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Heimkino

Lesbische Inzest-Liebe nach einer wahren Geschichte

Die beiden Schwestern Lea und Christine arbeiten als Dienerinnen. Ihre Beziehung wird immer intimer, während sie ihre Arbeit zunehmend vernachlässigen. Das abgründige Drama "Sister my Sister" von 1994 ist jetzt erstmals in Deutschland verfügbar.


Zwei Perlen zum Preis von einer: Die beiden Schwestern Lea und Christine leben in einer kleinen Kammer in dem prächtigen Appartement von Madame Danzard (Bild: Edition Salzgeber)
  • Von Fabian Schäfer
    1. Januar 2021, 12:25h, noch kein Kommentar

Irgendwann wird's blutig. Das erzählt uns "Sister my Sister" schon ganz am Anfang, wenn die Kamera das genauso herrschaftliche wie blutverschmierte Treppenhaus hinuntergeleitet. Es ist das Treppenhaus, das zwei Welten unter einem Dach verbindet: Die weiß-graue Kammer, die sich die Geschwister Christine und Lea als Hausangestellte teilen, und das prächtige Appartement der Madame Danzard und ihrer Tochter Isabelle.

Die fünf Jahre ältere Christine hat Lea zu sich geholt, die Schwestern sind jetzt Kolleginnen. Die kauzige, unfreiwillig komische Madame Danzard hat mit den Klosterschülerinnen einen vermeintlich guten Deal gemacht: Zwei Perlen, wie sie sie nennt, zum Preis von einer – und sie brauchen nur ein Zimmer, sogar nur ein Bett.

Die Schwestern im Wechselspiel aus Anziehung und Distanz


Poster zum Film: "Sister my Sister" läuft ab 7. Januar 2021 in der queerfilmnacht online und erscheint gleichzeitig auf DVD

Dort, 1933 irgendwo auf dem französischen Land, regnet es so viel, dass für die Madame sogar die Einladung zu einer Beerdigung eine aufregende wie willkommene Abwechslung darstellen würde. Dennoch bleibt die Hausherrin (großartig und für eine französische Geschichte sehr britisch gespielt von Julie Walters) ziemlich beschwingt und lebensfroh, wenn sie durch ihr großzügiges Apartment tanzt.

Es ist gerade dieser Kontrast, der das britische Drama "Sister my Sister" aus dem Jahr 1994 so interessant macht: Unten spielt die Madame Karten mit ihrer erwachsenen Tochter, die sie erstaunlich infantil behandelt, während ein Stockwerk weiter oben Lea voller Begierde und Leidenschaft erst das Bein ihrer Schwester leckt und sich beide dann noch näherkommen.

Diese intime Beziehung zwischen Christine (Joely Richardson) und Lea (Jodhi May) ist durch zarte Berührungen schon früh angedeutet. Sie entwickelt sich dann gemächlich weiter, ein stetes Wechselspiel zwischen Anziehung und Distanz, bei dem schließlich die Zuneigung gewinnt. Die zwei Darstellerinnen verstehen es, ihre fahle, graue Kammer langsam durch Emotionen und erotische Spannung aufzuwärmen. Dass ihr Verhältnis gegen die herrschende Moral gleich zweifach verstößt, zeigt sich dabei nie in Worten, sondern höchstens in kurzen, zögernden Gesten.

In Großbritannien bereits ein lesbischer Klassiker

Doch vor allem Christine ist unberechenbar. Sie ist eifersüchtig auf die Mutter und plötzlich auch auf die unverheiratete Isabelle. Die Konflikte drohen zu eskalieren, die Schwestern streiten immer mehr. Je emotionaler ihre Beziehung wird, desto mehr vernachlässigen sie ihre Arbeit. Die anfängliche Begeisterung der Madame schlägt bald um in Zweifel und Misstrauen.

Die auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte der zwei Schwestern verarbeitete zuvor unter anderem Jean Genet in seinem Drama "Die Zofen", das bei seiner Uraufführung heftig abgelehnt wurde. Doch "Sister my Sister" ist nicht nur wegen der tabuisierten inzestuösen Liebe spannend. Auch die von Machtverhältnissen geprägten Beziehungen der Madame zu ihren Angestellten einerseits, zu ihrer Tochter andererseits, geben dem Drama viele Ebenen und lassen es zwischen tragischen und komischen Momenten wechseln.

Es verwundert, dass das Kammerspiel "Sister my Sister" der US-Regisseurin Nancy Meckler in Großbritannien den Status eines lesbischen Klassikers einnimmt, hierzulande jedoch bislang nie veröffentlicht wurde. Wie gut, dass sich das über ein Vierteljahrhundert nach Erscheinen nun ändern kann.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer

Infos zum Filmr

Sister my Sister. Drama. Großbritannien 1994. Regie: Nancy Meckler. Darsteller*innen: Julie Walters, Joely Richardson, Jodhi May, Sophie Thursfield. Laufzeit: 89 Minuten. Sprache: englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih: Edition Salzgeber. Ab 7. Januar 2021 in der queerfilmnacht online und auf DVD.