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Katholische Kirche

Bischof Oster warnt vor queerer "Gesinnungsdiktatur"

Nach Kritik an seiner queerfeindlichen Predigt ringt sich der katholische Passauer Bischof Stefan Oster zu einer scheinheiligen Entschuldigung durch. Gleichzeitig wiederholt er seine verletzenden Worte, geriert sich als Opfer und holt zu einer neuen Attacke aus.


Stefan Oster ist seit 2014 Bischof von Passau – und seitdem mehrfach mit queerfeindlichen Äußerungen aufgefallen (Bild: Bistum Passau)

Mit einer scheinheiligen Entschuldigung, einer Wiederholung seiner Beleidigungen und einer neuen Attacke hat der katholische Bischof Stefan Oster auf die heftige Kritik an seiner queerfeindlichen Predigt im Passauer Dom reagiert. Er sei zum Dialog mit queeren Verbänden bereit, forderte den Lesben- und Schwulenverband allerdings dazu auf, zuvor einzuräumen, ihn "nicht korrekt, sondern verkürzt und damit die Positionen verändernd zitiert zu haben". Ein durchschaubares Ablenkungsmanöver: In einem Offenen Brief hatte der bayerische LSVD-Landesverband Bayern Osters Kernpositionen zwar zugespitzt, aber zutreffend zusammengefasst (queer.de berichtete).

Die umstrittene Predigt liegt bereits einige Tage zurück: Zum Fest der Heiligen Familie hatte der Bischof am 27. Dezember heftig gegen LGBTI ausgeteilt. So verglich er Intergeschlechtlichkeit u.a. mit einem "Herzfehler", pochte auf die Existenz von nur zwei Geschlechtern und stellte "vollständige" Transitionen von trans Menschen in Frage. Lesben und Schwule warf Oster pauschal vor, Sünder zu sein, sollten sie nicht enthaltsam leben (queer.de berichtete). Die Predigt stand unter dem Motto "Ist die klassische Familie heute noch das Normale?".

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Scheinheilige Entschuldigung

"Sie schreiben, meine Aussagen seien irritierend und für einige Menschen verletzend", reagierte Oster in einer Offenen Antwort auf einen Brief des Vereins Queer in Niederbayern. "Ich räume dazu ehrlich ein, dass ich nun nach doch einigen Gesprächen und Rückmeldungen – und im Wiederlesen oder -hören meiner Predigt an Stellen vor allem auf die betroffenen Personen hin nicht allzu sehr um Empathie bemüht war. Das tut mir aufrichtig leid – und dafür will ich mich entschuldigen."

Gleichzeitig wiederholte er ohne Ausnahme seine verletzende Wortwahl. Zu Intergeschlechtlichkeit führte Oster aus: "Dass ich zur weiteren Erklärung Blindheit oder einen Herzfehler eingebracht habe, war im Nachhinein wohl nicht allzu sensibel, auch wenn ich glaube, dass es zur Erklärung nicht völlig unpassend ist. Häufig sind ja – soweit ich informiert bin – bei intersexuellen Menschen z.B. primäre Geschlechtsorgane nicht ausgebildet oder andere Entwicklungsvorgänge sind nicht den üblichen Weg gegangen. Das Wort 'Beeinträchtigung' ist semantisch so offen, dass ich im Blick auf das Gesamtfeld der betroffenen Menschen weiterhin dazu stehen würde."

Seine Aussage über das "nicht vollständige" Gelingen von Transitionen habe er "ausdrücklich auf eine vollständige biologische (!) Transition bezogen", betonte der Passauer Bischof. Zur Frage der Enthaltsamkeit bei Homosexuellen schrieb er, dies sei "nicht meine private Lehre, sondern die Lehre der Kirche", die im Übrigen nicht nur queere Menschen vor Herausforderungen stelle.

Das wird man doch wohl noch sagen dürfen...

Auf den Vorwurf von Queer in Niederbayern, dass er queere Menschen in ihren Gefühlen verletzt habe, meinte Oster: "Natürlich müssen wir uns alle bemühen, so zu sprechen und zu handeln, dass möglichst niemand verletzt wird. Aber das Faktum selbst 'in Gefühlen verletzt werden', kann kein Kriterium dafür sein, ob jemand etwas, was er für wahr hält, sagen darf oder nicht. Andernfalls kämen wir allzu schnell in eine Gesinnungsdiktatur."

In diesem Zusammenhang beklagte sich Oster, dass "viele aggressive Äußerungen gegen mich nach der Predigt im Netz sehr verletzend" gewesen seien. In seiner Antwort an den LSVD empörte sich der Bischof zudem – wie bereits am 27. Dezember im Passauer Dom – über "eine Tendenz in Medien und politischer Gesellschaft, die christliche Familienthemen (etwa auch den Lebensschutz) durch Zurechnung in politische Lager zu diffamieren". Das habe er "gerade am eigenen Leib erlebt".

Stefan Oster ist bereits seit 2014 Bischof von Passau – und hat in dieser Position bereits wiederholt gegen queere Menschen Stimmung gemacht. So sorgte er vor fünf Jahren für Empörung, als er bezweifelte, dass Homosexualität angeboren ist (queer.de berichtete). Zuvor hatte er sich strikt gegen jedwede Anerkennung homosexueller Partnerschaften ausgesprochen. Das Argument, dass auch Lesben und Schwule Werte wie Treue und Verlässlichkeit lebten, wies er mit dem Hinweis zurück, dass dies auch "in einer Gangsterbande" der Fall sei (queer.de berichtete).



#1 Taemin
  • 05.01.2021, 09:26h
  • Wenn von Gesinnungsdiktatur die Rede ist, dann sollte einem doch wohl zuallererst die kath. Kirche einfallen, die mit bis in die ausgefeilteste Absurdität gesteigerter Dogmatik aufs Genaueste festlegt, was Menschen zu denken und wie sie zu handeln haben.
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#2 KaiJAnonym
  • 05.01.2021, 09:38h
  • Die für Passau zuständige Staatsanwaltschaft muss Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung aufnehmen.
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#3 Sven100Anonym
#4 Roman BolligerAnonym
  • 05.01.2021, 10:37h
  • Antwort auf #1 von Taemin
  • Ja, der radikale, fanatische und tödliche Absolutismus hat seit zahlreichen Jahrhunderten in der Katholischen Kirche, der Kurie und seinen Prälaten inner- und ausserhalb des Vatikans sein ewiges Zuhause gefunden. Herr Oster bringt den diktatorischen Anspruch seiner Kirche schön loyal zum Ausdruck.
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#5 saltgay_nlProfil
  • 05.01.2021, 10:45hZutphen
  • Na das war doch der rechte Hinweis. Nur sollte man auch erklären, was die "Jagdszenen in Niederbayern" sind. Ich fürchte, kaum ein Schwuler wird heute damit etwas anzufangen wissen. Für mich als pubertierendem Teen war dieser Fim eine Art Offenbarung, dass es endlich Menschen gab, die Hetze gegen Homosexuelle in diesem Kultfilm anprangerten. Es war natürlich auch in dem kleinstkarierten Westberlin absolut üblich gegen Schwule zu hetzen, deshalb fühlte man mit dem Hauptdarsteller Abraham, der in einem abgelegenen Dorf im Strauß-Land Bayern wegen seiner Orientierung von der Dorfbevölkerung vertrieben wurde, doch es leider nicht zum Bus schaffte, weil sie ihn kurzerhand umbrachten. Diese abstoßenden Bilder einer arischen "Dorfgemeinschaft", die Dorfnutte mit Kofferradio im Kornfeld; besser kann man diese verschissene BRD inclusive der selbstständigen politischen Einheit Westberlin gar nicht beschreiben. AfD-Traumland halt.

    Doch dieser merkwürdige Bischof aus Passau ist eben ein Vertreter der katholischen Amtskirche, der für die meisten jüngeren Priester steht. Es sind in der Regel Personen mit starken psychischen Defekten, welche in diesem Beruf neben finanzieller Sicherheit ihre abgeschlossene Eigenwelt genießen. In der Wirklichkeit würden sie als Erwachsene scheitern.
    Die Aufhebung des Zölibates würde diesen Beruf wie in der evangelischen Kirche Allen öffnen und die katholische Kirche reformieren. Paradebeispiel für einen klassischen Patienten einer psychiatrischen Klinik ist der selbsternannte schwule Möchtegern Pastor Rolf-Hermann Lingen aus Dorsten. Er nennt sich Pater und lässt sich mit "Hochwürden" anreden. Das war abzusehen, nachdem die polnische Flugente mit fünf Buchstaben Johannes-Paul Nr. 2 zum Papst gewählt wurde. Die katholische Kirche befindet sich nun im Abseits und deshalb darf dieser merkwürdige Bischof aus Passau auch brabbeln, was er will. Es hören ihm nur noch die Dorftrottel aus Niederbayern zu.
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#6 OutAndProud
#7 SolanaceaeAnonym
  • 05.01.2021, 11:37h
  • > In diesem Zusammenhang beklagte sich Oster, dass "viele aggressive Äußerungen gegen mich nach der Predigt im Netz sehr verletzend" gewesen seien.

    Aber das wird man doch wohl noch sagen dürfen. Wir wollen doch keine Gesinnungskultur.

    Ach wartet, falsche Seite. Warum darf er über andere her ziehen und seine Abartige Meinung verbreiten, andere dürfen es aber nicht, wenn es gegen ihn oder seine Werte passiert?
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#8 PeerAnonym
  • 05.01.2021, 11:48h
  • Wenn man also nicht laufend herabgewürdigt werden will und Hetze wegen seiner Liebe nicht schweigend hinnimmt, dann ist das Gesinnungsdiktatur?

    Es ist übrigens eine Verhöhnung der Opfer echter Diktaturen, Freiheit und Liebe als Diktatur zu bezeichnen.
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#9 KirchenaustrittAnonym
#10 StaatsleistungenAnonym
  • 05.01.2021, 11:58h
  • PS:
    Und Kirchenaustritt ist nur der eine Punkt.

    Die Kirche kassiert ja in Deutschland nach wie vor die sog. Staatsleistungen zusätzlich zur Kirchensteuer.

    de.wikipedia.org/wiki/Staatsleistungen

    Die gibt es von allen Steuerzahlern, auch denen, die gar nicht Mitglied dort sind, die einen anderen Glauben oder gar keinen Glauben haben.

    Das muss endlich ein Ende haben.

    Nicht nur, dass der Staat deren Mitgliedsbeiträge eintreibt und Säumigkeiten von Mitgliedsbeiträgen zur Straftat erhebt, sondern dann gibt es auch noch zusätzliche Gelder von allen Steuerzahlern. Man kann in Deutschland gar nicht der Kirche entrinnen und muss die zwangsfinanzieren.

    Das muss ein Ende haben und daran wird sich jede angeblich demokratische Regierung messen lassen müssen. Denn Demokratie bedeutet auch Trennung von Staat und Kirche.
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