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Homophober Eiferer hinter dem "toleranten" CDU-Chef

SPDqueer kritisiert Laschets Nähe zur "fundamental-christlichen Rechten"

Ausgerechnet der wichtigste Berater des möglichen Merkel-Nachfolgers ist ein erzkatholischer Aktivist mit homophoben Ansichten.


Nathanael Liminski (li.) und Ministerpräsident Armin Laschet in einem Pressefoto aus dem Jahr 2017 (Bild: Land NRW / R. Sondermann)

Der nordrhein-westfälische Landesverband von SPDqueer macht sich Sorgen um den Einfluss eines homophoben Beraters auf den neuen CDU-Bundesparteichef Armin Laschet. Der 35-jährige Ministerialbeamte Nathanael Liminski, der als Leiter der NRW-Staatskanzlei als wichtigster Strippenzieher im Hintergrund für Ministerpräsident Laschet gilt, war in der Vergangenheit immer wieder durch radikalreligiöse und homophobe Äußerungen aufgefallen. So hatte er etwa 2007 gegenüber dem "Spiegel" gesagt: "Ich kenne viele Homosexuelle, und einige tun mir leid. Der Staat muss schon aus reiner Selbsterhaltung die natürliche Form der Ehe und Familie fördern."

"Mit seiner Nähe zu Nathanael Liminski begibt sich Armin Laschet in einen gefährlichen Einfluss der erzkonservativen und fundamental-christlichen Rechten. Diese ist ein aktiver Teil einer frauenfeindlichen, homophoben und rückwärtsgewandten Rollback-Bewegung", erklärte Fabian Spies, der NRW-Landeschef von SPDqueer. "Nach außen gibt Armin Laschet gerne den weltoffenen und toleranten Landesvater. Um der Macht willen sucht er jedoch Nähe zu Menschen wie Liminski und dessen Ideologie von Ausgrenzung, Hass und Spaltung." Mit diesem Balanceakt spiele Laschet "mit dem Feuer, wie etwa der Blick nach Amerika zeigt, wo Ex-Präsident Trump ebenfalls auf die Unterstützung ultra-religiöser Gruppen setzte". Spies äußerte die Befürchtung, dass Liminskis Einfluss noch steigen werde, je mehr Laschet in der Bundespolitik eine Rolle spiele.

In Richtung des CDU-Chefs erklärte Spies weiter: "Als NRWSPDqueer fordern wir Ministerpräsident Armin Laschet auf, Farbe zu bekennen und sich von Nathanael Liminski und dessen Umfeld deutlich zu distanzieren. Homophobie à la Liminski darf weder Platz in NRW noch in dessen Staatskanzlei haben!"

Schon Liminskis Vater machte Stimmung gegen Schwule und Lesben

Liminski war im einen Steinwurf von Bonn entfernten Sankt Augustin-Hangelar in einem streng katholischen Elternhaus aufgewachsen, das eng mit der besonders homophoben Laienorganisation Opus Dei verbundenen war. Bereits sein Vater, der Publizist Jürgen Liminski, machte Stimmung gegen Homosexuelle – dieser war etwa Redner bei der queerfeindlichen "Demo für alle" und beim erzreaktionären "Forum Deutscher Katholiken" oder schrieb Texte für die Beatrix-von-Storch-Propagandaseite "Freie Welt". Der Sohn trat in die Fußstapfen seines Vaters und gründete vor 15 Jahren die Organisation "Generation Benedikt", eine Gruppe junger Fans von Papst Benedikt XVI.

Danach arbeitete sich Liminski in der Unions-Hierarchie nach oben: Er war unter anderem Redenschreiber für den CDU-Haudegen Roland Koch, arbeitete für den damaligen Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und später für dessen Nachfolger Thomas de Maizière. Laschet holte ihn 2014, damals noch als Oppositionsführer, nach Düsseldorf – dort arbeitete Liminski fortan als Stabschef. Seit Laschets Wahlsieg 2017 gehört der Berater als Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei zum Kabinett des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes.

Medien und Satiriker nehmen Liminski unter die Lupe

Nach Laschets Wahlsieg richten die Medien auch mehr Augenmerk auf Liminski. Im aktuellen "Spiegel" erschien etwa ein ausführlicher Artikel über das Duo Laschet/Liminski.

Twitter / derspiegel

Auch Satiriker Jan Böhmermann behandelte in der neuesten Ausgabe seines "ZDF Magazin Royal" Liminski und sein "ausdrücklich historisch geprägtes Mindset". Böhmermann führte den 35-Jährigen als Beispiel an, dass Trumpismus auch in Deutschland Fuß fassen könne (Video auf Youtube ansehen).


Jan Böhmermann vergleicht Liminski mit Donald Trump (Bild: Screenshot ZDF)

Auch Laschet hält wenig von LGBTI-Gleichbehandlung

Laschets rechte Hand scheint auf den ersten Blick ungewöhnlich, da sich der NRW-Ministerpräsident stets als weltoffen präsentiert. Allerdings hatte Laschet in seiner politischen Karriere mehrfach versucht, LGBTI-Rechte zu begrenzen. So lud er 2007, damals war er erster NRW-Integrationsminister, LGBTI-Aktivist*innen von einer Veranstaltung zum "Europäischen Jahr der Chancengleichheit für alle" aus – dies wurde als "politisch motivierte Diskriminierung gegen Lesben und Schwule" kritisiert (queer.de berichtete).

Im Kampf um die Ehe für alle stand Laschet stets auf der Seite der Reaktionären – und beugte dabei auch die Wahrheit: So behauptete er etwa als NRW-Oppositionsführer wiederholt, dass es im Grundgesetz ein verstecktes Ehe-Verbot für Schwule und Lesben gebe und Deutschland daher am diskriminierenden Ehe-Recht festhalten müsse (queer.de berichtete). Auf Druck der Laschet-CDU weigerte sich das schwarz-gelbe Nordrhein-Westfalen 2017, dem Gesetz zur Ehe für alle zuzustimmen (queer.de berichtete). (dk)

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#1 goddamn liberalAnonym
  • 02.02.2021, 12:34h
  • Auf Opus-Dei-Liminski, dessen Vater noch im klerikalfaschistischen Spanien des Hitler-Verbündeten Franco geschult wurde, habe ich hier schon vor einiger Zeit hingewiesen.

    Gut, dass die Medien endlich aufwachen.
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#2 AutumnRiverProfil
  • 02.02.2021, 13:50hKöln
  • Herr Laschet war und ist eine Fehlbesetzung.
    Dass er nichts von der Trennung von Religion und Staat hält, konnte jeder wissen der ihn gewählt hat. Und er fischt nicht nur bei christlichen Fundamentalisten, sondern auch bei den Grauen Wölfen
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#3 euqumanAnonym
  • 02.02.2021, 13:53h
  • Ja der Atikel kommt gerade passend ! Die CDU/CSU sollte sich mal gründlich von ihrer christlichen Fundamentalistischen Seite trennen und sich auch von neuen Rechten trennen zum Beispiel Birgit Kelle ! Und wer war nochmal gegen die Ehe für Alle Ach ja Angela Merkel . Merkel ist nicht Mitte ,sondern ist rechts oder religiös fundamentalistisch . Wie kann man nur Merkel wählen !
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#4 Wie sein VorbildAnonym
  • 02.02.2021, 14:47h
  • "Ausgerechnet der wichtigste Berater des möglichen Merkel-Nachfolgers ist ein erzkatholischer Aktivist mit homophoben Ansichten."

    Also genau wie Laschet selbst, oder?

    Ansichten wie "Homosexuelle tun mir leid", "natürliche Form der Ehe und Familie" (und alles andere ist wohl unnatürlich und anormal) sowie biologistische Rassenerhalts-Phantasien ("schon aus reiner Selbsterhaltung") sagen alles über die politische Gesinnung dieses Duos.
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#5 YannickAnonym
  • 02.02.2021, 14:50h
  • Seit Laschet Kanzerambitionen hat, gibt er sich gerne liberal und weltoffen. Aber wer ihn die letzten Jahre hinweg verfolgt hat, weiß wie homophob er ist und dass er ein entschiedener Gegner von LGBTI-Gleichstellung ist, wie ja auch im letzten Absatz des Artikels beispielhaft deutlich wird.
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#6 Tobi 89Anonym
  • 02.02.2021, 15:01h
  • Inhaltlich stimme ich der Kritik von SPDqueer zwar vollkommen zu.

    Aber es wirkt natürlich sehr unglaubwürdig und verloren, wenn solche Kritik ausgerechnet von der SPD kommt. Ein typisches Manöver in einem Wahljahr...

    Wieso kritisiert SPDqueer dann nicht auch ihre eigene Partei?

    Wer setzt sich denn im Bund mit "fundamental-christlichen Rechten" an einen Kabinettstisch und sichert denen die Mehrheiten für ihre homo- und transphobe Politik? Die SPD.

    Genau so was macht SPDqueer unglaubwürdig: wenn man bei anderen groß kritisiert, um sich zu profilieren, aber bei der eigenen Partei immer wegsieht.
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#7 SakanaAnonym
  • 02.02.2021, 15:31h
  • Antwort auf #6 von Tobi 89
  • ...weil diese Koalitionsoption die einzig rechnerisch mögliche Option war, nachdem sich die FDP aus den Sondierungsverhandlungen mit der CDU/CSU und den GRÜNEN verabschiedet hatte.

    Die Union hätte auch im schlimmsten Falle mit der AFD koalieren können, wofür sich auch rechnerische Mehrheiten im Bundestag ergeben hätten.

    Die SPD als Gesamtpartei hat sich die Entscheidung damals nicht leicht gemacht und ein Mitgliedervotum durchgeführt, was anders als 2013 wesentlich differenzierter ausgefallen ist und eine Fortführung der GroKo nach der BTW 2021 ist auch nicht anvisiert.

    Ich warne auch immer davor, die SPD gerade in Krisensituationen wie der Corona-Pandemie schlechtzureden.... wie hätte zum Beispiel ein grüner Wirtschaftsminister oder eine liberale Finanzministerin auf die Krise reagiert?
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#8 GargamelAnonym
  • 02.02.2021, 16:00h
  • Am Besten wäre es, wenn man keine der etablierten Parteien wählt.

    Selbst von der Oposition wird man nur zum Stimmenfang benutzt und falls sie an die Macht kommen lecken sie die Stiefel der konservativen Wähler (siehe Grüne Östereich)

    Wie wäre es mit einer Tierschutzpartei?

    unter diese Kategorie fallen wir ja in den Augen der mehrheitlichen Wählerschaft.
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#9 NRWlerAnonym
  • 02.02.2021, 16:15h
  • Antwort auf #6 von Tobi 89
  • Sorry, ich kann dieses unsachliche SPD-Bashing nicht verstehen. Und auch den Scheuklappenblick, der hier an den Tag gelegt wird.

    Spinner und unpassende Leute kann es in jeder Partei geben, dies anzusprechen ist richtig. Hier würde ich mir auch eine klare Position der Grünen wünschen.

    Zum anderen: wo sind den die angeblich homophoben erzkathlischen Hetzer in der SPD, gegen die die SPDqueer hier schreiben soll?

    Wie gesagt, solche Typen gibt es prinzipiell in jeder Partei, aber die SPD hat so jemanden konsequent rausgeworfen, auch wenn es sogar ein Abgeordneter war:
    www.queer.de/detail.php?article_id=35723
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#10 Ralph
  • 02.02.2021, 16:28h
  • Lest mal

    www.katholisch.de/artikei/28492-nathanael-liminski-von-der-generation-benedikt-zu-armin-laschet

    Da gehn euch die Augen über. Vom Opus Dei bis zur AfD alles drin.
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