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Vor Kür des neuen CDU-Chefs

Laschet, Merz, Röttgen: Wer ist der LGBTI-freundlichste Kandidat?

Keiner der drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz ist ein großer Verfechter für LGBTI-Rechte – ganz im Gegenteil: Sie haben sich teilweise mit Homophobie profiliert.


Am 8. Januar diskutierten Norbert Röttgen (li.), Friedrich Merz (2.v.l.) und Armin Laschet in einer live im Fernsehen übertragenen Runde darüber, wer der beste Kandidat ist

Auf einem digitalen Bundesparteitag wählen die CDU-Delegierten am Samstag einen neuen Parteichef, der die glücklose Annegret Kramp-Karrenbauer ablösen soll. Mit Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen treten ausschließlich Männer an, die LGBTI-Rechten oft kritisch gegenüberstehen oder sogar offen homophob agieren.

Am deutlichsten zeigt sich das bei Friedrich Merz, der von 2000 bis 2002 als Oppositionsführer Stimmung gegen Homosexuelle machte. So stilisierte er damals die Forderung von SPD und Grünen nach eingetragenen Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare etwa zu einem Angriff auf die heterosexuelle Familie hoch: "Rot-Grün beabsichtigt mit dieser Neuregelung ganz offensichtlich eine grundlegende Umwälzung gesellschaftlicher Strukturen", warnte er in der Debatte um das Gesetz in düsteren Tönen. Er warf Homosexuellen mit Partnerwunsch vor, den Schutz von Ehe und Familie "auszuhöhlen".


Wenn Homosexuelle heiraten, zerstören sie die heterosexuelle Ehe – mit dieser albernen These wandte sich Friedrich Merz jahrelang gegen die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare, wie auch in diesem Beitrag für ein CDU-Magazin im Jahr 2000

Schließlich zog er sich in die freie Wirtschaft zurück und sprach nicht öffentlich über Politik – daher äußerte er sich beispielsweise nicht zur Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben im Jahr 2017. Im vergangenen Jahr machte er nach Bekanntgabe seiner Kandidatur aber seinem homophoben Image mit einem Pädo-Vergleich wieder alle Ehre: In einem "Bild"-Interview brachte er im September 2020 Homosexualität und sexuellen Missbrauch von Kindern in Zusammenhang (queer.de berichtete). Kritik an diesem Vergleich bügelte er routiniert als Fake News ab. Außerdem behauptete er, er wurde nur kritisiert, weil ihn böse Mächte diskreditieren wollten (queer.de berichtete).

Von den anderen beiden Kandidaten gibt es zwar keine aktuellen LGBTI-feindlichen Äußerungen. Sie haben aber in der Vergangenheit ebenfalls versucht, ihr konservatives Image durch Homophobie zu schärfen. Norbert Röttgen polterte als rechtspolitischer Sprecher der Unionsfraktion vor 15 Jahren gegen das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare – selbst mit der Stiefkindadoption würden Schwule und Lesben das Kindeswohl gefährden, so Röttgen damals (queer.de berichtete). So war es keine Überraschung, dass er 2017 bei der Bundestagsabstimmung zur Ehe für alle weiter am Ehe-Verbot für Schwule und Lesben festhalten wollte.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hatte sich dagegen am Anfang seiner Karriere ein weltoffenes Image zugelegt: Zwischen 2005 und 2010 war er Integrationsminister in Nordrhein-Westfalen, allerdings in der Regierung von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, der vor allem durch seinen rassistischen Wahlkampfslogan "Kinder statt Inder" berüchtigt war. Als erster Landesintegrationsminister Deutschlands war Laschet trotzdem wegen seines Dialogs mit Minderheiten hochgelobt worden, wurde deshalb von Parteifreund*innen auch als "Türken-Armin" verspottet.

Bei LGBTI-Rechten hörte Laschets Liberalität aber auf: So lud er 2007 zum "Europäischen Jahr der Chancengleichheit für alle" LGBTI-Aktivist*innen von einer Veranstaltung aus (queer.de berichtete). Auch im Wahlkampf profilierte er sich als Gegner von LGBTI-Rechten: 2015 behauptete er etwa als CDU-Spitzenkandidat wiederholt, dass es im Grundgesetz ein verstecktes Ehe-Verbot für Schwule und Lesben gebe und Deutschland daher am Ehe-Verbot für Schwule und Lesben festhalten müsse (queer.de berichtete). Auf Druck der Laschet-CDU weigerte sich Nordrhein-Westfalen 2017, dem Gesetz zur Ehe für alle zuzustimmen (queer.de berichtete).

Twitter / landnrw | Armin Laschet ist der einzige der drei Bewerber, der derzeit in Regierungsverantwortung ist
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Noch ist völlig offen, welcher der drei Politiker den Sieg einfahren wird. Einen klaren Favoriten gibt es nicht. Laut Umfragen liegt Merz unter CDU-Fans an der Spitze, allerdings schreckt dieser auch liberale Wähler*innen am ehesten ab.

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Ohnehin könnte die Kanzlerkandidatur für die Wahl am 26. September an einen anderen Politiker gehen: Besonders beliebt ist derzeit der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder. Dieser schlug zuletzt versöhnlichere Töne gegenüber sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten an – so nannte er die Ehe für alle "segenswert" und begrüßte die Bewerbung Münchens für die Gay Games. Gleichwohl gilt seine Landesregierung als LGBTI-feindlichste Deutschlands: Als einziges Land hat Bayern etwa noch keinen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie (queer.de berichtete).


Ministerpräsident Markus Söder möchte nach Franz Josef Strauß (1980) und Edmund Stoiber (2002) der dritte CSU-Kanzlerkandidat werden – und der erste, der die Bundestagswahl gewinnt (Bild: CSU)

Erstmals wird auch ein offen schwuler CDU-Politiker als Kanzlerkandidat gehandelt: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn konnte sich mit der Corona-Krise profilieren und stieg Ende Dezember laut einer Umfrage erstmals zum beliebtesten Politiker Deutschlands auf (queer.de berichtete). Er hat sich zwar im Team Laschet untergeordnet und strebt nur den Vize-Vorsitz an. Es gilt aber als möglich, dass Spahn – sollte er seine guten Umfragewerte aufrecht erhalten können – die Union in den Wahlkampf führen könnte. Spahn hat den Vorteil, dass er sowohl populistisch poltern, aber auch glaubhaft einen lösungsorientierten Regierungsvertreter geben kann. Über die Kanzlerkandidatur werden CDU und CSU aber wohl erst nach den Landtagswahlen am 14. März in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz entscheiden.

Wöchentliche Umfrage

» Am Wochenende wählt die CDU ihren neuen Chef. Wer ist dein persönlicher Favorit?
    Ergebnis der Umfrage vom 11.01.2021 bis 18.01.2021


#1 NerdAnonym
#2 LucsAnonym
#3 LedErich
#4 audeasAnonym
#5 TransparenzAnonym
  • 15.01.2021, 13:53h
  • Das einzig Gute ist, dass die rückwärtsgerichteten Inhalte der Partei auch personell sofort zu sehen sein werden.

    Unwählbar.
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#6 Ana NymAnonym
  • 15.01.2021, 14:02h
  • Wir reden hier immer noch über die CHRISTLUCH Demokratische Union und über die CHRISTLUCH Soziale Union.
    Das sind die Parteien die 2017 die Gegenstimmen der Eheerweiterung hatten, die Parteien die traditionell gegen LGBTIQ+ sind bzw waren.
    Was sollen wir von diesen Parteien erwarten. Nur die AFD ist hier noch "feindlicher" US gegenüber eingestellt.
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#7 michael hnkAnonym
  • 15.01.2021, 14:04h
  • Die richtige Antwort lautet: Daniel Günther.

    Strategisch gesehen wäre Friedrich Merz wirklich das Beste, was dem links-liberalen Lager passieren könnte. Da bräuchte man ja schon gar keinen Wahlkampf mehr machen und seine Anhängerschaft bloß fragen: "Wollt Ihr DEN als Kanzler? REALLY?!?" Ich tippe aber auf Armin Laschet. Und dann wird entweder er oder Söder Kanzlerkandidat der Union.
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#8 Ana NymAnonym
#9 AltoAnonym
  • 15.01.2021, 14:20h
  • Antwort auf #1 von Nerd
  • "Bundesgesundheitsminister Jens Spahn konnte sich mit der Corona-Krise profilieren"

    Wie bitte? In israel haben sie jetzt schon 20% der Bevölkerung geimpft. In deutschland noch nicht einmal 1%. Spahn kriegt gar nichts hin.
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#10 Alexander_FAnonym
  • 15.01.2021, 14:56h
  • Fritz, der Regenwurm ist und bleibt der ungeschlagene König der Reaktion, das steht wohl fest. Wäre Spahn ein Kandidat, würde ich ihn noch als kleinstes Übel betrachten, aber dass er in dieser Partei nicht weiter aufsteigt, sagt genug über sie aus.

    Unwählbar, und das würde ich auch dann sagen, wenn ich hetero wäre, denn auch als Kleinselbstständiger, der kein Topverdiener und noch nicht im Rentenalter befindlich ist, als Säkularist und jemand, der nicht für fadenscheinige Deals mit Tyrannen ist, sehe ich nicht, weshalb irgendjemand CDU wählen sollte.
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