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Schweiz

Vater nach Hass-Attacke auf trans Tochter zu Haftstrafe verurteilt

Ein tiefgläubiger Mann wollte offenbar seine trans Tochter mit einem 27 Zentimeter langen Messer töten. Dabei soll er gerufen haben: "Du bist schwul."


Das Opfer veröffentlichte dieses Bild nach der Attacke auf seiner Instagram-Seite

Ein 54-jähriger Mann ist am Dienstag laut "Blick" in der Kleinstadt Burgdorf bei Bern zu einer Haftstrafe von elf Jahren verurteilt worden, weil er offenbar aus Hass versucht haben soll, sein damals 17-jähriges Kind mit einem 27 Zentimeter langen Küchenmesser zu töten. Anlass für die Tat war nach Ansicht des Gerichts, dass der irakische Täter sein Kind, das sich inzwischen als trans geoutet hat, für schwul gehalten habe. Die junge Frau hatte schwere Verletzungen am Hals erlitten.

Der Verurteilte muss seinem Opfer außerdem eine Entschädigung in Höhe von 20.000 Franken (18.500 Euro) zahlen. Er soll nach Verbüßen der Haftstrafe ausgewiesen werden.

Die Tat hatte sich im Mai 2019 im Dorf Langnau im Emmental ereignet. Der Vater, ein streng gläubiger Muslim, habe sich demnach in seiner Wohnung über das schlafende Kind gekniet und mit dem Messer dessen Kehle aufgeschlitzt. Dabei soll er "Du bist schwul, du bist schwul?!" gerufen haben. Das Opfer wehrte sich und konnte schwer verletzt auf die Straße fliehen. Ein Helikopter brachte die Teenagerin ins Krankenhaus. Sie verlor über einen Liter Blut und musste intubiert werden.

Im Prozess hatte der Angeklagte gesagt, dass er im Koran den "Katalog der Menschen" sehe. Sein Kind verkörpere aber das Gegenteil seines religiösen Männerbildes.

Während des Prozesses war das inzwischen 18 Jahre alte Opfer noch immer vom Todeskampf gezeichnet – es erschien mit auffälligen Narben am Hals. Im Prozess sagte die junge Frau als Zeugin aus: "Jeden Tag, wenn ich mein Gesicht wasche und in den Spiegel schaue, sehe ich meine Narbe. Ich fühle mich hässlich." Wegen der Tat habe sie auch ihre Lehrstelle verloren.

Vater streitet Tat ab

Der Vater stritt die Tat kategorisch ab und erklärte, sein Kind habe versucht, sich das Leben zu nehmen. Er behauptete, er sei in der Küche gewesen, als er plötzlich einen Schrei aus dem Kinderzimmer hörte. Dort habe er das Kind blutüberströmt vorgefunden. Das Gericht schenkte dieser Aussage keinen Glauben.

Der Verteidiger des Vaters hatte bereits vor der Urteilsverkündung erklärt, dass sein Mandant voraussichtlich bei einer Verurteilung die nächste Instanz – das kantonale Obergericht – anrufen werde. (cw)



#1 AthreusProfil
  • 23.12.2020, 12:57hSÜW
  • Eines der schrecklichsten Beispiele für religiösen Fanatismus. Man kann nur froh sein, dass sie überlebt hat und hoffen, dass es ihr irgendwie gelingt, über die Jahre weitestgehend ihre seelischen Wunden zu heilen.

    Vor fast genau einem Jahr hat sie ein Journalist des Reporter-Kanals (Youtube) in der Schweiz besucht. Dort schildert sie eindrücklich von diesem schrecklichen Erlebnis und wie es dazu kam:

    www.youtube.com/watch?v=u1r-U6cqK5Y
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#2 Katrina_ReichertProfil
  • 23.12.2020, 14:50hDüsseldorf
  • "Sein Kind verkörpere aber das Gegenteil seines religiösen Männerbildes."
    SURPRISE so als Frau. Wer hätte damit rechnen können, dass eine Frau einem Männerbild nicht entspricht.

    Aber mal Spaß beiseite, grad beim Islam versteh ich solche Leute echt nicht.
    Es gibt eine Fatwa aus dem Jahr !1979!, die klar festlegt, dass trans Menschen indem wir transitionieren Allahs Wille ERFÜLLEN, weil das die Reise ist, die er für uns vorgesehen hat.

    Ich nehm den Satz mit dem "nicht verstehen" zurück, in dem Punkt sind islamische Fanatiker_Innen kein Iota besser als ihre christlichen Konterparts:
    Sie zitieren nur den Part der heiligen Schrift, der ihren Hass zu bestätigen scheint und lassen den Rest weg.

    Schon ne spannende Chose wenn man bedenkt, dass weder Allah noch Jahwe Heuchler mögen. Tjanun.
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#3 Alexander_FAnonym
  • 23.12.2020, 14:51h
  • Ich weiß nicht, was mich sprachloser macht. Die Tat selbst, die Motivation, oder dass das Opfer selbst noch dafür bestraft wird, dass ihr frommer Herr Vater ihr so etwas angetan hat. Wie der überhaupt je wieder in den Spiegel sehen kann, möchte ich gerne wissen.
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#4 ElfolfProfil
  • 23.12.2020, 17:15hHamburg
  • Seltsamerweise reicht der Fanatismus nie so weit, hinterher zu der Tat zu stehen. Sich für Gläubig halten, ohne selbst den Koran verstanden zu haben, macht es besonders schlimm. Der Koran hat zum Thema Geschlechtsanpassung überhaupt keine Vorschriften.
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#5 Alexander_FAnonym
  • 23.12.2020, 18:01h
  • Antwort auf #4 von Elfolf
  • Mit dem Koran ist es wohl wie mit den vielen anderen heiligen Büchern auch: wer sie wirklich verstanden hat, verwirft sie eher, als an sie zu glauben.
    Diejenigen, denen sie wiederum so heilig sind, lieben sie gerade deshalb, weil sie hinter ein sehr vagen Sprache Ausreden für abscheulichste Verbrechen bieten.

    Es ist natürlich umgekehrt richtig, dass beispielsweise im Iran Geschlechtsangleichungen legal sind, da dort die durchaus korrekte Auslegung, dass der Koran nichts zu dieser Sache sagt, angewandt wird. Sehr fragwürdig und problematisch bleibt es dennoch, sein Leben oder erst recht Politik nach diesem Buch auszurichten.
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#6 Katrina_ReichertProfil
  • 23.12.2020, 18:48hDüsseldorf
  • Antwort auf #4 von Elfolf
  • Wie ich bereits schrieb: Es gibt eine Fatwa von 1979, die trans Menschen validiert und geschlechtliche Transition als Allahs Wille legitimiert.
    Ja, danit steht's noch immer nicht im Qu'ran selbst, aber soweit ich das verstehe sind Fatwas für gläubige Muslime in etwa so bindend wie eine päpstliches Dekret für Katholik_Innen.
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#7 RWinklerAnonym
  • 23.12.2020, 20:38h
  • Antwort auf #6 von Katrina_Reichert
  • Ja, im Iran, wo 99% der Muslime Shiiten sind. Aber nicht im Rest der islamischen Welt. Schiiten stellen etwa nur 10-15% der Muslime weltweit. Und die sind untereinander um ein vielfältiges feindlicher als Protestanten und Katholiken bei uns.
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#8 Alexander_FAnonym
  • 23.12.2020, 21:49h
  • Antwort auf #6 von Katrina_Reichert
  • Selbst wenn es diese Fatwa gibt, stellt sich die Frage, warum das überhaupt relevant sein soll. Weshalb ist ein Gutachten nach irgendeiner uralten Märchenschwarte wichtiger als Wissenschaft, Logik und gesunder Menschenverstand?

    Und im Übrigen werden in dem Land, in dem einerseits eine Fatwa erlassen wurde, die Transmenschen legitimiert, immer noch Todesurteile für gleichgeschlechtlichen Verkehr, Abfall vom Islam oder Gotteslästerung vollstreckt. Inwiefern ist ein System, dass ohne mit der Wimper zu zucken solche Gräuel begeht, in irgendeiner Weise eine moralische Autorität, in dieser oder sonst irgendeiner Frage?

    Die Welt braucht nicht mehr "reformierte" Religion, sondern weniger Religion. Wenn die Geschichte eins zeigt, so dass sich Religionen nur dann modernisieren und debrutalisieren, wenn sie zurückgedrängt werden und nicht mehr zügellos wüten können.
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#9 JuljanAnonym
  • 23.12.2020, 23:08h
  • Antwort auf #2 von Katrina_Reichert
  • Als Frau hat sie sich ja erst später geoutet.
    Der Vater ging zu dem Zeitpunkt der Tat von einem schwulen Sohn aus. Aber egal ob transphob oder homophob, das speist alles aus dem selben menschenverachtenden Hass.
    Was gibt es niederträchtigeres als sein Kind töten zu wollen.
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#10 antosProfil