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Dokumentarfilm

Wie die Bee Gees Opfer von Homophobie und Rassismus wurden

Die Brüder Barry, Maurice und Robin Gibb trugen maßgeblich zur Mainstreamisierung der zunächst von Schwarzen und Schwulen geprägten Disco-Subkultur bei. Eine neue Doku erzählt ihre auch tragische Karriere.


Sie sangen herrliche Sixtiespop-Ohrwürmer, die den Beatles Konkurrenz machten, lieferten den Soundtrack zur Disco-Ära und wurden immer wieder für schwul gehalten: The Bee Gees (Bild: HBO)
  • Von Werner Herpell, dpa
    21. Dezember 2020, 14:39h, 4 Kommentare

Die Beatles sind ihre Vorbilder, zeitweise kommen sie in den 1960ern an die Beliebtheit der "Fab Four" sogar fast heran. Der weltweite Siegeszug der Bee Gees – einer australisch-britischen Band um Barry, Maurice und Robin Gibb – beginnt aber erst im nächsten Jahrzehnt, mit Soft-Soul und Disco-Funk. Beide Erfolgphasen der drei Sänger, zu denen zeitweise noch der jüngste Bruder Andy stieß, waren zweischneidig, wie eine neue Dokumentation zeigt: Je größer der Ruhm, desto brüchiger die Familienbande.

Die Doku "The Bee Gees: How Can You Mend A Broken Heart", die ab 21. Dezember auf mehreren Streamingportalen verfügbar ist, beginnt mit einem Auftritt von 1979 unter frenetischem Jubel – eine Art "Bee-Gees-Mania" – und einer wütenden Bitte der Musiker um etwas Privatsphäre. Ende der 70er ist das Trio auf dem Höhepunkt einer atemberaubenden Laufbahn.

20 Nummer-eins-Hits und fünf Grammys


Poster zum Film: "The Bee Gees: How Can You Mend A Broken Heart" gibt es ab 21. Dezember 2020 als Stream und zum Download

Bee-Gees-Lieder wie "Night Fever" oder "How Deep Is Your Love" vom sensationell erfolgreichen Film-Soundtrack "Saturday Night Fever" dominieren Radios und Charts. Insgesamt 20 Nummer-eins-Hits und fünf Grammys haben die in Großbritannien geborenen Australier, die sich immer wieder mit Homogerüchten konfrontiert sahen, auf dem Karriere-Konto.

Die fast zweistündige Doku von Frank Marshall widmet den 15 triumphalen Jahren viele Einblicke und Interviews. Mit der plumpen Gegenbewegung "Disco sucks" entwickelt sich 1979 auch Hass auf die Bee Gees als weiße, heterosexuelle Protagonisten eines Musikstils, der in der schwarzen, schwulen Kultur begonnen hatte.

Rassismus und Homophobie seien da im Spiel gewesen, sagt ein afroamerikanischer Zeitzeuge. Das verunsicherte Trio setzt sich von der Disco-Bewegung ab. Danach verliert die Band ihr Momentum, Solokarrieren verlaufen wechselhaft. Andy Gibb stirbt 1988, Maurice 2003, Robin 2012.

Meister der virtuosen Harmony-Vocals


Die Bee Gees im Jahr 1977 (von oben nach unten): Barry, Robin and Maurice Gibb (Bild: NBC Television / wikipedia)

Der melancholisch verschattete, oft traurige Blick des einzigen Überlebenden Barry Gibb und seine Erinnerungen bilden den emotionalen Kern eines berührenden Films. Sixtiespop-Ohrwürmer wie "To Love Somebody" oder "Massachusetts" sind kurz angespielt zu hören, danach die Dancefloor-Granaten mit Barrys Falsettstimme, immer wieder unfassbar tolle Gesänge (und ebenso unglaubliche Haarprachten).

Die Bee Gees, da sind sich Fans und Kritiker einig, waren Meister der virtuosen Harmony-Vocals – und im Zusammenführen von modischen Musikstilen. "Wir hatten nie eine Kategorie, sondern nur verschiedene Phasen", sagt der inzwischen 74-jährige Barry Gibb, der Anfang Januar 2021 ein Soloalbum mit Country-Weltstars als Gästen herausbringt. "Ich hoffe und bete, dass diese Musik überdauert."

Davon kann man ausgehen. Denn auch jüngere Musikstars (Noel Gallagher von Oasis, Chris Martin von Coldplay, Justin Timberlake, Nick Jonas, Mark Ronson) schwärmen in dem Film ausführlich von der Klasse und Bedeutung der "Brothers Gibb" (abgekürzt: Bee Gees).

Am Ende der Dokumentation, die auch Archivaufnahmen von Aufnahmesessions, Konzert- und Fernsehauftritten sowie Heimvideos enthält, singt Barry Gibb mit dünn gewordenem weißen Haar, aber immer noch kräftiger Stimme den Superhit "Stayin' Alive". Zehntausende Fans tanzen euphorisch dazu.

Direktlink | Englischer Originaltrailer zur Doku

Infos zum Film

The Bee Gees: How Can You Mend A Broken Heart. Dokumentarfilm. USA 2020. Regie: Frank Marshall. U.a. mit Barry Gibb, Maurice Gibb, Robin Gibb, Eric Clapton, Noel Gallagher, Nick Jonas, Chris Martin, Justin Timberlake. Laufzeit: 111 Minuten. Ab 21. Dezember 2020 auf allen gängigen Plattformen, u.a. Amazon Prime, Apple TV, Google Play und Sky Store


#1 NotthissongAnonym
  • 21.12.2020, 17:16h
  • Die Melodien der 60er Jahre wie eben z.B. Massachusetts waren wirklich musikalische Meilensteine.
    Dagegen war der Disco-Quatsch einfach nur ein trauriger Abklatsch!

    Ansonsten fällt mir nur etwas sehr zynischen aus einem Werner-Buch

    de.wikipedia.org/wiki/Werner_(Comic)

    ein: Bee Gees - sechs Eier zwischen Wackersteinen
  • Antworten » | Direktlink »
#2 FennekAnonym
  • 21.12.2020, 20:05h
  • Antwort auf #1 von Notthissong
  • Mir persönlich gefielen ihre frühen Titel, bevor sie auf der Disco-Welle surften, auch besser. Aber eines muss man ihnen lassen:

    in beiden Phasen ihres Schaffens waren sie extrem erfolgreich und gehörten zur Weltspitze.
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#3 michael hnkAnonym
  • 21.12.2020, 21:10h
  • Antwort auf #2 von Fennek
  • Ich fand sie auch noch nach ihrer "Disco-Ära" stark: "You win again" (beispielsweise) ist eines ihrer besten Songs, von 1987, purer 80er Jahre Pop. Sie waren einfach verdammt gute Musiker und Songwriter, u.a. auch für andere Künstler wie Barbra Streisand oder Celine Dion.

    Und was die Homophobie-Sache angeht: Legenden juckt das nicht. Eine Eiche interessiert nicht, wer sich an ihr reibt. Die Bee Gees gehören zweifellos zu den größten Pop-Bands, die es jemals gab. Es ist nur herzzerreißend traurig, dass Maurice und Robin so früh sterben mussten und es mit Barry heute nur noch einen lebenden Bee Gee gibt. Ihre Musik ist legendär, unsterblich und wird das auch für immer sein!
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#4 KumpelAnonym