe-Verbot fest.

"Geschichtsträchtiger Tag für die LGBT-Community"

"Heute ist ein geschichtsträchtiger Tag für die LGBT-Community und ihre Freund*innen!", freute sich Salome Zimmermann, Präsidentin des Nationalen Komitees Ehe für alle. "Das Schweizer Parlament hat heute bestätigt, dass Regenbogenfamilien und gleichgeschlechtliche Paare die gleichen Rechte verdienen wie heterosexuelle Familien. Obwohl dies für viele in der Schweiz bereits eine Selbstverständlichkeit ist, ist der heutige Sieg ein unglaublicher Fortschritt für unser Land und alle, die davon direkt oder indirekt betroffen sind."

Jan Müller vom Nationalen Komitee pflichtete bei: "Die heutige Entscheidung bedeutet auch, dass die junge Generation in einer Schweiz aufwachsen wird, in der es eine Selbstverständlichkeit ist, dass gleichgeschlechtlich liebende Menschen heiraten und eine Familie gründen können. Dies stärkt jede und jeden von uns und trägt zur Akzeptanz der LGBT-Menschen bei. Es ist ganz klar der Beginn einer neuen Ära." (cw)



#1 GinkgolinoAnonym
  • 18.12.2020, 10:33h
  • "...dass Regenbogenfamilien und gleichgeschlechtliche Paare die gleichen Rechte verdienen wie heterosexuelle Familien".
    Gibt es denn überhaupt die "heterosexuelle Familie"? "Heterosexuelle Familie" bezeichnet doch eine Gruppe, zusammengesetzt aus Vater, Mutter und Kind(er)... Niemand kann behaupten, dass alle Mitglieder einer "heterosexuellen Familie" nur aus heterosexuellen Mitgliedern besteht. Schwule und lesbische Kinder werden meistens in "heterosexuellen Familien" geboren. Und nicht mal bei Mann und Frau einer "heterosexuellen Familie" kann man klar bestimmen, dass die immer heterosexuell sind. Also gibt es doch die "heterosexuelle Familie" gar nicht. Man könnte vielleicht von "traditioneller Familie" sprechen, wobei man auch diesen Begriff noch zerpflücken könnte. Ist z.B. eine tradtionelle Wohngemeinschaft nicht auch eine Art "Familie". Und war Jesus mit seinen 12 Aposteln (um auch den Bibeltreuen den Wind aus den Segeln zu nehmen) nicht auch eine (Wohn-)Gemeinschaft, also "Familie", bestehend aus 13 (heterosexuellen?) Männern...
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#2 Taemin
  • 18.12.2020, 10:59h
  • Antwort auf #1 von Ginkgolino
  • Es herrscht die Neigung vor, eine Familie nicht als Gemeinschaft von Individuen zu begreifen, sondern als monolithischen Block. Nur so erklärt sich, dass eine sexuelle Orientierung, die doch nie anders als individuell sein kann, einer Personengruppe unterstellt wird. Meine Eltern und ich z.B. waren natürlich nie eine "heterosexuelle Familie" - erstens weil eine Familie als soziales Konstrukt gar keine Sexualität haben kann (so wenig wie das Volk, dessen Keimzelle sie angeblich ist), zweitens weil meine Eltern zwar hetero sind, ich aber nicht.
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#3 TimonAnonym
  • 18.12.2020, 12:08h
  • Herzlichen Glückwunsch an die Schweiz.

    Die Eheöffnung ist für jedes zivilisierte Land ein wichtiger Schritt zu einer modernen, menschenfreundlichen Gesellschaft. Davon profitieren auch Heteros. Und obendrein ist es auch noch wirtschaftlich sinnvoll.
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#4 KaiJAnonym
  • 18.12.2020, 12:21h
  • Die Öffnung der Ehe für alle in Deutschland ist hier auch der Beginn einer ganz neuen Ära. Leider haben bei Gerichten, Gesetzgeber, Verwaltungen u.a. das noch nicht alle ganz kapiert. Das Bundesverfassungsgericht muss da besser und genauer für Klarheit sorgen.
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#5 Gibi62Anonym
  • 18.12.2020, 14:51h
  • Endlich!
    Über Defunitionen mag ich heute nicht nachdenken - ich freue mich einfach über diesen wichtigen Schritt
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#6 YannickAnonym
  • 18.12.2020, 16:03h
  • In beiden Kammern hat eine überwältigende Mehrheit dafür gestimmt und die überwältigende Mehrheit der Bürger ist auch dafür.

    Wenn jetzt noch irgendwelche religiösen Fanatiker unbedingt eine Volksabstimmung herbeiführen wollen, werden sie die Hürde dafür wohl schaffen. Aber genauso sicher ist, dass sie diese Volksabstimmung dann am Ende krachend verlieren werden.

    Aber wie ich die religiösen Fanatiker kenne, die in ihrem totalitären Wahn allen ihren Willen aufzwingen wollen, werden sie das dennoch anstreben und damit die Bürger viel Kosten für einen aussichtslosen Volksentscheid verursachen werden. Das zeigt wieder mal, wie solche Leute ticken.
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#7 antosProfil
  • 18.12.2020, 16:33hBonn
  • Antwort auf #1 von Ginkgolino
  • >> Und war Jesus mit seinen 12 Aposteln (um auch den Bibeltreuen den Wind aus den Segeln zu nehmen) nicht auch eine (Wohn-)Gemeinschaft, also "Familie", bestehend aus 13 (heterosexuellen?) Männern...<<

    Eher eine Art revolutionäre Zelle mit >in der Mehrzahl hastig aufgesammelten Gestalten, die bereit waren, mit ihrem Meister die apokalyptische Grundstimmung in der vitalistischen Wander-­Sekte zu teilen< (Sloterdijk).

    Würden Christus-Gläubige ihre Texte besser kennen, wüßten sie auch, dass die Figur Jesus als durch und durch anti-familiär beschrieben wird; als einer, der die Generationenfolge (>Familie<) durch die gläubige Nachfolge (belehrt und bekehrt werden) zu ersetzen trachtet. So lässt ihn das Lukas-Evangelium (14, 26-27), tja, ranten:

    >>Wenn jemand zu mir kommt und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern, ja sogar sein Leben gering achtet, dann kann er nicht mein Jünger sein. Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.<
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#8 KaiJAnonym
#9 antosProfil
#10 lucdfProfil
  • 18.12.2020, 18:23hköln
  • Ab und zu gibt es auch gute Nachrichten. Die Welt verändert sich, nur laaaangsam, laaaangsam, viel zu laaaangsam. ;-)
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