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Rheinland-Pfalz

Familienministerin entschuldigt sich für Leid von lesbischen Müttern

Anne Spiegel bedauert, dass lesbische Mütter bis vor 40 Jahren systematisch bei Scheidungen diskriminiert worden seien – und ruft den Bund auf, ebenfalls um Entschuldigung zu bitten.


Anne Spiegel beim grünen Landesparteitag im August 2020 – bei der Landtagswahl am 14. März tritt sie als Spitzenkandidatin ihrer Partei an

Die rheinland-pfälzische Frauen- und Familienministerin Anne Spiegel (Grüne) hat sich bei lesbischen Müttern und Kindern für das Leid entschuldigt, das ihnen in der Nachkriegszeit bei Scheidungen mit dem Entzug des Sorgerechts zugefügt wurde. "Bis 1977 gab es eine systematische Diskriminierung von lesbischen Frauen, wenn sie sich haben scheiden lassen", sagte Spiegel am Donnerstag bei der Vorstellung einer Studie über das Schicksal lesbischer Mütter in Westdeutschland von 1946 bis 2000.

Die Ergebnisse der Forschungsarbeit seien "bedrückend und beschämend zugleich", so Spiegel weiter. "Ich möchte als Frauen- und Familienministerin mein Bedauern ausdrücken und mich dafür bei den betroffenen Frauen, bei ihren Kindern und Familien entschuldigen." Den betroffenen Frauen und Kindern sei systematisches Unrecht zugefügt worden.

Die Ministerin kündigte an, sich an das Präsidium des Bundestags zu wenden und eine Entschuldigung des Bundestags anzuregen. "Das ist ein bundesweites Unrecht, das begangen wurde." Autorin der Studie, die von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und dem Institut für Zeitgeschichte München-Berlin getragen wurde, ist die Historikerin Kirsten Plötz.

Twitter / Vielfalt_RLP

"Wir brauchen ein umfassenderes Bild"

"Ich hoffe, dass Bund und weitere Länder dem Beispiel von Rheinland-Pfalz folgen und sich ebenfalls mit diesem Unrecht auseinandersetzen", erklärte Hirschfeld-Stiftungs-Chef Jörg Litwinschuh-Barthel bei der Vorstellung der Forschungsarbeit. "Wir brauchen ein umfassenderes Bild dieses bislang weithin unbeachteten Feldes der Diskriminierung von lesbischen und bisexuellen Frauen und ihren Kindern. Die empirische Forschung von Dr. Kisten Plötz liefert hierzu nun eine wichtige Grundlage."

Twitter / mhstiftung | Eine Diskussionrunde zum Thema findet am Nachmittag statt

Die Ergebnisse der Studie belegen ausführlich, dass lesbische Mütter in Angst, Abhängigkeit und Sorge um den Verlust des Sorgerechts ihrer Kinder und den Unterhalt lebten, wenn sie sich von ihrem Ehemann scheiden ließen, um in einer Liebesbeziehung mit einer Frau zu leben. Jurist*innen stuften demnach gleichgeschlechtlichen Verkehr als "schwere Eheverfehlung" ein. "Das Kind sollte geschützt werden vor der Außenseiterrolle der Mutter", sagte Autorin Plötz. "Der Wunsch und das Leid der Kinder waren nebensächlich." Das Schweigen und die Angst seien so groß gewesen, so dass sich das Ausmaß der Diskriminierung nicht genau feststellen lasse. Für ihre Arbeit habe sie mit 23 Zeitzeug*innen gesprochen, unter ihnen zwölf Mütter. "Wir müssen davon ausgehen, dass Tausende von Frauen betroffen waren."

Die Forschungsarbeit mit dem Titel "In ständiger Angst… Eine historische Studie über rechtliche Folgen einer Scheidung für Mütter mit lesbischen Beziehungen und ihre Kinder in Westdeutschland unter besonderer Berücksichtigung von Rheinland-Pfalz (1946 bis 2000)" folgt einer ersten Studie über "Verfolgung und Diskriminierung von Homosexualität in Rheinland-Pfalz" (2017). Beide Arbeiten wurden von der Landesregierung mit insgesamt 70.000 Euro gefördert.

Mehr Informationen zu der Untersuchung gibt es auf der Website des Forschungsprojekts sorgerecht-lesbischer-muetter.de. Informationen zu LGBTI-Themen sind auf der vom Landesfrauenministerium initiierten Seite www.regenbogen.rlp.de erhältlich. (dpa/dk)



#1 FinnAnonym
  • 14.01.2021, 12:37h
  • "Anne Spiegel bedauert, dass lesbische Mütter bis vor 40 Jahren systematisch diskriminiert worden seien"

    Sie werden es bis heute zu.

    U.a. da Union und SPD sich nach wie vor weigern, das Abstammungsrecht anzupassen.
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#2 Hannah und JuliaAnonym
  • 14.01.2021, 12:49h
  • Schön, dass manche Leute in ihrer Phantasiewelt meinen, wir wären schon seit 40 Jahren gleichgestellt.

    Wahrscheinlich wollen die sich schon mal für eine Koalition mit der Union eingrooven...

    Aber Fakt ist:
    wenn überhaupt, dann sind wir erst seit dem Adoptionsrecht, das gemeinsam mit der Eheöffnung kam, halbwegs gleichgestellt. Also seit gerade mal gut 3 Jahren.

    Wenn jemand nicht mal den Unterschied zwischen 3 Jahren und 40 Jahren kennt, sollte man nicht in politische Verantwortung kommen.

    Aber dazu kommt noch die nach wie vor anhaltende Diskriminierung im Abstammungsrecht.:

    solange das nicht geändert ist, sind lesbische Mütter weiterhin diskriminiert.

    Es wird Zeit, dass im Jahr 2021 endlich mal unsere Diskriminierung abgeschafft wird. Aber unsere schwarz-rote Bundesregierung macht bisher keine Anstalten in diese Richtung.
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#3 AthreusProfil
  • 14.01.2021, 13:32hSÜW
  • Wer nach solch einer bedrückenden Studie allein die Diskriminierung vergangener Tage anklagt und die der Gegenwart verschweigt, macht sich unglaubwürdig und erzeugt den Verdacht, sich fern von ehrlichem Anliegen und Betroffenheit, für den Wahlkampf profilieren zu wollen.

    Besonders in so kurzer Folge auf den erst kürzlich im Bund eingebrachten Gesetzentwurf, der u.a. eine Zwangsberatung für lesbische Mütter vorsah. Und das von der SPD, mit der die Frau Familienministerin in RLP schließlich koalliert. Wenn man politisch nicht vollkommen blind und taub ist, hätte der Entschuldigung also auch eine Kritik an Bund, CDU und SPD folgen müssen, sowie die Forderungen, die fortlaufende und vielfältige staatliche Diskriminierung zu beenden.
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#4 GabiAnonym
#5 PapakindAnonym
  • 14.01.2021, 14:14h
  • Alles richtig.
    Ich persönlich tue mich allerdings schwer, von Müttern und ihren Kindern zu lesen, als wäre das die wichtigste Einheit...auch wenn das sicher nicht so gemeint ist.
    Denn so lange haben in der jüngeren deutschen Geschichte Väter eine untergeordnete Rolle gespielt, wenn es um Sorgerechtsstreiteren ging. Schon alleine dass die ( heterosexuelle) Mutter als Selbstverständnis angesehen wird, der Vater aber, trotz Vaterschaftsnachweis ( den die Mutter übrigens verweigern konnte), nicht die gleichen Rechte zugesprochen kam.
    Auch war lange Zeit automatisch der Ehemann der Frau der berechtigte Vater, selbst wenn der Vater ein anderer war und derjenige Umgang haben wollte, durfte die Mutter dem ein Rigel vorsetzen. Das Kindeswohl hat dabei keine Rolle gespielt.
    Bei unverheirateten hatte die Mutter fast die alleinige Entscheidung.

    Muttersein wird in Deutschland immer noch vor Vatersein gestellt.
    Ich verstehe die besondere Rolle der Mutter während Schwangerschaft und Mutterschutz, darüber hinaus darf es aber keine Unterschiede seitens des Rechts geben.
    Egal welches Geschlecht oder sexuelle Orientierung... das darf nie als Maßstab darüber dienen, wer die Elternrolle innehat/ übernimmt.
    Darüberhinaus können Kinder schon recht früh mitteilen, beim wem sie sich am wohlsten fühlen. Das findet anscheinend noch zu wenig Beachtung, wenn man sich die langen Sorgerechtsstreitereien anschaut...wobei das für die Gerichte sicher auch Zeit braucht zu erkennen, ob ein Kind manipuliert wurde oder es aus seinem Herzen spricht.
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#6 FennekAnonym
  • 14.01.2021, 16:44h
  • Entschuldigungen sind ein wichtiges Zeichen, aber was noch viel wichtiger wäre, wäre auch die restlichen Formen von Diskriminierung abzubauen. Nicht nur das Abstammungsrecht, sondern auch die Situation von Trans- und Intersexuellen, die Ausnahmen im AGG, Art. 3 GG, etc.

    Solange das alles nicht zu 100% passiert, sind LGBTI weiterhin diskriminiert. Und solange Diskriminierung noch anhält, macht es auch wenig Sinn, sich dafür zu entschuldigen, weil es halt noch nicht vorbei ist.

    Mir ist egal, welche Partei das umsetzt, aber da CDU, CSU und SPD seit 8 Jahren ein Totalausfall sind, sollten es vielleicht mal andere probieren.
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#7 Ralph
  • 14.01.2021, 16:48h
  • Die Aussage der Ministerin suggeriert, eine gleichartige Diskriminierung schwuler Väter bei der Ehescheidung habe es nicht gegeben. Ich wage, das zu bezweifeln.
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#8 HugogeraldAnonym
#9 NickAnonym
  • 17.01.2021, 23:49h
  • Antwort auf #5 von Papakind
  • Dir ist schon klar, dass sich viele Frauen wegen Gewalt von ihren Männern trennen? Dir ist schon klar, dass es ohne ärztliches Attest und ein Geständnis unmöglich ist, diese Gewalt zu beweisen? Dir ist schon klar, dass es ein Märchen ist, dass Mütter heutzutage vor den Familiengerichten bevorzugt werden, und dass der Regelfall das sogenannte Wechselmodell ist, bei dem der Vater keinen Unterhalt zahlt ? Auch bei Gewalt? Dir ist auch klar, dass mit dem Eintrag auf der Geburtsurkunde der Mann als Vater gilt und dieses Wechselmodell durchsetzen kann, auch wenn er kurz nach der Geburt bzw. Zeugung verschwindet und 10 Jahre später wieder auftaucht und das Kind ihn gar nicht kennt? Dir ist auch klar, dass eine Frau mit männlichen Kindern über 6 Jahre oft nicht in ein Frauenhaus *darf*, und dass ein Weglaufen-mit-den-Kindern rein juristisch gesehen Kindesentzug ist, und im Verlust des Sorgerechts für geschlagene Mütter enden kann? Stichwort "Entfremdung". Es gibt da eine gut organisierte Väterlobby, kennst du bestimmt?

    Und falls dir das nicht alles klar war, hilft das Bundes-Hilfetelefon gegen Gewalt gern weiter.
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#10 HomonklinNZAnonym
  • 18.01.2021, 04:24h
  • Gehe da auch sehr mit #6 und #7 mit, zum Einen wäre statt symbolischen Gesten, die keine Tiefe und Dauer dieses Leids je erahnen, die Aufhebung der Ursache und die Beendigung der Leid verursachenden und verschleppenden Situation nötig.
    Die denken scheints, mit so einer Bitte um Entschuldigung sei dann alles wieder heil und im Lot.

    Und dann wäre es gut, wenn es bei allen Erziehungs- und Paarkonstellationen in Ordnung gebracht wird. Intersexuelle hat man über Jahrzehnte mehr oder weniger verleugnet oder ähnlich wie Trans*-Personen pathologisierend gesehen. War bei Lesben sicher lange auch nicht besser, oder bei allein erziehenden Personen, wenn man da in die Geschichte rein zurück schaut.

    Warum also zögert man die immer noch bestehende Lesben-Diskriminierung hinaus oder übergeht sogar Chancen, ein für allemal volle Gleichstellung hinzubekommen? Welchem oder besser, wessen Zweck dient das?
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