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Maren Kroymann

"Man ist heterosexuell, es sei denn, man outet sich"

Die lesbische Kabarettistin Maren Kroymann fordert einen offeneren Umgang mit Homosexualität in Film, TV und Medien. Es gebe "eine große Angst, zu sehr mit dem Thema assoziiert zu werden".


Die Schauspielerin, Kabarettistin und Sängerin Maren Kroymann hatte sich 1993 im Magazin "stern" als lesbisch geoutet (Bild: 9EkieraM1 / wikipedia)

Die Schauspielerin und Kabarettistin Maren Kroymann wünscht sich in ihrer Branche einen offeneren Umgang mit Homosexualität. Noch immer würden sich viele Künstler*innen nicht zu ihrer queeren Identität bekennen, sagte die 71-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. "Es gibt da eine große Angst, zu sehr mit dem Thema assoziiert zu werden."

Als klares Bekenntnis zum Queersein sind deshalb in der neuen Ausgabe ihrer Satireshow "Kroymann" am Donnerstagabend um 23.35 Uhr im Ersten mit Ausnahme von Annette Frier erstmals ausschließlich queere Schauspieler*innen als Gäste engagiert (queer.de berichtete). Höhepunkt der Show ist ein gemeinsames Musikvideo, das sich auf ironisch-witzige Art mit dem Queersein beschäftigt.


Maren Kroymann in der aktuellen Folge von "Kroymann" (Bild: Radio Bremen)

Die neue Folge ist in der ARD-Mediathek inklusive Musikvideo verfügbar.

Etikett "lesbisch" klebt an Kroymann seit 27 Jahren

Kroymanns eigenes lesbisches Coming-out im Magazin "stern" liegt mittlerweile 27 Jahre zurück. "Damals dachte ich, dass sich da jetzt sehr schnell sehr viel tun wird, aber wenn ich heute zurückblicke, stelle ich fest, dass das nicht geschehen ist. Es ist immer noch ein Riesenschritt. Ich finde es erstaunlich, dass in so langer Zeit so wenig passiert ist." An ihr selbst klebe das Etikett "lesbisch", als ob es etwas völlig Exotisches wäre. "Noch 20 Jahre nach meinem Coming-out wurde ich in Talkshows vorgestellt als die Schauspielerin, die sich als lesbisch geoutet hat. Da hab ich gedacht: Leute, können wir mal über meine Arbeit sprechen?"

Viele Schauspieler*innen befürchteten nach wie vor, für bestimmte Rollen nicht mehr gecastet zu werden, wenn ihre sexuelle Orientierung öffentlich bekannt würde. Inzwischen halte sie das nicht mehr für begründet, sagte Kroymann. Selbst bei ihr hätten damals die Angebote nur kurzfristig nachgelassen, und heute sei die Gesellschaft viel weiter. In bestimmten Bereichen gebe es aber noch Vorbehalte. "In Unterhaltungssendungen darf der schrille Part gerne mal von einer queeren Person übernommen werden. Aber wenn es darum geht, wer Hamlet spielt, wer Faust oder Richard III., dann ist da immer noch eine gewisse Zurückhaltung, denn hier geht um das, was dem Bildungsbürgertum wirklich wichtig ist. Im Kulturfeuilleton kommen wir noch immer kaum oder gar nicht vor."

"Mein Appell ist darum: Lasst es uns leben"

Auch in der Presse werde immer noch erstmal automatisch vorausgesetzt, dass man heterosexuell sei. "Man ist heterosexuell, es sei denn, man outet sich. Das ist die Regel. Und das ist ziemlich repressiv, finde ich. Deshalb muss man etwas sagen. Damit die Verlogenheit aufhört."

Die Gesetzgebung in Deutschland sei inzwischen sehr liberal: "Wir dürfen heiraten, wir dürfen Kinder adoptieren. Manchmal kommt es mir so vor, als ob die Gesetze fortschrittlicher sind als wir selbst. Mein Appell ist darum: Lasst es uns leben, lasst es uns zeigen, lasst es uns sagen! Wenn alle dabei mitmachen, dann ist bald nichts mehr dabei." (cw/dpa)



#1 PeerAnonym
  • 28.01.2021, 09:15h
  • Ich kann mich nur in vollem Umfang anschließen:
    nicht nur die Präsenz von LGBTI muss im Fernsehen größer werden und dem Anteil an der Bevölkerung entsprechen. Sondern auch der Umgang mit dem Thema muss unverkrampfter, unaufgeregter und selbstverständlicher werden.

    Denn die Medien, Kunst und Kultur haben viel mehr Einfluss auf die Menschen und ihre Einstellungen als irgendwelche politischen Debatten, akademischen Diskussionen, etc.

    Nur so kann man erreichen, dass der Umgang mit dem Thema ganz selbstverständlich und alltäglich wird und dass das irgendwann genauso normal, egal und uninteressant ist wie die Augenfarbe.
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#2 Julian SAnonym
  • 28.01.2021, 09:26h
  • "Mein Appell ist darum: Lasst es uns leben, lasst es uns zeigen, lasst es uns sagen! Wenn alle dabei mitmachen, dann ist bald nichts mehr dabei."

    Da hat sie recht:
    ich habe in den 90er-Jahren immer wieder in unserer mittelgroßen Stadt auch schwule Paare Hand in Hand durch die Stadt laufen sehen, umarmt auf einer Parkbank sitzen, sich küssen, etc.

    Das sehe ich (selbst in größeren Städten) kaum noch.

    Wenn wir selbst mit dem Thema nicht ganz selbstverständlich und unverkrampft umgehen, wie sollen wir das dann von anderen erwarten?
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#3 NevermindAnonym
  • 28.01.2021, 09:47h
  • Sie ist eine fantastische Künstlerin. Was sie macht ist intelligent, scharfzüngig und trotzdem warmherzig. Und superlustig! Ihrem Appell möchte ich mich natürlich anschließen. Ein ziemlicher Kontrast zu den Aussagen von Bill Kaulitz vor ein paar Tagen. Es ist natürlich sein Bier, wie er damit umgeht und was er über seine Privatsphäre preisgibt, aber mich enttäuscht es halt, dass er keine klaren Worte findet. Lasst es uns sagen und uns nehmen, was uns zusteht. Und nicht die Sendungen von Frau Kroymann verpassen! :-)
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#4 NonBinary
  • 28.01.2021, 10:24h
  • "werde immer noch erstmal automatisch vorausgesetzt, dass man heterosexuell sei. "Man ist heterosexuell, es sei denn, man outet sich. Das ist die Regel. Und das ist ziemlich repressiv""

    Endlich mal kurz und knapp zusammengefasst, was gegen den unintelligenten Spruch spricht "Heteros outen sich ja auch nicht". Kunststück: wenn von allen automatisch angenommen wird, dass sie hetero SIND, braucht sich natürlich niemand zu outen.

    Ach, und übrigens: es wird auch immer noch erstmal automatisch vorausgesetzt, dass man cis sei. Man ist cis, es sei denn, man outet sich. Das ist die Regel - und auch DAS ist ziemlich repressiv.

    NOCH repressiver finde ich dann übrigens, wenn man sich z.B. als NB outet, dann aber behauptet wird, das gäbe es ja gar nicht, und schließlich würde man ja aussehen "wie ein Mann" oder "wie eine Frau", und deshalb könne das ja nicht stimmen. Solche Stimmen gibt es übrigens nicht nur außerhalb der Community.

    Es gibt ja den schönen Spruch "das bedeutendste Sexualorgan sitzt zwischen den Ohren - und nicht zwischen den Beinen". Nur muss man sich den Status, dass das anerkannt wird, immer noch reichlich hart erkämpfen (siehe auch die immer noch völlig entwürdigenden Prozeduren im Transsexuellengesetz).

    MEIN Ziel ist übrigens NICHT, dass irgendwann mal "alles egal" ist. Sondern dass jede Form der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität als gleichwertig anerkannt wird. Und zwar WIRKLICH anerkannt wird, und nicht nur auf dem Papier in irgendwelchen Gesetzen.
    Davon sind wir leider auch in Deutschland noch Lichtjahre entfernt.

    WIRKLICH anerkannt ist übrigens etwas völlig anderes als "ach, ist doch egal". Denn mit dem Egal-Spruch kann man alles verdrängen und als unbedeutend deklarieren. Meine Identität IST aber nicht unbedeutend. Niemandes Identität ist unbedeutend. Wer das behauptet, versucht nichts anderes, als vom Standard "abweichende" Orientierungen und Identitäten zu marginalisieren und somit abzuwerten.
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#5 GargamelAnonym
  • 28.01.2021, 10:57h
  • die sexuelle Orientierung ist doch eigentlich egal, außer man ist auf der suche nach einem dementsprechenden Partner, erst dann ist es ausschlaggebend.

    Und in diesem Fall wird man das durch Blicke und Flirten schon eindeutig merken.

    Das einzige Problem dabei ist, dass Leute die in einer Hetero-Blase sitzen, Begegnungen mit LGBTI* aus ihrer kuschligen, einfachen Schwarz-Weiss-Welt katapultiert, und sie dementsprechend (gewalt[tät]ig) reagieren.

    Deswegen MUSS von Anfang an in der Bildung, Erziehung usw. über existierende Vielfalten (auch nicht nur auf sexuelle Vielfalten) informiert werden. Was dabei allerdings enorme Probleme verursachen wird sind - na, wer weiß es, wer weiß es?

    - Religionen!
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#6 KumpelAnonym
  • 28.01.2021, 11:55h
  • Antwort auf #2 von Julian S
  • Ich formuliere es mal ganz provokant. Komm nach Berlin und dann gehe nur mal am Abend Hand in Hand mit dem Lover spazieren durch Neukölln oder Berlin Mitte. Und ja, auch ich finde es sehr erschreckend, was hier abläuft. Schwule Paare sehe ich zwar sehr häufig in Berlin, doch wenn man nicht genau hinschaut fallen diese kaum noch auf. Bitte nicht falschverstehen. Damit meine offene Fröhlichkeit. Zärtlichkeiten austauschend untereinander. Ein Kuß der zeigt, wir gehören zusammen. Ich erwähnte es bereits, in den 70er Jahren gingen wir häufig Händchenhaltend absichtlich über den Kurfürstendamm um für Gleichbehandlung zu Protestieren. Die Berliner nahmen es kaum wahr. Doch wie sich die Zeiten ändern. Heute würde ich da schon vorsichtiger sein.Leider.
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#7 gastAnonym
  • 28.01.2021, 11:58h
  • Antwort auf #2 von Julian S
  • "Das sehe ich (selbst in größeren Städten) kaum noch."

    ... was auch sehr verständlich ist. Niemand hat Lust sich zusammenschlagen, beleidigen, demütigen und anspucken zu lassen. Diese Dinge geschehen ja mittlerweile schon beim "falschen Aussehen" oder beim "falschen Blick".
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#8 AltoAnonym
  • 28.01.2021, 13:12h
  • Antwort auf #2 von Julian S
  • "ich habe in den 90er-Jahren immer wieder in unserer mittelgroßen Stadt auch schwule Paare Hand in Hand durch die Stadt laufen sehen, umarmt auf einer Parkbank sitzen, sich küssen, etc."

    In den 90ern gab es nicht solche heftigen gesellschaftlichen Spaltungen wie heute. Schwulsein wurde damals nicht automatisch mit irgendwelche linken Gendertheorien verknüpft, die die Rechten und Konservativen auf die Palme bringt, wie es das heute tut.
    Dazu gab es eine viel höhere Hemmschwelle Gewalt gegen Andere anzuwenden.
    Ob sich das ändern wird? In den nächsten Jahren nicht da rechte Ansichten zunehmen und salonfähiger sind.

    Schwule Küsse fanden 2009 29% ekelhaft, 2016 schon 40% und heute würde ich gefühlt auf etwa zwei Drittel tippen

    www.queer.de/detail.php?article_id=26358
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#9 StaffelbergblickAnonym
  • 28.01.2021, 14:16h
  • Antwort auf #6 von Kumpel
  • in den 70er Jahren hatte ich in der Gropiussstadt gewohnt ... Aus heutiger Sicht war ich damals sehr mutig .... spät abends in der U-Bahn 7 (das ist die längste U-Bahnstrecke ... und fährt ab "Hermannplatz" durch Neukölln) jemand kennengelernt, knutschend bis zu meiner damaligen Station "Lipschitzallee" gefahren ...
    Manche guckten komisch, verbale/nonvebale Reaktionen gab es nicht.
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#10 Ja aberAnonym
  • 28.01.2021, 14:56h
  • Antwort auf #6 von Kumpel
  • Ja, das ist in manchen Gegenden gefährlich.

    Aber es verlangt ja niemand, dass man nachts in einem Problemviertel händchenhaltend rumläuft. Aber übertags mitten in der Stadt wo viele Menschen sind, ist das durchaus möglich.

    Denn nur so wird es selbstverständlicher und dann ist man auch für manche keine Hassfigur mehr.

    Natürlich muss auch endlich die Politik etwas unternehmen:
    Mehr Aufklärung, härtere Strafen bei Gewaltverbrechen, etc.

    Aber das ist ja mit der aktuellen Schwarz-Roten Bundesregierung unmöglich.
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