Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?37825

Buddy-Projekt

Sven gibt "Starthilfe" für ein Leben mit HIV

Auf der Website Buddy.hiv finden Menschen nach einem positiven Testergebnis speziell trainierte andere HIV-Positive, mit denen sie sich austauschen können. Einer von ihnen ist Sven. Im Interview stellt er das Projekt vor.


Sven, schwul, Jahrgang 1988, wohnt in Ostfriesland: "Ich bin Buddy geworden um junge Menschen mit HIV zu unterstützen und zu zeigen das man mit der Infektion gut leben kann und alles machen kann, was man will"

Was ist das Buddy-Projekt?

Das Buddy-Projekt ist ein Peer-to-Peer-Projekt, also von und für Menschen mit HIV. Menschen, die schon länger mit HIV leben, stellen sich als Gesprächspartner*innen für Menschen zur Verfügung, die gerade ihr positives Testergebnis bekommen haben.

Entstanden ist das Projekt durch eine Gruppe von Menschen, die schon länger mit HIV leben und sich an die Zeit nach ihrem positiven Testergebnis erinnert haben. Sie kamen zu der Einschätzung, dass das, was ihnen in dieser Zeit gefehlt hat, der Austausch mit anderen Menschen mit HIV war. Gemeinsam mit der Deutschen Aidshilfe haben sie dann ein Projektkonzept entwickelt, in dem Menschen nach einem positiven HIV-Test ganz einfach Kontakt zu anderen Menschen mit HIV aufnehmen können. Die sogenannten Buddys stellen ihre Erfahrungen zur Verfügung. Auf der Webseite Buddy.hiv stellen sie sich vor, und Interessierte können ihre Fragen rund um das Leben mit HIV loswerden.

Warum braucht man heutzutage für eine seit Jahrzehnten bekannte chronische Krankheit, die gut behandelt werden kann, einen Buddy?

HIV ist zwar eine gut behandelbare Infektion, aber dennoch bleibt es eine unheilbare chronische Erkrankung. Oft haben Menschen noch alte Bilder von HIV/Aids im Kopf von gezeichneten, kranken und sterbenden Menschen, und diese Bilder werden sie nicht los. Einen Menschen kennenzulernen, der selbst schon lange mit HIV lebt und immer noch gesund ist, leistungsfähig ist und gut aussieht, noch feiern geht, Sex hat und ein ganz "normales" Leben führt, kann eine große Entlastung sein. Es ist etwas anderes, dies von einem HIV-negativen Menschen zu hören oder aus erster Hand von einem HIV-positiven Menschen zu erfahren.

Was sind die größten Sorgen, auf die Buddys eingehen müssen?

Die meisten Menschen haben Sorge, dass die HIV-Infektion ihre Lebensplanung auf den Kopf stellt. Sie befürchten Ausgrenzung und Diskriminierung, wissen nicht, ob und wann sie ihre Diagnose offenlegen müssen. Sie haben Sorge, dass sie die Medikamente, die sie jetzt lebenslänglich nehmen müssen, große Nebenwirkungen haben, dass sie keine*n Partner*in mehr finden oder keine Kinder mehr bekommen können. Selbstverständlich über die Diagnose zu reden und daraus kein Geheimnis zu machen, nicht mitleidig angeschaut zu werden, sondern offen darüber zu reden, was sie beängstigt, ist oft befreiend.


Visitenkarte des Buddy-Projekts

Wird das Buddy-Projekt eher von Älteren oder Jüngeren genutzt?

Die meisten Menschen wenden sich im ersten Jahr nach der Diagnose an die Buddys unabhängig von ihrem Alter. Manche nehmen aber auch erst viel später Kontakt auf, weil sie sich erst durch ein bestimmtes Ereignis mit der eigenen Infektion auseinandersetzen. Manchmal ist es auch eine persönliche Krise, die dazu führt, dass das Bedürfnis wächst, mit einem anderen Positiven über die eigene Situation zu reden.

Welche Vorurteile über HIV begegnen euch am meisten bei Menschen, die einen Buddy suchen?

Die meisten Situationen, in denen Menschen mit HIV Ablehnung erfahren, sind im sexuellen Kontext. Viele wissen nicht, dass HIV unter Therapie nicht übertragbar ist. Sie haben unbegründete Übertragungsängste und lehnen daher den Kontakt zu Menschen mit HIV ab.

Das häufigste Setting, in dem Menschen mit HIV Diskriminierung erfahren, ist das Gesundheitswesen. Hier gehen fast alle Menschen mit HIV offen mit ihrer Infektion um, aber längst nicht alle Mitarbeitenden im Gesundheitswesen kennen sich mit HIV und den Übertragungswegen ausreichend aus. Das führt oft zu Konflikten und Ausgrenzung und ärgert viele Menschen mit HIV. Eine solche Situation kann der Auslöser sein für eine Kontaktaufnahme mit den Buddys.

Wie wird man ein Buddy?

Alle Buddys haben eine zweiteilige Fortbildung durchlaufen. An zwei Wochenenden lernen sie das Projekt und seine Ziele kennen, sie erhalten Wissen über die Grundlagen der Kommunikation, Basiswissen zu HIV, reflektieren den Umgang mit der eigenen Infektion, erhöhen ihre Verweisungskompetenz, indem sie sich mit der Angebotsstruktur für Menschen mit HIV in ihrer Region aber auch bundesweit vertraut machen. Sie machen viele praktische Übungen, und am Ende entscheiden die Trainer*innen der Schulung, wen sie für die Tätigkeit als Buddy geeignet halten. In 2021 findet wieder eine Schulung statt. Interessierte können sich online anmelden.