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Erwachsenenfilme

Problem Porno – der schwere Kampf um ethische Sexseiten im Netz

Anbieter schauen weg, viele User schauen hin: Pornoseiten im Netz stehen wegen sexueller Ausbeutung in der Kritik. Einige Zahlungsanbieter wenden sich von "Pornhub" und "Xhamster" ab.


Auch Darsteller in Gay-Pornos sollen zum Sex gezwungen, die Videos gegen ihren Willen veröffentlicht worden sein
  • Von Christian Fahrenbach, dpa
    20. Dezember 2020, 09:05h, 5 Kommentare

Millionen Menschen nutzen das Angebot, weit überwiegend Männer. Doch nur die Allerwenigsten wollen die Hintergründe der Produktion verstehen. Sexseiten wie "Pornhub", "Redtube" oder "Xhamster" versprechen mit Hunderttausenden Clips schnelle Lust – und verschweigen undurchsichtige Umstände beim Drehen und Hochladen der Videos. Viele Gruppen überlegen, wie sich Sicherheit und Gesundheit der Beteiligten verbessern lassen. Nach mehreren Medienberichten scheint Bewegung in die Debatte zu kommen.

Mit einem großformatigen Bericht über das Schicksal von Minderjährigen auf Plattformen hat Kolumnist Nicholas Kristof von der "New York Times" in den USA für Aufsehen gesorgt. Manche sollen demnach zum Sex gezwungen worden seien, danach sollen Videos gegen ihren Willen auf die Seiten gestellt worden sein.

Pornhub löschte Millionen Videos

Nach der Veröffentlichung von "The Children of Pornhub" ("Die Kinder von Pornhub") am 4. Dezember erklärten die Betreiber der Webseite schnell, Millionen Videos entfernt zu haben. Außerdem werde die Moderation verstärkt, das Einstellen von Videos sei nur noch bereits existierenden verifizierten Usern und Darstellern erlaubt. Die Kategorie "Teens" habe zudem im englischen Angebot die Ergänzung "18+" bekommen, hieß es weiter.

"Unsere Kernwerte wie Inklusion, Ausdrucksfreiheit und Privatsphäre sind nur möglich, wenn die User unserer Plattform vertrauen", teilte "Pornhub" mit. "Deshalb haben wir uns immer dafür eingesetzt, illegale Inhalte zu löschen, darunter Aufnahmen, die nicht in beiderseitigem Einvernehmen entstanden sind, oder Aufnahmen von sexuellem Missbrauch von Kindern."

Die Branche wirklich zu ändern, ist schwer

Für den deutschsprachigen Raum berichtete das Magazin "Vice online" von einer oft mangelhaften Arbeit der Moderatoren auf der hierzulande besonders erfolgreichen Seite "Xhamster". Auch bei dem auf Zypern sitzenden Angebot mit Millionen Usern monatlich in Deutschland sei es kaum erkennbar, ob die zu sehenden Personen den Aufnahmen oder dem gezeigten Geschlechtsverkehr zugestimmt hätten. Die Webseite tue zu wenig, um dies oder die Volljährigkeit der Gezeigten zu überprüfen, so die Kritik.

Die Berichte hatten Folgen: Visa und Mastercard kündigten die Zusammenarbeit mit "Pornhub" auf. Wollen User nun die Premiumangebote ohne Werbung und in besserer Auflösung nutzen, brauchen sie dafür eine Kryptowährung. Mit dem Zahlungsdienst Klarna mit Sitz in Schweden kündigte auch ein wichtiger "Xhamster"-Dienstleister die Zusammenarbeit auf. Die Integration per Sofortüberweisung auf der Seite sei abgeschaltet, bestätigte ein Unternehmenssprecher am Freitag in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. Zuerst hatte "Der Spiegel" darüber berichtet. Der finanzielle Druck ist da. Entdecken nun einige der Anbieter ihr schlechtes Gewissen?

Undurchsichtige Firmenstrukturen

Der Umgang mit Pornografie im Netz ist besonders komplex, auch wegen kaum durchsichtiger Firmenstrukturen. "Pornhub" beispielsweise gehört zum Unternehmen Mindgeek mit Sitz in Luxemburg, einem Riesen der Branche, der laut eigenen Angaben über 1000 Mitarbeiter hat und mit Dutzenden ähnlichen Angeboten monopolähnlich täglich Millionen Klicks anzieht.

Mindgeek betreibt dabei aber nicht nur Seiten wie "Pornhub" oder "YouPorn", die wie Youtube als Katalog fungieren, und wo die Videos oft illegal und ohne geklärte Rechte hochgeladen werden. Das Unternehmen hat sich auch zunutze gemacht, dass seit mehr als einem Jahrzehnt immer mehr Produktionsstudios in Finanznöte kamen. Mindgeek hat Studios und deren Marken aufgekauft – und lässt es geschehen, dass auch dort hergestellte Clips auf den Katalogseiten auftauchen. "Es ist, als gehöre Warner Brothers auch Pirate Bay", beschreibt die Medienseite "Slate" das Modell, bei dem sich ein Hersteller nicht wegen Piraterie sorgt, weil er auch mit dieser Verwertungsform gut verdient. Am Ende, so die Kritik, litten vor allem die Darsteller, weil ihre Gagen kleiner ausfielen und sie es sich schlicht nicht leisten könnten, sich öffentlich über den Monopolisten und Arbeitsbedingungen zu beschweren.

Pornogegner hetzen auch gegen LGBTI

Umstritten ist, wie gegen diese Marktmacht und die Produktionsumstände vorzugehen ist. So kritisierte beispielsweise das linke Magazin "New Republic" den "Times"-Kolumnisten Kristof für seinen Artikel, weil er sich darin ohne kritische Abwägung auf "Traffickinghub" berufen habe, eine Initiative, die Pornhub komplett schließen möchte und deren Gründer als rigoroser Abtreibungsgegner auffiel – und mit aggressiven Aussagen gegen LGBTI.

Kritiker der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) beklagen, es sei nicht die Sache von Unternehmen wie Visa und Mastercard, gegen sexuelle Ausbeutung vorzugehen. Dies sei die Sache von Bildungssystem, Opferorganisationen und notfalls Strafverfolgern. Die Bürgerrechtler sehen auch Pornografie als eine Form von freier Meinungsäußerung im Netz – eine Kriminalisierung sorge für Stigma und Scham statt für wirkliche Hilfe.



#1 Gay_LibertarianProfil
  • 20.12.2020, 10:25hKL
  • Generell wirkt es Mal wieder wie ein Großangriff auf NSFW Inhalte wie man sie schon öfters gesehn hat. Ich bin mir gar nicht Mal so sicher ob es hier wirklich um Minderjährige geht oder wieder um prüde Moralvorstellungen durchzudrücken, wie es u.a. schon bei Tumblr passiert ist. Es hat einen Faden Beigeschmack, passt gut zu Filtern und Registrierungspflicht (mit Perso und Co.) was von einigen konservativen Aktivisten gefordert und in anderen Ländern geplant ist.
    Sicherlich gibt es leider auch Inhalte mit Missbrauch und Minderjährigen, was sich bei der Größe der Plattformen auch nicht zu 100 Prozent verhindern lässt. Dafür braucht es Moderation. Mir sind aber solche Inhalte (bewusst) noch nie untergekommen. Ich bezweifel ob das Problem tatsächlich so groß ist, dass man jetzt 3/4 aller Inhalte löschen musste. Da ist eben auch viel Kunst (und ich zähle Pornographie dazu) einfach Mal vernichtet worden, ohne Vorwarnung der Uploader. Eine Reform und bessere Contentmoderationen sind aber nötig. Bitte ohne Atomschläge.
    Ich bin ja froh, dass ich nie viel mit Pornhub am Hut hatte, aber ich warte auf den Tag wenn Twitter dran ist. Bisher ist ja Twitter sehr liberal und ein sicherer Hafen für Sexworker, sexpositive LGBTI und lewd Content. Die Frage ist nur wie lange noch. Das ist halt eben auch eine Kultur die angegriffen wird und dem normalen Bürger ist das gar nicht so bewusst, ist ja nur "Schmuddelkram".
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#2 eccoliveAnonym
  • 20.12.2020, 12:11h
  • Antwort auf #1 von Gay_Libertarian
  • "Mir sind aber solche Inhalte (bewusst) noch nie untergekommen. Ich bezweifel ob das Problem tatsächlich so groß ist, dass man jetzt 3/4 aller Inhalte löschen musste."

    Sie werden dir auch nicht direkt in die Kamera sagen, dass sie gerade missbraucht werden. Die Filme werden so gefilmt, dass es einvernehmlich aussieht. Auch solche "Spy Cam"-Videos fallen unter diese Kategorie. Viele wissen nicht, dass sie gefilmt wurden. Nur weil du es nicht (bewusst) mitbekommen hast, solltest du dieses Problem nicht klein reden. Ich kenne auch niemanden, der an Corona verstorben ist. Trotzdem zweifele ich das nicht an. Im Gegensatz sind mir einige solcher Videos untergekommen, die mir ziemlich suspekt sind. Mittlerweile weiß ich, dass meine Skepsis nicht unbegründet war.

    Gleichzeitig möchte ich hervorheben, dass PornHub sehr viele Amteur-Videos bereitstellt. Die Label-Videos machen nicht den Großteil aus.
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#3 MannomannAnonym
  • 20.12.2020, 13:42h
  • Wie es scheint, kommen die Pornogegner aus zwei sehr unterschiedlichen Lagern. Da sind zum einen rechtskonservative und kirchliche Kreise (in einem bedauernswerten Schulterschluss von Christen und Moslems), die einen Kampf gegen den "Verfall von Sitte und Moral" führen.

    Auf der anderen Seite finden sich aber auch linke Aktivisten (so etwa die Schreiber des Magazins VICE), für die Pornos nur dann erlaubt sind, wenn nicht nur real niemand beim Dreh ausgebeutet wurde, sondern auch, wenn im Film ein Dominanzgebaren zur Schau gestellt wird, das nicht mit ihren egalitäten Vorstellungen konform geht. Das heißt, dass sämtliche SM-Streifen von linken Aktivisten bekämpft werden, etwa die, wo eine weiße Frau von einer Gruppe dunkelhäutiger Großschwanzträger penetriert wird - genauso wie Filme mit zwei Männern, wo der eine Master, der andere Slave ist.

    Wir geraten immer tiefer in einen Strudel der Verbots- und Cancel-Kultur, aus dem wir irgendwann nicht mehr herauskommen. Als nächstes wird dann auch einvernehmliche und freiwillige Prostitution verboten, um auch die Freier vor ihren eigenen bösen Trieben zu beschützen.

    Nanny-Staat 2.0 ... mit digitaler Totalüberwachung bis in den hintersten Winkel der Privatwohnung.

    Dagegen müssen wir uns mit allen Mitteln zur Wehr setzen - denn zu selbstbestimmter Sexualität gehört es auch, sich freiwillig in Rollen zu begeben.

    Kindesmissbrauch ist von der ganzen Debatte völlig losgelöst - dass dieser bekämpft werden muss, steht außer Frage.
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#4 Gay_LibertarianProfil
  • 20.12.2020, 14:22hKL
  • Antwort auf #2 von eccolive
  • Ich gucke in erster Linie nur Amateur und mache auch selber welche. Auch davon sind die allermeisten unproblematisch. Wie ich schon geschrieben habe, wird sich das bei einer Plattform dieser Größe nicht absolut verhindern lassen. Dafür braucht es endlich eine vernünftige Moderation und Meldefunktionen. Die Lösung solcher Probleme sehe langfristig nur bei der Sexualaufklärung, was die Pornogegner ja auch in der Regel nicht wollen.
    Pornhub, Xtube und Co. haben sich von VISA etc. unter Druck setzen lassen und in einem Vernichtungsschlag über 3/4 des Contents gelöscht. Ich wette, dass davon 99 % nicht problematisch gewesen ist. Ich kann die Betreiber aber aus finanziellen Gründen verstehen. Die hätten aber schon früher bessere Maßnahmen ergreifen müssen.
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#5 Peter GoldrohrAnonym
  • 20.12.2020, 14:51h
  • Ich stimme meinem Vorredner voll und ganz zu.

    Diese Welt, die heutige Welt kennt keine Sexualkultur, nur eine Antisexualkultur.

    Internetpornografie und Dating-Apps halten derzeit Rettungstüren offen. "Notausgang - freihalten"
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