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Reform

AfD empört: Online-Duden wird geschlechtergerecht

Das generische Maskulinum soll aus dem Duden verschwinden, zumindest in der Online-Ausgabe. Aus der AfD kommt reflexartig der Vorwurf, dass es sich hierbei um "Gendergaga" handle.


Der Duden lehrt die Deutschen bereits seit über 140 Jahren, wie man Wörter richtig schreibt (Bild: bidok Leicht Lesen / flickr)

Die Onlineausgabe des deutschen Rechtschreibstandardwerks Duden ändert laut "Die Welt" (Bezahlartikel) alle 12.000 Personen- und Berufsbezeichnungen, um das generische Maskulinum zu entfernen. Weibliche und männliche Formen sollen jeweils gleichberechtigt aufgeführt und eigens erläutert werden.

Das zeigt sich etwa im Begriff "Arzt", der bereits geändert wurde. Dieses Wort wird definiert als "männliche Person, die nach Medizinstudium und klinischer Ausbildung die staatliche Zulassung (Approbation) erhalten hat, Kranke zu behandeln". Das Wort "Ärztin" wird gesondert aufgeführt. Die Definition ist genau gleich wie bei "Arzt", nur dass es sich hierbei um eine "weibliche Person" handle. Ein weiteres Beispiel ist der "Mieter": Er ist nicht mehr "jemand, der etwas gemietet hat", sondern eine "männliche Person, die etwas gemietet hat".

Kathrin Kunkel-Razum, die Chefin der Duden-Redaktion, erklärte am Donnerstag, es habe in den letzten Jahren viel Kritik daran gegeben, dass es bei weiblichen Formen nur einen Verweis-Artikel gab. Gleichzeitig verteidigte Kunkel-Razum die Änderung gegen Kritik von der anderen Seite, die geschlechtergerechte Sprache für "Gendergaga" hält. So erklärte die Germanistin aus Berlin: "Selbstverständlich gibt es solche Formen, dass man sagt, ich gehe zum Bäcker, ich gehe zum Fleischer, oder ich gehe zum Arzt." Mit diesen Begriffen sei aber eine Einrichtung gemeint, etwa eine Arztpraxis. "Wenn wir über konkrete Personen sprechen, dann wird das generische Maskulinum zunehmend infrage gestellt", sagte Kunkel-Razum.

"Haltungspolitischer Sargnagel"

Unter anderem die AfD-Europagabgeordnete Christine Anderson machte sich am Freitag auf Twitter über die Reform lustig: "Gehen Sie noch zum Bäcker oder schon zu den Backenden?", ulkte die Parlamentarierin, die bereits mehrfach mit LGBTI-feindlichen Äußerungen aufgefallen ist (queer.de berichtete). Mit der Änderung werde der "haltungspolitische Sargnagel" in die deutsche Sprache geschlagen. Die Politikerin aus dem hessischen Limburg prophezeite, dass der Online-Duden "außerhalb der #Gendergaga Blase" bald verzichtbar werde.



"Gendergaga" oder "Genderwahsinn" sind Kampfworte innerhalb der AfD, um sich insbesondere über die Gleichbehandlung von sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten lustig zu machen. Mit derartigen Worten wird etwa die geplante Reform des Transsexuellenrechts lächerlich gemacht (queer.de berichtete).

Gedruckter Duden muss warten

Noch ist unklar, ob auch der gedruckte Duden geschlechtergerecht wird. Denn dort, so Kunkel-Razum, stelle sich ein Platzproblem.

Der Duden hat erst vor wenigen Monaten die neuste gedruckte Ausgabe herausgegeben. Darin wurden viele Worte neu aufgenommen, darunter "transgender", "inklusiv" und "genderneutral" (queer.de berichtete). (dk)



#1 Alexander_FAnonym
  • 08.01.2021, 14:22h
  • "Die Politikerin aus dem hessischen Limburg prophezeite, dass der Online-Duden "außerhalb der #Gendergaga Blase" bald verzichtbar werde."

    Ihr Parteikollege Gunnar Lindemann hat ja durch seine grandiosen germanistischen Glanzleistungen schon im letzten Sommer bewiesen, dass er den Duden wohl nur sehr selten aufschlägt. Und dass Nationalisten in aller Welt schon Probleme mit ihrer Muttersprache haben, ist nun auch ein offenes Geheimnis.
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#2 menoAnonym
  • 08.01.2021, 14:44h
  • Es ist nicht verständlich, warum die Nachricht über ein solches Thema ausschließlich unter diesem Titel und in der Verbindung mit der AfD vorgestellt wird.

    Erstens ist es eine Information, die man unabhängig von den Reaktionen verbreiten kann und es gibt keinen Grund das mit dem Fokus auf die AfD zu machen. Zweitens hängt die Problematik der gegenderten Sprache und ihre Akzeptanz nicht primär mit der AfD zusammen, es gibt etliche andere positive und negative Reaktionen aus der Mitte der Gesellschaft. Wenn man also über die Akzeptanz sowie pro und contra berichten möchte, dann sollte das bitte über diese billige Schiene hinaus gehen.

    Ich habe eine klare Meinung zur gegenderten Sprache, kämpfe aber weder dafür noch dagegen. Für mich kann das absolut keine Lösung für irgendein Problem in der Gesellschaft sein, vor allem ist es aus meiner Sicht kein Fortschritt ständig die binäre Welt der Mann, bestehend aus männlich und weiblich, zu betonen. Diese Betonung zielt auf eine Hervorhebung der Unterschiede in den Genderkonstrukten, die nur aus "männlich" und "weiblich" bestehen und erzwingen eine Entweder- oder-Entscheidung bei jedem noch so sachlichem Gespräch, das eigentlich vollkommen unabhängig von der Genderidentifikation verlaufen kann.

    Ich bin der Meinung, dass dieses Insistieren auf einer binären Welt in der Sprache keinen Deut besser oder hilfreicher für eine offene Gesellschaft ist, die eigentlich verstehen sollte, dass es mehr als nur Frau und Mann als Identitätsebene gibt. Das kann und soll man durchaus diskutieren und es wird genug pro und contra Argumente geben. Die Argumente dagegen in einen Topf mit der AfD zu schmeißen ist mehr als einfach nur Ignorant, es ist auch ein Beweis für den mangelnden Respekt dem Gegenüber mit einer anderen Meinung und eigenen Argumenten, die nicht auf Ideologien basieren. Mit solchen Artikeln und Diskussionen kommen wir in der Sache und mit dem Zeil einer offeneren Gesellschaft überhaupt nicht weiter.
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#3 nichts gewonnenAnonym
  • 08.01.2021, 14:44h
  • Die sprachliche Festschreibung des Duden in binäre Existenzen, nur männlich und nur weiblich, ist ein Faustschlag ins Gesicht all derer, die sich für echte Inklusivität engagieren. alle Nicht-Binären müssen weiterhin draußen bleiben.

    So was passiert, wenn in den Redaktionen Cis-Frauen sitzen, die genauso egozentrisch sind wie Cis-Männer. Alice Schwarzer und Konsortinnen werden sich eins ins Fäustchen lachen. Übel, übel.
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#4 GargamelAnonym
  • 08.01.2021, 14:56h
  • Also ich gehe in die Bäckerei. Dort arbeiten für mein tägliches Brot die Bäckereiangestellten. Backende kenne ich sooo jetzt eigentlich nicht. Meinte die Afde ([Aphthe] = Schmerzhafte Wunde im Mundbereich) vielleicht Backende Croisants?
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#5 AtreusProfil
  • 08.01.2021, 15:06hSÜW
  • Wenn man bei der schriftlichen Erwähnung von Frauen schon zur politischen Entscheidungsschlacht um die deutsche Sprache ruft, möchte ich nicht wissen, wie der Puls bei diesen Personen aussieht, falls "der Duden" irgendwann seine Nichtenempfehlung des Gendersternchens in eine Empfehlung umwandelt. Oder Vergleichbare Lösungen nahelegt. Das führte zu echten Nervenschäden!
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#6 SchonAnonym
#7 NonBinaryAnonym
#8 menoAnonym
  • 08.01.2021, 18:45h
  • Antwort auf #6 von Schon
  • Wir haben kein Problem mit der fehlenden Sichtbarkeit der Frauen. Wir sehen sie jeden Tag privat und im professionellem Kontext, z.B. auf der Arbeit und in den Medien, hören ihre Stimmen. Aber Frauen sind nicht überall in der Gesellschaft im gleichen Verhältnis zu Männern vertreten. Dort kann man nichts sichtbar machen, was es nicht gibt.

    Das Problem liegt in der Verteilung der Macht und Möglichkeiten - und zwar nicht nur im Bezug auf Frauen, sondern dasselbe Problem existiert für alle geschlechtsunabhängig durch die Ausgrenzung auf sozialer und wirtschaftlicher Ebene. Es gibt genug Männer, denen genauso viel verwehrt wird, weil sie nicht dem vorherrschenden Muster innerhalb einer Gruppe entsprechen. Da hilft ihnen auch nichts, dass überall und schon seit geraumer Zeit generischer Maskulinum verwendet wird. Es wird ihnen ebenso nicht dadurch besser gehen, dass auch noch explizit binär getrennt wird und niemand sich mit irgendeiner Form in der Sprache mit gemeint fühlt, sondern alle nur auf die eigene Identität achten.

    Es ist sicherlich so, dass in einigen Bereichen und bei einigen Menschen - vielleicht dazu auch noch auf entscheidenden Positionen - Männer und ihre Leistung immer noch höher eingeschätzt wird und ihnen pauschal mehr zugetraut wird als Frauen. Aber diese Voreingenommenheit und Vorurteile gibt es mit ziemlicher Sicherheit dann auch im Bezug auf andere Gruppen, die nicht ihrem Vorurteilsmuster entsprechen (z.B. oft LGBTIQ+, Migranten, nicht-Christen, progressiv Denkende...), ob sie Männer oder Frauen sind. Das Problem ist daher nicht die Sichtbarkeit des Geschlechts und kann dadurch auch niemandem geholfen werden.

    Die Gesellschaft muss mit ihren Institutionen dafür sorgen, diese Konzentration der Macht und Möglichkeiten in bestimmten Verhältnissen zu begrenzen und anders zu gestalten - durch die konkrete Veränderungen der Spielregeln im System. Diese Probleme kann man nicht über die Einführung einer binären Sprache lösen. Das ist noch eine Hegemonie der Mehrheiten mehr. Das braucht die Gesellschaft nicht.

    Was bring da bitte schön, Mann und Frau sprachlich in jedem Kontext zu trennen, immer separat zu definieren (wie im Duden) oder getrennt anzusprechen? Inwiefern bringt diese Trennung oder auch jegliche noch kleiner gegliederte Betonung von Unterschieden irgendjemanden von uns weiter im Anspruch auf die Chancengleichheit, welche unabhängig von irgendwelcher Identifikationsebene für alle gegeben sein muss, eben damit alle ihre jeweils eigene Identität ohne Nachteile so ausleben und zeigen können, wie sie sind und wie sie sich zeigen möchten?
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#9 EsbolAnonym
#10 HiragyAnonym