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US-Studie

Sportliche Leistung von trans Frauen gleicht sich nach zwei Jahren an cis Frauen an

Wenn sich trans Frauen sportlich betätigen, wird das oft als unfair angesehen. Dabei ist Transsexualität kein automatischer Leistungsboost, wie eine neue Studie zeigt.


Trans Athletinnen wie der kanadischen Bahnradfahrerin Rachel McKinnon schlägt oft Hass entgegen – sogar aus dem Clan des US-Präsidenten (Bild: Twitter / Dr. Rachel McKinnon)

Trans Frauen haben ein Jahr nach dem Beginn einer Hormontherapie sportliche Vorteile gegenüber cissexuellen Athletinnen; die Leistung gleiche sich aber nach zwei Jahren immer mehr an. Das ist das Ergebnis einer Studie unter Führung des Orthopäden Dr. Tim Roberts aus dem US-Bundesstaat Missouri, die im Fachmagazin "British Journal of Sports Medicine" veröffentlicht wurde.

Die drei Studienautoren hatten die sportliche Leistung von 75 trans Soldat*innen der US-Luftwaffe untersucht, davon 46 trans Frauen und 29 trans Männer. Sie griffen dabei auf Krankenakten und Leistungstest des Militärs aus den Jahren 2013 bis 2018 zurück.

Das Ergebnis: Ein Jahr nach dem Start der Hormonbehandlung schafften trans Frauen zehn Prozent mehr Liegestützen und sechs Prozent mehr Rumpfbeugen als ihre cis Mitsoldatinnen. Nach zwei Jahren waren so gut wie keine Unterschiede mehr festzustellen. Auch bei Langstreckenrennen verloren trans Frauen über zwei Jahre immer mehr Vorteile – sie waren zu diesem Zeitpunkt im 2,4-Kilometer-Lauf aber immer noch zwölf Prozent besser als cis Sportlerinnen. Bei trans Männern waren die Ergebnisse entgegensetzt – ihre Leistungen verbesserten sich bereits nach einem Jahr so weit, dass sie praktisch gleiche Leistungen wie cis Männer zeigten.

Völlige Gleichheit illusorisch

Studienautor Roberts sagte gegenüber NBC News, dass manche trans Frauen zwar potenziell zeitweise geringe Vorteile gegenüber cis Athletinnen hätten. Allerdings sei völlige Gleichheit im Leistungssport – unabhängig von der Geschlechtsidentität – unmöglich. So gebe es cis Frauen, die im Jugendalter hormonbedingt schmalere Hüften ausgebildet hätten, was sportliche Vorteile bringe. Diese Athletinnen würden nicht sanktioniert. Außerdem führten gesellschaftliche Unterschiede zu weit mehr Ungleichheit: "Die Kinder [des Basketballstars] LeBron James haben die besten Trainer und die besten Sportanlagen. Damit haben sie auch Vorteile gegenüber anderen", so Roberts. Hintergrund ist, dass James' 16-jähriger Sohn Bronny zu den besten Nachwuchsbasketballern des Landes zählt.

Zudem bezögen sich seine Untersuchungen auf Personen, die als Erwachsene eine Geschlechtsanpassung begonnen hätten. Das Durchschnittsalter der untersuchten Air-Force-Soldat*innen sei 26 Jahre gewesen. Roberts mutmaßte, dass eine trans Frau, die bereits vor oder während der Pubertät mit der Transition beginne, keinerlei Leistungsvorteile wegen ihrer Geschlechtsidentität habe.

Roberts erklärte, weitere Studien seien notwendig, um eine faire Regelung für trans Athlet*innen im Leistungssport zu finden. In der vorliegenden Studie habe man die Leistungen von trans Personen etwa nie länger als zweieinhalb Jahre verfolgt. Hier seien längere Untersuchungen nötig. Zudem sei das Training im Militär nicht direkt mit dem Training im Leistungssport zu vergleichen – es handle sich aber um eine "vergleichbare Situation".

Republikaner wollen trans Frauen sogar aus Schulsport drängen

Derzeit kocht das Thema Transsexualität und Sport insbesondere in den USA hoch. Viele Republikaner wollen trans Frauen gänzlich aus dem Sport drängen, sogar im Hobbybereich. So erließ der Agrarstaat Idaho letztes Jahr ein Gesetz, das trans Schülerinnen und Studentinnen den Schulsport bzw. den Unisport untersagt (queer.de berichtete). Bürgerrechtsorganisationen haben bereits Klage gegen das Gesetz eingelegt. Bis ein Gericht darüber entscheidet, darf das Gesetz nicht angewandt werden.

Bei vielen internationalen Profi-Sportveranstaltungen wie der Olympiade dürfen trans Frauen teilnehmen, wenn ihr Testosteronspiegel ein Jahr lang nachweislich unter 10 Nanomol pro Liter liegt. Andere Sportarten wollen dagegen trans Frauen pauschal verbannen: So versucht der Rugby-Weltverband, ein ausnahmsloses Trans-Verbot im Frauenrugby durchzusetzen (queer.de berichtete). (dk)



#1 PiakAnonym
  • 06.01.2021, 13:03h
  • Interessante Studie.
    Der Artikel belegt aber das Gegenteil von dem, was in der Überschrift suggeriert wird:
    "Auch bei Langstreckenrennen verloren trans Frauen über zwei Jahre immer mehr Vorteile sie waren zu diesem Zeitpunkt im 2,4-Kilometer-Lauf aber immer noch zwölf Prozent besser als cis Sportlerinnen. "

    Das entspricht aber gerade dem üblichen(!) Leistungsunterschied zwischen Männern und Frauen. Trans-Sportlerinnen waren hier also genau so schnell wie Männer-Läufer und nicht wie Cis-Frauen:

    "Die schnellsten Männer erreichen Zeiten um 3:26 Minuten, das entspricht 7,28 m/s oder 26,21 km/h.
    Die schnellsten Frauen erreichen Zeiten um 3:50 Minuten, das entspricht 6,52 m/s oder 23,48 km/h."

    de.wikipedia.org/wiki/1500-Meter-Lauf
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#2 ElinorAnonym
  • 06.01.2021, 13:37h
  • Antwort auf #1 von Piak
  • Im Abstract der im Artikel verlinkten Studie steht, dass der Unterschied vor Beginn der Hormonbehandlung 21% betrug und sich auf 12% verringerte. Der direkte Vergleich innerhalb der selben Personengruppe ist sicherlich aussagekräftiger als ein Quervergleich mit allgemeinen Bestzeiten auf einer anderen Distanz.
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#3 DankeschönAnonym
  • 06.01.2021, 13:43h
  • Antwort auf #1 von Piak
  • Für nix. Deine Unsensibilität zu den Konsequenzen der Thematik und deine Kontraproduktivität irgendwelche Zahlen zu zitieren und den Artikel nicht verstanden zu haben hat richtig was bewegt.

    Habt doch wenigstens die Eier in der Hose und sprecht es aus: Transmenschen sollen keinen Platz im Sport oder der Gesellschaft haben.
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#4 KarlAnonym
  • 06.01.2021, 15:15h
  • Probleme anzuerkennen ist nicht mit transfeindlichkeit zu verwechseln.

    Der Artikel besagt in der Tat, entgegen der Überschrift:
    "sie waren zu diesem Zeitpunkt im 2,4-Kilometer-Lauf aber immer noch zwölf Prozent besser als cis Sportlerinnen."
    Aber auch: "Bei trans Männern waren die Ergebnisse entgegensetzt ihre Leistungen verbesserten sich bereits nach einem Jahr so weit, dass sie praktisch gleiche Leistungen wie cis Männer zeigten."
    Bei Männern ist es also weitgehend unproblematisch, bei Frauen nicht so einfach.

    Bleibt auf dem Teppich! Niemand hier will allen, die trans sind, (Leistungs)Sport verbieten, aber Cis Frauen sollten weiterhin eine faire Chance haben. d.h. auch: Keine 12% Nachteil!

    Es ist auffällig, dass trans Frauen, die Leistungssport betreiben, meist in den absolut oberen Leistungsbereich gelangen, so zB die abgebildete Radlerin. (Gilt auch für inter Frauen wie zB C. Semenya) Das enttäuscht ihre ebenfalls hart trainierenden Cis Konkurrentinnen, was ich verstehe.

    Wie wäre es, den statistischen Vorteil in Zukunft in die Bewertung einzubeziehen? Testosteron in der Pubertät beeinflusst auch Knochenbau und Größe, es gibt nun mal Vorteile, die nicht verschwinden.
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#5 NinakadinProfil
  • 06.01.2021, 15:26hBerlin
  • Kann ich als Betroffene bestätigen.
    Ich laufe (Freizeitsport) seit vielen Jahren und nach Beginn der Hormonersatztherapie konnte ich zuschauen, wie meine Trainnigszeiten von Woche zu Woche schlechter wurden.
    Vor der Transition dreimal den Berlin-Marathon gelaufen, danach zweimal. Dazwischen lagen 6 Jahre mit geringerem oder operationsbedingt gar keinem Training.
    Die Östrogenzeiten waren trotz höheren Trainingsaufwands ca. 25% schlechter als die Testosteronzeiten. Dabei würde ich 5-10% dem höheren Alter zurechnen.
    Ich habe immer das Gefühl, einen Männerknochenbau mit Frauenmuskeln durch's Gelände schleppen zu müssen.
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#6 Alexander_FAnonym
  • 06.01.2021, 15:29h
  • Die ganze Debatte geht eigentlich nicht nur um Transmenschen, sondern auch darum, warum es überhaupt nach Geschlechtern getrennte Sportligen geben sollte.

    Ich habe mich immer gefragt, weshalb ich bei den Bundesjugendspielen niemals eine Siegerurkunde bekommen habe, die ich als Mädchen locker bekommen hätte.

    Es gibt keine solcherlei Boni oder Mali in nicht-sportlichen Fächern, obwohl immer wieder (nicht unbedingt begründete) Stimmen laut werden, dass Mädchen in sprachlichen Fächern begabter seien und damit eigentlich ein Bonus für Jungen angebracht wäre, würde man wirklich konsequent vorgehen.

    Warum also nicht den ganzen Kladderadatsch komplett verwerfen und überall mit einerlei Maß messen?
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#7 Still_Ith
  • 06.01.2021, 15:32h
  • Trans*-männliche Jugendliche werden übrigens gern mal gezwungen, beim Schulsport oder Sport generell in den Mädchengruppen zu bleiben.

    Spätestens auf Testo ist das natürlich voll fair.
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#8 BonesAnonym
  • 06.01.2021, 15:44h
  • Das ist glaube ich der entscheidene Unterschied. Transfrauen, die nach der Pubertät mit der Transition anfangen, haben trotzdem ihr Leben lang denselben Knochenbau, den auch Cis-Männer haben. Sind im Durchschnitt größer, mehr Muskeln etc.

    Natürlich sollen Transfrauen weiterhin Sport machen und auch bei einem verdienten Sieg die Lorbeeren bekommen, aber gleichzeitig müssen wir auch drauf achten dass der Frauensport fair bleibt und die Frauen nicht benachteiligt werden.
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#9 Still_Ith
  • 06.01.2021, 16:15h
  • Antwort auf #6 von Alexander_F
  • Weil Testosteron das Dopingmittel pur ist, was eine ganze Menge an trans*-männlichen Menschen mit Testo-Start bei meinem damaligen Stammtisch festgestellt hat, und was ich persönlich bereits nach der 1. Spritze bestätigen konnte, als sich randvolle EInkaufstüten einfach mal anfühlten als sei nichts drin - auch auf dem Weg den Berg hoch.

    Nach der Pubertät keine Unterschiede mit Menschen verschiedener Hormonwerte zu machen, würde einfach nur bedeuten, dass ungedopte Cis-Frauen NIRGENDWO eine Chance auf Platzierungen hätten (außer vllt beim Reitsport).

    In der DDR war Testosteron als Dopingmittel übringens bekannt und wurde zwangsweise/ohne Einverständnis der Betreffenden gerade deswegen bei Cis-Frauen zur Leistungssteigerung eingesetzt.
    [Falls nun ein Cis-Mann hier auf die Idee kommt, das auch zu versuchen: Es wäre Blösinn. Viel hilft viel gilt hier nicht, ab einer gewissen Konzentration wird Testo zu Östrogen umgewandelt und hat dann ggf. gegeteilige sowieso sonstige unerwünschte Effekte.]

    Eine trans*-männliche Person, der das so ging (Zwangsdoping), habe ich auch mal kennengelernt. Ich sag es mal so: Wenn man trans*-masc ist, hat das natürlich was für sich. Aber da gesteigerte Körperbehaarung (großenteils reversibel), Bartwuchs (nicht komplett reversibel) und Stimmbruch (nicht reversibel) zu den Begleiterscheinungen gehören, war das für die Cis-Frauen schon eine ziemliche Katastrophe. Und ehrlich betrachtet haben die allermeisten Arten von Doping irgendwelche unerwünschten Nebeneffekte.

    Das Problem bei der bisherigen Herangehensweise mit Unterteilung nach dem Geschlecht ist halt, dass diverse Vorteile ohnehin schon nicht einbezogen werden (einige davon siehe Artikel). Ich kann jetzt nicht grundsätzlich der Notwendigkeit widersprechen, für sportliche Wettbewerbe Menschen entsprechend ihrer Voraussetzungen zu unterteilen - nicht nach meinen persönlichen Erfahrungen bereits nach der ersten Dosis Testo. Mein Körper war ja sehr offenkundig derselbe und die Leistungsfähigkeit schon extrem anders.
    Die Sache ist aber, dass Geschlecht nicht das geeignete Kriterium ist, diese Art von Einteilung und Unterscheidung vorzunehmen. Streng genommen bedeuten die schon immer Ausschlüsse für sehr viele Menschen, die bei den heute verfügbaren technischen und medizinischen Möglichkeiten, so eine Leistungsfähigkeit einzuschätzen, eigentlich nicht sein müssten.

    Gewichtsklassen im Kampfsport gibt's bspw. schon recht lange. Grundsätzlich würde jetzt nichts dagegensprechen, ähnliche Vor- und Nachteile auch für andere Sportarten herauszuarbeiten.
    Man müsste an der dadurch resultierenden Inklusion halt ein Interesse haben. Und DAS ist eben das, was nicht wirklich für notwendig gehalten wird.

    Ich meine, jetzt speziell bzgl. Trans*-Themen oder Inter-Personen - wieso sollte man auch, als nicht-trans und/oder nicht-inter-Person. Man mus halt erstmal die Erfahrung gemacht haben, aus einer Toilette oder Umkleidekabine rauszufliegen, um wirklich zu _begreifen_, was Erfahrungen wie diese bewirken. Grundsätzlich könnte man das Cis-Schwulen nun irgendwie zutrauen, die ja hin und wieder in Blogs berichten, wie sehr dieses EINE Mal sie fertiggemacht hat, bei dem sie fürs Händchengehalten angemault wurden oder evtl. auch bloß verurteilendes Kopfschütteln kassiert haben. Aber selbst das funktioniert als Übertragung eben nur teilweise. Als Trans*-Person bekommst du diesen ganzen Gegenwind, hier aus einer ganzen Sparte, ohne überhaupt irgendetwas zu tun und einfach nur dafür, wer und was du bist. Ja, und manchmal auch dafür, wie du aussiehst, woran du aber halt ebenfalls für gewöhnlich nur begrenzt etwas ändern kannst.

    Wenn es die Leute nicht betrifft, ist ihnen verständlicherweise nunmal einfach egal, was so ein kategorischer Ausschluss bedeutet. Im Zweifelsfall sollst du dich abfinden und nicht so anstellen. Und hast dich ja schließlich auch selbst dazu entschieden, ne. Weil, du hättest ja die Transition lassen können. Oder gleich das Trans*-Sein.

    Aus Sicht der Mehrheit bist du einfach nur.. selbst schuld. Oder hast halt Pech.
    Und solange darüber so gedacht wird, wird sich in der Praxis auch nichts ändern.
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#10 Nebenbei gesagtAnonym