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Serientipp

Das sind die queeren Passagiere an Bord des "Snowpiercer"

Auf Netflix läuft die zweite Staffel der dystopischen US-Produktion "Snowpiercer" über einen 1.001-Waggons-langen Superzug, der mit den letzten Überlebenden um die Erde rast. Queerness wird nicht klein geschrieben.


Die queere Miss Audrey leitet den "Nightcar" des "Snowpiercer" (Bild: TNT)
  • Von Patrick Heidmann
    27. Januar 2021, 14:18h, 1 Kommentar

Es ist noch gar nicht so unglaublich lange her, dass jede noch so kleine queere Rolle in einer Serie in LGBTI-Kreisen eine Meldung wert war. So selten war Repräsentation auf dem Bildschirm, dass die Freude schon groß war, wenn in einer Krankenhaus-Soap mal eine von zehn Ärztinnen lesbisch war oder in Sonntagabend-Krimi ein schwules Paar zu den Verdächtigen gehörte.

Davon kann heute nicht mehr die Rede sein, Vielfalt und Diversität im Fernsehen und bei Streamingdiensten wachsen ständig. So sehr sogar, dass erste Reaktionäre sich bereits beschweren, Netflix würde es übertreiben und zu viele queere Figuren in seine Produktionen integrieren. Lange Rede, kurzer Sinn: Dass auf queer.de noch nie von "Snowpiercer" die Rede war, obwohl die Serie doch einiges an queerem Personal auffährt, kann heutzutage schon mal vorkommen.

Eine Klassengesellschaft rast um die vereiste Erde


Die zweite Staffel von "Snowpiercer" läuft seit 26. Januar 2021 auf Netflix

Da nun am 26. Januar, nur ein halbes Jahr nach dem Ende der ersten Staffel, bei Netflix die zweite begonnen hat (mit wöchentlich einer neuen Folge), wird es also Zeit, doch mal einen Blick auf diese dystopische US-Produktion zu werfen, der eine französische Graphic Novel und der darauf basierende Film des Südkoreaners Bong Joon-ho aus dem Jahre 2013 zugrunde liegen.

Für alle, die bislang mit der Materie nicht vertraut sind, hier eine kurze, möglichst Spoiler-freie Zusammenfassung der Prämisse: In einer nach einer Klimakatastrophe vollkommen vereisten Welt haben sich die letzten rund 3.000 Überlebenden an Bord eines Zuges des reichen Erfinders Wilford gerettet, der mit seinen 1.001 Wagons dauerhaft rund um den Globus rast. Ein fahrender, sich selbst am Laufen haltender Mikrokosmos inklusive Gewächshäusern, Tierzucht und Aquarien, in dem die reichsten Passagiere ganz vorne in der ersten Klasse leben, während all jene, die in letzter Minute vor Abfahrt den Zug ohne Ticket gestürmt hatten, ganz hinten unter erbärmlichsten Bedingungen hausen müssen.

Staffel 1 begann damit, dass es einen grausamen Mord (inkl. abgeschnittenem Penis) aufzuklären galt, weswegen Zugführerin Melanie Cavill (Oscar-Gewinnerin Jennifer Connelly) aus dem hintersten Zugteil den mit Revolutionsplänen befassten Ex-Cop Andre Layton (der charismatische "Hamilton"-Star Daveed Diggs) holen ließ. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Untersuchung überstürzten sich die Ereignisse dann allerdings erst recht, inklusive Aufständen, weiteren Toten und der Enthüllung eines Geheimnisses, das die Ordnung dieser gut geölten Maschinerie ordentlich auf den Kopf gestellt. Ganz zu schweigen von einem überraschenden Cliffhanger zu Ende, der die Karten für die neuen Folgen nun noch einmal ganz neu mischt.

Lesbische Sicherheitsoffizierin, schwule Eliterpassagiere

Zu den interessantesten Figuren der Serie gehören die lesbische Sicherheitsoffizierin Bess Till (gespielt von Stings Tochter Mickey Sumner), die anfangs obrigkeitshörig ihrem Job nachgeht und dem in ihren Augen kriminellen Layton bei seinen Ermittlungen zur Seite steht. Je mehr sich ihr Blick allerdings für die Missstände im Zug öffnet, desto mehr schlägt sie sich auf die Seite der Umstürzler*innen. Was auch zu Schwierigkeiten in ihrer Beziehung mit Jinju (Susan Park) führt, die nicht nur zu den Privilegierten, sondern auch zu Cavills engsten Vertrauten gehört.


Sicherheitsoffizierin Bess Till und ihre Freundin Jinju (Bild: TNT)

Auch sonst wird Queerness nicht gerade klein geschrieben in "Snowpiercer": Laytons Ex-Frau Zarah (Sheila Vand) ist bisexuell, ein Kollege von Bess lässt sich im hinteren Zugteil als Gegenleistung für geschmuggelte Drogen gerne von jungen Männern einen blasen, und zu den Elitepassagieren der Ersten Klasse gehört natürlich auch ein schwules Paar. Außerdem gibt es noch das Abteil fürs Nachtleben, wo ohnehin alles Wünsche erfüllt werden und Labels nichts zu suchen haben. Geleitet wird es von Miss Audrey, die Broadway-Star Lena Hall (die in "Girls" schon mit Lena Dunham knutschte) spielt und als "sexually fluid" beschreibt. Ebenfalls erwähnenswert: In der zweiten Staffel ist neu die queere Schauspielerin Rowan Blanchard ("Die Goldbergs") mit dabei.

Die Hauptdarsteller*innen bleiben hetero

Dass bei keiner dieser Figuren die sexuelle Identität je zum Thema gemacht oder gar problematisiert wird, ist erfreulich (und überhaupt bietet "Snowpiercer" spannende, hochwertig gemachte Unterhaltung). Und auch nicht zwingend selbstverständlich.

Trotzdem darf man auch in diesem Kontext nochmal anmerken, dass in Sachen LGBTI-Repräsentation selbst in einem Fall wie diesem immer noch Luft nach oben ist. Denn was nach wie vor fehlt, sind Serien dieser Größenordnung, in der dann auch Protagonist*innen wie Andre Layton oder Melanie Cavill queer statt heterosexuell sind, ganz selbstverständlich und ohne Auswirkungen auf die eigentliche Handlung. Das wäre dann nicht nur eine Meldung, sondern sogar eine fette Schlagzeile wert.

Direktlink | Deutscher Trailer zur zweiten Staffel



#1 LivianoAnonym
  • 28.01.2021, 01:07h
  • Bitte nicht zu vergessen der Crossdresser Clay, der bei Miss Audrey im Nachtwagen arbeitet! :) in dieser Serie gibt es so viel Diversität, das ist wirklich schön. Und in der Serie wirkt alles wirklich ernst und nicht nur gewollt und schlecht umgesetzt :)
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