Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?37819

Neue Netflix-Serie

Warum "Bridgerton" ziemlich schnell ziemlich süchtig macht

"Gossip Girl" meets Jane Austen: Shonda Rhimes erste Netflix-Produktion bietet dick aufgetragene Romantik in historischem Setting und überzeugt mit hervorragenden Schauspieler*innen. Nur bei der Queerness ist noch Luft nach oben.


In Englands besserer Gesellschaft ist Ball- bzw. Balz-Saison (Bild: Netflix)

Satte 150 Millionen Dollar ist der Vertrag wert, den Serien-Schöpferin Shonda Rhimes vor über zwei Jahren mit Netflix abgeschlossen hat, um neuen Content für den Streamingdienst zu produzieren. Nicht ganz so viel wie das, was ihr Kollege Ryan Murphy bekommt. Doch der muss für seine 300 Millionen auch gehörig ranklotzen, allein in diesem Jahr gab's zwei neue Serienstaffeln und zwei Filme aus seiner Schmiede. Rhimes dagegen legt mit der Serie "Bridgerton" (zu sehen ab dem 25. Dezember 2020) jetzt erst ihre erste Netflix-Produktion vor.

Wie nicht anders zu erwarten von der Frau, die hinter langjährigen Erfolgsserien wie "Grey's Anatomy", "Scandal" oder "How to Get Away With Murder" steckt, macht auch ihr neues Werk ziemlich schnell ziemlich süchtig. Hauptverantwortlich ist als Showrunner Rhimes' langjähriger Mitarbeiter Chris Van Dusen, dem als Vorlage für "Bridgerton" die gleichnamige Romanreihe von Julia Quinn diente. Wer einmal ein Cover dieser Bücher gesehen hat, ahnt worum es nun auch in der Serie geht: dick aufgetragenen Romantik in historischem Setting.

Alle halten Ausschau nach einer möglichst guten Partie


Ein Poster zur Serie: "Bridgerton" läuft ab 25. Dezember 2020 exklusiv auf Netflix

Wir schreiben das frühe 19. Jahrhundert, und in Englands besserer Gesellschaft ist Ball- bzw. Balz-Saison. Junge Frauen aus gutem Hause sollen unter die Haube gebracht werden, und Männlein wie Weiblein halten Ausschau nach einer möglichst guten Partie. Entsprechend herrscht Hochbetrieb im Hause Bridgerton: Daphne (Phoebe Dynevor) ist erstmals auf dem Heiratsmarkt unterwegs, unterstützt von ihrer Mutter, Lady Violet (Ruth Gemmell) und – etwas widerwillig – von ihrem älteren, selbst noch unverheirateten Bruder Anthony (Jonathan Bailey), der faktisch das Familienoberhaupt ist.

So gar nicht auf Freiersfüßen unterwegs ist dagegen Herzog Simon Basset (Regé-Jean Page, aktuell auch bei Amazon Prime in der schönen Jazz-Lovestory "Sylvie's Love" zu sehen), der sich dann auch prompt mit Daphne in die Haare gerät. Doch wenn sich in einer Geschichte wie dieser (erzählt aus dem Off von einer mysteriösen Klatschnewsletter-Schreiberin, deren Identität es aufzuklären gilt) zwei hübsche, kluge und selbstbewusste junge Menschen anfangs nicht leiden können, dann ahnt man natürlich, welche Wendung die Sache bald nehmen wird.

Das Erzähltempo ist ebenso hoch wie der Kitschfaktor

Wie immer in Serien von Shonda Rhimes herrscht auch in "Bridgerton" nirgends Mangel: weder an Figuren noch an Konflikten, nicht an attraktivem Personal und auch nicht an üppiger Hochglanz-Optik. Von allem ist reichlich, je nach Geschmack auch zu viel vorhanden. Das Erzähltempo ist ebenso hoch wie der Kitschfaktor, und könnte vielleicht sagen, dass es sich hier um eine Mischung aus "Grey's Anatomy" und "Downton Abbey" handelt. Minus die medizinischen Fachbegriffe natürlich und mit weniger Bemühen um historische Genauigkeit als bei den Crawleys. Also vielleicht lieber: "Gossip Girl" meets Jane Austen?

Aller opulenten Kostüme, engen Korsette und altmodischen Vermählungsrituale zum Trotz wird hier nämlich Modernität großgeschrieben, von den um heutige Profanitäten angereicherten Dialogen über die Themen (unter anderem wird eine Hohelied auf die Freuden der Masturbation gesungen) bis hin zu den – auf Dauer nervenden – Popsongs im Kammermusikgewand. Außerdem wird, wie es gerade zum Glück immer häufiger wird, Farbenblindheit bei der Besetzung erfreulich großgeschrieben: nicht nur Simon ist schwarz, sondern unter anderem auch Königin Charlotte (Golda Rosheuvel) oder die junge Marina (Ruby Barker), die bei der rivalisierenden Familie Featherington unterkommt.

Schwules Knistern erst in der fünften Episode


Die omnipräsente Geilheit der Figuren beschränkt sich nicht ausschließlich auf heterosexuelles Begehren (Bild: Netflix)

Umso enttäuschender, dass – untypisch für Rhimes – ausgerechnet in Sachen Queerness noch ordentlich Luft nach oben ist. Nur hin und wieder wird deutlich gemacht, dass die omnipräsente Geilheit der Figuren sich nicht ausschließlich auf heterosexuelles Begehren beschränkt. Und es dauert bis zur fünften der acht Folgen, bis zumindest mal ein bisschen schwules Knistern in der Luft liegt und – viel zu kurz – jene gleichgeschlechtliche Sexszene zu sehen ist, die schon vielversprechend im Trailer auftauchte (queer.de berichtete). Immerhin: dass ein schwuler Schauspieler wie Jonathan Bailey in einer dezidiert heterosexuellen Rolle besetzt wird, ist auch 2020 noch eher die Ausnahme. Trotzdem: für die zweite Staffel besteht aus LGBTI-Sicht definitiv noch Nachholbedarf.

Dass es eine Fortsetzung geben wird, dürfte fast ausgemachte Sache sein. Denn so oberflächlich die Reize in "Bridgerton" größtenteils sein mögen (der Versuch etwa, die vermeintlich selbstverständliche Diversität der Figuren zu erklären, bleibt fürchterlich unbeholfen), so wenig kann man sich entziehen.

Als leichtfüßig wegzuguckende Feiertagsunterhaltung taugt die Serie jedenfalls mindestens so sehr wie die xte "Sissi"-Wiederholung. Und nicht zuletzt die Schauspieler*innen machen großen Spaß, weswegen neben den bereits genannten hier auch noch explizit auf Nicola Coughlan ("Derry Girls") als Penelope Bridgerton, Polly Walker als Lady Featherington und die famose als Adjoah Andoh als Lady Danbury hingewiesen. Ach, und die Erzählstimme in der Originalfassung stammt übrigens von niemand anderem als Julie Andrews.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer



#1 Markus0811Profil
  • 27.12.2020, 10:51hBerlin
  • Dieser langweilige Käse ist unerträglich. Musste nach 20 Minuten abschalten. Was soll daran süchtig machen? Absolute Zeitverschwendung.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 PompejanumAnonym
  • 27.12.2020, 13:35h
  • Ich kann auch keinen Suchtfaktor feststellen.
    Was bringt es die Vergangenheit zu verändern,wenn man eine farbige Königin oder Herzog als Darsteller nimmt. Es spielt in der Zeit der Sklaverei und des Menschenhandels.
    Als bitter böse Parodie ist es zu schlecht gemacht. Die Darsteller verhalten sich wie in einer schlechten deutschen Soap.
    Einfach nur gräßlich.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 UschiAnonym
  • 27.12.2020, 13:41h
  • Antwort auf #1 von Markus0811
  • Das Jonathan Bailyy so gut eine Hete darstellt obwohl er ja eigentlich schwul ist und Frauen wie er selbst mal sagte total uninteressant findet gehört schon Respekt gezollt.
    Ansonsten eher großer Käse und farblich voll daneben. Queernes kommt nur ganz kurz auf . Wenn 2 Staffel dann hoffentlich mehr authentische Figuren . Seit wann ist Königin Charlotte schwarz.
    Schön mal seit langen wieder Polly Walker gesehen zu haben.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 MajoAnonym
  • 28.12.2020, 11:14h
  • Eine Serie die wirklich viel schwule Liebe zeigt, obwohl die Mehrheit der Hauptrollen weiblich ist, ist auf Netflix: Dein letztes Solo. Ich würde behaupten es gibt sogar mehr schwule Sexszenen als hetero.
    Die Serie konnte mich aber leider thematisch nicht fesseln. Zu viele Tanzszenen.
  • Antworten » | Direktlink »