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Nach Homophobie- und Rassismus-Affäre

"Zu schwul, zu schwarz": Denis Hedeler hat neuen Job

Im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick wurde er von AfD-Gesundheitsstadtrat Bernd Geschanowski nach eigenen Angaben gemobbt und schließlich entlassen – jetzt ist Denis Hedeler Amtsarzt in Dahme-Spreewald.


Denis Hedeler (weißes T-Shirt) hat Erfahrung in der Bekämpfung von Pandemien. Das Foto zeigt ihn bei einem Einsatz 2014 in Sierra Leone (Bild: privat)

Der frühere Vize-Amtsarzt des Berliner Bezirks Treptow-Köpenick hat einen neuen Job. Bereits seit Ende letzten Jahres ist der kurz vor Weihnachten von AfD-Gesundheitsstadtrat Bernd Geschanowski entlassene schwarze und offen schwule Epidemie-Experte "Amtsarzt in leitender Stellung" im Gesundheitsamt des brandenburgischen Landkreises Dahme-Spreewald, berichtete der "Tagesspiegel".

Hedeler hatte sich im November mit dem Vorwurf an die Öffentlichkeit gewandt, im Bewerbungsverfahren um die Nachfolge des pensionierten bisherigen Amtsarztes von Treptow-Köpenick aus Homophobie und Rassismus schikaniert worden zu sein: "Sie passen hier nicht", soll der AfD-Politiker Geschanowski ihm gesagt haben. "Wenn bei mir jemand nicht passt, muss er gehen" (queer.de berichtete). Wie für weitere Diskriminierungen, "abschätzige Worte und Gesten" oder Blicke, habe er allerdings keine Zeugen, so Hedeler gegenüber der "taz".

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AfD-Stadtrat wirft Hedeler "Rufmordkampagne" vor


AfD-Stadtrat Bernd Geschanowski bestreitet die Vorwürfe (Bild: AfD / Promo)

In einer inzwischen von über 39.000 Menschen unterschriebenen Online-Petition "'Zu schwul, zu schwarz': AfD verhindert Amtsarztsernennung" hatte der Mediziner von der Stadt eine Untersuchung der Vorwürfe und eine "faire und unabhängige Bewertung der Bewerbung" gefordert. Die Stelle in Treptow-Köpenick ist weiterhin unbesetzt und ausgeschrieben.

Geschanowski wies die Diskriminierungs-Vorwürfe in der Bezirksverordnetenversammlung mehrfach zurück und sieht sich als Opfer einer "Rufmordkampagne": "Herr Hedeler hat seine Herkunft, seine Hautfarbe und seine sexuelle Identität instrumentalisiert und gezielt als Mittel eingesetzt, um damit einen persönlichen Vorteil zu erzielen", behauptete der AfD-Gesundheitsstadtrat. Das Vertrauensverhältnis sei so nachhaltig zerstört, dass die Kündigung als "notwendiger Akt" unvermeidlich gewesen sei (queer.de berichtete).

Hedeler in "engster Auswahl" für Leitung des Gesundheitsamts

Der Landrat von Dahme-Spreewald, Stephan Loge (SPD), hatte aus der Zeitung von der Entlassung erfahren und Hedeler umgehend zum Gespräch eingeladen. "Er hat eine sehr, sehr gute Vorstellung abgegeben", erklärte Loge gegenüber dem "Tagesspiegel". In Dahme-Spreewald hat der schwule Mediziner nun Chancen auf jenen Chefposten, der ihm von Geschanowski in Treptow-Köpenick verwehrt worden war. "Er ist in der engsten Auswahl für die vakante Leitung des Gesundheitsamtes", so der SPD-Landrat.

Hedeler hatte in Kuba Medizin studiert und in Deutschland seinen Master im Fach Gesundheitswissenschaften gemacht. Er arbeitete mehrere Jahre im Gesundheitsamt Bremen und war 2014 für "Ärzte ohne Grenzen" an der Eindämmung der Ebola-Epidemie in Sierra Leone beteiligt. Der Landkreis Dahme-Spreewald hat aktuell nicht nur mit der Coronapandemie, sondern auch mit Schweinepest und Vogelgrippe zu kämpfen.

Gegenüber dem "Tagesspiegel" kündigte Denis Hedeler an, dass er trotz seines neuen Jobs vor dem Arbeitsgericht gegen seine Kündigung in Treptow-Köpenick klagen will. "Es geht mir um Gerechtigkeit." Andere Opfer von Diskriminierung sollten "den Mut nicht verlieren". (cw)



#1 SolidaritätAnonym
  • 06.01.2021, 06:49h
  • Meine allerherzlichsten Glückwünsche!

    Die im Artikel verlinkte Petition kann man immer noch unterzeichnen. Ich habe es gerade getan.
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#2 KaiJAnonym
  • 06.01.2021, 09:31h
  • Gut, dass Herr Hedeler weiter vor Gericht für seine Rechte klagen will, auch damit diese gegenüber anderen weniger streitig gemacht werden können.
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#3 KumpelAnonym
#4 TimTAnonym
  • 06.01.2021, 11:33h
  • Es ist doch immer wieder erstaunlich was man sich von Menschen mit offensichtlichen Ernährungs-, Gewichts- und lebenslangen Sexualproblemen so alles sagen lassen muss. Erstaunlich ist auch, dass es meistens diejenigen sind, deren Spiegelbild jetzt nicht gerade irgendeinem Schönheitsideal entspricht.

    Du wirst es schaffen, Denis! Es gibt viele Gute in Deutschland, die NICHT so fragwürdig drauf sind. All the best!
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#5 audeasAnonym
  • 06.01.2021, 13:47h
  • Das freut mich für ihn! Dennoch hoffe ich, dass er sich gegen den Rassismus und die Homofeindlichkeit jiristisch zur Wehr setzen wird.
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#6 AthreusProfil
  • 06.01.2021, 13:48hSÜW
  • Wer die Petition unterschrieben hat, müsste eigtl. entsetzt über die Zwischenbilanz sein, denn Stand 13.40 Uhr krutzt man immer noch unter 40.000 Stimmen herum. Bei einem Fall wie diesem, in einer 3,7 Mio. Stadt, kann das nur zwei Schlüsse zulassen: Entweder ist die Medienberichterstattung bei einem schwarzen, schwulen Arzt, der von einem Faschisten aus dem Amt gejagt wurde, so ungenügend, dass niemand davon Wind bekam oder aber, der die Menschen haben nicht das geringste Interesse und keine Zivilcourage, für diesen Mann und Gerechtigkeit einzustehen. Am Aufwand kann es, behaupte ich, schlecht liegen, denn die Unterschrift hat anderthalb Minuten meines Lebens gekostet. Armselig.
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#7 FaktencheckAnonym
  • 06.01.2021, 14:50h
  • Antwort auf #4 von TimT
  • "Es ist doch immer wieder erstaunlich was man sich von Menschen mit offensichtlichen Ernährungs-, Gewichts- und lebenslangen Sexualproblemen so alles sagen lassen muss. Erstaunlich ist auch, dass es meistens diejenigen sind, deren Spiegelbild jetzt nicht gerade irgendeinem Schönheitsideal entspricht."

    Weder das Gewicht noch das Aussehen noch unterstellte sexuelle Störungen Geschanowskis sind hier das Problem, sondern sein mutmaßlicher Rassismus und seine mutmaßliche Queerfeindlichkeit. Es ist wenig hilfreich, dem ausgerechnet Lookismus und fat shaming "entgegen" zu setzen. Man bekämpft Diskriminierung nicht mit Diskriminierung.
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#8 KumpelAnonym
#9 na_jaAnonym
  • 06.01.2021, 16:52h
  • Ob das eine so geschickte Entscheidung ist? Im Landkreis Dahme-Spreewald hat die AfD bei den Landtagswahlen 2019 satte 24,4 % der Stimmen bekommen und ist nur sehr knapp nicht die stärkste Kraft geworden. Manchmal laufen Menschen auch sehenden Auges ins nächste Desaster.
    tinyurl.com/y5w68sky
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#10 KaiJAnonym