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Massen-Coming-out

Bei #ActOut geht es um weit mehr als Queerness

Wir dokumentieren das Statement der Queer Media Society (QMS) zum gemeinsamen Coming-out von 185 queeren Schauspieler*innen am vergangenen Freitag im "SZ Magazin".


Unter dem Motto "Wir sind schon da" haben sich am vergangenen Freitag 185 queere Schauspieler*innen im "SZ Magazin" geoutet (Bild: Süddeutsche Zeitung)

Am vergangenen Freitag präsentierten im "SZ-Magazin" 185 queere, nicht-binäre, trans*, lesbische, bisexuelle und schwule Schauspielende das #ActOut-Manifest und sprachen aus, was nicht nur in der Theater- und Filmbranche schon lange ein Problem ist: strukturelle Diskriminierung von Minderheiten und marginalisierten Gruppen auf Entscheidungsebene in Sendern, Förderanstalten, Produktionsfirmen und sogar auf der Kreativ-Ebene.

"Allein schon der Vorgang, jemandem im Branchenkontext zu raten, sich nicht zu outen, ist diskriminierend. – Egal, wie 'gut gemeint' das sein mag." (Kai S. Pieck, Regisseur, Autor und QMS-Initiator)

Eine Woche zuvor thematisierte die offen lesbische Entertainerin, Schauspielerin und Autorin Maren Kroymann in ihrer ARD-Sendung "Kroymann" auf augenzwinkernde Weise genau diese Problematik. Als Statement wurde der gesamte Cast der Produktion (bis auf Annette Frier) mit queeren Schauspielenden besetzt, die alle heterosexuelle oder in ihrer Sexualität nicht näher definierte Rollen spielten. Dieser Umstand wurde bewusst erst nach Veröffentlichung der Sendung bekanntgegeben.

Beide Aktionen hat die QMS von Anfang an begleitet und unterstützt, und beide waren aufeinander abgestimmt.

"Das ist ein absoluter Meilenstein der deutschen Filmgeschichte. Nichts weniger." (Helge Albers, Geschäftsführung Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein via Facebook-Post)

Das bisherige Medien-Echo ist überwältigend positiv und der demonstrative Schulterschluss der Deutschen Filmakademie (DFA), der Deutschen Akademie für Fernsehen (DAfF) und dem Bundesverband Schauspiel (BFFS) macht Mut.

Zu erwarten war, dass die Aktion auch Hass und Häme auf den Social-Media-Plattformen auslöst, sowohl in den Kommentar-Spalten als auch in Privatnachrichten an die Akteur*innen. Gegen Verunglimpfung durch prominente Künstlerkollegen wie Schauspieler und Theaterleiter Dieter Hallervorden müssen wir uns allerdings entschieden wehren.

"Aber niemand sollte mit seiner Besonderheit meinen, es besonders in den publizitären Vordergrund zu rücken. Es gilt einfach: Jedem das Seine!" (Dieter Hallervorden via Facebook-Kommentar)

Dies demonstriert, wie weit entfernt wir auch im Jahr 2021 von Geschichtsbewusstsein, Akzeptanz, Inklusion und Teilhabe sind, wie nötig die Initiative #ActOut ist und wie wichtig die nachhaltige Arbeit der QMS ist.

Bei #ActOut geht es um weit mehr als Queerness. Es geht um Intersektionalität und Diversität im deutschen Film, Fernsehen und Theater. Das fordern wir gemeinsam ein!

Direktlink | Virtual Roundtable der Queer Media Society zum Thema "Schauspiel"
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#1 AtreusEhemaliges Profil
  • 08.02.2021, 09:07h
  • Hallervorden zitiert das Eingangstor des KZ Buchenwald - wieso überrascht mich dss nicht? Und weshalb bleibt der mediale Verriss analog zu Gottschalks Hendrix-Rassismus-Dummspruch aus?
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#2 Taemin
  • 08.02.2021, 11:48h
  • Antwort auf #1 von Atreus
  • Nein, er zitiert nicht das Eingangstor des KZ Buchenwald. "Jedem das Seine" (im lateinischen Original "suum cuique") war die Devise des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler, des höchsten Ordens des Königreiches Preußen, gestiftet von Friedrich I., einem ganz unmilitärischen, ganz unnationalistischen ganz kunstverliebten und ganz eitlen König anlässlich seiner Selbstkrönung am 18.1.1701. In diesen Orden wurden aus diplomatischer Gepflogenheit zahlreiche ausländische Staatsoberhäupter, aber zwecks persönlicher Ehrung auch zahlreiche verdienstvolle Persönlichkeiten (z.B. Alexander von Humboldt) aufgenommen. An ein KZ Buchenwald war zu Zeiten dieses Ordens (d.h. bis 1918) nicht zu denken. Dass die Nazis viele Begriffe und Wendungen geklaut und verdreht haben, bedeutet nicht, dass sie damit die Originale ausgelöscht hätten.

    Was ganz anderes ist Hallervordens inhaltliche Äußerung. Sie ist unterirdisch und wird durch sein Nachlegen auf Grund der ersten Kritik noch schlimmer (wer öffentlich als schwul/lesbisch auftrete und Akzeptanz einfordere, mache die sexuelle Orientierung zu einer Religion). Er hat sich dauerhaft disqualifiziert und sich in die Phalanx derjenigen eingereiht, die Scheintoleranz praktizieren, so lange unsereiner seine Persönlichkeit im Schrank lässt, aber bei selbstbewussten Auftreten sofort von "aggressiv zur Schau gestellter Homosexualität" schwafeln. Das ist verwerflich, menschenfeindlich und sollte alle anständigen Menschen veranlassen, ihn und seine Theater zu meiden. Aber zum Nazi hat er sich dadurch nicht gemacht. Bitte auf dem Teppich bleiben.
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#3 LegatEhemaliges Profil
  • 08.02.2021, 12:05h
  • Antwort auf #2 von Taemin
  • "Nein, er zitiert nicht das Eingangstor des KZ Buchenwald."

    Doch das hat er und zwar sogar unabhängig davon, ob es seine Absicht war oder nicht. Dieser Spruch ist im kollektiven Bewusstsein der Menschheit derart eindeutig mit dem KZ Buchenwald verbunden, dass man in der Interpretation automatisch zu diesem Schluss kommen muss. Dass du als historisch Gebildeter die tatsächliche Herkunft des Spruches kennst, macht dabei in der gesellschaftlichen Betrachtung keinen Unterschied.

    "Dass die Nazis viele Begriffe und Wendungen geklaut und verdreht haben, bedeutet nicht, dass sie damit die Originale ausgelöscht hätten."

    Doch, dem ist im kollektiven Bewusstsein tatsächlich so, das weiß auch jeder und wenn jetzt Hallervorden daherkäme und behaupten würde, er hätte ja nur einen Spruch aus der Zeit Friedrich I. zitiert, würde man ihm das zurecht nicht glauben, sondern als Schutzbehauptung ansehen.

    Mit genau derselben Argumentation könntest du übrigens auch den Neonazi entschuldigen, der mit Hitlergruß durch die Straßen rennt, indem du einfach behauptest, er würde ja nur nach Art der Gladiatoren im alten Rom grüßen.

    Was soll also dein Einwurf? Symbole und Redewendungen ändern sich mit den Zeiten. Jeder weiß und akzeptiert das. Ich finde das solltest du bei deiner Einordnung - so geschichtlich korrekt sie auch ist - mit berücksichtigen. Zumindest hat Athreus hier sicherlich keinen Fehler begangen, indem er eine Interpretation des Spruches anwendete, die 95% der Menschheit so teilen.
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#4 AtreusEhemaliges Profil
  • 08.02.2021, 12:45h
  • Antwort auf #2 von Taemin
  • Dass man Hallervordens "inhaltlich unterirdische Kritik" bemängelt und gleichzeitig in der Nennung des Buchenwald-Spruches keine Stringenz erkennt, erschließt sich mir nicht.

    Wenn er Preussische Leichtigkeit hätte zitieren wollen, hätte er "Jeder soll nach seiner Facon selig werden" nutzen können, dass von Friedrich II. stammt und in keinem einzigen KZ-Tor eingraviert, also vollkommen unproblematisch ist.

    Deine Verharmlosung des NS-Kontextes gerade in Verbindung mit "unterirdischer Kritik" finde ich äußerst befremdlich.
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#5 RetroGayProfil
  • 08.02.2021, 13:33hDortmund
  • Antwort auf #2 von Taemin
  • Vielen Dank für die ausführliche Erklärung zur Entstehungsgeschichte der Floskel "Jedem das Seine"
    Aber ist das an dieser Stelle nicht vollkommen sch**ßegal?

    Es ist davon auszugehen,
    dass Herr Hallervorden ALLE Bedeutungsebenen dieser Floskel kennt,
    und diesem Bewußtsein entsprechend argumentiert.
    Ein alter Kabarett-Fuchs wie Hallervorden hat sich also nicht umsonst für ein Zitat entschieden,
    das untrennbar mit Naziverbrechen verbunden ist,
    denn schließlich es wurde von den NAZIS auf dem Tor zum KZ Buchenwald zur Verhöhnung der Opfer angebracht.
    Ein kalkuliertes Triggern, eine kühle Provokation seitens des Hern Hallervorden also.
    In seiner Eigenschaft als Kabarettist, Theaterdirektor, Person des öffentlichen Lebens, als Prominenter und vermeintlich Intellektueller.

    Und bin ich etwa der Erste dem auffällt,
    das Homosexuelle unter ebendiesem Spruch: "JEDEM DAS SEINE" Folter, unaussprechlichem Leid und Vernichtung entgegen getrieben wurden?

    Mal eine Frage:
    Was wäre passiert, hätte sich Herr Hallervorden demgemäß geäußert,
    wenn es sich um Belange, Interessen und Ängste jüdischer Mitbürger gehandelt hätte.
    Wie wäre ihm da der Spruch "JEDEM DAS SEINE" im medialen Shitstorm um die Ohren geflogen?
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#6 BanarniAnonym
  • 08.02.2021, 17:07h
  • Antwort auf #2 von Taemin
  • Unmissverständlich ist der Sinn von Jedem das Seine! jedenfalls nicht. Doch ist ohnehin nicht die Eindeutigkeit, sondern die Deutungsvielfalt intelligenter Sätze das Normale. Schon deshalb, weil sich der geistige Gehalt eines Textes ohne dessen jeweiligen Kontext nicht erschließen lässt. Und dieser wandelt sich wie alles in der Welt; rascher jedenfalls als Worte, die versteinerten Gedanken. Worten wohnt kein Begriff inne. Es sind die Menschen, die etwas bezeichnen und begreifen oder auch nicht!

    Zum Schlagwort ist Jedem das Seine! dadurch geworden, dass der (übrigens in einem Dorf bei Skopje geborene) oströmische Kaiser Justinian das Suum cuique! seinen fünfzig Bücher umfassenden Pandekten von 533 u. Z. als Rechts- und Gerechtigkeitsprinzip zu Grunde legen ließ. So ist noch ein Jahrtausend danach bei Shakespeare zu lesen: Suum cuique is our Roman justice (Titus Andronicus I, 2). Und Justinians Gesetzgebungswerk erwies sich als die folgenreichste Kodifikation der Weltgeschichte: Ihre Regelungen wurden in ganz Europa rezipiert; sie galten in Deutschland zumindest partiell bis ans Ende des 19. Jahrhunderts und sind noch im heutigen Bürgerlichen Gesetzbuch nachweisbar; europäisches Recht wiederum infizierte mittels europäischer Macht das Recht im Rest der Welt.
    Und damit wurde auch Jedem das Seine! zur Gerechtigkeitsformel schlechthin: »Das Recht ist die Kunst des Guten und Gerechten.Gerechtigkeit ist der unwandelbare und dauerhafte Wille, jedem sein Recht zu gewähren. Die Regeln des Rechts sind die folgenden: ehrbar leben, andere nicht verletzen, jedem das Seine zubilligen« (Digesten 1, 1, 1 u. 1, 1, 10).

    Bereits Aristoteles definierte die Gerechtigkeit als eine Tugend, durch die Jeder das Seine erhält (Rhetorik 1366 b), und Platon ließ aus dem Munde von Sokrates unter Berufung auf den Dichter Simonides von Keos (556-468 v. u. Z.) behaupten, das Gerechtsein bestehe darin, daß man einem jedem erstattet, was ihm gebührt (Politeia 332). Man verzeihe die aufdringliche Akkuratesse bei der Spurensuche. Aber bei nicht allzu vielen Schlagworten dürfte neben seiner eigenen Quelle auch noch deren intellektuelle Vorgeschichte detailliert nachweisbar sein.
    Nun aber, endlich, in die Gegenwart. Und die hat es in sich! Denn Jedem das Seine! ist ins Gerede gekommen. Sehr sogar, und mit politischer Brisanz. Ein Schlagwort also, das Schlagzeilen macht. Auch das ist nicht das Gängige, zumal dieses Schlagwort uralt und der Skandal brandneu ist. Normalerweise droht Schlagworten eher das Schicksal, daß sie bis zur buchstäblichen Sinnlosigkeit abgegriffen werden. Oder sie rutschen ins Banale. So hätte die Gerechtigkeitsformel Jedem das Seine! zum Spaßgesellschaftsmotto Jedem Tierchen sein Pläsierchen! abflachen können.

    Vielmehr empfand es eine historisch-politisch sensibilisierte Öffentlichkeit als obszön, daß für Kapitalistenkommerz mit einem Text geworben werde, den die Nazibarbaren in das Eingangstor ihres Konzentrationslagers Buchenwald hatten einschmieden lassen, um ihre Opfer auch noch zu verhöhnen.

    am häufigsten verwendete Gerechtigkeitsformel für inhaltsleer halten: Da sie kein Kriterium dafür anbiete, was einem jeden als das Seine zusteht, sei sie tautologisch (so Hans Kelsen).

    Oder, um einen anderen Gesichtspunkt ins Argumentationsspiel zu bringen, verbietet des Thomas von Aquino Inanspruchnahme von Suum cuique! als Begründung für die Rechtmäßigkeit von Sklaverei und Leibeigenschaft (Summa theologica II-II, 57, 4) jedem, der diese beiden Ausbeutungs- und Herrschaftsformen hinter sich gelassen haben will, sich in welchem Zusammenhang auch immer auf das Schlagwort zu berufen? Und könnte man nicht die Nazi-Verwendung von Jedem das Seine! als angemessene Fortsetzung jener Legitimation des Herr/Knecht- Verhältnisses durch den Scholastiker betrachten? Aber was hält man dann davon, dass sich die 1956 gegründete Schule für Feldjäger der bundesdeutschen Bundeswehr das Suum cuique! zum Motto erkoren hat?
    Ernst Bloch jedenfalls setzte dem patriarchalischen Suum cuique! als dem Maßstab einer Gerechtigkeit von Oben die Kardinaltugend einer Moral ohne Herr und Knecht, doch mit dem radikalen Anspruch: »Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!« entgegen, womit auch Marx mit eben dieser von den Saint-Simonisten angeregten Formel zum Zuge käme, dessen Jedem das Seine! ein ganz anderes Kriterium dafür anböte, was einem jeden als das Seine zusteht.
    Um noch einmal auf das Skandalon in der Verwendungsgeschichte von Jedem das Seine! zurückzukommen: Der Missbrauch eines Schlagwortes hebt dessen künftige Brauchbarkeit nicht auf; eher umgekehrt, denn eine unbrauchbare Formel kann gar nicht missbraucht werden. Freilich setzt der weitere Gebrauch eines inzwischen missbrauchten Schlagwortes eine Sensibilität voraus, die man zumindest von denjenigen wird erwarten dürfen, deren Beruf im Umgang mit Worten und deren Bedeutung besteht.
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#7 Taemin
  • 08.02.2021, 17:09h
  • Antwort auf #3 von Legat
  • Ich bezweifle, dass "Jedem das Seine" im "Bewusstsein der Menschheit" für den Nationalsozialismus und dessen Verbrechen steht, zumal der übliche Spruch auf den KZ-Eingängen "Arbeit macht frei" lautete. Ich z.B. verbinde damit (danke für das Lob meiner historischen Bildung) prägend den Schwarzer-Adler-Orden, nicht den NS-Staat. Auch der Vergleich mit dem "deutschen Gruß" geht fehl, denn kein alter Römer verband die erhobene rechte Hand mit dem Spruch "Heil Hitler", sondern man sagte "Ave" oder "Salve". Zu Recht ist der "deutsche Gruß" aber heute als Zeichen des Nationalsozialismus verboten, einfach weil er in der Tat als alltägliches Symbol der Terrorherrschaft präsent war. Meine Anmerkung geht einfach in die Richtung, dass man durchaus die Ordensdevise (die selbst ja auf viel ältere antike Vorbilder zurückgeht) zitieren kann, ohne damit nationalsozialistische Gesinnung zu demonstrieren. Hallervorden hat sich eindeutig menschenfeindlich positioniert. Ihn aber gleich einen Nazi schimpfen halte ich indes für überzogen.
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#8 Taemin
  • 08.02.2021, 17:23h
  • Antwort auf #4 von Atreus
  • Ich verharmlose keinen NS-Kontext. Die Ordensdevise hat keinen NS-Kontext. Den kann sie 1701 gar nicht gehabt haben. Die Nazis haben die Aussage (die im Grunde die Kurzform des von Dir zitierten Satzes Friedrichs II. ist) pervertiert wie vieles andere, z.B. Schillers Satz "Ans Vaterland, ans teure, schließ Dich an". Niemand käme heute auf den Gedanken, deshalb Schiller als Hitler-Vorläufer zu bezeichnen, selbst wenn wír inzwischen dem Begriff "Vaterland" gegenüber durchaus verständliche Vorbehalte haben. Ich sehe nicht ein, weshalb ein Schwulenverächter nicht als solcher schon schlimm genug ist und unbedingt auch noch zum Nazi interpretiert werden muss, bloß weil er einen alten Preußenkönig zitiert, zudem einen, dem man weder Nationalismus noch Militarismus vorwerfen kann. Tut mir leid, aber ich unterstelle Hallervorden bei aller Ablehnung seiner so enttäuschenden wie verwerflichen Äußerung zur Sache nicht, dass er bei seinem Zitat an ein KZ gedacht habe.
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#9 LegatEhemaliges Profil
  • 08.02.2021, 18:26h
  • Antwort auf #7 von Taemin
  • Dann halten wir fest: Hallervorden ist nach deiner Einschätzung und auch nach seiner Selbstauskunft kein Nazi, dafür allerings ein in seiner Sprache AfD-naher, sieht zumindest Johannes Kram so:

    www.nollendorfblog.de/?p=12519

    Ob man ihn nun als durch und durch Nazi, AfD-ler, AfD-"nah" oder einfach nur rasenden Homohasser oder wie du sagst "Schwulenverächter" bezeichnet, macht aus meiner Sicht den Bock auch nicht fett. Das eine mag noch ein bisschen mehr zutreffen als das andere, aber eins ist Hallervorden ganz sicher: Jemand, der will, dass wir unsichtbar bleiben, damit er sich nicht in seiner Heterosexualität bedroht fühlen muss oder man gar auf die Idee käme, die sexuelle Identität könne genauso "wertvoll" sein wie Religion. Warum er glaubt, die schiere Existenz von LGBTQ würde seine Heterosexualität bedrohen oder was ein Phantasiekonstrukt wie Religion überhaupt damit zu tun haben soll, erklärt er selbstverständlich nicht.

    Ansonsten halte ich es wie mein Vorredner RetroGay: Hallervorden weiß EXAKT, was er da von sich gibt und welche Wirkungen er damit erzielt. Das ist alles zu 100% gewollt von ihm.
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#10 AtreusEhemaliges Profil
  • 08.02.2021, 18:49h
  • Doch, das hast du. Mehrmals! Das erste Mal, als du sagtes, er hätte nicht das Eingangstor Buchenwalds zitiert, das nunmal genau dieselben Worte ziert. Das zweite Mal, als du die preussische Herkunft als Legitimation verwandt hast, um den KZ-Kontext zu bagatellisieren und ein drittes Mal, als du so tatest, als wäre "Arbeit macht frei" der einzig wahre KZ-Spruch und dadurch wiederum den ersterern als weniger bedeutsam und verletzend klassifiziert hast.

    Für 266.000 Menschen hat "Jedem das seine" den Eintritt in die nationalsozialistische Hölle bedeutet, 56.000 von ihnen haben "das ihrige" mit ihrem Leben bezahlt. Auch in Ermangelung einer Umfrage bin ich mir sicher, dass Überlebende wie Nachfahren dieser 266.000 Menschen nicht an den Schwarzen Adler Orden denken, wenn sie mit diesem Spruch in Form einer "unterirdischen Kritik" konfrontiert werden. Genausowenig die Unbetroffenen, die um dieses Portal und seine Geschichte wissen. Die Parallele zur ungarischen Paprikasauce ist offenkundig: Nur weil du die Verwendung eines bestimmten Begriffes oder Aphorismus für unproblematisch hälst, hat das keine Allgemeingültigkeit und bewahrt andere nicht davor, Schmerz darüber zu empfinden.

    Hinzu kommt, dass du unterstellst, ich hätte ihn Nazi geschimpft. Tat ich nicht, sondern dass er ohne Not Vokabular verwendet, das zum Sinnbild deutscher Menschenverachtung, Folter und Ermordung Andersartiger wurde, in einer Kritik über andersartige Schauspieler. Die deutsche Sprache und Geschichte kennt unzählige, unproblematische Worthülsen, auch aus preussischer Zeit, die erst gar keinen Anlass zu verschiedenen Deutungsmustern gegeben hätten. Wenn ich das mit 35 erfasse, darf ich das von einem 80jährigen Schauspieler mit höherer Bildung auch erwarten!
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