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Mit 81 Jahren

Magier Siegfried Fischbacher ist tot

Der offen schwule Magier stirbt acht Monate nach dem Tod seines Partners Roy.


Siegfried (re.) und sein Partner Roy waren mit ihrer Tigershow die Megastars in Las Vegas (Bild: Carol M. Highsmith / wikipedia)

Jetzt können sie ja im Himmel zusammen zaubern, werden die Fans denken, die so gläubig sind wie Siegfried Fischbacher es war: Siegfried und Roy, das weltberühmte Magierduo, ist nun im Tod vereint. Kurz nach Bekanntwerden einer Erkrankung an Bauchspeicheldrüsenkrebs starb Fischbacher mit 81 Jahren in seinem "Little Bavaria" in Las Vegas, wie seine Schwester der "Bild"-Zeitung sagte – nur acht Monate nach seinem Partner Roy Horn (queer.de berichtete).

Siegfried war der Zauberer, Roy der Dompteur, so lässt sich das als Einheit aufgetretene Duo doch in zwei Teile trennen. Während der im Mai 2020 nach einer Covid-19-Erkrankung gestorbene Uwe Ludwig Horn bei seinem Onkel, dem Mitbegründer des Bremer Zoos, die Liebe zu den Raubtieren entdeckte, hatte die Zauberergeschichte von Siegfried Fischbacher noch etwas Mythenhafteres an sich.

Der am 13. Juni 1939 in Rosenheim als zweites von drei Kindern geborene Siegfried suchte seine Freiräume in einem durch den Alkoholismus des Vaters schwierigen Elternhaus. Mit acht Jahren soll er in einer Buchhandlung ein Zaubereibuch entdeckt haben, das aber fünf Mark kostete. Die Eltern konnten das Geld nicht erübrigen. Der Legende nach soll Siegfried dann auf der Straße einen Fünfmarkschein gefunden, sich das Buch gekauft und es intensiv studiert haben.

Ob die Geschichte so stimmt oder nicht, Siegfried wollte immer nur Zauberer werden. 1959 heuerte er als Steward auf dem Kreuzfahrtschiff "Bremen" an – eine schicksalhafte Entscheidung.

Siegfried unterhielt neben seinem Job mit einem Zauberprogramm die Gäste. Auf dem Schiff heuerte bald auch Horn an, sah sich Siegfrieds Programm an und provozierte diesen dann. "Um ganz ehrlich zu sein, ist die ganze Zauberei doch sehr vorhersehbar", habe Roy gesagt, berichtete Siegfried später. Er sei wütend gewesen. "Für mich war er nur ein kleiner Spinner, der keine Ahnung hatte."

Doch die Provokation ging weiter – ob er denn außer Kaninchen und Vögeln auch einen Geparden verschwinden lassen könne? Roy hatte tatsächlich einen Geparden an Bord geschmuggelt. Nur wenige Tage, nachdem Roy ihm das Raubtier gezeigt hatte, standen die beiden gemeinsam auf der Bühne des Schiffs – und Siegfried zauberte unter Jubel des Publikums mit dem Raubtier.


Siegfried und Roy sind in Las Vegas in Bronze verewigt (Bild: Julia / flickr)

Ein Auftritt 1966 in Monte Carlo vor Fürstin Gracia Patricia brachte dem Duo den internationalen Durchbruch. Sie spielten im Lido in Paris, in Hollywood, in Japan. Der Höhepunkt wurde ab 1989 ihr festes Engagement im neuen Mirage-Hotel in Las Vegas.

5.750 Shows absolvierten Siegfried und Roy im für sie gebauten Hoteltheater, allein die Tickets spielten anderthalb Milliarden Dollar ein – die beiden Magier machten ein Millionenvermögen. Dabei war Hotelbetreiber Steve Wynn kein Träumer: "Die Entscheidung hatte nichts mit den Illusionen ihrer Show zu tun – es war eine rein geschäftliche Entscheidung, sie waren die Nummer eins in der Stadt."

Wie aus dem Ei gepellt präsentierten sich die Magier stets. Wie es hinter der Fassade aussah, drang erst nach dem Jahr 2003 etwas mehr nach außen, als der weiße Tiger Montecore Roy am Genick packte und dieser aufgrund schwerer Verletzungen nie mehr auf die Bühne zurück konnte.

Coming-out im Jahr 2007

Die Showzeit war damit vorbei, und Siegfried und Roy blieben anders im Gespräch. 2007 etwa erschien eine Biografie, in der die als offenes Geheimnis geltende Homosexualität der beiden bestätigt wurde. Demnach waren sie lange ein Liebespaar, ab 1998 allerdings getrennt. Auch von einer jahrelangen Medikamentenabhängigkeit der beiden wurde damals berichtet.


Siegfried und Roy 2012 in München (Bild: Usien / wikipedia)

Bis zum Ende blieben Siegfried und Roy eng vereint. Fischbacher glaubte auch an ein Wiedersehen. "Roy ist jetzt drüben angekommen und bereitet dort alles für mich vor – das hat er mir so versprochen", sagte er im vergangenen Jahr der "Bild"-Zeitung.



#1 MarcAnonym
  • 14.01.2021, 14:49h
  • Das Idol meiner Kindheit ist tot. Für ein Kind, das Zauberkunst liebte waren die beiden einfach das Größte auf dem Planeten.

    Sie haben alles geschafft, was man im Showbiz nur schaffen kann. Aus der Provinz kommend haben er und sein Partner es geschafft, internationale Top-Stars zu werden und die ungekrönten Könige von Las Vegas zu sein.

    Sie waren schon zu Lebzeiten lebende Legenden und werden sicher genauso unvergessen werden wie die Beatles, Elvis und andere Weltstars.

    Er konnte auf ein erfülltes Leben zurückblicken und hat seine Träume gelebt.

    Auch wenn ich leider nie ihre Show sehen konnte, so werde ich nie vergessen, wie die beiden auf einmal vor mir standen. Und ich fühlte mich wieder wie der kleine Junge, der sich nichts mehr gewünscht hatte als das. Auch wenn sich zu dem Zeitpunkt meine Interessen bereits verschoben hatten, war dieser Moment magisch und unvergesslich für mich.

    Leb wohl Siegfried, möge sich Dein Wunsch erfüllen und Du jetzt mit Roy wieder vereint the biggest show of the universe machen.

    Ein letztes SARMOTI
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#2 Carsten ACAnonym
  • 14.01.2021, 15:20h
  • Antwort auf #1 von Marc
  • Für mich hatten die beiden sicher nicht die Bedeutung, die sie für Dich hatten.

    Aber eines muss man zugeben:
    die gehörten über mehrere Jahrzehnte zu den weltweit bekanntesten Super-Stars. Wo sie hinkamen, jubelten die Massen.

    In ihrem Bereich waren sie wirklich die Größten. Und damit meine ich nicht nur Zauberkünstler, sondern Showstars insgesamt: Über so lange Zeiträume mit fast täglichen Shows Millionen von Menschen zu begeistern, schaffen nur ganz ganz wenige.
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#3 MarcAnonym
  • 14.01.2021, 16:31h
  • Antwort auf #2 von Carsten AC
  • Sie haben nicht nur tägliche Shows gespielt, sondern in der Regel sogar zwei Shows pro Tag. Meist ohne Ruhetag.

    Die haben alleine bei ihrem letzten Engagement im Mirage, wo sie einen Vertrag auf Lebenszeit hatten, tausende Shows gespielt.

    Ohne die Shows vorher im Frontier, bei ihrer Japan-Tour, etc. Es wird geschätzt, dass sie im Laufe ihres Lebens mindestens 20.000 Shows gemacht haben.

    Kein Sänger, keine Band, kein Schauspieler, kein Artist, kein Zauberkünstler, kein Komiker - niemand hat jemals so viele Shows gegeben wie die beiden. Die sind nicht ohne Grund so legendär.

    Die haben quasi für die Shows und ihr Publikum gelebt.

    Selbst die Leute, die Zauberkunst nicht mögen, müssen diese Lebensleistung eingestehen.
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#4 FennekAnonym
  • 14.01.2021, 16:49h
  • Ich habe eben gelesen, dass ihr Vermögen, das auf mehrere hundert Millionen Dollar geschätzt wird, nahezu vollständig an ihre Artenschutz-Stiftung geht, die sich um den Erhalt bedrohter Tiere und ihrer Lebensräume kümmert.

    Finde ich sehr gut.

    So haben sie nicht nur vielen Menschen viel Freude bereitet, sondern auch was für die Erde, die Natur und die Tiere getan.

    Aber ich hatte schon mal gelesen, dass die beiden ihr ganzes Leben lang wohl immer sehr großzügig waren. Die haben das wohl nie an die große Glocke gehängt, aber wohl schon immer einen Teil ihres Vermögens für gute Zwecke gegeben.

    Das macht sie echt sympathisch, auch wenn Zaubern nicht meins ist.
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#5 Sabelmann
#6 LupdejuppAnonym
  • 14.01.2021, 19:54h
  • Antwort auf #5 von Sabelmann
  • Müssen nicht und klar kann man immer skeptisch sein wenn Tiere für Shows genutzt werden, aber die beiden waren in ihrem Bereich eben über Jahrzehnte ganz oben und sicherlich auch prägend für nachfolgende Artists. Kann man schon anerkennen auch ohne Fan von den beiden/Zaubershows allgemein zu sein....
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#7 TimonAnonym
  • 14.01.2021, 20:49h
  • Antwort auf #5 von Sabelmann
  • Musst Du nicht.

    Aber zu leugnen, dass die beiden über Jahrzehnte mit tausenden Shows nicht nur Weltstars waren, sondern alle anderen Topacts in den Schatten gestellt haben, wäre schon bizarr bis skurril.

    Im übrigen ist meiner Meinung nach der Tod eines Menschen nicht geeignet, um in Texten dazu jedes Wort auf die Goldwaage zu legen, nur um wieder was zu modern zu haben Wenn man eigentlich nichts zu sagen hat, darf man auch gerne mal einfach schweigen. Erst Recht wenn es um den Tod eines Menschen geht.
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#8 TimonAnonym
  • 14.01.2021, 20:58h
  • Da ist ein ganz Großer von uns gegangen.

    Die Jüngeren, die 2003 beim jähen en Ende ihrer Karriere noch zu jung waren, wissen das vielleicht nicht. Aber in den 70er, 80er, 90er und frühen 2000er Jahren waren Siegried und Roy weltweit bekannt und beliebt. Die waren damals mit die größten Stars und die nicht zu kennen, war fast eine Bildungslücke.

    Heute haben andere bekannte Magier wie Hans Klok und die Ehrlich Brothers im Fernseher gesprochen und gesagt, dass die Zauberwelt niemals vorher so große Stars hatte und auch niemals wieder haben wird. Und wenn das Kollegen bzw Konkurrenten sagen, die ja damit quasi ihren eigenen Ruhm schmälern, muss da schon was dran sein.

    Jeder der Millionen Zuschauer, die sie live gesehen haben, sagen, dass das eines der spektakulärsten und atemberaubendsten Erlebnisse ihres Lebens war.

    Die beiden waren Kult. Und wie alle Künstler, die es zu solchem Ruhm gebracht haben, werden sie diesen Kultstatus auch über ihren Tod hinaus behalten.
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#9 DamienAnonym
#10 sanscapote
  • 15.01.2021, 05:26h
  • Antwort auf #1 von Marc
  • Marc, so fühle ich es auch.
    Das Paar hatte durch Fleiß und Ausdauer, eine Fähigkeit, die den Deutschen nachgesagt wird, diese fulminante Laufbahn im Showbussiness erreicht. Ich ~ wir gönnten es ihnen von Herzen.
    Und das alles in einer Zeit, als Internet noch in den Anfangsschuhen lief.

    Es zeigt, wie hoch ein Mensch auf seiner irdischen Bahn steigen und wie er schließlich in den Naturkreislauf wieder eingegliedert werden kann.

    Ich bin überzeugt, daß Siegfried von Roy in der Stunde seines Überganges abgeholt wurde, um gemeinsam über die Regenbogenbrücke zu gehen.
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