https://queer.de/?37977
Debatte
Neil Patrick Harris: "Es ist sexy, einen Hetero für eine schwule Rolle zu engagieren"
Sollen Heteros schwule Rollen übernehmen? Der "Barney Stinson"-Darsteller hat hierzu eine klare Meinung.
Neil Patrick Harris ist vor allem durch seine heterosexuellen Rollen in "Doogie Howser, M.D." und "How I Met Your Mother" bekannt (Bild: vagueonthehow / flickr)
- 22. Januar 2021, 10:13h 2 Min.
Der seit 2006 offen schwule US-Schauspieler Neil Patrick Harris hat in einem Interview mit der Londoner "Times" (Bezahlartikel) in eine emotional geführte Debatte eingegriffen: Der 47-Jährige Emmy-Preisträger erklärte, dass nicht nur schwule Schauspieler schwule Figuren spielen sollten, sondern das schlicht der beste Schauspieler die Rolle erhalten sollte.
"Ich denke, es ist sexy, einen heterosexuellen Schauspieler für eine schwule Rolle zu engagieren. Der betreffende Schauspieler muss aber bereit sein, viel in die Rolle zu investieren", so Harris. Mit Blick auf seine Rolle als Schürzenjäger in der Sitcom "How I Met Your Mother" fuhr der New Yorker fort: "Ich habe neun Jahre lang eine Figur gespielt, die ganz anders als ich war. Ich würde auf jeden Fall versuchen, den besten Schauspieler zu engagieren."
Die Debatte um die Besetzung von LGBTI-Rollen wird bereits seit Jahren geführt. Insbesondere die Darstellung von trans Figuren solle trans Schauspieler*innen überlassen bleiben, so die Argumentation. Als Grund für diese Einschränkung wird neben der größeren Authentizität oft angeführt, wie schwierig es für trans Darsteller*innen sei, Rollenangebote zu erhalten. Den Konflikt musste Superstar Scarlett Johannson am eigenen Leib erfahren, die 2018 einen trans Mann in "Rub & Tug" darstellen wollte, nach viel Kritik die Rolle aber aufgab (queer.de berichtete). Das führte freilich dazu, dass der Film nie gedreht wurde.
Harris in britischer Miniserie
Harris ist in Kürze in der fünfteiligen britischen Miniserie "It's a Sin" als schwuler Schneider zu sehen. Die neue Produktion handelt von jungen Schwulen, die Anfang der Achtzigerjahre zu Beginn der Aids-Krise in die Metropole London ziehen. Die erste Folge wird am Freitagabend im britischen Fernsehen ausgestrahlt. Noch ist unklar, wann sie nach Deutschland kommt.
"It's a Sin" stammt aus der Feder von Russell T. Davies ("Queer as Folk", "Torchwood", "A Very English Scandal"). Der Serienmacher verteidigte kürzlich noch, dass er schwule Rollen mit schwulen Schauspielern besetzte – im aktuellen Projekt neben Harris etwa Stephen Fry oder in der Hauptrolle Olly Alexander, der einen Aids-Leugner spielt. Davies begründete das mit den Worten: "Ich denke, dadurch bekommt man nicht nur Authentizität. Man rächt sich auch für 100 Jahre Straightwashing." (cw)













