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Gesprächs- und Dokureihe

"Es gibt nichts Besseres für eine Stadt als eine dichte Bevölkerung von zornigen Homosexuellen"

Martin Scorseses neue Netflix-Serie "Pretend It's A City" mit der lesbischen Schriftstellerin Fran Lebowitz ist eine wunderbar unterhaltsame Hommage an New York City.


Martin Scorsese und Fran Lebowitz in "Pretend It's a City" (Bild: Netflix)

Es gibt Menschen, ohne die kann man sich New York City nicht wirklich vorstellen. Und die umgekehrt in jeder anderen Stadt der Welt irgendwie fehl am Platz sind. Woody Allen ist so jemand, Spike Lee oder Jerry Seinfeld im Grunde auch. Und definitiv Fran Lebowitz.

Die Autorin und Humoristin, die auch eine gefragte Rednerin ist und im Englischen wohl als "public intellectual" zu beschreiben wäre, ist zwar keine gebürtige New Yorkerin, lebt dort aber, seit sie aus der High School geschmissen wurde – und ist untrennbar mit der Stadt verbunden. Weswegen nun ihr guter Freund Martin Scorsese – seinerseits Big-Apple-Bewohner durch und durch – ihr beziehungsweise ihrer Beziehung zu New York eine siebenteilige Gesprächs- und Dokureihe widmet, die seit kurzem auf Netflix zu sehen ist.

"Pretend It's A City" ist nun keine dieser dokumentarischen Produktionen, die sich eines Promis biografisch annehmen, von der Geburt bis zu Gegenwart, mit allen Höhen und Tiefen und der gebührenden Feierlichkeit. Was nur sehr begrenzt daran liegt, dass Lebowitz weniger ein Star als eine Person des öffentlichen (amerikanischen) Lebens ist, die früher regelmäßig Essays veröffentlichte, immer wieder in Talkshows und auf Podien sitzt und ansonsten von der "Vanity Fair" zur Stilikone erklärt wurde, in "Law & Order" oder "Wolf of Wall Street" als Richterin zu sehen war und mit Andy Warhol (für dessen Magazin "Interview" sie schrieb) im "Studio 54" feierte. Vor allem hatte Oscar-Gewinner Scorsese eben kein Interesse daran, etwas über seine Freundin zu erzählen. Sondern wusste: Am meisten Spaß haben alle Beteiligten, wenn Lebowitz selbst erzählt.

Hommage an eine einzigartige Stadt und ihre eigenwilligen Bewohner*innen


Poster zur Serie: "Pretend It's A City" läuft seit 8. Januar 2021 exklusiv auf Netflix

Und das tut sie dann in "Pretend It's a City" auch, in beeindruckendem Sprechtempo und mit sardonischem Einschlag. Mal mit Scorsese im Gespräch, mal bei öffentlichen Auftritten oder in (auch aus dem Archiv gefischten) Talk-Situationen mit Spike Lee, Alec Baldwin oder ihrer guten Bekannten Toni Morrison spricht Lebowitz, die aus ihrer Homosexualität nie einen Hehl gemacht hat, über New York und dessen Bewohner*innen, über das eigene Leben und persönliche Macken, über E-Zigaretten und über die Touristen am Times Square, um die es einen Bogen zu machen gilt. Das ist manchmal bitter, oft lakonisch und verschroben, meistens ebenso smart und wie klarsichtig und fast immer herrlich komisch. Vorausgesetzt natürlich, man hat in Sachen Humor – so wie der sich immer wieder vor Lachen ausschüttende Scorsese – eine ähnliche Wellenlänge.

Keine Frage: Hier und da wäre eine kleine biografische Einordnung oder auch ein Kommentar von außen gar nicht uninteressant gewesen. Nicht alle Themen, die zur Sprache kommen, sind gleichermaßen spannend, und bei zusammengenommen dreieinhalb Stunden hätte "Pretend It's A City" hier und da durchaus gestrafft werden können. Aber als Hommage an eine einzigartige Stadt und ihre eigenwilligen Bewohner*innen funktioniert die Serie bestens. Und die meiste Zeit über kann man sich nicht satt daran hören, wie sich Leibowitz an ihre Zeit als Taxifahrerin erinnert, über die Gerüche – und Hunde-Mosaiken – in der New Yorker U-Bahn schimpft oder berichtet, wie sie früher manchmal Frauen nur deswegen aufriss, weil die eine beheizte Wohnung und Warmwasser hatten. Zumal mitunter Sätze für die Ewigkeit fallen wie "Es gibt nichts Besseres für eine Stadt als eine dichte Bevölkerung von zornigen Homosexuellen."

Direktlink | Englischer Originaltrailer zur Serie



#1 goddamn liberalAnonym
#2 New York City BoyAnonym
  • 13.01.2021, 11:11h
  • Als ich das erste Folge gesehen habe, habe ich sofort Heimweh gekriegt. 25 Jahre mitten in Manhattan. War ausreichend aber trotzdem vermisse ich die Stadt.
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