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Berichterstattung

"Bild" schreibt über eine "verhängnisvolle Affäre im Schwulen-Milieu"

Alle Appelle von LGBTI-Aktivst*innen nutzen nichts: Die "Bild"-Zeitung verwendet weiter den diskriminierenden Begriff "Schwulen-Milieu".


Die auflagenstärkste Zeitung Deutschlands wird immer wieder für fragwürdige Berichte kritisiert

Zu Update springen: "Bild" löscht "Schwulen-Milieu" (15.20 Uhr)

"Es war eine verhängnisvolle Affäre im Schwulen-Milieu, die für Student Gabriel V (†35) mit einem grausigen Tod und für seinen Killer Husam A. (33) jetzt in einem Mord-Prozess endet!" Mit diesen Worten leitete die "Bild"-Zeitung einen Artikel über den bevorstehenden Mordprozess gegen einen Angeklagten in Mannheim ein, der am 4. Februar beginnen soll. Das Boulevardblatt verwendet dabei mit "Schwulen-Milieu" erneut eine Phrase, die laut LGBTI-Aktivist*innen Homosexuelle "pauschal verunglimpft".

In dem vorliegenden Fall wird ein 33-jähriger wohnungsloser Iraker beschuldigt, im vergangenen Jahr einen 35-jährigen schwulen Studenten in seinem Einzimmer-Apartment im Mannheimer Stadtbezirk Neckarstadt-West brutal erschlagen zu haben (queer.de berichtete). Die beiden hatten sich zuvor in einem Cruisinggebiet im Schlosspark kennengelernt.


Artikel auf bild.de (Fotos von queer.de geschwärzt)

"Dieser Terminus ist sprachlicher Unsinn"

Seit Jahren appelliert der Bund Lesbischer & Schwuler JournalistInnen (BLSJ) an Verlage in Deutschland, Begriffe wie "Homo-Milieu", "Homosexuellen-Milieu" oder "Schwulen-Milieu" in den Ruhestand zu versetzen. In seinem Ratgeber "Schöner schreiben über Lesben und Schwule" (PDF) erklärte der Verband bereits 2013 über das "Homosexuellen-Milieu": "Dieser Terminus ist sprachlicher Unsinn. Was oder wo soll dieses Milieu denn sein: die Stadt Köln, der Eurovision Song Contest oder gar das Amtszimmer einer lesbischen Politikerin? Solche Phrasen verunglimpfen Homosexuelle kollektiv, ganz so, als wären Lesben und Schwule wie Kriminelle in einer Art Rotlichtviertel organisiert. Kaum jemand würde über eine 'Gewalttat im Lehrermilieu' oder einen 'Doppelmord im Hetero-Milieu' berichten."

Die Aktivist*innen empfehlen in dem bereits acht Jahre alten Ratgeber für Journalist*innen, wie man es besser machen kann: Statt über einen "Mann aus dem Homosexuellen-Milieu" sollte schlicht über "einen Schwulen" berichtet werden, so die Forderung des BLSJ.

Die veraltete Terminologie ist nicht nur bei der "Bild"-Zeitung lebendig: Letztes Jahr schrieb sogar das altehrwürdige ZDF vom "Homo-Milieu" (queer.de berichtete). Auch der "Kölner Stadtanzeiger" hatte das Wort "Schwulenmilieu" 2019 verwendet (queer.de berichtete). (dk)

 Update  15.20 Uhr: "Bild" löscht "Schwulen-Milieu"

Am Montagnachmittag ist der Artikel von bild.de nachträglich verändert worden – und das "Schwulen-Milieu" ist verschwunden. Der Einführungssatz lautet jetzt: "Es war eine verhängnisvolle Affäre, die für Student Gabriel V (†35) mit einem grausigen Tod und für seinen Killer Husam A. (33) jetzt in einem Mord-Prozess endet!"



#1 KumpelAnonym
  • 25.01.2021, 16:30h
  • Eigentlich bin ich nicht überrascht, sondern eher weiterhin wütend, wenn ich nur diese vier Buchstaben sehe. Blöd sprach zuerst mit den Toten. Dieser Spruch hat nie an Bedeutung verloren.
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#2 stromboliProfil
  • 25.01.2021, 16:43hberlin
  • jaja "milieu".. anrüchig rotlichternd.

    Es gab aber auch mal andere sichten auf "Milieu's"

    www.lyrix.at/t/claire-waldoff-das-lied-vom-vater-zille-7f1

    Da ist mir diese sicht auf MEIN_MILIEU lieber, als von blöd-schmierfinken nunmehr politisch correkt_sprachsauber "schwul" genannt zu werden.
    Zum einen ist nicht alles was da gleichgeschlechtlich daherkommt, milieupolitisch auch gleich als SCHWUL zu verstehen.
    Und ja: park, dunkelraum..sexanbahnungsportale sind MILIEU! Eben im positiven ( UNSEREM! ) sinn gedacht und verwendet,
    Überlassen wir nicht den "anderen" die deutung über uns; auch dann nicht ,wenn die begriffe zweideutig sein sollten.
    War SCHWUL ja auch einmal. Und wurde von UNS als einem begriff von pride und milieuzugehörigkeit verstanden.
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#3 Taemin
  • 25.01.2021, 17:15h
  • Antwort auf #2 von stromboli
  • Es gibt Leute, die werden nie schlau und bleiben ewig dabei, die Schwulenverächterversteher zu markieren.

    Dass das "Milieu" in Bezug auf Schwule -und auf homophil veranlagte Männer,die u m den Begriff "schwul" den peinlichen Eiertanz aufführen- absolut negativ besetzt ist, bedarf keiner weiteren Ausführung. Bspw. hier: Der Satz hätte von Anfang an ohne das "Milieu" sprachlich funktioniert. Das "Milieu" wurde nur zur negativen Stimmungsmache hineingeschrieben. Drogenmilieu. Gangstermilieu. Zuhältermilieu. Kriminalitätsassoziationen sollen geweckt werden. So einfach ist das. Die Verwendung des Wortes als soziologischer Begriff ist der allgemeinen Öffentlichkeit nicht zugänglich und so ist das Wort auch von der Schmierenpresse (und das ZDF muss sich, soweit es dieses Wort benutzt, eben auch dort einordnen lassen, BILD sowieso) nicht intendiert.
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#4 SchleicheRAnonym
  • 25.01.2021, 18:08h
  • Die Bild arbeitet ja auch eher mit Schreiberlingen aus dem Journalisten-Milieu. Die mögen vielleicht mal Journalismus studiert haben, die journalistischen Regeln haben die bei der Bild aber längst verdrängt.
    Die reißerischen Formulierungen dieser Zeitung sind nur ´click-bait´; Internetschmuddel halt :p
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#5 dellbronx51069Anonym
#6 Homonklin_NZAnonym
  • 26.01.2021, 04:13h
  • Ich erinnere mich daran, dass meine nun nicht grade ultrahoch gebildete Frau Mutter die Bewerber dieses "Käseblatts" immer energisch vom Hof jagte. Zunächst belustigt darüber, verstand ich erst später, weshalb.
    So kam es bis zum Boykott gegen diesen ausufernden BLÖDsinn.

    Im Milieu derer, die einen IQ von ca. 50 nicht überschreiten, sind die Autoren der Artikel dort unterwegs, und herrschen so über ihre Leserschaft. Wenn da dann ein Lernen einsetzt, doch immer nach Klagen und gar Gerichtsprozessen, das will auch etwas heißen, und dafür ist dieses Klopapermillieu doch bekannt.
    Dagegen sind Texte des täglichen Glückskeks empfehlenswerte Lektüre, oder die dAbrisskalender. Gar das Muster einer Rauhfasertapete könnte höherwertige Erquickung leisten.

    Leute,lest mehr Bücher, will man rufen. Aber nicht durch das BLÖD-Milieu beworben, wenn machbar,
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#7 KumpelAnonym
#8 Berliner_ZuschauerAnonym
  • 11.02.2021, 21:32h
  • Betrifft "altehrwürdiges ZDF":
    Leider nicht der einzige "Milieu"-Fauxpas:
    "Corona, Aids & Co. - Virus oder Verschwörung " (21:53 min) in der ZDF-Mediathek
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#9 Hailaender