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Schwärmend, bitterböse, melancholisch

Lucy van Kuhl zieht sämtliche musikalischen Register

Für ihr neues Album "Alles auf Liebe" hat sich die Liedermacherin und Musikkabarettistin mit der Es-Chord-Band zusammengetan.


Die Klavier-Kabarettistin und Liedermacherin Lucy van Kuhl wird auf ihrem neuen Album von der Es-Chord-Band begleitet (Bild: Radlwimmer)
  • 29. Januar 2021, 08:42h, noch kein Kommentar

Alles auf Liebe – wie jetzt? Na klar, wir denken erst mal an Roulette. Vielleicht auch an Liebe als Droge. Solls ja geben. Und schon bereitet Lucy van Kuhl uns die erste Überraschung. Denn ihre Frage heißt: Was reimt sich "Alles auf Liebe"? Neidvoll fällt der Blick auf andere Sprachen, in denen sich so sinnreich und klangvoll "amour" auf "toujours" reimt, "amore" auf "cuore" und "amor" auf "matador". Da haben wir mit "Liebe-Triebe-Hiebe" nicht gerade das poetische Glückslos gezogen. Im Gegensatz zu diesem Album von Lucy van Kuhl. Hier ziehen Sie gleich fünfzehn Hauptgewinne. Versprochen.

Jedes dieser Lieder hat irgendwie mit Liebe zu tun: mit deren Erwachen und früher Romantik, wenn sich das Liebeskonto – angelegt mit "Frühstück bei Tiffany" und Jane Austen – erst später mit echten Küssen füllt. Oder die Liebe endet mit einer bitterbösen Bankrotterklärung am fünfzigsten "Hochzeitstag". Vielleicht auch mit der Einsicht, die gerade noch die Kurve kriegt: "Wenn ich dich nicht hätte".

Aber da ist auch "Der schönste Tag im Jahr", der sich anfühlt wie ein Capri-Eis, Stunden im Park ohne Zeitgefühl, während der Alltag der anderen vorbeizieht. Vielleicht ein Anfang und ein "Zuhause"? Aber was, wenn sich die Wege doch trennen? Wird irgendwann eine freundliche Wehmut den Schmerz ablösen? Oder wirft es uns erneut aus der Bahn, wenn das Parfum einer wildfremden Person uns schmerzlich klarmacht: Da ist er wieder, "Der Moment, in dem es sticht".

Kabarett oder Chanson?


Das neue Album "Alles auf Liebe" von Lucy van Kuhl & die Es-Chord-Band ist am 29. Januar 2021 erschienen

Und was, wenn die Corona-Maßnahmen uns zu "Abstand" zwingen? Wobei der durchaus gewisse Vorteile hat. Aber wann endlich können wir diejenigen wieder umarmen, deren Zeit davonläuft? Wird es noch die Umarmungen geben, die kein Telefongespräch aufwiegen kann, "Liebe Omama"?

Lucy van Kuhl liebt es, zu beobachten. Und sie teilt ihre Eindrücke mit uns in allerfeinstem Kopfkino. Ihre Bilder und Szenen werden für die Dauer eines Liedes unsere eigenen – vieles haben wir so oder so ähnlich selbst erlebt. Wir und unsere Eltern… Jede noch so harmonische Kindheit mündet in die Pubertät, wo die Alten peinlich werden und die Kinder überheblich. Erst Jahre später gestehen wir uns ein, wie viel wir übernommen haben – das Willkommene und das Ungeliebte. Und könnten wir Lieder schreiben, würde es vielleicht eines wie dieses: "Für euch".

Bei alldem zieht Lucy van Kuhl sämtliche musikalischen Register – zart hingetupft oder dissonant was auf die Ohren. Und ihre Sprache liegt da so selbstverständlich und authentisch drauf, dass man weiß: Die spricht auch so.

Direktlink | Lucy van Kuhl mit der zweiten Single "Der Moment, in dem es sticht"
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Ist es nun Kabarett, was sie macht? Ist es Chanson? Wenn Lucy van Kuhl fremdgesteuerte Eigenliebe zu einem Song mit dem Titel "Detox" verdichtet? Oder wenn sie in "Nicht genug" zu einem vernichtenden Rundumschlag ausholt: gegen Selbstanklagen, überambitionierte Nachbarinnen und reflexhafte Schuldgefühle. Ebenso wenn sie "Wilhelm" porträtiert, den zwanghaften Knopfdrücker (Ähnlichkeiten mit real existierenden Schurken sind natürlich rein zufällig).

Klar ist das Kabarett. Nicht ohne Grund wählte die Jury sie 2019 für das renommierte Passauer ScharfrichterBeil aus (den Publikumspreis nahm Lucy van Kuhl auch gleich mit nach Hause). Den Hans-Bradtke-Preis 2017 erhielt sie für ihre virtuosen Chansons. Eines davon nahm Tim Fischer in sein Programm auf: "Letzter Sommertag". Melancholischer Optimismus – geht das? Und ob – sogar in einer zusätzlichen französischen Version: "Dernière journée d'été".

Direktlink | Liedpassagen Einblicke in die Aufnahmen des neuen Albums
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Übrigens wurde Konstantin Wecker 2018 auf sie aufmerksam und holte sie in sein Label "Sturm und Klang". Dort erschien bereits Lucys Album "Dazwischen". Und nun "Alles auf Liebe" (Amazon-Affiliate-Link ) – mit dem besonderen Leckerbissen eines bitterbösen Duetts der beiden ("Hochzeitstag").

Konstantin Wecker: "Lucy van Kuhls Art zu musizieren und zu singen begeistert mich, ihre Worte sind poetisch und ironisch. Sie schafft ausdrucksstarke Bilder und setzt sie musikalisch ganz zauberhaft um." (cw/pm)

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