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Jetzt schon in der ARD-Mediathek

Maren Kroymanns queerste Sendung

In der neuen Folge ihrer Satireshow kritisiert die lesbische Schauspielerin den Umgang mit LGBTI in Film und Fernsehen, lässt selbst einen rein queeren Cast auftreten und präsentiert mit über 50 Kolleg*innen die Homo-Hymne "Kurzsichtig".


Maren Kroymann outet sich in ihrer Comedyshow als kurzsichtig (Bild: Radio Bremen)

Mit einem starken queeren Statement startet die Comedysendung "Kroymann" ins neue Jahr. In der neuen Folge, die am Donnerstagabend um 23.35 Uhr im Ersten ausgestrahlt wird (und bereits in der ARD-Mediathek verfügbar ist), thematisiert Gastgeberin Maren Kroymann die Diskriminierung von queeren Schauspieler*innen – und zeigt, wie man es anders machen kann.

Die Sendung beginnt damit, dass die 71-Jährige gerade ein Shooting für den "Playboy" hinter sich hat. Als Rahmenhandlung erzählt sie Anette Frier, die in die Rolle einer Reporterin schlüpft, ziemlich aufgekratzt von dieser Erfahrung und ihren Beweggründen. Doch erst ganz am Ende, als das Interview schon vorbei ist, verrät sie, dass sie sich vor allem fürs heterosexuelle Image ausgezogen hat.

"Ich bin kurzsichtig, und das ist auch gut so"

Frier kann nicht glauben, dass manche Produzent*innen noch immer keine homosexuellen Schauspieler*innen für heterosexuelle Rollen casten. "Ich weiß, es ist eigentlich verrückt", antwortet Kroymann, die sich selbst 1993 als lesbisch geoutet hat und daraufhin weniger Engagements bekam. "Es ist ja so, als würde jemand wegen seiner Haarfarbe diskriminiert oder weil man Brillenträger ist."

Direkt anschließend präsentiert die Schauspielerin ihren Song "Kurzsichtig", wobei die Sehschwäche als Chiffre für Homosexualität steht. "Ich kam auf die Welt, genauso wie du, doch etwas war anders bei mir", heißt es im Text. Um ihre Kurzsichtigkeit geheim zu halten, versteckte sie ihre Brille – doch "irgendwann musste es raus". Im Refrain heißt es frei nach Klaus Wowereit: "Ich bin kurzsichtig, und das ist auch gut so."

Christina Hecke und Georg Uecker als Gäste

Ihre Homo-Hymne singt Kroymann nicht nur im weißen Hosenanzug am Klavier, sie hat außerdem zusammen mit queeren Medienschaffenden ein Musikvideo gedreht. In bunten T-Shirts tanzen u.a. die Kommunikationswissenschaftlerin Miriam Meckel, der Grünen-Politiker Volker Beck, Moderatorin Bettina Böttinger, Schlagersänger Patrick Lindner, die Comedienne Tahnee Schaffarczyk und zahlreiche weitere Kolleg*innen zu "Kurzsichtig". Ganz am Ende ergeben die Videos der über 50 Mitwirkenden eine Regenbogenfahne.


Aus dem Musikvideo zu "Kurzsichtig" (Bild: Radio Bremen)

Doch es geht sogar noch queerer: Auch in den einzelnen Sketchen der 30-minütigen Sendung treten – bis auf Annette Frier, die zum festen Ensemble gehört – ausschließlich queere Schauspieler*innen auf. Von Maren Kroymann engagiert wurden Merve Aksoy, Christina Hecke, Tino Hillebrand, Lukas von Horbatschewsky, Sylvia Mayer, Klaus Nierhoff, Roland Riebeling, Milena Schedle, Marius Schneider, Georg Uecker und Gustav Peter Wöhler.

"Kroymann" gehört zu den erfolgreichsten ARD-Comedyformaten und gewann bereits den Deutschen Fernsehpreis 2020 und 2019, den Bayerischen Fernsehpreis 2019, den Grimme-Preis 2019 und 2018, den Studio Hamburg Nachwuchspreis 2018, die Auszeichnung der Deutschen Akademie für Fernsehen 2018 und den Juliane Bartel Medienpreis 2017. Außerdem wurde Maren Kroymann 2019 für ihr Lebenswerk mit der Rose D'Or der European Broadcasting Union (EBU) und 2020 mit dem Ehrenpreis des Bayerischen Kabarettpreises geehrt. (cw)



#1 UnzumutbarAnonym
  • 28.01.2021, 11:00h
  • ""Kroymann" gehört zu den erfolgreichsten ARD-Comedyformaten"

    ...und wird dennoch auf einen Sendetermin um 23:35 Uhr geschoben.

    Zur Orientierung: FSK 18 darf ab 23:00 gesendet werden - FSK 16 ab 22:00. Um "um Himmels willen" keine Jugendlichen zu "verunsichern", wartet man dann aber sicherheitshalber sogar nochmal 35 Minuten länger, damit möglichst viele Menschen längst im Heiabettchen sind und weder "verwirrt" noch verunsichert werden können.

    Und nein, die Tatsache, dass das Ganze auch in der Mediathek abgerufen werden kann, ändert an diesem Versteckspiel, das im deutschen Fernsehen System hat, gar nichts. Es ist etwas völlig anderes, ob ich etwas gezielt suchen und aufrufen muss, oder ob ich in meinem "normalen" Abend-Fernsehprogramm auch mal auf etwas Queeres stoße. Aber - Erfolg hin oder her: offenbar gelten wir immer noch als "der Jugend nicht zumutbar".

    Ein absolutes Armutszeugnis für ein angeblich so fortschrittliches Land im Jahr 2021.
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#2 queer grrl powerAnonym
  • 28.01.2021, 12:07h
  • Antwort auf #1 von Unzumutbar
  • "Ein absolutes Armutszeugnis für ein angeblich so fortschrittliches Land im Jahr 2021."

    Ein absolutes Armutszeugnis für eine angeblich so fortschrittliche community im Jahr 2021.

    Deutschland ist so fortschrittlich wie seine angeblich so queere community.

    Nein nein, das passt so schon. Alles gut. Dieses angeblich so fortschrittliche Land spiegelt wunderbar seine angeblich so fortschrittliche community. Alles ist hier richtig. Alles gut in Deutschland. *schallend lachend*

    "Wir hier" wollen doch "alle hier" einfach nur "normal sein". "Wir alle hier" wollen doch einfach nur "dazugehören".

    Wenn eine 71-jährige Frau ihre community dazu aufrufen muss, sich massenhaft zu outen, dann sagt das nichts über ein Land aus - stattdessen sagt es alles über eine community.

    Es ist doch seltsam...immer wenn ich mit "der community" in Berührung kam, hatte ich das Gefühl, mich in einen Schrank zurück zu begeben...deshalb gehe ich da als queere Frau, die überall und immer open, out and proud ist, auch schon lange nicht mehr hin.

    Ihr Aufforderung zum coming out wird in der ach so queeren community auf kindlich-trotziges und bleiernes Schweigen stossen...stattdessen wird man weiterhin in abgeschotteten Blasen über "die da oben" nörgeln...und schön brav und fügsam da bleiben, wo man ist.

    Das "fortschrittliche" Deutschland und seine "fortschrittliche" community. Im Jahr 2021. "Armutszeugnis" ist ein understatement. LOL
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#3 Girlygirl
  • 28.01.2021, 12:49h
  • Antwort auf #2 von queer grrl power
  • Es ist gut, dass du so zu dir stehst! Leider wurden nicht alle Menschen mit diesem Selbstbewusstsein geboren. Jede*r hat eine andere Persönlichkeit, unabhängig von der sexuellen Orientierung. Wir sollten niemandem dazu drängen sich zu outen, vor allem nicht Menschen aus homophoben Kreisen. Außerdem weiß ich auch, dass Coming Out für mich etwas anderes bedeutet, als für andere queere Menschen. Als lesbische junge Frau, die feminin aussieht, komme ich um regelmäßiges
    Outen nicht herum. Aber ich kann natürlich nicht für andere sprechen. Ist es wichtig, dass queere Menschen in Hetero Beziehungen sich outen? Sollten wir von Trans* Personen verlangen sich zu outen? Ich weiß es nicht, da ich nie in dieser Situation war/bin/sein werde. Aber ich persönlich finde das Konzept Coming Out trotzdem gut, ich freue mich immer, wenn sich jemand outet und sein*/ihr* Lable stolz trägt, sei es schwul, lesbisch, bi, pan, trans* oder einfach nur queer.
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#4 queer grrl powerAnonym
  • 28.01.2021, 14:08h
  • Antwort auf #3 von Girlygirl
  • Sorry meine liebe junge Schwester, aber GENAU DIESE "Diskussionen" sind die, die ich nicht führe und niemals im Leben geführt habe. Mit Selbst-Limitierung habe ich mich keine einzige Sekunde in meinem Leben aufgehalten.

    Wir werden alle "selbstbewusst" geboren. Wer klug ist, lässt sich dieses Geburtsgeschenk von niemandem wegnehmen...

    ...und ich bin ebenfalls feminin, ich bin eine queere High Femme.

    Kleiner Tip an dieser Stelle:
    Dieses "fortschrittliche" Land, was von seiner ach so "fortschrittlichen" community so exzellent repräsentiert wird, liegt mitten drin und ist in alle Richtungen von tatsächlich fortschrittlichen Ländern umgeben. In jede Richtung nur ein Katzensprung.

    In Deutschland schlägt jede Frau "züchtig" die Augen nieder, wenn ich in einem Café auch nur versuche Blickkontakt aufzunehmen. In Paris signalisiert mir an jeder Ecke eine (feminine) Frau, dass sie mit mir ins Bett will. Wie kommt das bloss? ...So what?

    Und verschone mich bitte mit labeln, die letztendlich community-hausgemacht sind...ob eine feminine Frau trans oder cis ist, hat mich auch nie interessiert. Ich stehe auf Femininität.

    Wer sich in einem "homophoben Umfeld" befindet, dem_der kann ich nur raten: Surround yourself with good people...alle anderen lasse zurück! Dann klappt das auch mit dem "Selbstbewusstsein".

    "You are a composite of all the things you believe, and all the places you believe you can go. Your past does not define you. You can step out of your history and create a new day for yourself. Even if the entire culture is saying: "You can't." Even if every single possible bad thing that can happen to you does. You can keep going forward."
    - Oprah Winfrey

    Um irgendwo "anzukommen", muss man zuallererst erstmal "weggehen".
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#5 FrageAnonym
  • 28.01.2021, 14:50h
  • Die Uhrzeit ist so ungewöhnlich nicht und lässt sich in etwa bei Markus Lanz einreihen.
    Auffällig wäre es aber, wenn Kroymann sonst viel früher kommt? Ist das so?
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#6 UnzumutbarAnonym
#7 ganzdeutlichAnonym
#8 UnzumutbarAnonym
  • 28.01.2021, 16:00h
  • Antwort auf #7 von ganzdeutlich
  • Das war mir schon klar. Man hätte das ja auch selbst googeln können. Bei einem schnellen Googeln fand ich 2 Folgen aus 2019 und 2020:

    11.07.19, Das Erste: 23:30 Uhr
    02.04.20, Das Erste: 23:55 Uhr

    Meine Kritik an der späten Sendezeit bezog sich auch nicht nur auf die "queerste Folge", sondern auf die Platzierung der Sendereihe generell.

    Dass auch andere Sendungen teils um diese Uhrzeit laufen, ist mir schon klar. Immerhin haben wir seit einer Weile Rund-um-die-Uhr-Fernsehen. Die Tatsache, dass auch andere Sendungen spät laufen, macht allerdings das Muster, dass queere Formate generell sehr, sehr spät positioniert werden, nicht weniger auffällig. Ich verweise diesbezüglich z.B. auch auf die Diskussionen zu den rbb-Queerfilm-Reihen.

    Bevor jetzt Kritik kommt, dass auch zu anderen Zeiten Folgen auf "One" wiederholt werden: One gilt als Spartensender und hat eine WESENTLICH geringere Zuschauer_innen-Reichweite als Das Erste. Ist also als Gegenargument genauso wenig tauglich wie dasjenige, dass man die Sendung ja auch in der Mediathek aufrufen könne.
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#9 ZumutbarAnonym
  • 28.01.2021, 16:04h
  • Antwort auf #1 von Unzumutbar
  • Die Prime Time verdient man sich hierzulande nu(h)r mit Rassismus, Homophobie, Klimakatastrophen-Leugnung, Veganismus-Bashing, "Genderismus"-Alarm und ganz generell reaktionärer Kackscheiße, getarnt als "Kabarett". Das ist halt in Deutschland anschlussfähiger als intelligente Gesellschaftskritik.
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#10 KumpelAnonym
  • 28.01.2021, 17:16h
  • Antwort auf #1 von Unzumutbar
  • EXAKT. Maren Kroymann hat es verdient gleich nach der Tagesschau gesendet zu werden. Ich habs mir gerade auf ARD Mediathek, hihi kostenlos, angeschaut. Wie immer super. Auch finde ich Anette jedesmal wieder toll.
    Ich erinnere mich noch gut, wie ich hier in der Vergangenheit über Maren Kroymann hergezogen bin, weil sie mal bei meinem Hausarzt auftauchte und sie sich zierte, sich selbst ein Becher Wasser aus dem Warteraum zu holen. An ihrem Gesicht war anzusehen, was sie gerade dachte. Das soll ich jetzt durch? Damals fand ich ihr Verhalten recht arrogant. Aber im nachhinein muß ich ihr recht geben, denn die Praxis wurde noch nie renoviert und macht einen doch schmuddeligen Eindruck.
    Ich ziehe daher meine Aussage über diese tolle Schauspielerin zurück. Asche auf mein Haupt.
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