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Heimkino
"It's a Sin" wird gefeiert – völlig zu Recht!
In Großbritannien sorgt die neue Serie von "Queer as Folk"-Schöpfer Russell T. Davies über eine Gruppe junger Schwuler in London zu Beginn der Aids-Krise für Begeisterung und Tränen.

Ash (Nathaniel Curtis, li.) und Ritchie (Olly Alexander) in der "Pink Palace"-WG (Bild: Channel 4)
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24. Januar 2021, 12:05h 3 Min.
"Einer der besten schwulen TV-Filme aller Zeiten", schwärmt das britische Magazin "Attitude" über die neue fünfteilige Serie "It's a Sin" von "Queer as Folk"-Schöpfer Russell T. Davies. "Guardian" und "Empire" urteilen gleichermaßen: "masterpiece".
Erzählt wird von drei Jungs, die anno 1981 nach London ziehen. Ritchie (Olly Alexander) freut sich, dass er die chronisch homophobe Isle of Wight endlich verlassen kann, um in der Hauptstadt zu studieren. Dass seine Wahl auf Schauspielerei statt wie geplant auf Jura fällt, wird er den entsetzen Eltern erst später gestehen.
Eintauchen ins wilde schwule Leben von London
Mit selbstbewusstem Trotz reagiert Roscoe (Omari Douglas) auf die Diskriminierung durch seine Familie, Einwanderer*innen aus Nigeria. Im Macho-Milieu einer Baustelle will ihn der Vater zum "echten Mann" erziehen, "dein Sohn trägt den Teufel in sich", keifen die Verwandten. Das alles kümmert Roscoe wenig, im Girlie-Outfit verlässt er mit erhobenem Kopf bei nächtlichem Regen das religiöse Elternhaus.
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Als dritter im Bund tritt Colin (Callum Scott Howells) auf, ein naiver Junge aus Wales, der mit großer Leidenschaft einen ersten Job bei einem Schneider anfängt. Die derben Anmachversuche seines schmierigen Chefs am Waschbecken erkennt der hübsche Waliser überhaupt nicht. Zum Glück wird er, bereits halb ausgezogen, von seinem älteren Kollegen Henry gerettet. Der freundliche Retter erzählt dem staunenden Neuling später, dass er schon seit dreißig Jahren mit seinem portugiesischen Partner Pablo zusammenlebt.
Schnell entdecken die drei Jungs, die fortan mit zwei weiteren Mitbewohner*innen in der "Pink Palace"-WG zusammenleben, die vielen Vorzüge der vergnügungssüchtigen Großstadt. Schwule Pubs und Discos sind schnell gefunden. An Sex-Gelegenheiten herrscht kein Mangel – sobald erste, kleine Hürden genommen sind: "Du solltest dich waschen!", rät der One-Night-Stand. "Ich habe heute morgen geduscht!", antwortet das ahnungslose Landei. "Ich meine deinen Arsch!", endet die nächtliche Lerneinheit.
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Die Aids-Krise verändert alles
Solche Situationskomik zählt zum Markenzeichen des queeren Serien-Gurus Russell T. Davies. Gleichzeitig fehlt es auch diesmal nicht am ernsthaften Blick. Henry und Partner Pablo erkranken beide schwer, die Symptome machen die Ärzte ratlos. Krebs? Lungenentzündung? Eine übertragene Papageienkrankheit? "Du hast doch gar keinen Papagei, oder?", wird der naive Colin seinen älteren Freund fragen.

Neil Patrick Harris spielt den Herren-Maßschneider Henry Coltrane, der an Aids erkrankt (Bild: Channel 4)
Die HIV- und Aids-Krise wirft langsam ihre ersten Schatten über das schwule Leben. Und diese werden immer bedrohlicher in den nächsten zehn Jahren, von denen die Serie erzählt. Da werden Gay-Aktivisten mit ihren aufklärenden Flugblättern vom feiernden Partyvolk ignoriert und verjagt. Derweil die Thatcher-Regierung lieber hetzt als zu helfen.
Wahrhaftige Charaktere und ein passender Soundtrack
Russell T. Davies, Jahrgang 1963, hat jene wilden und jene traurigen Zeiten selbst miterlebt. Entsprechend wahrhaftig fallen die Typen auf seinem Figurenkarussell aus. Mit wenigen Pinselstrichen werden die Charaktere in der ersten Folge eingeführt. Erst langsam füllt sich das Who-is-Who mit Leben, was Spannung und Neugierde gleichermaßen steigen lässt. Zur Abwechslung gibt es immer wieder erzählerische Tempowechsel.
Die "Pink Palace"-Gang aus vier Boys und einem Girlie lebt durch ein quirliges Quintett spielfreudiger Jungmimen, zwischen denen die Chemie spürbar stimmt. Als Sahnehäubchen erweist sich der Soundtrack, auf dem "Enola Gay" von OMD, "Gloria" von Laura Branigan und natürlich der Titelsong der Pet Shop Boys zu hören ist.
Bleibt als Wermutstropfen, dass bislang unbekannt ist, wann die Channel-4-Serie hierzulande zu sehen sein wird. Der Sender lässt Zuschauer*innen bekanntlich nur in Großbritannien zu. Da braucht es etwa freundliche Einwohner*innen, die einen via Skype am Stream-Vergnügen teilnehmen lassen.
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