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Modeschöpfer gestorben

Trauer um Pierre Cardin

Miterfinder der futuristischen Mode und Visionär: Pierre Cardin war vielen seiner Kollegen weit voraus. Nun ist der schwule Couturier und steinreiche Unternehmer mit 98 Jahren gestorben.


Pierre Cardin wurde 98 Jahre alt (Bild: Terentiyeva / wikipedia)

  • 29. Dezember 2020, 15:05h, noch kein Kommentar

Pierre Cardin hat die Mode revolutioniert und in über 70 Jahren ein wahres Imperium aufgebaut – nun ist der Designer im Alter von 98 Jahren gestorben. Das berichtete am Dienstag die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf seine Familie.

Mit Cardin hat Frankreich einen der größten Visionäre der Mode verloren. Denn der schwule Designer hat nicht nur die futuristische Mode mitbegründet, sondern als erster seiner Branche Mode für die Masse entworfen und wie kein anderer seinen Namen weltweit vermarktet.

Einer der reichsten Männer Frankreichs

Cardin wurde mit seiner Schneiderkunst zu einem der reichsten Männer Frankreichs. Der Nachwelt hinterlässt er ein Mode-Imperium aus Hunderten Fabriken und Lizenzen weltweit. Aus seinem Reichtum hat er nie einen Hehl gemacht: Er könne sich alles leisten, wie er einst in einem Interview unbefangen erklärte.

Der Designer wurde am 2. Juli 1922 als Sohn eines französischen Weinhändlers in Italien geboren. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ging er nach Paris und begann als Modezeichner im Haus Paquin. Nur kurze Zeit später wechselte er zu Christian Dior, wo er 1947 bei der Kreation des legendären "New Look" mitwirkte. Drei Jahre später schon gründete er sei eigenes Haute-Couture-Unternehmen.

Bis ins hohe Alter entwarf er Kollektionen

Cardin galt neben Paco Rabanne und André Courrèges als Erfinder der futuristischen Mode. So schickte er Anfang der Sechzigerjahren seine Mannequins in astronautenähnlichen Anzügen und mit Helm über den Laufsteg. Bis ins hohe Alter hinein entwarf er Kollektionen. Zu seinen erfolgreichsten Kreationen gehörten geometrisch geschnittene Minikleider mit Schießscheibenmustern und Röcke mit Vinylstreifen.

Der Branchenveteran war der erste Couturier, der eine Prêt-à-porter-Kollektion auf den Markt brachte – und der erste seiner Zunft, der seinen Namen für unzählige Produkte wie Möbel, Mineralwasser, Plattenspieler und Autos hergab. Cardin war auch ansonsten seiner Zeit voraus: Er streckte früher als alle anderen seine Fühler nach der ehemaligen Sowjetunion aus und entdeckte früher als alle den chinesischen Markt.

Fake-Beziehung mit Jeanne Moreau in den Sechzigern

Über seine sexuelle Orientierung und sein Privatleben sprach der Modeschöpger wenig. Von 1966 an war er mehrere Jahre mit der Schauspielerin Jeanne Moreau liiert, die fortan seine Kreationen trug. "Pierre ist homosexuell, trotzdem waren wir ein leidenschaftliches Paar", blickte der 2017 gestorbene Filmstar vor sieben Jahren in einem "Elle"-Interview auf die Fake-Beziehung zurück. "Er wollte gern ein Kind von mir, aber mit 33 bekam ich Krebs und konnte nicht mehr schwanger werden."

Von Cardin bekannt war auch, dass er mit seinem Assistenten André Oliver liiert war. (cw/dpa)