Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?37943

Profisport

Basketballer Marco Lehmann outet sich als schwul

Jahrelang versteckte Marco Lehmann seine Homosexualität – aus Angst, seinen Job zu verlieren. Jetzt macht der Schweizer mit dem stressigen Versteckspiel Schluss.


Marco Lehmann ist nach einem jahrelangen Versteckspiel endlich out und proud (Bild: Instagram / Marco Lehmann)

"Ich bin Marco Lehmann. Basketballer, Landschaftsarchitekt und schwul." Mit diesen Worten hat sich erstmals ein schweizerischer Profi-Basketballer als schwul geoutet. In einem am Freitag im "Tagesanzeiger" (Bezahlartikel) veröffentlichten Bericht erzählte der 27-Jährige, wie belastend das Versteckspiel für ihn gewesen sei. Lehmann wurde 2019 vom 18-maligen Landesmeister Fribourg Olympic unter Vertrag genommen – dabei handelt es sich um ein Erstliga-Team aus Freiburg im Üechtland, das in der französischsprachigen Romandie liegt.

"Als schwuler Spitzensportler wirst du zu einem guten Lügner", so fasste der seit rund zehn Jahren in den schweizerischen Basketballligen aktive Sportler seine Erfahrungen zusammen. Seine größte Angst sei zu dieser Zeit gewesen: "Wenn mich wegen meines Schwulseins kein Klub mehr will, ist meine Karriere vorbei."

Lehmann erklärte auch, dass er homophobe Sprüche von anderen Basketballern gehört habe. Sogar ein Mitspieler habe einmal im Teambus über Schwule gesagt: "Umbringen sollten sich die" (Korrektur: Hier stand zunächst fälschlicherweise "Umbringen sollte man die"). Darum erfand er Abwehrstrategien: Wenn er etwa darauf angesprochen wurde, wieso er nie mit einer Freundin gesichtet wird, schob er dies auf den stressigen Sport. "Ich bin mit dem Sport verheiratet und habe keine Zeit für anderes", so seine Ausrede.

Händchenhalten war tabu

Dabei habe Lehmann bereits mit 15 oder 16 gemerkt, dass er schwul sei – seine Familie und enge Bekannte hätten Bescheid gewusst, aber niemand in seinen Vereinen. Mit 20 habe er seinen ersten Freund gehabt. Er habe aber stets darauf aufgepasst, dass er nie auffliegt – so sei Händchenhalten in der Öffentlichkeit tabu gewesen. Schließlich verlor er vor gut einem Jahr die Freude am Basketball und hatte regelrechte Panikattacken, wenn er nur an den Sport dachte. Deshalb brach er kurz vor dem Start der Corona-Pandemie das Training ab. Wegen des Virus musste wenig später die gesamte Saison abgebrochen werden. In der Quarantäne-Zeit habe er die Liebe zum Sport wiederentdeckt.

Lehmann erklärte auch, er sei vor seinem öffentlichen Coming-out im Kontakt mit Schweizer Spitzen-Schwinger Curdin Orlik gewesen, der sich vor knapp einem Jahr als schwul geoutet hatte (queer.de berichtete). Nur Orlik habe seine Lage wirklich verstehen können.

Inzwischen richtet Lehmann seinen sportlichen Fokus auf das Basketball-Halbfeldformat "3 gegen 3". In dieser Variante des Spiels gründete er mit einigen anderen ein Team in Lausanne und gehört nun zu den besten Spielern der Schweiz – er ist sogar Teil der Nationalmannschaft. Mit ihr will er im Sommer in Tokio bei den Olympischen Spielen antreten, bei denen das Format erstmals ausgetragen werden soll.

Erst vor einem halben Jahr sorgte das Coming-out des Profi-Basketballers Daniel Arcos für Schlagzeilen (queer.de berichtete). Die Basketball-Ikone Dennis Rodman hatte 2019 erklärt, dass zirka zehn bis 20 Prozent der weltweit besten Basketballliga NBA schwul seien (queer.de berichtete). Bislang hat sich in dieser Liga aber noch niemand geoutet. (cw)