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27. Januar

Holocaust-Gedenktag: LSVD fordert mehr Forschung

Anlässlich des 76. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz weisen LGBTI-Aktivist*innen darauf hin, dass es noch immer Wissenslücken über das Schicksal queerer Menschen unter Hitler gebe.


Das Berliner Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen soll dabei helfen, sich an die schreckliche Zeit in den Dreißiger- und Vierzigerjahren zu erinnern (Bild: Times / wikipedia)

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) fordert anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus, die Lage von LGBTI im Nazi-Reich besser zu erforschen. Es sei insbesondere "unabdingbar, die Unsichtbarkeit der Verfolgung von Lesben zu thematisieren und darauf zu drängen, dass Forschung und Lehre den unbeantworteten Fragen zu Leben, Verfolgung und Ermordung lesbischer Frauen im Nationalsozialismus weiter nachgehen", erklärte LSVD-Bundesvorstandsmitglied Henny Engels. "Ein weiteres noch wenig erforschtes Feld ist die Situation von trans- und intergeschlechtlichen Menschen im Nationalsozialismus."

Aber auch die Erforschung der Geschichte homosexueller Männer im Nationalsozialismus sei "längst noch nicht abgeschlossen, trotz vieler verdienstvoller Veröffentlichungen". Diese seien oft außerhalb der universitären Geschichtswissenschaft entstanden, so Engels. "Die Geschichte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intergeschlechtliche Menschen wird dort immer noch viel zu oft als Rand- und Fußnotenthema betrachtet. Der LSVD fordert die Geschichtswissenschaft auf, hier inklusive Ansätze zu verfolgen." Dafür müssten Bund, Länder und Kommunen ausreichend Mittel zur Verfügung stellen.

Die Linke.queer schloss sich dieser Forderung an. "Die Bemühungen des Staates zur Aufarbeitung der Verfolgungsgeschichte homosexueller Männer im Dritten Reich ist nicht ausreichend, mit Blick auf die Geschichte lesbischer Frauen oder von trans Personen ist Aufarbeitung von staatlicher Seite kaum oder gar nicht erfolgt", kritisierten die Bundessprecher*innen Luca Renner und Daniel Bache. Man müsse "Aufklärung über den deutschen Faschismus und seine Folgen intensivieren".

DIE LINKE.queer: Internationaler Holocaust-Gedenktag – Der Opfer gedenken, Erkenntnisgrundlagen verbessern,...

Posted by DIE LINKE.queer on Tuesday, January 26, 2021
Facebook / DIE LINKE.queer

Auch mehrere queere Politiker*innen gedenken unter dem Hashtag #WeRemember der Opfer der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft. Sven Lehmann von den Grünen veröffentlichte etwa ein Bild von einem Auschwitz-Besuch im letzten Herbst. Dazu schrieb der Kölner Bundestagsabgeordnete: "Dieser Ort ist Symbol für den millionenfachen Massenmord der Nazis, für Rassenwahn, für absolute Vernichtung. Das Ziel demokratischer Politik muss immer sein, dass sich Auschwitz nie wiederhole!"

Twitter / svenlehmann

Der SPD-Politiker Michael Roth, der seit 2013 Staatsminister für Europa im Bundesaußenministerium ist, erklärte auf Twitter: "'#NieWieder' darf nicht zum Ritual verkommen. Niemals darf die Erinnerung verblassen."

Twitter / MiRo_SPD

Der offen schwule Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann (CDU) erinnerte an die Gedenkstunde im Bundestag und erklärte mit Blick auf Auschwitz: "Das Vernichtungslager steht für den schrecklichen Völkermord & die Millionen Opfer des Nazi-Totalitarismus."

Twitter / StefanKaufmann

Jens Brandenburg, der FDP-Sprecher für LSBTI im Bundestag, ergänzte: "Die schreckliche Erinnerung ist Auftrag, den zunehmenden Hass und Hetze entschieden zu bekämpfen."

Twitter / JBrandenburgFDP

Auch dieses Jahr finden am 27. Januar wieder mehrere Veranstaltungen statt, um an die queeren Opfer des Nazi-Regimes zu erinnern, etwa in Köln oder Berlin. In der Bundeshauptstadt wird der offen schwule Kultursenator Klaus Lederer (Linke) einen Kranz am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen niederlegen. Zudem gibt es die Forderung, dass endlich auch bei der Gedenkfeier im Bundestag explizit an die queeren Opfer der Nationalsozialist*innen erinnert wird (queer.de berichtete). (dk)

 Update  14.30 Uhr: Grüne Abgeordnete legen Kranz an Homo-Mahnmal nieder

Die drei offen queeren Bundestagsabgeordneten Ulle Schauws, Sven Lehmann und Kai Gehring (alle Grüne) haben am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen einen Kranz niedergelegt. Dabei erinnerten sie in einer gemeinsamen Erklärung daran, dass LGBTI-Feindlichkeit bis heute nicht besiegt sei: "Bis heute bestehen Vorurteile und Ablehnung gegenüber queeren Menschen in weiten Teilen der Bevölkerung. Das zeigt auch die leider immer wiederkehrenden Schändung dieses Denkmals."


(Bild: Bündnis 90/Die Grünen)



#1 AthreusProfil
  • 27.01.2021, 12:31hSÜW
  • Ich hätte es besser gefunden, wenn man am Tag der Auschwitzbefreiung der Bevölkerung ins Gedächtnis ruft, dass weder Juden noch LGBTQ in Deutschland diskriminierungs- und angstfrei leben können, erstere erst durch Anschläge getroffen und weiter bedroht sind und letztere immer noch auf die längst überfällige, deutschlandweite Erfassung von gezielter Hasskriminalität warten. Auch sollte man an diesem speziellen Tag nochmal darauf hinweisen, dass unser Innenminister eine Studie über Linksradikalismus in Auftrag gibt, im Angesicht hunderter Fälle von Rassismus, Neonazismus und Queerfeindlichkeit in ganz Deutschland und im Folgejahr der jüngsten Mordanschläge auf Synagoge und die hessische Politik.

    Dieses sehr wichtige, im Artikel angesprochene Thema erscheint mir weniger dringlich, ob der Tatsachen aus dem ersten Absatz. Nichtvorhandene Studien bedrohen nicht die Gesundheit und oder das Leben von Menschen, sondern die gewaltbereiten Nachfolger der Altnazis und ihre geistige Hilfstruppe im Bundestag, die allenthalben und ungeniert aus ihren Bunkern treten und diese unsere Demokratie zersetzen.
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#2 goddamn liberalAnonym
  • 27.01.2021, 13:37h
  • Antwort auf #1 von Athreus
  • "dass weder Juden noch LGBTQ in Deutschland diskriminierungs- und angstfrei leben können, erstere erst durch Anschläge getroffen und weiter bedroht sind und letztere immer noch auf die längst überfällige, deutschlandweite Erfassung von gezielter Hasskriminalität warten."

    Sehr wahr! Und dann gibt es noch Preise der hiesigen Akademikerelite für Texte, in denen wörtlich behauptet wird, Israel rotte die Palästinenser aus.

    Die sind dann nicht zufällig nach den Gattinnen von NS-Kriegsverbrechern benannt.

    de.wikipedia.org/wiki/Gerda_Henkel_Stiftung

    Was die historische Forschung betrifft, würde ich gern mehr über die Verfolgung von LGTBI-Menschen in besetzten Ländern erfahren, die ohnehin unvorstellbaren Massenmorden ausgesetzt waren.
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#3 g_kreis_adventProfil