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Jetzt auch in Deutschland

Amazon Prime zensiert schwules Gefängnisdrama

Der Spielfilm "Der Prinz" des chilenischen Regisseurs Sebastián Muñoz wurde bei den Filmfestspielen in Venedig mit dem Queer Lion ausgezeichnet – doch Amazon Prime schmiss ihn jetzt aus dem Programm.


Szene aus "Der Prinz": Der 20-jährige Jaime landet im Gefängnis, weil er im Suff seinen heimlich begehrten besten Freund erstochen hat (Bild: Edition Salzgeber)

Nach Großbritannien hat Amazon Prime nun auch in Deutschland das schwule Gefängnisdrama "Der Prinz" aus dem Programm geschmissen. Das teilte der deutsche Verleih Salzgeber am Donnerstag in seinem Newsletter mit. Im Vereinigten Königreich hatte der Streamingdienst die Maßnahme gegenüber Peccadillo Pictures mit "sexuell expliziten" und "gewalttätigen" Inhalten begründet.

Der 2019 veröffentlichte Film von Sebastián Muñoz erzählt von einer schwulen Beziehung und brutalen Machtkämpfen im Gefängnis (queer.de rezensierte). Ein älterer Insasse, genannt "Der Hengst", macht den jungen, hübschen Mörder Jaime zu seinem Schützling, erwartet dafür aber Loyalität und sexuelle Unterordnung. "Der Prinz" spielt in Chile kurz vor dem Amtsantritt Salvador Allendes und basiert auf Mario Cruz' lange verschollenem Roman, der parallel zum Film erstmals in deutscher Übersetzung erschien (queer.de rezensierte).

Salzgeber verweist auf "Freigabe durch die deutsche FSK"

"Offenbar verstößt der Film, der bei den Filmfestspielen in Venedig mit dem Queeren Löwen ausgezeichnet wurde, gegen irgendwelche hausinternen Richtlinien", wunderte sich Salzgeber im Newsletter. Die Zensur durch Amazon Prime trotz "natürlich vorhandener Freigabe durch die deutsche FSK" kann man in der Berliner Prinzessinnenstraße nicht nachvollziehen.

"Wir können nicht leugnen, dass 'Der Prinz' einige brisante und plakative Szenen enthält, aber das ist es, was den Film ausmacht", erklärte Tom Abell vom britischen Verleih Peccadillo im vergangenen Monat gegenüber dem Magazin "Deadline". "Aber er enthält sicherlich nichts, was in einem Gefängnisdrama noch nie zuvor gezeigt wurde und verblasst sogar im Vergleich zu Szenen in vielen eigenen Produktionen von Amazon. Wir sind etwas ratlos, um die Situation zu erklären."

Auf anderen Plattformen ist "Der Prinz" weiterhin zu sehen. Zum Glück sei "der Anblick eines männlichen Geschlechtsteils nicht für alle ein Weltuntergang", heißt es dazu im Salzgeber-Newsletter. So kann der "Der Prinz" weiterhin unzensiert im Salzgeber Club gestreamt werden und ist zudem als DVD im Handel erhältlich – absurderweise selbst bei amazon.de (Amazon-Affiliate-Link ). (mize)

Vimeo / Salzgeber Club | Trailer zu "Der Prinz" und Möglichkeit, den Film direkt anzuschauen
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Queere TV-Tipps
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#1 US-PrüderieAnonym
  • 22.01.2021, 09:26h
  • Typisch prüder US-Konzern.

    Da wissen wir schon mal, was uns erwartet, wenn Amazon alle unabhängigen Verlage, Filmpublisher, Einzelhändler & Co plattgemacht hat:

    Da bekommen wir dann nur noch das zu sehen und zu lesen, was Amazon in den Kram passt.
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#2 Taemin
  • 22.01.2021, 10:09h
  • All die schwulen Kunden von Amazon müssen langsam mal die Frage beantworten, warum sie den Laden nicht boykottieren.
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#3 Roman BolligerAnonym
  • 22.01.2021, 10:44h
  • Antwort auf #2 von Taemin
  • Ganz genau. Ich kaufe nicht bei Amazon ein, dieser universellen unersättlichen Krake von Jeff Bezos, dem die Dicke seines Multimillarden-Geldbeutels wichtiger ist als Alles Andere.
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