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Berlin

Jury gegen diskriminierende Werbung nimmt Arbeit auf

Nach einem Beschluss des rot-rot-grünen Senats von 2020 hat sich jetzt in Berlin die Jury gegen diskriminierende und sexistische Werbung konstituiert. Auch die Schwulenberatung hat einen Sitz.


Infostand der Schwulenberatung auf dem Berliner Stadtfest (Bild: Schwulenberatung Berlin)

In Berlin hat die Jury gegen diskriminierende und sexistische Werbung ihre Arbeit aufgenommen. Das teilte die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung am Freitag mit.

Der Senat hatte im vergangenen Jahr das Rahmenkonzept gegen diskriminierende und sexistische Werbung beschlossen. Eine Schlüsselrolle wird dabei der Jury zukommen, die mit Expert*innen der Antidiskriminierungsarbeit aus verschiedenen Handlungsfeldern besetzt. Mitglied ist u.a. Leo Yannick Wild vom Antidiskriminierungsprojekt StandUp der Schwulenberatung Berlin.

"Berlin soll ein einladender und sicherer Ort für alle sein"

"Berlin ist eine bunte, vielfältige und lebendige internationale Stadt. Genau diese Vielfalt verpflichtet uns, gegen jede Art von Diskriminierung vorzugehen", erklärte Antidiskriminierungs-Senator Dirk Behrendt (Grüne) zur konstituierenden Sitzung der Jury. "Berlin soll ein einladender und sicherer Ort für alle sein. Daher ist das Thema Werbung für die Anti-Diskriminierungsarbeit des Berliner Senats von großer Bedeutung."

Die Jury soll in einem ersten Schritt einen Kriterienkatalog für sexistische und diskriminierende Werbung entwickeln. Sie arbeitet ehrenamtlich. Bürger*innen werden sich an die Jury wenden können, wenn sie sich von Werbung diskriminiert fühlen. Die Jury berät dann darüber, wie weit es sich um sexistische und diskriminierende Werbung handelt und in welcher Form interveniert werden kann. Für landeseigene Werbeflächen gibt es in Berlin bereits eine entsprechende Verbotsklausel. (cw/pm)

Die Mitglieder der Jury

Wolf Dermann, ArbeiterKind.de
Dörte Elß, Vorstand der Verbraucherschutzzentrale Berlin
Prof. Dr. Gökce Yurdakul, HU Berlin, Professur für Diversity and Social Conflict, Mitglied im Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien
Dr. Gabriele Kämper, SenGPG, Leiterin Geschäftsstelle Gleichstellung
Sarah Klemm, dissens e.V., Institut für Bildung und Forschung, kritische Jungen*, Männer* und Männlichkeitsforschung
Petra Koch-Knöbel, Bezirksamt FH-KB, Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, Leiterin der Geschäftsstelle der bezirklichen Jury gegen sexistische und frauenfeindliche Werbung, Vertreterin der LAG Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Bezirke
Iris Rajanayagam, xartsplitta e.V., Projektmitarbeiterin "Passkontrolle", Alice Salomon Hochschule
Judyta Smykowski, Projekt leidmedien/Sozialhelden e.V.
Leo Yannick Wild, Schwulenberatung Berlin, Antidiskriminierungsprojekt StandUp


#1 YannickAnonym
  • 23.01.2021, 14:45h
  • Damit haben wir dann also bald hier so eine Prüderie wie in den USA, wo jede Werbung mit nackter Haut gleich "sexistisch" und verboten ist.

    Dafür haben wir nicht jahrzehntelang für Freiheiten gekämpft, dass jetzt irgendeine "Jury" uns vorschreibt, welche Freiheiten in Ordnung sind und welche nicht.
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#2 FraesdorffAnonym
  • 24.01.2021, 09:27h
  • Wenn jemand strafbare (Werbe-)Inhalte veröffentlicht, dann sollen Gerichte entscheiden und keine Jury. Das Kriterium kann nicht sein, ob jemand sich diskriminiert fühlt, sondern die Strafbarkeit. Gefühle und schlechter Geschmack sind kein ausreichender Grund, Werbung zu verbieten.
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#3 Carsten ACAnonym
  • 24.01.2021, 16:13h
  • Antwort auf #2 von Fraesdorff
  • Volle Zustimmung!

    Es gibt demokratisch beschlossene Gesetze, die genau regeln, was erlaubt ist und was nicht. Und Gerichte, die Verstöße entsprechend sanktionieren.

    Da brauchen wir kein Gremium als Parallelstruktur, die ihre eigenen Regeln machen. Das ist nicht nur überflüssig, sondern auch für einen demokratischen Rechtsstaat sehr bedenklich.
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#4 StaffelbergblickAnonym
  • 24.01.2021, 17:04h
  • mir fällt dazu eine Aufregung aus den USA ein ... vor vielen Jahren ... in NYC sollte ein großflächiges Plakat aufgestellt werden, auf dem Claudia Schiffer in Luxusdessous zu sehen war. Gab einen medialen Aufschrei. Merkwürdigerweise war Monate vorher ein gewisser Marky Mark in Calvin Klein "Briefs" großflächig zu sehen ... ohne Beanstandung.
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#5 TimonAnonym
  • 24.01.2021, 17:48h
  • Was kommt als nächstes?

    Leute, die vorschreiben wollen, welche Filme man gucken darf und welche Bücher erlaubt sind?

    Ich stimme meinen Vorrednern zu: der einzige Maßstab sollten Recht und Gesetz sein. Alles was darüber hinaus geht, ist persönliche Einstellung oder subjektive Meinung. Da brauche ich keine Bevormundung, ich bin erwachsen.

    Und wenn sowas erst mal eingerichtet und akzeptiert ist, lässt sich das prima von Homohassern übernehmen. Denn wer soll schon entscheiden, wer das Recht hat, für andere zu entscheiden oder nicht?!
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#6 DjegoAnonym
#7 Carsten ACAnonym
  • 24.01.2021, 21:17h
  • Antwort auf #5 von Timon
  • Genau das ist das Problem:

    Würden Homohasser sich hinstellen und ein Verbot (oder auch nur Warnhinweise oder Einschränkungen) von Filmen o.ä. fordern, würde jeder sofort und zu recht protestieren. Da würden wir alle darauf verweisen, dass das legale Werke sind, die gegen kein Gesetz verstoßen und dass deshalb auch niemand da ohne Rechtsanspruch Verbote o.ä. verlangen kann.

    Aber jetzt umgekehrt machen manche genau dasselbe nur aus der anderen Richtung kommend.

    Das ist problematisch, weil man sich damit komplett unglaubwürdig macht und zeigt, dass es eben nicht um "gleiches Recht für alle" geht, sondern genauso um Durchsetzung des eigenen Willens wie es bei vielen Rechten der Fall ist. Und das ist auch noch Wasser auf die Mühlen derjenigen, die von "Gesinnungsdiktatur" sprechen.

    Und das alles ist so überflüssig, weil wir halt in einem Rechtsstaat leben. Wir haben bereits Gesetze gegen Hetze, gegen Verleumdung und Beleidigung, gegen Volksverhetzung, etc. etc. etc.

    Und jeder, der der Meinung ist, dass gegen irgendwas verstoßen wird, kann dann Klage einreichen und dann werden die Vorwürfe geprüft. Dafür braucht man nicht in irgendeinem Gremium zu sein, sondern das kann jeder.

    Und jeder, der strengere Grenzen für Freiheitsrechte haben will, kann sich mit seiner Position an den Petitionsausschuss wenden, in einer Partei dafür kämpfen, als Einzelkandidat aufstellen lassen, etc. Und dann für diese Verschärfung Mehrheiten erkämpfen, so wie das in einer Demokratie eben ist. Da bestimmt die Mehrheit und kein 12-köpfiges Gremium, das nicht mal demokratisch gewählt wurde.

    Ich verstehe also gar nicht den Sinn so eines Gremiums. Es sei denn, man will wirklich erreichen, dass diese paar Leute über dem Gesetz stehen und ihren eigenen Willen durchsetzen können. Ansonsten wäre das absolut kontraproduktiv.
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#8 AchtungAnonym
  • 25.01.2021, 08:14h
  • Antwort auf #2 von Fraesdorff
  • "Das Kriterium kann nicht sein, ob jemand sich diskriminiert fühlt, sondern die Strafbarkeit."

    Wow, diesen Satz, speziell geäußert in einem queeren Forum, muss man sich echt mal auf der Zunge zergehen lassen. Vielleicht versteht man dann, welche Auswirkungen ein solches Gebaren auf die Diskriminierung queerer Menschen hätte...

    ...aber vielleicht ist ja auch tatsächlich genau das intendiert. Mich wundert heute fast gar nichts mehr - wir leben nun mal in einer Zeit, in der eine wachsende Zahl von Mitmenschen sämtliche Emanzipationserfolge ganz gerne wieder einstampfen würde.

    Da bleibt einem manchmal wirklich nur noch die Spucke weg.
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#9 TheDadProfil
  • 25.01.2021, 08:22hHannover
  • Antwort auf #8 von Achtung
  • ""Wow, diesen Satz, speziell geäußert in einem queeren Forum, muss man sich echt mal auf der Zunge zergehen lassen. Vielleicht versteht man dann, welche Auswirkungen ein solches Gebaren auf die Diskriminierung queerer Menschen hätte...""..

    Danke für diesen Einwand..
    Ich beendete diesen Satz allerdings nicht mit "hätte", sondern mit einem "hat", denn die Stimmung innerhalb der Queeren Community und mit ihr in der Gesellschaft ist bereits vergiftet durch die Haltung eines
    "was wollt ihr denn noch alles ?"..
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#10 Carsten ACAnonym
  • 25.01.2021, 18:38h
  • Antwort auf #8 von Achtung
  • Du musst zwei Dinge trennen:

    Natürlich darf jeder Mensch Dinge kritisieren. Auch wenn sie legal sind.

    Aber um etwas zu verbieten braucht man halt ein demokratisch legitimiertes Gesetz. Ansonsten wäre das das Ende des Rechtsstaats.

    Und es ist halt sehr bedenklich, wenn ein Gremium sich über das Gesetz stellt und legale Dinge verbietet. Das öffnet Missbrauch Tür und Tor: denn wenn es diese Instrumente erst mal gibt und sie akzeptiert werden, wird das bei einem Machtwechsel ganz schnell von der anderen Seite ausgenützt.
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