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Heimkino

24 Stunden im Leben der queeren Mutter des Blues

Der neue Netflix-Film "Ma Rainey's Black Bottom" mit Viola Davis und Chadwick Boseman, inszeniert vom schwulen Regisseur George C. Wolfe, ist definitiv preisverdächtig und unbedingt sehenswert.


"Ma Rainey's Black Bottom" ist eine Momentaufnahme aus dem Leben schwarzer Künstler*innen der Zwanzigerjahre (Bild: Netflix)
  • Von Patrick Heidmann
    22. Dezember 2020, 03:26h, noch kein Kommentar

Jahresende ist immer die Zeit, in der die Fans anspruchsvoller Filmunterhaltung besonders auf ihre Kosten kommen. Gefühlt nämlich starten dann all jene Produktionen im Kino – oder seit neustem eben auch bei den Streamingdiensten – die sich besonders viele Chancen bei den Oscars und anderen Filmpreisen ausrechnen. Und das ist auch in diesem Jahr nicht anders, obwohl die Verleihung der Academy Awards bekanntlich statt im Februar erst im April stattfinden wird.

Definitiv preisverdächtig und unbedingt sehenswert ist zum Jahreswechsel dieses Mal nicht zuletzt "Ma Rainey's Black Bottom" (seit 18. Dezember 2020 bei Netflix). Der Film, inszeniert von George C. Wolfe (dessen bei uns bekanntestes Werk bisher die Nicholas-Sparks-Verfilmung "Das Lächeln der Sterne" war), ist die Adaption des gleichnamigen Theaterstücks von August Wilsons, seines Zeichens einer der bedeutendsten afroamerikanischen Theaterautoren des 20. Jahrhunderts.

Mit ihrer Geliebten und ihrem Neffen im Tonstudio


Poster zum Film: "Ma Rainey's Black Bottom" läuft seit 18. Dezember 2020 bei Netflix

Die Bühnenherkunft sieht man der Geschichte nun auch in Filmform an. Viel Plot ist nicht, und das, was es an Handlung gibt, spielt sich größtenteils an einem Ort ab. Dieser Ort ist ein Tonstudio im sommerlich-heißen Chicago der Zwanzigerjahren, wo die Blues-Sängerin Ma Rainey (Viola Davis) – begleitet von ihrer Geliebten und ihrem Neffen – zusammen mit ihrer vierköpfigen Band ein paar Songs aufnehmen soll. Was sich nicht unbedingt problemlos gestaltet, weil etwa ihr Trompeter Levee (Chadwick Boseman) meinungsstark auftritt, der Manager sowie der Studioboss – beide weiß – eine eigene Agenda haben und Ma selbst sich noch nie die Butter vom Brot nehmen lassen wollte.

Kammerspielartig und enorm wortlastig kommt "Ma Rainey's Black Bottom" daher. Und natürlich spielt der Blues, als dessen "Mutter" die echte Ma Rainey oft bezeichnet wird, hier eine große Rolle. Gut zu hören lohnt sich in jedem Fall, auch bei den Dialogen. Deren thematische wie emotionale Wucht entfaltet sich langsam, aber sicher; es geht um Rassismus in den USA und seine Geschichte (die weit bis in unsere Gegenwart hineinreicht), aber auch ganz speziell um die Ausbeutung schwarzer Künstler*innen durch die weiße Unterhaltungsindustrie.

Herausragendes Ensemble

Dass das unglaublich packend anzusehen ist, liegt nicht zuletzt am herausragenden Ensemble. Die famose Viola Davis in der Titelrolle läuft einmal mehr zu großer Form auf und darf ebenso mit einer Oscar-Nominierung rechnen wie der in diesem Jahr verstorbene Chadwick Boseman, dessen Rolle sogar noch größer ist. Wer ihn nur als "Black Panther" kannte, wird gar nicht aus dem Staunen herauskommen, wie viel dramatisches Talent er auch besaß, was seinen Verlust für die Filmwelt umso tragischer macht.

Weil "Ma Rainey's Black Bottom" sich nur über 24 (fiktive) Stunden erstreckt, sieht sich jeder getäuscht, der hier einen wirklichen Einblick in das Leben dieser außergewöhnlichen Künstlerin zu erlangen hofft. Das wäre die Aufgabe eines sicherlich lohnenswerten Biopics, in dem dann auch ihre mutmaßliche Bisexualität einen größeren Raum einnehmen könnte als es hier der Fall ist. Was nicht heiß, dass dieser Film nicht eine durchaus queere Angelegenheit ist. Denn nicht nur Regisseur Wolfe ist schwul, sondern auch der famose Colman Domingo, der hier als Mas Bandleader und Posaunist zu sehen ist, und nach "Beale Street" oder "Euphoria" zum wiederholten Mal beweist, dass er aktuell zu den spannendsten Schauspielern Hollywoods gehört.

Direktlink | Deutscher Trailer zum Film