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Massen-Coming-out
Bei #ActOut geht es um weit mehr als Queerness
Wir dokumentieren das Statement der Queer Media Society (QMS) zum gemeinsamen Coming-out von 185 queeren Schauspieler*innen am vergangenen Freitag im "SZ Magazin".

Unter dem Motto "Wir sind schon da" haben sich am vergangenen Freitag 185 queere Schauspieler*innen im "SZ Magazin" geoutet (Bild: Süddeutsche Zeitung)
- 8. Februar 2021, 06:21h 2 Min.
Am vergangenen Freitag präsentierten im "SZ-Magazin" 185 queere, nicht-binäre, trans*, lesbische, bisexuelle und schwule Schauspielende das #ActOut-Manifest und sprachen aus, was nicht nur in der Theater- und Filmbranche schon lange ein Problem ist: strukturelle Diskriminierung von Minderheiten und marginalisierten Gruppen auf Entscheidungsebene in Sendern, Förderanstalten, Produktionsfirmen und sogar auf der Kreativ-Ebene.
"Allein schon der Vorgang, jemandem im Branchenkontext zu raten, sich nicht zu outen, ist diskriminierend. – Egal, wie 'gut gemeint' das sein mag." (Kai S. Pieck, Regisseur, Autor und QMS-Initiator)
Eine Woche zuvor thematisierte die offen lesbische Entertainerin, Schauspielerin und Autorin Maren Kroymann in ihrer ARD-Sendung "Kroymann" auf augenzwinkernde Weise genau diese Problematik. Als Statement wurde der gesamte Cast der Produktion (bis auf Annette Frier) mit queeren Schauspielenden besetzt, die alle heterosexuelle oder in ihrer Sexualität nicht näher definierte Rollen spielten. Dieser Umstand wurde bewusst erst nach Veröffentlichung der Sendung bekanntgegeben.
Beide Aktionen hat die QMS von Anfang an begleitet und unterstützt, und beide waren aufeinander abgestimmt.
"Das ist ein absoluter Meilenstein der deutschen Filmgeschichte. Nichts weniger." (Helge Albers, Geschäftsführung Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein via Facebook-Post)
Das bisherige Medien-Echo ist überwältigend positiv und der demonstrative Schulterschluss der Deutschen Filmakademie (DFA), der Deutschen Akademie für Fernsehen (DAfF) und dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) macht Mut.
Zu erwarten war, dass die Aktion auch Hass und Häme auf den Social-Media-Plattformen auslöst, sowohl in den Kommentar-Spalten als auch in Privatnachrichten an die Akteur*innen. Gegen Verunglimpfung durch prominente Künstlerkollegen wie Schauspieler und Theaterleiter Dieter Hallervorden müssen wir uns allerdings entschieden wehren.
"Aber niemand sollte mit seiner Besonderheit meinen, es besonders in den publizitären Vordergrund zu rücken. Es gilt einfach: Jedem das Seine!" (Dieter Hallervorden via Facebook-Kommentar)
Dies demonstriert, wie weit entfernt wir auch im Jahr 2021 von Geschichtsbewusstsein, Akzeptanz, Inklusion und Teilhabe sind, wie nötig die Initiative #ActOut ist und wie wichtig die nachhaltige Arbeit der QMS ist.
Bei #ActOut geht es um weit mehr als Queerness. Es geht um Intersektionalität und Diversität im deutschen Film, Fernsehen und Theater. Das fordern wir gemeinsam ein!
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Links zum Thema:
» Homepage der Queer Media Society
Mehr zum Thema:
» Schauspielverband: Queeres Manifest wichtiger Schritt (06.02.2021)
» Massen-Coming-out im "SZ Magazin" (04.02.2021)














