Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?38072

Kassel

Berufungsprozess gegen Professor Kutschera hat begonnen

Der 66-Jährige Evolutionsbiologie aus Kassel hatte Homosexuellen eine Neigung zu sexuellem Kindesmissbrauch unterstellt.


Professor Ulrich Kutschera war in der Vergangenheit Gast in Talkshows, um auf die Gefahren des Kreationismus hinzuweisen. 2015 schwenkte er auf das Thema "Gender-Ideologie" um und wetterte vor allem gegen Homo- und Transsexuelle – damit wurde er schnell zum Darling von Rechtsaußen (Bild: Screenshot 3Sat)

Vor dem Landgericht Kassel hat am Donnerstag der Berufungsprozess gegen einen Universitätsprofessor begonnen, der in einem Interview mit einem katholischen Internetportal gegen Homosexuelle gehetzt hatte. Die Anklage wirft dem 66-jährigen Ulrich Kutschera Volksverhetzung, Beleidigung und Verleumdung vor. Darüber hinaus muss sich der Evolutionsbiologe, der bei der staatlichen Universität Kassel arbeitet, wegen Fahrerflucht verantworten.

In dem im Juli 2017 veröffentlichten Interview hatte er homosexuellen Menschen unter dem Vorwand angeblicher "biowissenschaftlicher Fakten" eine grundsätzliche Neigung zum sexuellen Missbrauch von Kindern vorgeworfen. Homosexuelle Paare bezeichnete der 66-Jährige unter anderem als "sterile, asexuelle Erotikduos ohne Reproduktionspotenzial". In gleichgeschlechtlichen Beziehungen lebende Kinder seien "bemitleidenswerte Befruchtungsprodukte", deren Erziehung durch "widernatürliche Frühsexualisierung" in Form "geistiger Vergewaltigung" erfolge.


Unter einem wissenschaftlichen Deckmantel verbreitet Ulrich Kutschera krude Theorien über Schwule und Lesben

Zum Adoptionsrecht von gleichgeschlechtlichen Paaren hatte Kutschera erklärt: "Sollte das Adoptionsrecht für Mann-Mann- beziehungsweise Frau-Frau-Erotikvereinigungen kommen, sehe ich staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch auf uns zukommen."

Die "Homoehe" eröffne "ein mögliches Horror-Kinderschänderszenario, über das man nicht weiter nachdenken möchte – die Ehe für alle drei wird dann kommen. Da lesbische Frauen in verstärktem Maße zur Pädophilie neigen, ergeben sich dort analoge Probleme."

Der 66-Jährige soll laut Anklage zumindest billigend in Kauf genommen haben, dass seine Ausführungen dazu bestimmt waren, Homosexuelle im Allgemeinen und gleichgeschlechtliche Paare im Besonderen in ihrem Ansehen gegenüber heterosexuellen Mitmenschen als ungleichberechtigte Personen herabzuwürdigen und zu verletzen. Das gelte insbesondere durch die Bezugnahme auf angebliche wissenschaftliche Erkenntnisse.

Im August zu 6.000 Euro Geldstrafe verurteilt

Das Amtsgericht Kassel verurteilte den 66-Jährigen im August 2020 wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro. Die homosexuellenfeindlichen Äußerungen seien nicht wie von ihm vorgetragen durch die Freiheit der Wissenschaft gedeckt gewesen, so der Richter damals (queer.de berichtete). Ansonsten wurde er freigesprochen. Trotz des milden Urteils legte Kutschera umgehend Berufung ein (queer.de berichtete).

Vor dem Landgericht ist ein Fortsetzungstermin für den 16. Februar angesetzt.

Bereits vor der Verurteilung hatte Kutschera immer wieder mit neuen homo- und transphoben Aussagen für Empörung gesorgt. Er sitzt auch im Kuratorium der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung und verbreitet seine "wissenschaftlichen" Thesen über Homo- und Transsexualität etwa im Protal "Freie Welt", eine Propaganda-Seite von Beatrix von Storch und ihrem Ehemann (queer.de berichtete). Dabei stilisiert er sich und andere Homo-Hasser*innen gerne zu Opfern einer angeblich linken Meinungsdiktatur hoch. Erst vor wenigen Monaten behauptete er etwa, dass die "links-grüne Gender-Ideologie" die neue deutsche "Staatsreligion" sei (queer.de berichtete).

In einem Kommentar beklagte er auch "Gender-Indoktrination" in der Kinderserie "Sesamstraße": Zu der Meldung, Ernie und Bert könnten schwul sein, betonte er, "die gleichgeschlechtliche Veranlagung von Männern" basiere "in aller Regel auf hormonellen bzw. immunologischen Entwicklungsprozessen, die vorgeburtlich nicht so verlaufen sind wie bei ca. 98 % der Heteronormalen". Es sei "unakzeptabel, Kindern eine auf 'developmental disorders' basierende Homo-Verhaltensweise als 'freiwilligen Lebensstil' zu vermitteln." (AFP/dk)


Immer wieder schwelgt Kutschera im Von-Storch-Portal in seinem angeblichen Opferstatus (Bild: freiewelt.net)



#1 Alexander_FAnonym
  • 04.02.2021, 13:00h
  • Kriegen wir dann vielleicht endlich mal seine lange versprochene, bahnbrechende wissenschaftliche Studie zu hören? Ich brenne vor Neugier.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 KaiJAnonym
  • 04.02.2021, 14:12h
  • Ich meine, der Prozess muss ganz neu aufgerollt werden. Die Äusserungen Kutscheras strotzen nur so von übelster Volksverhetzung. Das Strafmass sollte so über die schon üblen Beleidigung weit hinausgehen.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 PetterAnonym
  • 04.02.2021, 14:29h
  • -----------------------------
    hatte er homosexuellen Menschen unter dem Vorwand angeblicher "biowissenschaftlicher Fakten" eine grundsätzliche Neigung zum sexuellen Missbrauch von Kindern vorgeworfen.
    ------------------------------

    Dann soll er diese "biowissenschaftlichen Fakten" mal nennen. In welcher Studie in welchem peer-reviewten Fachmagazin wurde das festgestellt?
  • Antworten » | Direktlink »
#4 dellbronx51069Anonym
#5 KaiJAnonym
  • 04.02.2021, 22:10h
  • Warum reduziert sich die Empörung über Kutscheras Äusserungen sinnbildlich bisher wieder auf eine so geringe Anzahl an Kommentaren? An der äusserst starken Queerfeindlichkeit der Äusserungen auch im Vergleich zu den von mir hier ebenso klar klassifizierten von Latzel, der Bistro-Betreiberin aus Berlin oder Hildmann, kann es ja wohl nicht liegen. Spielt im Vergleich zur wesentlich grösseren Empörung über die Äusserungen letzterer und beim höchstwahrscheinlich gleich einsetzenden Shitstorm wohlmöglich eine verharmlosend gesagte Glaubensgegnerschaft die grössere Rolle, da Kutschera seine Äusserungen nicht religiös missbräuchlich begründet, und nicht der eigentliche Kampf gegen Queerfeindlichkeit?
  • Antworten » | Direktlink »
#6 KatsukiAnonym
  • 04.02.2021, 23:39h
  • Ach der schon wieder. Präsentiert der denn jetzt auch mal seine "Beweise"? Die sind ja jetzt schon so sagenumwoben wie das Bernsteinzimmer und Area 51 zusammen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Homonklin_NZAnonym
  • 05.02.2021, 06:37h
  • Auf der Basis der Entwicklungsstörungs-Idee (developmental disorders) kann grade ebenso die Freiwilligkeit anderer Lebensstile hergeleitet werden, etwa des Lebensstils einer Reihe von Menschengruppen, ihr Leben lang erblindet zu sein, oder des Lebensstils, eine helle Hautfarbe und blaue Irisfarbe zu tragen, und insbesodere, männlich zu sein - mit Brustwarzen als Rest einer Gesäuge-Anlage.
    Fällt aber wohl auf, dass das alles keine Lebensstile sind, und diese Ausfaltungsfacetten in der Regel nicht als freiwillig vermittelt werden.
    Also das Gequatsche davon, Sämtliches, das von einer zum Ideal begrenzten Ausfaltungsform abweicht, als (Entwicklungs)Störung zu brandmarken, ist schlicht von Grund auf verkehrt hergedacht.

    Dieses Idealbild entspringt tatsächlich Grundlagen, die sich mit den Idealvorstellungen einer bestimmten Konfession/Glaubenslehre auf ein und demselben Niveau bewegen,
    Daher auch nicht verwunderlich, dass der Wurm- und Sonnenblumen-Forscher auf den Portalen hofiert wird, wo er seine schratigen Thesen vertritt, tutet er doch den Unterton in deren Horn!

    Die Natur ist allerdings nicht an Idealvorstellungen interessiert, und kennt ehestens evolutionär vorübergehende Ausprägungsformen, gewöhnlich in weit mehr als nur 1 oder 2 Varianten.
    Selbst die Idee von der Norm ist ein Produkt aus der menschlichen Schule, eines Denkens, das auf Vereinkeit im Oberbegriff Ordnung drängt.
    Auch hier begegnen uns die Wurzeln aus den Idealen einer bestimmten Glaubenslehre erneut, bei der sich einer "göttlichen" Anlage bedient wird. Die Natur aber produziert Individuen und keine Maßanzüge oder Normbacksteine.
    Das müsste auch ein aktueller Evolutionsbiologe erkannt haben.

    Bei Kutschera ist allerdings eine gewisse Lernresistenz zu erkennen, die viel mit der Hartnäckigkeit, ja Sturheit und Verweigerung gegenüber neuen Erkenntnissen gemein hat, wie man sie bei bestimmten autistischen Zügen gern vorfindet.
    Möglicherweise leidet der Professor also selbst an einer Art Entwicklungsstörung, die sich vorgeburtlich bereits ausgeprägt haben mag.
    Was nichts gegen Autisten enthält, was der Professor nicht selbst hervorheben würde - die seiner Bewertung nach befundene Abnormität entwicklungsbedingter Störungen.

    Ein Psychologe würde evtl. weiter in die Tiefe fragen, ob hier nicht eine Art weitergereichter Selbsthass auftritt, falls Kutschera sich dieser Züge bewusst ist.
    Es könnte aber auch einfach nur einsetzender Altersstarrsinn sein, oder eine Fixierung auf veraltete und von bestimmten Strömungen (rechts)konservativ bestrebter Zeitgenossen sein. Die Art Fixierung träfe sich in dem Fall zum Dritten mit den Idealvorgaben einer bestimmten Glaubenslehre.

    My 5 Cent.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 LegatAnonym
  • 05.02.2021, 06:38h
  • Antwort auf #5 von KaiJ
  • Nö, jeder weiß inzwischen, dass Kutschera AfDler ist und damit unser Feind. Ich warte nur erst mal ab, bis er seine schon lange angekündigten wissenschaftlichen Beweise auf den Tisch legt, dann reden wir weiter.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 antosProfil
  • 05.02.2021, 11:57hBonn
  • Antwort auf #5 von KaiJ
  • Meine Vermutung: Bei Latzel et al. werden - pars pro toto - immer auch machtgestützte und -geschützte, mit zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen verflochtene Institutionen in der Empörung mit adressiert, es gibt deshalb einfach mehr Anschlussmöglichkeiten für den Empörungsdiskurs. Einer wie Kutschera dagegen wird wohl eher anders eingeordnet: ein Einzelspinner und Relikt einer überkommenen, als Wissenschaft verkleideten Ausschluss-Ideologie, den auch die sog. Scientific Community mehrheitlich ignoriert.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 KaiJAnonym
  • 05.02.2021, 14:24h
  • Antwort auf #9 von antos
  • Wie ich in meinem ersteren Kommentar hier feststellte, ist es bei Kutschera die bisher extremste Volksverhetzungn. Die muss um so mehr angegangen werden, zumal er, glaube eine Professur hat und so in einen grossen Wirkungskreis integriert ist. Nach dem Procedere bei den anderen Prozessen ist wohl davon auszugehen, dass im Strafmass nur noch über eine jetzt noch geringeres verhandelt wird, obwohl in einem jetzt notwendig neuen Prozess darauf öffentlich mit Verve hingewirkt werden muss, dass über Voklsverhetzung mit einem wesentlich höheren Strafmass verhandelt wird.
  • Antworten » | Direktlink »