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Katholische Kirche
Vergewaltigungsvorwurf gegen Altbischof Küng bleibt ohne Folgen
Ein früherer Priesterseminarist erklärte 2019, vom ehemaligen österreichischen Familienbischof Klaus Küng sexuell missbraucht worden zu sein. Eine ordentliche Untersuchung der Vorwürfe fand bis heute nicht statt – das Opfer wird stattdessen eingeschüchtert.

Klaus Küng, Jahrgang 1940, war bis 2018 Bischof der Diözese St. Pölten (Bild: Diözese St. Pölten)
- 3. Januar 2021, 12:37h 3 Min.
Wie die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Wochenend-Ausgabe berichtete, hat der Bischof von St. Pölten, Alois Schwarz, dem Priester Wolfgang Rothe mit kirchenrechtlichen Sanktionen bedroht. Rothe hatte 2019 den früheren St. Pöltener Bischof Klaus Küng angezeigt, weil dieser ihm 2004 ein Betäubungsmittel verabreicht habe und danach sexuell übergriffig geworden sei (queer.de berichtete). Eine ordentliche Untersuchung der Vorwürfe fand bis heute nicht statt.
Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, wurde Rothes Anzeige vom zuständigen Wiener Kardinal Christoph Schönborn erst mit langer Verzögerung nach Rom weitergeleitet. Rom entschied im April 2020, dass die Vorwürfe "haltlos" seien, obwohl kein einziger Zeuge und noch nicht einmal das Opfer selbst befragt worden waren. Die kriminalpolizeilichen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen kamen hingegen zu dem Ergebnis, dass es sich bei den Übergriffen des Bischofs um eine "versuchte Vergewaltigung" gehandelt hatte. Da die Vorwürfe bereits verjährt waren, kam es jedoch zu keinem Strafprozess.
Küng schickte Opfer zum "psychiatrischen Schwulentest"
Auch der "forensisch-psychiatrische Schwulentest", zu dem Küng den Priester ein paar Monate nach den Übergriffen verpflichtete, blieb ohne Konsequenzen. Das Opfer wurde von einem Psychiater und einem Psychologen über zwei Tage in ein Kreuzverhör genommen, um herauszufinden, ob er denn homosexuell sei. Das "wissenschaftlich begründete psychiatrisch-psychologische Gutachten" wurde anschließend direkt an "seine Exzellenz Herrn Bischof DDr. Klaus Küng" geschickt (queer.de berichtete).
Der deutsche Forensiker Harald Dreßing, der im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz eine großangelegte Missbrauchsstudie veröffentlicht hat, kritisierte das Vorgehen von Bischof Küng als "ungeheuerlich". Die gutachterliche Fragestellung, wonach zu prüfen war, ob der Priester aufgrund einer gegebenenfalls vorliegenden homosexuellen Orientierung von jeglicher seelsorgerischer Tätigkeit mit Kindern und Jugendlichen fernzuhalten sei, nannte Dreßing "eindeutig diskriminierend".
Küng hat eigenen "Schwulentest" entwickelt
Wie wichtig Bischof Küng das Ausfinden von Homosexuellen in der Priesterschaft war, zeigt auch eine Anekdote aus dem Buch "Der heilige Schein. Als schwuler Theologe in der katholischen Kirche" aus dem Jahr 2010. Demnach könne Küng schwule Männer an ihrer Vorliebe für die Farben Violett und Rosa erkennen, an ihrem Bedürfnis, Fotos von sich selbst aufzuhängen, an einem bestimmten Geruch sowie an einem zu weichen Händedruck.
Der 80-jährige Altbischof hatte sich in seiner Amtzeit u.a. gegen schwule Priester ausgesprochen, innerhalb der Kirche "homosexuelle Netzwerke" beklagt und immer wieder scharf gegen die Ehe für alle protestiert. 2017 warnte er sogar davor, dass am Ende Kinder Opfer der Ehe-Öffnung seien.
Neuer Bischof droht Opfer mit Sanktionen
Bischof Küng und die Diözese St. Pölten haben gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" jegliche Stellungnahme verweigert – für Altbischof Küng sei der Fall abgeschlossen. Außerdem wurde Rothe von Bischof Schwarz – über Anordnung von Kardinal Schönborn – aufgefordert, jede Veröffentlichung über seine Leidensgeschichte zu unterlassen. Anderenfalls würden ihm weitere Sanktionen drohen. (cw/ots)
Links zum Thema:
» Zusammenfassender Bericht der "Süddeutschen Zeitung"
» Ausführlicher Paywall-Artikel














