Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?37839

Jahresrückblick, Teil 4

Die zehn bedeutendsten Coming-outs des Jahres 2020

Jedes einzelne Coming-out trägt dazu bei, die Sichtbarkeit von LGBTI zu erhöhen. Wir blicken zurück auf die zehn beeindruckendsten "Ach übrigens, ich bin..." von 2020.


Jannik Schümann spielte im 2016 veröffentlichten deutsch-österreichischen Coming-of-Age-Drama "Die Mitte der Welt" bereits einen schwulen Jugendlichen – jetzt ist der gebürtige Hamburger auch im echten Leben out

Elliot Page (geb. 1987)


"Hallo Freunde, ich will mit euch teilen, dass ich trans bin." Mit diesen Worten trat Elliot Page Anfang Dezember an seine Fans. Das Coming-out trendete sofort auf Twitter – immerhin ist der kanadische Schauspieler seit Jahren ein bekanntes Hollywood-Gesicht. 2007 wurde Page mit der weiblichen Hauptrolle im Film "Juno" zum Hollywood-Star, danach war er in vielen weiteren Produktionen und Serien zu sehen – aktuell etwa in der populären Netflix-Superheldenserie "Umbrella Academy".

Das Coming-out zeigte auch auf, wie schwer sich gerade die deutschen Medien mit Coming-outs als trans tun. Sie betrieben etwa in großen Stil Deadnaming, also die Verwendung des abgelegten Namens einer trans Person, was ohne deren Zustimmung als respektlos und verletzend angesehen wird. Außerdem wurde Page in vielen Berichten misgendert, also weiterhin als "Schauspielerin" bezeichnet. Die von vielen Medien genutzte Erstmeldung der Nachrichtenagentur dpa zum Coming-out hatte etwa diese beiden Sünden begangen – und wurde erst Stunden später korrigiert.

Christina Hecke (geb. 1979)
Christina Hecke spielte bei deutschen TV-Krimis wie "Tatort", "Polizeiruf 110", "Wilsberg" oder "Der letzte Bulle" mit. Mit 40 Jahren verriet die gebürtige Stuttgarterin, dass sie bereits seit acht Jahren mit einer Frau liiert ist, die sie 2018 geheiratet habe. Die Begründung für ihr Coming-out: "Ich kann kein ehrliches Leben führen, wenn ich an einer Stelle immer lüge." Hecke erklärte aber auch, dass ihr der Begriff "lesbisch" nicht behage: "Da steckt irgendwie immer noch wenig bis gar keine Wertschätzung drin."

Jannik Schümann (geb. 1992)
Zur Weihnachtszeit sorgte ein weiteres Coming-out in Deutschland für Aufsehen: Jeder, der deutsches Fernsehen schaut, wird schon einmal Jannik Schümann in einem Krimi, einer Historienserie oder einem Film gesehen haben. Mehrfach war er dabei auch bereits in queeren Rollen zu sehen. Im TV-Film "Mein Sohn Helen" (2015) spielte er ein trans Mädchen. In der Bestsellerverfilmung von Andreas Steinhöfels "Die Mitte der Welt" übernahm er die Rolle des Nicholas. In der zweiten Staffel der Historienserie "Charité" (2019) verkörperte er zudem den schwulen Sanitätsoffizier Otto.

Benjamin Patch (geb. 1994)


Die Mannschafts-Profisportarten der Männer sind – glaubt man den öffentlichen Bekundungen – rein heterosexuelle Veranstaltungen. Das hat sich dieses Jahr geändert: Mit dem US-Volleyballer Benjamin Patch gibt es den ersten offen nicht heterosexuellen Spieler in einer deutschen Profi-Bundesliga. Er sei queer, so Patch: "Ich sage nicht, dass ich schwul bin und ich sage nicht, dass ich hetero bin, denn für mich bedeutet queer sein, offen zu sein." Nur wenige Wochen später gab im selben Sport ein Frankfurter Bundesliga-Verein bekannt, dass man mit dem Argentinier Facundo Imhoff einen offen schwulen Spieler verpflichtet habe.

Yungblud (geb. 1997)
Der britische Punkmusiker Yungblud zeigt, wie komplex Sexualität ist: Der 23-Jährige erklärte, er habe sich in der Vergangenheit als "eher heterosexuell" angesehen, würde sich jetzt aber als pansexuell und polyamourös einordnen. "Man muss sich in einer großen Menge von Leute verlieren, um herauszufinden, wer man sexuell ist. Vor zwei Jahren habe ich etwa Oliven gehasst – heute liebe ich Oliven", erklärte der Künstler.

Raymix (geb. 1991)
Mit Raymix hat sich einer der erfolgreichsten mexikanischen Sänger als schwul geoutet. LGBTI-Aktivist*innen begrüßten diesen Schritt als sehr bedeutend, da gerade im Land des Machismo Vorurteile gegen Homosexuelle noch immer weit verbreitet seien – und wenn sich ein Superstar outet, dessen erfolgreichstes Lied bislang allein auf Youtube fast 700 Millionen Mal (!) abgerufen wurde, werden mit Sicherheit Vorurteile abgebaut.

Taylor Schilling (geb. 1984)


(Bild: Netflix)

Der Traum vieler lesbischer OITNB-Fans ist dieses Jahr in Erfüllung gegangen: Die Hauptdarstellerin der Netflix-Erfolgsserie "Orange Is the New Black" lebt mit einer Frau zusammen. Das gab Taylor Schilling dieses Jahr anlässlich der CSD-Saison bekannt.

Aaron Schock (geb. 1981)
Das Coming-out von Aaron Schock zeigt, was wahre Heuchelei ist: Der US-Republikaner zog 2009 als jüngster Abgeordneter in den US-Kongress ein und profilierte sich als wahrer Konservativer – das schloss ein, dass er gegen jegliches Zugeständnis für LGBTI-Rechte stimmte. 2015 musste er nach Korruptionsvorwürfen seinen Hut nehmen. Ein Journalist outete ihn bereits 2014 und prangerte seine Doppelmoral an (queer.de berichtete). Als Entschuldigung für sein homophobes Stimmverhalten nannte Schock bei seinem Coming-out, dass er nun mal in einem christlichen Haushalt aufgewachsen sei.

Karl-Heinz Brunner (geb. 1953)

(Bild: Deutscher Bundestag / Achim Melde)

Im Bundestag engagiert sich der SPD-Politiker Karl-Heinz Brunner schon lange für LGBTI-Rechte – dafür erhielt er bereits 2015 von queer.de den Homo-Orden. 2019 löste er Johannes Kahrs als Fraktionssprecher für Schwule und Lesben ab. Sich selbst als schwul outete Brunner aber erst in diesem Sommer: Der Sozialdemokrat, der mit einer Frau verheiratet ist und zwei Kinder hat, erzählte, dass es bei ihm irgendwann "kling" gemacht habe. Inzwischen lebe der SPD-Kreisvorsitzende Neu-Ulm mit seinem Partner in Berlin zusammen.

Jacqueline Wilson (geb. 1945)


(Bild: Screenshot Sky News)

Für ein Coming-out ist es nie zu spät: Das bewies die britische Kinderbuchautorin Jacqueline Wilson, die sich im Alter von 74 Jahren als lesbisch outete. Generationen von Jugendlichen wuchsen mit ihren Geschichten auf, die auch kontroverse Themen wie Adoption oder Scheidung beinhalteten. Ihre bekannteste Serie ist die Tracy-Baker-Reihe, die auch in Deutschland erfolgreich war.

Über weitere Coming-outs kann man in unserem Dossier "Promis kommen raus" lesen.

Am Donnerstag veröffentlichen wir den letzten Teil unseres Jahresrückblicks 2020: die populärsten queer.de-Geschichten des zu Ende gehenden Jahres.



#1 WanndererAnonym
  • 30.12.2020, 09:07h
  • Was ist mit Curdin Orlik? Es heulen immer alle rum, dass sich keine Profisportler outen und dann outet sich jemand in einem konservativen Profisport und taucht hier nicht auf?
  • Antworten » | Direktlink »
#2 gifiAnonym
#3 AthreusProfil
  • 30.12.2020, 10:06hSÜW
  • Antwort auf #1 von Wannderer
  • Der Artikel heißt ja "Die zehn bedeutendsten...", dass heißt, das ist erstens eine Gewichtung von weniger und wichtigeren Coming Out's (=brutal) und eine vollkommen subjektive Betrachtung von Dennis Klein, der sie erstellt hat. Außerdem vermute ich, dass man mit Schock statt Orlik mehr Erregungspotential generiert, um die Kommentarspalte etwas zu würzen. Ich verstehe unter "bedeutend" allerdings auch Vorbilder statt Heuchler und Menschenrechtsgegner.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 HollaDieWaldfeeAnonym
  • 30.12.2020, 20:36h
  • So ganz verstehe ich jetzt auch nicht was hier bedeutsam sein soll? Da hat nach meiner Einschätzung nach nichts Impact. Ich kenne genau zwei Personen von der Liste und beide Coming-Outs sind mir persönlich wirklich egal. Bedeutsam wäre für mich etwas in der Liga, dass ein Royal aus dem Schrank käme.

    Also ja die Messlatte hing dieses Jahr tief.
  • Antworten » | Direktlink »