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Kommentare zu:
"Man ist heterosexuell, es sei denn, man outet sich"


#1 PeerAnonym
  • 28.01.2021, 09:15h
  • Ich kann mich nur in vollem Umfang anschließen:
    nicht nur die Präsenz von LGBTI muss im Fernsehen größer werden und dem Anteil an der Bevölkerung entsprechen. Sondern auch der Umgang mit dem Thema muss unverkrampfter, unaufgeregter und selbstverständlicher werden.

    Denn die Medien, Kunst und Kultur haben viel mehr Einfluss auf die Menschen und ihre Einstellungen als irgendwelche politischen Debatten, akademischen Diskussionen, etc.

    Nur so kann man erreichen, dass der Umgang mit dem Thema ganz selbstverständlich und alltäglich wird und dass das irgendwann genauso normal, egal und uninteressant ist wie die Augenfarbe.
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#2 Julian SAnonym
  • 28.01.2021, 09:26h
  • "Mein Appell ist darum: Lasst es uns leben, lasst es uns zeigen, lasst es uns sagen! Wenn alle dabei mitmachen, dann ist bald nichts mehr dabei."

    Da hat sie recht:
    ich habe in den 90er-Jahren immer wieder in unserer mittelgroßen Stadt auch schwule Paare Hand in Hand durch die Stadt laufen sehen, umarmt auf einer Parkbank sitzen, sich küssen, etc.

    Das sehe ich (selbst in größeren Städten) kaum noch.

    Wenn wir selbst mit dem Thema nicht ganz selbstverständlich und unverkrampft umgehen, wie sollen wir das dann von anderen erwarten?
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#3 NevermindAnonym
  • 28.01.2021, 09:47h
  • Sie ist eine fantastische Künstlerin. Was sie macht ist intelligent, scharfzüngig und trotzdem warmherzig. Und superlustig! Ihrem Appell möchte ich mich natürlich anschließen. Ein ziemlicher Kontrast zu den Aussagen von Bill Kaulitz vor ein paar Tagen. Es ist natürlich sein Bier, wie er damit umgeht und was er über seine Privatsphäre preisgibt, aber mich enttäuscht es halt, dass er keine klaren Worte findet. Lasst es uns sagen und uns nehmen, was uns zusteht. Und nicht die Sendungen von Frau Kroymann verpassen! :-)
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#4 NonBinaryEhemaliges Profil
  • 28.01.2021, 10:24h
  • "werde immer noch erstmal automatisch vorausgesetzt, dass man heterosexuell sei. "Man ist heterosexuell, es sei denn, man outet sich. Das ist die Regel. Und das ist ziemlich repressiv""

    Endlich mal kurz und knapp zusammengefasst, was gegen den unintelligenten Spruch spricht "Heteros outen sich ja auch nicht". Kunststück: wenn von allen automatisch angenommen wird, dass sie hetero SIND, braucht sich natürlich niemand zu outen.

    Ach, und übrigens: es wird auch immer noch erstmal automatisch vorausgesetzt, dass man cis sei. Man ist cis, es sei denn, man outet sich. Das ist die Regel - und auch DAS ist ziemlich repressiv.

    NOCH repressiver finde ich dann übrigens, wenn man sich z.B. als NB outet, dann aber behauptet wird, das gäbe es ja gar nicht, und schließlich würde man ja aussehen "wie ein Mann" oder "wie eine Frau", und deshalb könne das ja nicht stimmen. Solche Stimmen gibt es übrigens nicht nur außerhalb der Community.

    Es gibt ja den schönen Spruch "das bedeutendste Sexualorgan sitzt zwischen den Ohren - und nicht zwischen den Beinen". Nur muss man sich den Status, dass das anerkannt wird, immer noch reichlich hart erkämpfen (siehe auch die immer noch völlig entwürdigenden Prozeduren im Transsexuellengesetz).

    MEIN Ziel ist übrigens NICHT, dass irgendwann mal "alles egal" ist. Sondern dass jede Form der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität als gleichwertig anerkannt wird. Und zwar WIRKLICH anerkannt wird, und nicht nur auf dem Papier in irgendwelchen Gesetzen.
    Davon sind wir leider auch in Deutschland noch Lichtjahre entfernt.

    WIRKLICH anerkannt ist übrigens etwas völlig anderes als "ach, ist doch egal". Denn mit dem Egal-Spruch kann man alles verdrängen und als unbedeutend deklarieren. Meine Identität IST aber nicht unbedeutend. Niemandes Identität ist unbedeutend. Wer das behauptet, versucht nichts anderes, als vom Standard "abweichende" Orientierungen und Identitäten zu marginalisieren und somit abzuwerten.
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#5 GargamelAnonym
  • 28.01.2021, 10:57h
  • die sexuelle Orientierung ist doch eigentlich egal, außer man ist auf der suche nach einem dementsprechenden Partner, erst dann ist es ausschlaggebend.

    Und in diesem Fall wird man das durch Blicke und Flirten schon eindeutig merken.

    Das einzige Problem dabei ist, dass Leute die in einer Hetero-Blase sitzen, Begegnungen mit LGBTI* aus ihrer kuschligen, einfachen Schwarz-Weiss-Welt katapultiert, und sie dementsprechend (gewalt[tät]ig) reagieren.

    Deswegen MUSS von Anfang an in der Bildung, Erziehung usw. über existierende Vielfalten (auch nicht nur auf sexuelle Vielfalten) informiert werden. Was dabei allerdings enorme Probleme verursachen wird sind - na, wer weiß es, wer weiß es?

    - Religionen!
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#6 KumpelAnonym
  • 28.01.2021, 11:55h
  • Antwort auf #2 von Julian S
  • Ich formuliere es mal ganz provokant. Komm nach Berlin und dann gehe nur mal am Abend Hand in Hand mit dem Lover spazieren durch Neukölln oder Berlin Mitte. Und ja, auch ich finde es sehr erschreckend, was hier abläuft. Schwule Paare sehe ich zwar sehr häufig in Berlin, doch wenn man nicht genau hinschaut fallen diese kaum noch auf. Bitte nicht falschverstehen. Damit meine offene Fröhlichkeit. Zärtlichkeiten austauschend untereinander. Ein Kuß der zeigt, wir gehören zusammen. Ich erwähnte es bereits, in den 70er Jahren gingen wir häufig Händchenhaltend absichtlich über den Kurfürstendamm um für Gleichbehandlung zu Protestieren. Die Berliner nahmen es kaum wahr. Doch wie sich die Zeiten ändern. Heute würde ich da schon vorsichtiger sein.Leider.
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#7 gastAnonym
  • 28.01.2021, 11:58h
  • Antwort auf #2 von Julian S
  • "Das sehe ich (selbst in größeren Städten) kaum noch."

    ... was auch sehr verständlich ist. Niemand hat Lust sich zusammenschlagen, beleidigen, demütigen und anspucken zu lassen. Diese Dinge geschehen ja mittlerweile schon beim "falschen Aussehen" oder beim "falschen Blick".
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#8 AltoAnonym
  • 28.01.2021, 13:12h
  • Antwort auf #2 von Julian S
  • "ich habe in den 90er-Jahren immer wieder in unserer mittelgroßen Stadt auch schwule Paare Hand in Hand durch die Stadt laufen sehen, umarmt auf einer Parkbank sitzen, sich küssen, etc."

    In den 90ern gab es nicht solche heftigen gesellschaftlichen Spaltungen wie heute. Schwulsein wurde damals nicht automatisch mit irgendwelche linken Gendertheorien verknüpft, die die Rechten und Konservativen auf die Palme bringt, wie es das heute tut.
    Dazu gab es eine viel höhere Hemmschwelle Gewalt gegen Andere anzuwenden.
    Ob sich das ändern wird? In den nächsten Jahren nicht da rechte Ansichten zunehmen und salonfähiger sind.

    Schwule Küsse fanden 2009 29% ekelhaft, 2016 schon 40% und heute würde ich gefühlt auf etwa zwei Drittel tippen

    www.queer.de/detail.php?article_id=26358
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#9 StaffelbergblickAnonym
  • 28.01.2021, 14:16h
  • Antwort auf #6 von Kumpel
  • in den 70er Jahren hatte ich in der Gropiussstadt gewohnt ... Aus heutiger Sicht war ich damals sehr mutig .... spät abends in der U-Bahn 7 (das ist die längste U-Bahnstrecke ... und fährt ab "Hermannplatz" durch Neukölln) jemand kennengelernt, knutschend bis zu meiner damaligen Station "Lipschitzallee" gefahren ...
    Manche guckten komisch, verbale/nonvebale Reaktionen gab es nicht.
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#10 Ja aberAnonym
  • 28.01.2021, 14:56h
  • Antwort auf #6 von Kumpel
  • Ja, das ist in manchen Gegenden gefährlich.

    Aber es verlangt ja niemand, dass man nachts in einem Problemviertel händchenhaltend rumläuft. Aber übertags mitten in der Stadt wo viele Menschen sind, ist das durchaus möglich.

    Denn nur so wird es selbstverständlicher und dann ist man auch für manche keine Hassfigur mehr.

    Natürlich muss auch endlich die Politik etwas unternehmen:
    Mehr Aufklärung, härtere Strafen bei Gewaltverbrechen, etc.

    Aber das ist ja mit der aktuellen Schwarz-Roten Bundesregierung unmöglich.
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#11 NonBinaryEhemaliges Profil
  • 28.01.2021, 15:08h
  • Antwort auf #8 von Alto
  • "Schwulsein wurde damals nicht automatisch mit irgendwelche linken Gendertheorien verknüpft, die die Rechten und Konservativen auf die Palme bringt, wie es das heute tut."

    Kannst Du mal erläutern, was genau Du mit diesen "irgendwelchen linken Gendertheorien" meinst, die die Leute heute so sehr auf die Palme bringen sollen, dass Schwule damals sicherer gewesen sein sollen als heute?

    Und heißt das also, dass die Linken schuld daran sind, wenn die Rechten heute gewaltbereiter gegenüber Schwulen sind? Oder vielleicht Leute wie ich, die heute wenigstens ab und zu mal Erwähnung finden, wohingegen wir früher einfach komplett totgeschwiegen wurden und heute nur noch zu 90%?

    Ich bin gespannt. Sehr.
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#12 BenjaminnAnonym
  • 28.01.2021, 15:50h
  • Die gewalttätigen Homophoben, die einen hemmen öffentlich zu seinem Partner zu stehen, weil alles politisiert wird.
    Die Terroristen, die dafür sorgen, das Polizisten mit Maschinengewehren CSD und andere Veranstaltungen sichern und Menschen, die den Veranstaltungen deswegen fern blieben.
    Nun ein Virus, dessen Folgen in allen Lebensbereichen zu spüren ist und selbsternannte Querdenker, die zeigen, wie weit verbreitet der Rechtspopulismus in vielen Köpfen ist.
    Eine wachsende Zahl an Menschen, die politische Nachrichten ausnahmslos von Youtube und Facebook beziehen.

    Die letzten Jahre waren nicht gerade die besten, was das unbekümmerte Leben im Allgemeinen und für Minderheiten noch mal im speziellen, betrifft. Das schlimmste ist wohl, wie oben jemand erwähnte, die gesellschaftliche Spaltung.
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#13 KumpelAnonym
  • 28.01.2021, 17:44h
  • Antwort auf #9 von Staffelbergblick
  • Oh ja. Ich erinnere mich noch gut. Besonders die U-Bahn war damals ein herrliches Experimentierfeld um auszuloten was alles so geht. Ich habe sogar mal ein ca.13-14 jähriges sehr hübsches Mädchen am Mittag nach der Schule dabei gesehen, wie sie eine Hand im Schritt hatte und ganz offen Masturbierte. Schreibt man das so? Sie schaute mich dabei lustvoll an. Niemand störte sich daran. Oder wie ich mit meiner ersten großen Liebe im Wagon saß und sich eine ältere Dame darüber muckiert hatte, da mein Freund eine zerrissene Jeans trug. Ein Knie schaute aus eins seiner Hosenbeine hervor. Demonstrativ küssten wir uns beide intensiv. Das war zuviel für sie. Sie stieg aus. Ja, das waren noch Zeiten. Kaum auszudenken, wenn heute sowas besonders in der U7 oder der U8 geschieht. Das ist ein Armutszeugnis für unsere Hauptstadt. Schade.
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#14 Taemin
  • 30.01.2021, 17:57h
  • Antwort auf #11 von NonBinary
  • Entschärfen wir Altos Aussage mal ein bisschen: Sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität wurden damals nicht in der Weise verknüpft, wie das heute der Fall ist. Aber: Dass es deshalb damals leichter gewesen sei, offen als Schwuler aufzutreten, wage ich zu bezweifeln. In meiner Erinnerung an jene Zeit kann ich das jedenfalls nicht erkennen.
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