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Maren Kroymann

"Man ist heterosexuell, es sei denn, man outet sich"

Die lesbische Kabarettistin Maren Kroymann fordert einen offeneren Umgang mit Homosexualität in Film, TV und Medien. Es gebe "eine große Angst, zu sehr mit dem Thema assoziiert zu werden".


Die Schauspielerin, Kabarettistin und Sängerin Maren Kroymann hatte sich 1993 im Magazin "stern" als lesbisch geoutet (Bild: 9EkieraM1 / wikipedia)
  • 28. Januar 2021, 07:43h 14 3 Min.

Die Schauspielerin und Kabarettistin Maren Kroymann wünscht sich in ihrer Branche einen offeneren Umgang mit Homosexualität. Noch immer würden sich viele Künstler*innen nicht zu ihrer queeren Identität bekennen, sagte die 71-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. "Es gibt da eine große Angst, zu sehr mit dem Thema assoziiert zu werden."

Als klares Bekenntnis zum Queersein sind deshalb in der neuen Ausgabe ihrer Satireshow "Kroymann" am Donnerstagabend um 23.35 Uhr im Ersten mit Ausnahme von Annette Frier erstmals ausschließlich queere Schauspieler*innen als Gäste engagiert (queer.de berichtete). Höhepunkt der Show ist ein gemeinsames Musikvideo, das sich auf ironisch-witzige Art mit dem Queersein beschäftigt.


Maren Kroymann in der aktuellen Folge von "Kroymann" (Bild: Radio Bremen)

Die neue Folge ist in der ARD-Mediathek inklusive Musikvideo verfügbar.

Etikett "lesbisch" klebt an Kroymann seit 27 Jahren

Kroymanns eigenes lesbisches Coming-out im Magazin "stern" liegt mittlerweile 27 Jahre zurück. "Damals dachte ich, dass sich da jetzt sehr schnell sehr viel tun wird, aber wenn ich heute zurückblicke, stelle ich fest, dass das nicht geschehen ist. Es ist immer noch ein Riesenschritt. Ich finde es erstaunlich, dass in so langer Zeit so wenig passiert ist." An ihr selbst klebe das Etikett "lesbisch", als ob es etwas völlig Exotisches wäre. "Noch 20 Jahre nach meinem Coming-out wurde ich in Talkshows vorgestellt als die Schauspielerin, die sich als lesbisch geoutet hat. Da hab ich gedacht: Leute, können wir mal über meine Arbeit sprechen?"

Viele Schauspieler*innen befürchteten nach wie vor, für bestimmte Rollen nicht mehr gecastet zu werden, wenn ihre sexuelle Orientierung öffentlich bekannt würde. Inzwischen halte sie das nicht mehr für begründet, sagte Kroymann. Selbst bei ihr hätten damals die Angebote nur kurzfristig nachgelassen, und heute sei die Gesellschaft viel weiter. In bestimmten Bereichen gebe es aber noch Vorbehalte. "In Unterhaltungssendungen darf der schrille Part gerne mal von einer queeren Person übernommen werden. Aber wenn es darum geht, wer Hamlet spielt, wer Faust oder Richard III., dann ist da immer noch eine gewisse Zurückhaltung, denn hier geht um das, was dem Bildungsbürgertum wirklich wichtig ist. Im Kulturfeuilleton kommen wir noch immer kaum oder gar nicht vor."

"Mein Appell ist darum: Lasst es uns leben"

Auch in der Presse werde immer noch erstmal automatisch vorausgesetzt, dass man heterosexuell sei. "Man ist heterosexuell, es sei denn, man outet sich. Das ist die Regel. Und das ist ziemlich repressiv, finde ich. Deshalb muss man etwas sagen. Damit die Verlogenheit aufhört."

Die Gesetzgebung in Deutschland sei inzwischen sehr liberal: "Wir dürfen heiraten, wir dürfen Kinder adoptieren. Manchmal kommt es mir so vor, als ob die Gesetze fortschrittlicher sind als wir selbst. Mein Appell ist darum: Lasst es uns leben, lasst es uns zeigen, lasst es uns sagen! Wenn alle dabei mitmachen, dann ist bald nichts mehr dabei." (cw/dpa)

-w-

#1 PeerAnonym
  • 28.01.2021, 09:15h
  • Ich kann mich nur in vollem Umfang anschließen:
    nicht nur die Präsenz von LGBTI muss im Fernsehen größer werden und dem Anteil an der Bevölkerung entsprechen. Sondern auch der Umgang mit dem Thema muss unverkrampfter, unaufgeregter und selbstverständlicher werden.

    Denn die Medien, Kunst und Kultur haben viel mehr Einfluss auf die Menschen und ihre Einstellungen als irgendwelche politischen Debatten, akademischen Diskussionen, etc.

    Nur so kann man erreichen, dass der Umgang mit dem Thema ganz selbstverständlich und alltäglich wird und dass das irgendwann genauso normal, egal und uninteressant ist wie die Augenfarbe.
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#2 Julian SAnonym
  • 28.01.2021, 09:26h
  • "Mein Appell ist darum: Lasst es uns leben, lasst es uns zeigen, lasst es uns sagen! Wenn alle dabei mitmachen, dann ist bald nichts mehr dabei."

    Da hat sie recht:
    ich habe in den 90er-Jahren immer wieder in unserer mittelgroßen Stadt auch schwule Paare Hand in Hand durch die Stadt laufen sehen, umarmt auf einer Parkbank sitzen, sich küssen, etc.

    Das sehe ich (selbst in größeren Städten) kaum noch.

    Wenn wir selbst mit dem Thema nicht ganz selbstverständlich und unverkrampft umgehen, wie sollen wir das dann von anderen erwarten?
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#3 NevermindAnonym
  • 28.01.2021, 09:47h
  • Sie ist eine fantastische Künstlerin. Was sie macht ist intelligent, scharfzüngig und trotzdem warmherzig. Und superlustig! Ihrem Appell möchte ich mich natürlich anschließen. Ein ziemlicher Kontrast zu den Aussagen von Bill Kaulitz vor ein paar Tagen. Es ist natürlich sein Bier, wie er damit umgeht und was er über seine Privatsphäre preisgibt, aber mich enttäuscht es halt, dass er keine klaren Worte findet. Lasst es uns sagen und uns nehmen, was uns zusteht. Und nicht die Sendungen von Frau Kroymann verpassen! :-)
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