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Homosexuelle Eltern

"Lesbische Mütter müssen sich doppelt und dreifach ausziehen vor dem Staat"

Der LSVD Baden-Württemberg verstärkt sein Engagement für Regenbogenfamilien – und kritisiert immer noch bestehende Diskriminierungen im Abstammungsrecht.


Der LSVD fordert eine Weiterentwicklung des Familienrechts, um gelebte Familienvielfalt rechtlich anzuerkennen – und damit auch das Wohl des Kindes abzusichern (Bild: Lighthouse)

Corona erschwert zwar die Arbeit, doch der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) Baden-Württemberg verstärkt sein Engagement für Regenbogenfamilien. Im Herbst hätten zwei 40-Prozent-Kräfte in einem Beratungszentrum angefangen, um schwulen Vätern und lesbischen Mütter zur Seite zu stehen, sagte LSVD-Vorstandsmitglied Kerstin Fritzsche der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart. Räume für das Zentrum gebe es bislang aber ebenso wenig wie eine Website.

In Baden-Württemberg gebe es sehr viele Regenbogenfamilien, sagte Fritzsche – ohne eine genaue Zahl nennen zu können. In der Arbeit des Landesverbands seien sie ein besonderer Schwerpunkt, auch weil lesbische Mütter mit Kinderwunsch schon vor 25 Jahren angefangen hätten, sich zu vernetzen. Seit dem Spätsommer nehmen die Fragen zu dem Thema wieder zu, wie Fritzsche sagte. Der Beratungsbedarf sei auch in Corona-Zeiten da. "Die Leute möchten ja trotzdem Kinder."

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Bundesrat stoppte Verschlechterung im Adoptionsgesetz

Ein Grund könnte die Debatte um geplante Rechtsänderungen im Sommer gewesen sein. Der Bundesrat hatte auf Initiative Baden-Württembergs die Neuregelung von Adoptionen abgelehnt, weil lesbische Mütter zu einer vorangehenden Beratung verpflichtet worden wären (queer.de berichtete). Das Bundesjustizministerium veröffentlichte später Pläne, lesbische Paare bei der Geburt eines Kindes gleichzustellen. Mutter eines Kindes wäre dann nicht mehr nur die Frau, die es geboren hat, sondern auch eine Frau, die mit ihr verheiratet ist oder die die Mutterschaft anerkannt hat. Ein Adoptionsverfahren wäre dann nicht mehr nötig.

"In der Bevölkerung dämmert es so langsam dem einen oder anderen, dass noch nicht vollständige Gleichberechtigung herrscht", sagte Fritzsche. Insbesondere für Familienpolitik gelte das. Abstammungsrecht sei eben nicht gleich Eherecht. "Lesbische Mütter müssen sich doppelt und dreifach ausziehen vor dem Staat."

Die Coronakrise erschwerte die Verbandsarbeit

Die Betreuung der Gruppen – wie auch anderer Mitglieder – sei für den LSVD im Pandemiejahr schwer gewesen, sagte Fritzsche. Viele hätten sich erstmal abgekapselt, um sich selbst zu organisieren und akute Probleme zu lösen. Auch ersetze der digitale nicht den direkten Kontakt – "dass man die Bedarfe und Gegebenheiten vor Ort sieht".

Zudem habe die Pandemie Probleme noch einmal verdeutlicht, etwa dass die LSVD-Arbeit in Baden-Württemberg sehr Stuttgart-fokussiert sei, so Fritzsche. Traditionelle Politparaden zum Christopher Street Day seien ausgefallen. Bei Alternativ-Events im Netz habe wohl vor allem die Community selbst zugeschaut. "Das hat natürlich nicht die gleiche Sichtbarkeit wie Veranstaltungen in der Innenstadt, ganz klischeehaft mit Feierei, nackter Haut, Lack und Leder", so Fritzsche. "Stillere Themen hatten es in der Pandemie noch schwerer, gehört zu werden."

Als weiteres Beispiel nannte Fritzsche die Diskussion um die homofeindliche Politik Polens und Städtepartnerschaften. Angesichts von Anfeindungen gegen sexuelle Minderheiten im Nachbarland hatten Aktivist*innen unter anderem mit Petitionen das Ende der Partnerschaften etwa zwischen Stuttgart und Lodz gefordert.

"Unter all den Umständen war es für den LSVD ein erfolgreiches Jahr"

Unmut bis Wut habe es gegeben, weil die Szene beispielsweise wegen des Infektionsschutzes auf ihre bunten Paraden verzichtet habe – zugleich aber "Querdenker" demonstriert hätten, sagte Fritzsche. Für die LGBTI-Community sei es aber wichtig gewesen, dass überhaupt etwas stattgefunden habe. Auch wenn die Vorbereitung mitunter mehr Zeit in Anspruch nehme und die Lust auf Videoschalten bei zunehmender Dauer schwinde. "Es ist schon was anderes, ob man sich zum Stammtisch trifft und sich auch nachher noch ungezwungen austauschen kann."

Verbandsmitglieder hätten aber technisch aufgerüstet und vermutlich werde die eine oder andere Organisations- und Beteiligungsform im Netz auch nach Corona fortbestehen, sagte Fritzsche. "Unter all den Umständen war es für den LSVD ein erfolgreiches Jahr." (cw/dpa)



#1 YannickAnonym
  • 26.12.2020, 10:39h
  • Union und SPD müssen endlich ihre Blockadehaltung aufgeben und das Abstammungsrecht so ändern, dass Regenbogenfamilien nicht mehr diskriminiert werden...

    Alles andere ist inakzeptabel. Wir schreiben das Jahr 2020 und in wenigen Tagen ist schon 2021.

    Vor allem:
    hier geht es nicht nur um Gleichstellung, sondern vor allem auch ums Kindeswohl. Parteien, die Kindern schaden, sollten nicht noch mal an die Macht kommen.
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#2 PfuiAnonym
  • 26.12.2020, 13:34h
  • Pfui CDU/CSU, die zur Befriedigung populistischer Stammtische sogar bereit sind, Kindern zu schaden. Gegen den Willen der Mehrheit des Volkssouveräns.

    Und pfui SPD, die denen immer wieder brav die Mehrheiten für diese Politik sichern.
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#3 TotalversagenAnonym
  • 26.12.2020, 14:30h
  • Dass unsere schwarz-rote Bundesregierung weiterhin meint, Regenbogenfamilien diskriminieren zu können, ist ein Skandal.

    Das ist ein Totalversagen der Regierung gegenüber ihren Bürgern, die Anspruch auf Schutz vor Diskriminierung haben, statt auch noch vom Staat diskriminiert zu werden.

    Aber das passt ja zu Union und SPD, die auch in zig anderen Bereichen komplett versagen. Z.B. beim Kampf gegen den Klimawandel und einem schnelleren Kohleausstieg, der unverzichtbar wäre (und obendrein die weitere Zerstörung von Landschaften und das Abbaggern von Dörfern verhindern würde).

    Und dann diese ständige Volksverarsche: da wird den Bürgern weisgemacht, es ginge um Arbeitsplätze, weil man nicht zugeben will, dass die Kohlekonzerne Union und SPD fest in der Hand haben. Würde es wirklich um Arbeitsplätze gehen, würde man noch viel schneller aussteigen, denn jeder Arbeitsplatz in der Kohleverstromung kostet vier Arbeitsplätze bei den Erneuerbaren Energien.

    Und es gäbe noch zig weitere Beispiele...

    So versagen Union und SPD bei wichtigen Themen und wollen dann auch noch die Bürger für dumm verkaufen...
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#4 MarinaAnonym
  • 27.12.2020, 17:03h
  • Als Betroffene ist die Sache für mich ganz einfach:
    sollte die SPD auch dieses Wahlversprechen wieder brechen, dürfen die auf meine Stimme und die Stimme meiner Frau nicht mehr hoffen.

    Ist eigentlich die einfachste Sache der Welt:
    Wer uns diskriminiert, bekommt nicht mehr unsere Stimme. Punkt.

    Ich wünschte, alle LGBTI würden nach dieser einfachen, eigentlich sehr logischen Regel handeln. Dann wären wir längst viel weiter...
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