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Heimkino

Justin Timberlake als Ersatz-Papa für queeres Kind

In "Palmer" spielt der Ex-*NSYNC-Frontmann einen entlassenen Knacki, der sich eine neue Existenz aufbauen muss. Doch der eigentliche Star des Films ist Ryder Allen als der siebenjährige, gender-nichtkonforme Sam.


Ein ungleiches Duo: Ex-Häftling Eddie Palmer (Justin Timberlake) und das queere Kind Sam (Ryder Allen) unterstützen sich gegenseitig (Bild: Apple TV+)

Zwölf Jahre Gefängnis haben Spuren hinterlassen bei Eddie Palmer (Justin Timberlake). Zu Schulzeiten war er als Football-Star der gefeierte Kleinstadt-Held in der Provinz von Louisiana und hatte eine strahlende Zukunft vor sich. Ein paar falsche Entscheidungen und einen Fehltritt später war beides hinüber, und nun muss er sich – frisch entlassen – eine ganz neue Existenz aufbauen.


Sam spielt gerne Fee (Bild: Apple TV+

Mittellos kommt er bei seiner streng gläubigen Großmutter Viola (June Squibb) unter, verbringt die Abende in der Kneipe und kann froh sein, als Hausmeister an der High School aushelfen zu können. Dass Oma sich immer wieder auch um den kleinen Sam (Ryder Allen) kümmert, der mit seiner drogensüchtigen Mutter (Juno Temple) im Trailer nebenan lebt, irritiert den wortkargen Grummel mit leicht aggressiver Ader zunächst nur ein bisschen. Der naseweiße Siebenjährige kümmert sich gerne um Violas Frisur, trägt mit Freuden Feen-Kostüme und guckt am liebsten Prinzessinnen-Serien.

Doch als erst Sams Mutter verschwindet und dann Viola stirbt, sieht sich Eddie plötzlich unfreiwillig in ungewohnter Verantwortung.

Ein ordentlich anrührender Film


Poster zum Film: "Palmer" läuft seit 29. Januar 2021 bei Apple TV+

Wie es weitergeht im Plot des Spielfilms "Palmer", der seit Freitag bei AppleTV+ zu sehen ist, muss man eigentlich gar nicht aufschreiben, so erwartbar verläuft hier die Handlung. Ungleiche Duos, bestehend aus desinteressiertem Erwachsenen, der mit sich selbst mehr als genug zu tun hat, und keckem Kind, das irgendwann noch das härteste Herz zu erweichen vermag, hat man schon viele gesehen. Und immer lernen dabei natürlich beide Seiten von einander und werden sich gegenseitig zur Stütze.

So kommt es also auch hier, und trotzdem ist es Regisseur Fisher Stevens (Oscar-prämiert für den Dokumentarfilm "Die Bucht", als Schauspieler aus "Lost" oder jüngst "Succession" bekannt sowie zuletzt für "Tiger King" mitverantwortlich) gelungen, aus dem Drehbuch von Cheryl Guerriero einen zwar nicht immer bis ins Letzte glaubwürdigen, aber ordentlich anrührenden Film zu machen.

Sehenswert wird "Palmer" weniger durch Justin Timberlake in seiner ersten Rolle seit "Wonder Wheel", auch wenn er seine Sache durchaus ordentlich macht und hier – natürlich! – auch noch mit der netten Lehrerin seines Schützlings anbändeln darf. Die große Stärke ist vielmehr – neben einer nie verkehrten Botschaft von Versöhnung und Akzeptanz sowie einem großen Herz am rechten Fleck – die Figur des gender-nichtkonformen Sam.

Mehr gender-nichtkonforme Kinder auf die Bildschirme!


Ein Film mit einer positiven Botschaft (Bild: Apple Tv+)

Kinder wie ihn, den der Film selbst gar nicht explizit labelt, auch wenn er natürlich von Mitschüler*innen wie Erwachsenen gleichermaßen als "Schwuchtel" beschimpft wird, darf es gerne öfter auf dem Bildschirm zu sehen geben. Nicht zuletzt, wenn die Botschaft dahinter so eine positive ist – und sie von einem so einnehmenden, bemerkenswerten Darsteller wie dem kleinen Ryder Allen verkörpert werden.

Infos zum Film

Palmer. Drama. USA 2021. Regie: Fisher Stevens. Darsteller*innen: Justin Timberlake, June Squibb, Juno Temple, Dean Winters, Alisha Wainwright, Ryder Allen, Wynn Everett, Jesse C. Boyd. Laufzeit: 110 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 12. Seit 29. Januar 2021 auf Apple TV+


#1 AtreusProfil
  • 30.01.2021, 11:42hSÜW
  • Ich habe den Film gestern gesehen und bleibe lieber beim Original namens "Frühstück mit Scot".
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#2 BankAnonym
  • 30.01.2021, 13:22h
  • Antwort auf #1 von Atreus
  • Kenne ich gar nicht. Das Original ist aber der Beschreibung nach noch queerer?

    Ist dann die Frage, ob das eine Adaption oder einfach ein anderer Film ist, der zufällig ein ähnliches Thema behandelt. Bei einem Remake/ Adaption nennt man das glaube ich straightwashing, wenn aus einer im Original homosexuellen Rolle ( erwachsener Hauptdarsteller) eine im Remake heterosexuelle Rolle ( verliebt sich in die Lehrerin des Kindes) wird.

    Ich gehe aber mal davon aus, dass es ein komplett anderer Film ist ohne Bezug zu dem früheren.

    Positiv ist so oder so, die Sichtbarkeit queerer Kinder.
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#3 AtreusProfil
  • 30.01.2021, 16:03hSÜW
  • Antwort auf #2 von Bank
  • Meines Wissens diente "Frühstück mit Scot" nicht als Vorlage. Das "Original" habe ich auf meinen Geschmack bezogen und die Hauptfigur in beiden Filmen: das gender-unkonforme Kind. Die Parallelen, den Jungen betreffend, sind schon sehr ausgeprägt, sei es Kleidung, Vorlieben, Mobbing, etc..

    Lediglich die Elternrollen sind vertauscht. Hier ist der Vater abgetaucht, an Stelle der Mutter und die "Neu-Eltern" sind der schwule Onkel und sein ungeouteter Partner. Letzterer bringt die Würze in den Film, der vom Gegensatz der Alters- und Denkunterschiede lebt - weil der Junge völlig frei und ungeniert sein Ich auslebt und dem alten Herrn zeigt wie es geht. Frühstück mit Scott ist mehr Komödie als Drama, was das Thema aber bekömmlicher macht, zumindest für mich. Ich kann ihn empfehlen.
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#4 AtreusProfil
  • 30.01.2021, 16:26hSÜW
  • Antwort auf #3 von Atreus
  • Nachtrag: Die Romanvorlage von Michael Downing hat 2010 Salzgeber im Männerschwarm-Verlag publiziert. Das Buch (~ 210 Seiten) bekommt man mittlerweile für 4,99. Neuware versteht sich!
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#5 WadimAnonym