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Debatte

Neil Patrick Harris: "Es ist sexy, einen Hetero für eine schwule Rolle zu engagieren"

Sollen Heteros schwule Rollen übernehmen? Der "Barney Stinson"-Darsteller hat hierzu eine klare Meinung.


Neil Patrick Harris ist vor allem durch seine heterosexuellen Rollen in "Doogie Howser, M.D." und "How I Met Your Mother" bekannt (Bild: vagueonthehow / flickr)

Der seit 2006 offen schwule US-Schauspieler Neil Patrick Harris hat in einem Interview mit der Londoner "Times" (Bezahlartikel) in eine emotional geführte Debatte eingegriffen: Der 47-Jährige Emmy-Preisträger erklärte, dass nicht nur schwule Schauspieler schwule Figuren spielen sollten, sondern das schlicht der beste Schauspieler die Rolle erhalten sollte.

"Ich denke, es ist sexy, einen heterosexuellen Schauspieler für eine schwule Rolle zu engagieren. Der betreffende Schauspieler muss aber bereit sein, viel in die Rolle zu investieren", so Harris. Mit Blick auf seine Rolle als Schürzenjäger in der Sitcom "How I Met Your Mother" fuhr der New Yorker fort: "Ich habe neun Jahre lang eine Figur gespielt, die ganz anders als ich war. Ich würde auf jeden Fall versuchen, den besten Schauspieler zu engagieren."

Die Debatte um die Besetzung von LGBTI-Rollen wird bereits seit Jahren geführt. Insbesondere die Darstellung von trans Figuren solle trans Schauspieler*innen überlassen bleiben, so die Argumentation. Als Grund für diese Einschränkung wird neben der größeren Authentizität oft angeführt, wie schwierig es für trans Darsteller*innen sei, Rollenangebote zu erhalten. Den Konflikt musste Superstar Scarlett Johannson am eigenen Leib erfahren, die 2018 einen trans Mann in "Rub & Tug" darstellen wollte, nach viel Kritik die Rolle aber aufgab (queer.de berichtete). Das führte freilich dazu, dass der Film nie gedreht wurde.

Harris in britischer Miniserie

Harris ist in Kürze in der fünfteiligen britischen Miniserie "It's a Sin" als schwuler Schneider zu sehen. Die neue Produktion handelt von jungen Schwulen, die Anfang der Achtzigerjahre zu Beginn der Aids-Krise in die Metropole London ziehen. Die erste Folge wird am Freitagabend im britischen Fernsehen ausgestrahlt. Noch ist unklar, wann sie nach Deutschland kommt.

"It's a Sin" stammt aus der Feder von Russell T. Davies ("Queer as Folk", "Torchwood", "A Very English Scandal"). Der Serienmacher verteidigte kürzlich noch, dass er schwule Rollen mit schwulen Schauspielern besetzte – im aktuellen Projekt neben Harris etwa Stephen Fry oder in der Hauptrolle Olly Alexander, der einen Aids-Leugner spielt. Davies begründete das mit den Worten: "Ich denke, dadurch bekommt man nicht nur Authentizität. Man rächt sich auch für 100 Jahre Straightwashing." (cw)



#1 LeashProfil
  • 22.01.2021, 11:42hHamburg
  • Es stimmt das es Blödsinn ist nur Schwule für schwule Rollen zu engagieren, weil das im Umkehrschluss auch bedeuten würde, dass nur Heteros für heterosexuelle Rollen in Frage kommen würden. Aber es stimmt auch das Neil Patrick Harris vermutlich heute nicht da wäre wo er ist wenn er sich vor seinem Durchbruch geoutet hätte. Es wird besser, aber offen queere Schauspieler*Innen haben es immer noch schwerer Rollen zu ergattern.
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#2 Alexander_FAnonym
  • 22.01.2021, 14:08h
  • Dass es "sexy" sei, wenn ein Hetero einen Schwulen spielt, halte ich nun doch für eine ziemlich fragwürdige Aussage.
    Wenn er es aber glaubhaft hinbekommt und sich in unsere Erfahrungswelt hineinversetzen kann, sehe ich darin kein Problem. Es wäre der Beweis einer hohen Schauspielkunst.
    Und wenn schließlich manche von unsereinem es ein ganzes Leben lang hinbekommen, eine Heterorolle zu spielen, dürfte das auch mal für die Dauer irgendwelcher Dreharbeiten umgekehrt funktionieren.
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#3 YannickAnonym
  • 22.01.2021, 16:21h
  • Ich kann ihm nur absolut zustimmen.

    Ich fand es immer schon lächerlich, wenn Leute maulen, dass schwule Rollen mit Heteros besetzt werden. Dann müssten die auch dafür sein, dass Schwule keine Hetero-Rollen spielen können.

    Manche Leute haben scheinbar nicht das Konzept des Schauspielens verstanden. Da schlüpft man halt in eine andere Rolle, die nichts mit einem selbst zu tun haben muss. Und das können Schauspieler auch. Dafür lernt man den Beruf.

    Wenn es anders wäre, wüsste ich auch gerne, wo man Schauspieler für mittelalterliche Ritter, für Außerirdische, für Massenmörder, etc. her bekommen soll.
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#4 Felix-BaerlinAnonym
#5 BenjaminKSAnonym
  • 23.01.2021, 08:18h
  • Nicht zu vergessen ist hier aber ein historisches Rechte Ungleichgewicht und eine immer noch andauernde Diskriminierung von queeren Darsteller*innen.

    Ich halte es für richtig hier queeren Menschen Vorrang zu geben und ihnen Chancen einzuräumen die diese von heterosexuellen, weißen Cis-Männern dominierte Industrie ewig unterschlagen hat.

    Das Queers dann keine hetero Rollen spielen dürften ist ja wohl sehr schnell geschossen...
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#6 easyAnonym
  • 23.01.2021, 10:24h
  • Naja, aber was denn nun?
    Erst wird gefordert, dass Schwule Schwule und nur noch trans Charaktere von entsprechenden trans Schauspielern gespielt werden sollen, und jetzt wieder der Wechsel. Dabei gilt seit je her, dass Produzenten und Regisseure normalerweise die Schauspieler nehmen, die das Publikum am liebsten sehen will.
    Schauspieler werden nach ihrem Marktwert ausgewählt, und manchmal passt es dann gerade, dass man pc-gerecht besetzt.
    Und Harris hat sich nur so laut zu dem Thema geäussert, dass die Leute merken, dass es wieder im TV von ihm gibt.
    Alles nur Marketing.
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#7 WayneAnonym
  • 23.01.2021, 11:17h
  • Ich sage dazu nur:

    Die beste schwule Rolle in einer Serie ist Captain Raymond Holt.
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#8 lange wegAnonym
  • 23.01.2021, 12:15h
  • Antwort auf #4 von Felix-Baerlin
  • "Aber wo sind jetzt hier die Argumente der Trans*- und queeren Aktivist*innen, die seit einigen Jahren genau gegenteilig diskutieren?"

    Schon lange weg. Die hielten die immer gleiche stumpfe Ignoranz hier nicht weiter für relevant und auch ermüdend. Die arbeiten weiter direkt vor Ort, wo man ihnen zuhört, ihre Argumente würdigt und wo die Entscheidungen getroffen werden.
    Übrigens sehr erfolgreich. In der Filmindustrie in den USA gilt die gegengeschlechtliche Besetzung von trans Rollen (also z.B. trans Frau dargestellt von einem cis Mann) bereits als absolutes No Go. Das kann sich dort niemand mehr leisten, der erfolgreich sein will.
    Die sind dort bereits einen Schritt weiter. Dort spielen z.B. trans Frauen längst Frauenrollen, die cis sind. Frauen sind Frauen.
    Eine kurze online-Recherche kann hier helfen.
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#9 lange wegAnonym
  • 23.01.2021, 14:43h
  • Antwort auf #4 von Felix-Baerlin
  • "Aber wo sind jetzt hier die Argumente der Trans*- und queeren Aktivist*innen, die seit einigen Jahren genau gegenteilig diskutieren?"

    Abgesehen davon, haben diese Aktivistinnen zu der Frage, ob schwule Rollen auch von Schwulen gespielt werden sollen, hier nie argumentiert.
    Ich denke aber, dass man aus ihren Aussagen, dass es kein Problem darstellt, wenn cis Frauen trans Frauen spielen (und umgekehrt), ihre Meinung zu dieser hier aktuellen Frage logisch ableiten kann.

    Was die Frage der trans-Repräsentation betrifft, ist man in der US-Filmindustrie, wie zuvor beschrieben, aber längst 2 Emanzipationsschritte weiter als hier. Und das in so kurzer Zeit. Die trans-Emanzipation wird dort in Zukunft sogar mit noch grösserer Geschwindigkeit fortschreiten.
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#10 qwertzuiopüAnonym
  • 24.01.2021, 03:20h
  • "Ich denke, dadurch bekommt man nicht nur Authentizität. Man rächt sich auch für 100 Jahre Straightwashing."

    Man muss schon etwas dumpf sein, wenn man sowas wirklich meint.

    Wir hätten unter anderem "Call me by your name" nicht... :)
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