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Literatur

Die lesbische Meisterin des subtilen Horrors

Ob "Der talentierte Mr. Ripley" oder "Carol": Die nicht selten queeren Romane von Patricia Highsmith wurden vielfach verfilmt. Jetzt wäre die 1995 gestorbene Autorin 100 Jahre alt geworden – und immer noch erscheint posthum Neues von ihr.


Patricia Highsmith als Gast in einer britischen Talkshow im Jahr 1988 (Bild: Open Media Ltd / wikipedia)
  • Von Christina Horsten, dpa
    18. Januar 2021, 03:33h, 2 Kommentare

Rund 25 Jahre ist Patricia Highsmith bereits tot, aber noch immer begeistern die Bücher der US-Schriftstellerin Millionen Fans weltweit. Rund drei Dutzend Romane und Erzählungen hat die vielfach preisgekrönte Autorin geschrieben, darunter die Tom-Ripley-Bücher und die lesbische Liebesgeschichte "Carol". Viele davon sind erfolgreich verfilmt worden, auch von Star-Regisseuren wie Alfred Hitchcock und Wim Wenders.

Highsmith, die am Dienstag (19. Januar) 100 Jahre alt geworden wäre, galt zeit ihres Lebens als eigensinnig und öffentlichkeitsscheu. Ihre Tagebücher, die diesen Herbst erstmals veröffentlicht werden sollen, könnten möglicherweise bald neue Einblicke in das Leben der Meisterin des subtilen Horrors bieten (queer.de berichtete).

Die Notiz- und Tagebücher dokumentieren dem Züricher Diogenes Verlag zufolge Highsmiths Leben von ihren Jahren als Studentin in New York bis zu ihrem Tod 1995 in der Schweiz. Die 56 Notizbücher, die insgesamt 8.000 Seiten umfassen, seien von ihrer Lektorin Anna von Planta und dem damaligen Verleger Daniel Keel hinter Bettwäsche und Handtüchern versteckt in ihrem Haus im Tessin gefunden worden

Durchbruch mit "Zwei Fremde im Zug"

Geboren wurde Highsmith 1921 als Mary Patricia Plangman in Forth Worth im US-Bundesstaat Texas. Ihre Kindheit sei eine "kleine Hölle" gewesen, sagte die Autorin später. Die Eltern ließen sich früh scheiden, einige Jahre lebte Highsmith bei einer Großmutter, dann bei Mutter und Stiefvater in New York.

Nach der Schule studierte sie unter anderem Zoologie und Englisch und begann mit dem Schreiben von Kurzgeschichten. 1950 gelang ihr mit "Zwei Fremde im Zug", der Geschichte vom fast perfekten Verbrechen, bereits der Durchbruch – und die erste Filmvorlage, die Krimi-Spezialist Alfred Hitchcock schon ein Jahr später umsetzte.

Mit dem Geld für die ersten Filmrechte ging sie nach Europa. Highsmith lebte in Großbritannien und Frankreich, bis sie sich schließlich in das kleine Alpendorf Tegna bei Locarno im Tessin zurückzog. Highsmith mied die Öffentlichkeit, lebte mit Katzen und Schnecken, arbeitete in Haus und Garten, zimmerte Möbel, zeichnete, malte – und verbrachte täglich mehrere Stunden an der Schreibmaschine.

Highsmith ging als junge Frau zum Homo-"Heiler"

Als junge Frau bekämpfte Patricia Highsmith ihre Homosexualität. Mit einem schwulen Freund wollte sie eine Scheinehe eingehen, außerdem begab sie sich in psychoanalytische Behandlung. Nachdem der Versuch der "Heilung" natürlich fehlschlug, akzeptierte sie ab den späten Vierzigerjahren, dass sie lesbisch war.

Mit dem Roman "Salz und sein Preis" veröffentlichte Highsmith 1953 die damals "skandalöse" Geschichte einer lesbischen Liebe mit glücklichem Ende – allerdings noch unter Pseudonym (queer.de berichtete). Erst 1990 bekannte sie sich öffentlich zur Autorinnenschaft.

Der sympathische schwule Mörder Tom Ripley

Bekannt wurde die Schriftstellerin vor allem mit ihren Romane, Kurzgeschichten und Erzählungen abseits der gängigen Krimi-Klischees. Der schwule Protagonist Tom Ripley etwa wurde als gewissenloser und doch sympathischer Mörder und Lebenskünstler zu einer der großen Figuren der modernen Weltliteratur. "Gerechtigkeit und Moral langweilen mich", sagte Highsmith einmal. Die Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft, bis heute werden immer neue Verfilmungen geplant. Highsmiths literarischer Nachlass ist im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern. Die Weltrechte hat der Diogenes Verlag.

Wenige Wochen nach der Vollendung ihres letzten Romans "Small g – eine Sommeridylle" starb Highsmith am 4. Februar 1995 an den Folgen einer Leukämie-Erkrankung und wurde in ihrem kleinen Alpendorf beigesetzt. "Beim Lesen ihrer Bücher, so verzweifelt und ohne Hoffnung sie auch sein mögen", sagte Autorenkollege Peter Handke einmal, "hat man das Gefühl, im Schutz einer großen Schriftstellerin zu sein".



#1 Vater2Anonym
  • 18.01.2021, 12:19h
  • So interessant ihre Tagebücher auch sein mögen wenn man meine Tagebücher nach meinem Tod hinter meiner Wäsche findet, dann möchte ich es sicherlich nicht, dass irgendwer daraus Profit schlägt und sie weltweit unters Volk bringt. Nicht, wenn ich es nicht persönlich angeregt habe.
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#2 antosProfil
  • 18.01.2021, 16:07hBonn
  • Antwort auf #1 von Vater2
  • Autor_innen, die Tagebücher dermaßen ommalike verstecken, hoffen wahrscheinlich eher darauf, dass die unbeschädigt gefunden werden. Zumal auch die scheinbar privatesten Dinge ja häufig mit Blick auf imaginierte Leser_innen geschrieben werden - Authentizität und Selbstinszenierung gehen Hand in Hand wie die eerie Shining-Zwillinge. Ansonsten hätte Highsmith sie verbrannt oder eine Vernichtung per Testament verfügt (so wie Elfriede Jelinek z. B., die in >Neid< ankündigt, ihre unveröffentlichten Schriften zu Dämmmaterial, also, hallo Kritiker_innen!, endlich mal zu >Dichtung< verarbeiten lassen zu wollen). Dass der testamentarische Wunsch auch erfüllt wird ist natürlich nicht immer sicher - siehe Kafka.
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