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Katholische Kirche
Bischof Oster warnt vor queerer "Gesinnungsdiktatur"
Nach Kritik an seiner queerfeindlichen Predigt ringt sich der katholische Passauer Bischof Stefan Oster zu einer scheinheiligen Entschuldigung durch. Gleichzeitig wiederholt er seine verletzenden Worte, geriert sich als Opfer und holt zu einer neuen Attacke aus.

Stefan Oster ist seit 2014 Bischof von Passau – und seitdem mehrfach mit queerfeindlichen Äußerungen aufgefallen (Bild: Bistum Passau)
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5. Januar 2021, 08:50h 4 Min.
Mit einer scheinheiligen Entschuldigung, einer Wiederholung seiner Beleidigungen und einer neuen Attacke hat der katholische Bischof Stefan Oster auf die heftige Kritik an seiner queerfeindlichen Predigt im Passauer Dom reagiert. Er sei zum Dialog mit queeren Verbänden bereit, forderte den Lesben- und Schwulenverband allerdings dazu auf, zuvor einzuräumen, ihn "nicht korrekt, sondern verkürzt und damit die Positionen verändernd zitiert zu haben". Ein durchschaubares Ablenkungsmanöver: In einem Offenen Brief hatte der bayerische LSVD-Landesverband Bayern Osters Kernpositionen zwar zugespitzt, aber zutreffend zusammengefasst (queer.de berichtete).
Die umstrittene Predigt liegt bereits einige Tage zurück: Zum Fest der Heiligen Familie hatte der Bischof am 27. Dezember heftig gegen LGBTI ausgeteilt. So verglich er Intergeschlechtlichkeit u.a. mit einem "Herzfehler", pochte auf die Existenz von nur zwei Geschlechtern und stellte "vollständige" Transitionen von trans Menschen in Frage. Lesben und Schwule warf Oster pauschal vor, Sünder zu sein, sollten sie nicht enthaltsam leben (queer.de berichtete). Die Predigt stand unter dem Motto "Ist die klassische Familie heute noch das Normale?".
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Scheinheilige Entschuldigung
"Sie schreiben, meine Aussagen seien irritierend und für einige Menschen verletzend", reagierte Oster in einer Offenen Antwort auf einen Brief des Vereins Queer in Niederbayern. "Ich räume dazu ehrlich ein, dass ich nun nach doch einigen Gesprächen und Rückmeldungen – und im Wiederlesen oder -hören meiner Predigt an Stellen vor allem auf die betroffenen Personen hin nicht allzu sehr um Empathie bemüht war. Das tut mir aufrichtig leid – und dafür will ich mich entschuldigen."
Gleichzeitig wiederholte er ohne Ausnahme seine verletzende Wortwahl. Zu Intergeschlechtlichkeit führte Oster aus: "Dass ich zur weiteren Erklärung Blindheit oder einen Herzfehler eingebracht habe, war im Nachhinein wohl nicht allzu sensibel, auch wenn ich glaube, dass es zur Erklärung nicht völlig unpassend ist. Häufig sind ja – soweit ich informiert bin – bei intersexuellen Menschen z.B. primäre Geschlechtsorgane nicht ausgebildet oder andere Entwicklungsvorgänge sind nicht den üblichen Weg gegangen. Das Wort 'Beeinträchtigung' ist semantisch so offen, dass ich im Blick auf das Gesamtfeld der betroffenen Menschen weiterhin dazu stehen würde."
Seine Aussage über das "nicht vollständige" Gelingen von Transitionen habe er "ausdrücklich auf eine vollständige biologische (!) Transition bezogen", betonte der Passauer Bischof. Zur Frage der Enthaltsamkeit bei Homosexuellen schrieb er, dies sei "nicht meine private Lehre, sondern die Lehre der Kirche", die im Übrigen nicht nur queere Menschen vor Herausforderungen stelle.
Das wird man doch wohl noch sagen dürfen...
Auf den Vorwurf von Queer in Niederbayern, dass er queere Menschen in ihren Gefühlen verletzt habe, meinte Oster: "Natürlich müssen wir uns alle bemühen, so zu sprechen und zu handeln, dass möglichst niemand verletzt wird. Aber das Faktum selbst 'in Gefühlen verletzt werden', kann kein Kriterium dafür sein, ob jemand etwas, was er für wahr hält, sagen darf oder nicht. Andernfalls kämen wir allzu schnell in eine Gesinnungsdiktatur."
In diesem Zusammenhang beklagte sich Oster, dass "viele aggressive Äußerungen gegen mich nach der Predigt im Netz sehr verletzend" gewesen seien. In seiner Antwort an den LSVD empörte sich der Bischof zudem – wie bereits am 27. Dezember im Passauer Dom – über "eine Tendenz in Medien und politischer Gesellschaft, die christliche Familienthemen (etwa auch den Lebensschutz) durch Zurechnung in politische Lager zu diffamieren". Das habe er "gerade am eigenen Leib erlebt".
Stefan Oster ist bereits seit 2014 Bischof von Passau – und hat in dieser Position bereits wiederholt gegen queere Menschen Stimmung gemacht. So sorgte er vor fünf Jahren für Empörung, als er bezweifelte, dass Homosexualität angeboren ist (queer.de berichtete). Zuvor hatte er sich strikt gegen jedwede Anerkennung homosexueller Partnerschaften ausgesprochen. Das Argument, dass auch Lesben und Schwule Werte wie Treue und Verlässlichkeit lebten, wies er mit dem Hinweis zurück, dass dies auch "in einer Gangsterbande" der Fall sei (queer.de berichtete).














