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Stress durch Ausgrenzung

Deutsche Studie: Queere Menschen häufiger psychisch und körperlich krank

Diskriminierungserfahrungen haben "tiefgehende" gesundheitliche Auswirkungen, so Forschende des DIW. Das Problem könnte mit LGBTI-freundlicheren Gesetzen und "Safe Spaces" gelöst werden.


Queere Menschen müssen laut der DIW-Studie eher mit Krankheiten kämpfen (Bild: Wokandapix / pixabay)

Menschen aus der LGBTI-Community haben im Vergleich zur Gesamtbevölkerung deutlich häufiger mit bestimmten stressbedingten psychischen und körperlichen Krankheiten zu kämpfen. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hervor. Demnach leiden homosexuelle, bisexuelle, transgeschlechtliche, queere und intergeschlechtliche Menschen häufiger an Depressionen, Angststörungen und Herzleiden. Ein Grund dafür seien Diskriminierungserfahrungen.

Der DIW-Studie zufolge wurde bei 26 Prozent der Befragten aus der queeren Community schon einmal eine depressive Erkrankung diagnostiziert. Bei Heterosexuellen, die sich gleichzeitig mit ihrem laut Geburtsurkunde ausgewiesenen Geschlecht identifizieren, seien es knapp zehn Prozent gewesen. Unter Schlafstörungen litten 15 Prozent der LGBTI-Befragten, unter Burnout acht Prozent.


(Bild: DIW)

Auch unter Herzkrankheiten und Migräne litten queere Menschen fast doppelt so oft wie der Rest der Bevölkerung. Bei Krebsleiden, Schlaganfällen und Gelenkerkrankungen gäbe es hingegen keine statistisch relevanten Unterschiede.

Die Studie zeigt, dass besonders trans Menschen unter psychischen Belastungen leiden. Fast vier von zehn transgeschlechtlichen Befragten berichteten demnach von Angststörungen.

Diskriminierungserfahrungen sind Grund für fragile Gesundheit

Den Studienautor*innen zufolge sind die Unterschiede je nach sexueller Orientierung und Geschlechtsidentität auf Diskriminierungserfahrungen zurückzuführen. Queere Menschen erleben demnach "in vielen Lebenssituationen Ablehnung und Diskriminierung". Die Untersuchung offenbare, welche "tiefgehenden psychischen und körperlichen Auswirkungen" anhaltende Diskriminierungen haben könnten.

"Die Ergebnisse sind bereits jetzt alarmierend", erklärte David Kasprowski, einer der Studienautor*innen. "Wir müssen aber damit rechnen, dass depressive Symptome und Gefühle der Isolation unter LGBTQI*-Menschen während der Corona-Pandemie weiter zunehmen." Eine britische Studie hatte bereits letzten August gezeigt, dass queere Menschen besonders stark unter den Auswirkungen der Covid-19-Krise litten (queer.de berichtete).

Für die im DIW-Wochenbericht veröffentlichte Untersuchung wurden Daten des sogenannten Sozio-oekonomischen Panels, einer repräsentativen Wiederholungsbefragung von Privathaushalten in Deutschland, und einer Onlinebefragung der Universität Bielefeld ausgewertet. Die Studie fußt auf Angaben von mehr als 28.000 Menschen ab 18 Jahren aus dem Jahr 2019. Von ihnen beschrieben sich rund 4.500 selbst als LGBTI.

Studie: LGBTI-freundliche Rahmenbedingungen können Lage verbessern

Die DIW-Forscher*innen bewerteten Gesetze zur Gleichstellung von LGBTI positiv, um die Diskrepanz zwischen queeren und nicht-queeren Menschen zu verringern. Es bestehe aber noch Nachholbedarf: So sollten etwa homophobe und transfeindliche Hasskriminalität ausdrücklich im Strafgesetzbuch benannt und sanktioniert werden.

Zudem könnte die Widerstandsfähigkeit von queeren Menschen der Studie zufolge über mehr sogenannte "Safe Spaces", also Szeneeinrichtungen wie Sportvereine, Treffpunkte und kulturelle Angebote, gestärkt werden. Auch Initiativen zur Förderung gesellschaftlicher Akzeptanz von LGBTI wie Trainings an Schulen könnten einen Beitrag leisten. (AFP/dk)

Twitter / DIW_Berlin



#1 AthreusProfil
  • 10.02.2021, 13:01hSÜW
  • Frage: Könnte man diese oder vergleichbare Studien dann nicht zur Klage gegen die Regierung ins Feld führen, die mit queerphoben Gesetzen gesellschaftliche Benachteiligung und Diskriminierung zementieren und dadurch in logischer Konsequenz die geistige und körperliche Gesundheit eines Teils ihrer Bürger wissentlich schädigen und ihre Lebenserwartung verringern?
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#2 KumpelAnonym
  • 10.02.2021, 13:46h
  • Antwort auf #1 von Athreus
  • Sehr gute und wie ich finde, nicht nur berechtigte Frage, sondern sollte schon längst in den Debatten mit einbezogen werden. Aber wie es sich nun mal so ergibt, fehlen hier dazu die richtigen Lobbyisten. Wie wir ja bereits alle wohlweislich wissen, fallen auf ein Abgeordneten 2 Lobbyisten. Bloß, wer sind die alle? Auch darüber wird ja gerade heftigst gestritten. Rauskommen wird dabei gar nichts.
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#3 weißichlängstAnonym
  • 10.02.2021, 13:55h
  • Ich selbst habe genau mit diesem Thema lebenslang schlimmste Erfahrungen gemacht.
    1982, mit 17, homophober nächtlicher Überfall durch 4 Mitschüler - Folge war eine nie offiziell diagnostizierte Posttraumatische Belastungsstörung. Seit 1982 habe ich jede Nacht extremste Schlafstörungen und massivste Alpträume. Ich bekam damals keinerlei Hilfe, weder von Seiten der Schule noch von Seiten der Eltern.

    Inneres Coming-Out 1988, ich war absolut allein mit dem Thema. Coming-Out vor der Familie 1990, seitdem extreme Ablehnung durch Mutter, Schwester, inzwischen auch beide Nichten. Also immer noch, nach über 30 Jahren.

    Erster größerer "Ausfall" 1990, als ich mein sehr schwieriges Studium abbrechen musste, weil ich mit der Coming-Out-Situation, in der ich fast nur Gegner hatte, nicht klarkam. Heute weiß ich, dass das meine erste schwere Depression war. Damals hat das weder jemand erkannt, noch hat mir jemand geholfen.

    10 Jahre durchgeschlagen, gearbeitet wie verrückt, um das alles irgendwie zu kompensieren.... bis 2000 die zweite schwere Depression kam. Wieder weder erkannt noch Hilfe. Aufgerappelt, neuen Job gesucht, durchgearbeitet wie bescheuert bis 2011, bis plötzlich, von heute auf morgen, ein riesiges Burnout-Loch kam. 18 Monate krank geschrieben, dann 2012-2014 nochmal versucht, mich beruflich aufzurappeln.

    2014 dann erneut eine schwere Depression, inzwischen diagnostiziert, in Kombination mit einer schweren Generalisierten Angststörung. Ich war dann 49 und endgültig am Ende. Konnte mich seitdem nie wieder erholen und leide nach wie vor an schweren Schlafstörungen, Depression und Angststörung. Alle Therapieversuche haben versagt, ich lebe inzwischen dauerhaft von Sozialhilfe, was die Depression auch nicht gerade erleichtert.

    Ich habe bis 2014, also bis ich 49 war, immer versucht, gegen die schlimmsten Auswirkungen mit möglichst hoher Arbeitsleistung anzukämpfen, selbst noch nach dem Burnout 3 Jahre zuvor. Bis ich dann endgültig zusammengebrochen bin.

    Wie gesagt, auch heute noch gelte ich als "schwarzes Schaf der Familie", bei dem alles schief gelaufen ist, und das natürlich selbst daran schuld ist, denn es hätte sich ja nur mehr anstrengen müssen. Und außerdem ist es, das schwarze Schaf, ja sowieso total verrückt (Originalton meine Mutter 2019).

    Übrigens bin ich in einer auch heute noch stock-konservativen Kleinstadt aufgewachsen, das familiäre Umfeld ist teils fromm, teils gleichgültig, teils super aggressiv ablehnend.

    In einer von der Rentenversicherung angeordneten Reha bekam ich als Hauptantwort auf all das "Aber die Schwulen dürfen heute doch sogar heiraten" (das war im Oktober 2016, finde den Fehler). Als ob die Tatsache, dass ich heute jemanden heiraten dürfte, den ich liebe, Jahrzehnte der Unterdrückung und unterlassenen Hilfeleistung auch nur annähernd ausgleichen könnten. Selbst die ärztliche Psychotherapeutin dort war jedoch offenbar genau davon überzeugt. Ganz nach dem Motto "Was stellen Sie sich denn heute noch so an? Inzwischen gibt es doch keine Probleme mehr".

    Ich wäre ja froh, wenn eine solche Aussage meine Schlafstörungen, Depression, Angststörung und finanziellen Probleme einfach weggeblasen hätte. Aber da machen es sich die lieben Mitmenschen eben viel zu einfach. Weil sie mit solchen Fällen wie mir lieber nicht konfrontiert werden wollen, und vor allem auch nicht mit der Frage, ob etwa die Mainstream-Gesellschaft Mitschuld trägt an diesem verkorksten Leben. Da speist man Leute wie mich lieber damit ab, dass wir doch heute heiraten dürften. Damit müsse dann aber auch mal gut sein.

    Ist es aber nicht.
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#4 ThalosAnonym
  • 10.02.2021, 15:56h
  • Antwort auf #3 von weißichlängst
  • Hört sich nach einem schlimmen Schicksal an, aber ob ein Gesetz gegen Hasskriminalität daran etwas geändert hätte, bezweifle ich. Auch gibt es ja safe spaces in größeren Städten. Spätestens als Erwachsener habe ich doch Möglichkeiten mir eine eigene queere Familie zu suchen, mein Umfeld mit queeren Menschen zu umgeben. Man darf sich nicht in der Opferposition selbst klein halten. Man muss solch ein homophobes Umfeld verlassen und nicht darauf warten, dass sich die Welt um einen herum ändert. Politische und gesellschaftliche Änderungen brauchen Zeit. Und für einen Hetero-Außenstehenden ist das oft nicht nachvollziehbar. Aber das ist generell ein Problem bei psychischen Krankheiten. Wir haben es aber selber in der Hand, was wir aus unserem Leben machen. Wir sollten uns nicht zu Opfern der Mehrheitsgesellschaft machen lassen.
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#5 BeraterAnonym
  • 10.02.2021, 16:13h
  • Antwort auf #4 von Thalos
  • Ich habe einige Zeit bei einem schwulen Beratungstelefon gearbeitet. Nichts gegen Empowerment und gute Ratschläge, aber glaub mir einfach: Es gab mehr als nur einen Fall, in dem nichts von dem, was du hier schreibst, hilfreich oder angebracht gewesen wäre.

    Es gibt Menschen, die keinerlei finanzielle und soziale Ressourcen zur Verfügung haben, die sich aus verschiedenen Gründen nicht von der Familie lösen können, die nicht einmal die nächste Stadt erreichen können. Selbst wenn man irgendwann in eine queere Community gelangt, ist keineswegs garantiert, dass man dort den ersehnten Anschluss findet (und zwar nicht nur, weil man sich irgendwie "dumm anstellt", sondern weil Diskriminierung auch Zeil "unserer" Strukturen ist.

    Ich konnte manchmal wirklich nicht mehr tun, als mir das Leid der Anrufer anhören und es für einen Moment mit ihnen teilen. Das war herzzerreißend, aber es gab Fälle, in denen jeder Ratschlag, sei er noch so gut gemeint, einfach nur das gewesen wäre: ein Schlag.
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#6 weißichlängstAnonym
  • 10.02.2021, 16:14h
  • Antwort auf #4 von Thalos
  • Auf genau so eine Antwort habe ich gewartet. Du kennst weder meinen Lebenslauf noch meine Lebensumstände, erteilst aber kluge Ratschläge à la "Wir haben es aber selber in der Hand, was wir aus unserem Leben machen."

    Ich habe mich hier sehr weit geöffnet und bekomme natürlich sofort eine direkte persönliche Breitseite. Eine Minute bevor Dein Beitrag freigeschaltet wurde, sprach ich noch mit meinem besten Freund darüber und wir sagten, bestimmt kommt gleich Kritik à la "selbst schuld" und "du hättest ja dies und das tun können". Und siehe da! Gleich die erste Antwort auf meinen Beitrag ist genau das.

    Ich habe mich hier geöffnet, um ein konkretes Beispiel zu liefern. Die meisten in vergleichbarer Situation trauen sich zu so etwas nicht. Das heißt noch lange nicht, dass hier jetzt die Arena für kluge Ratschläge eröffnet ist, was ich in all den 55 Jahren hätte anders machen müssen oder können.

    Ich bitte alle, auf der Sachebene weiter zu diskutieren und meinen Beitrag einfach als Beispiel stehen zu lassen, auf dem nicht herumgehackt wird.
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#7 KumpelAnonym
  • 10.02.2021, 17:09h
  • Antwort auf #6 von weißichlängst
  • Ich stehe voll zu dem, was Du hier sehr ehrlich offengelegt hast. Bei mir kam die Depression in Zusammenhang mit einem heftigen Burnout, wegen das Jahrelange Mobbing am Arbeitsplatz. Ich stand kurz davor mich umzubringen. Schwulenberatung Berlin, Fehlanzeige. Als ich dort von meinen Sorgen und Nöte berichtete und meinte, ich würde auf meine Umwelt nur noch aggressiv reagieren, nickte er nur, bestätigte es nur und drückte mir ne Karte von einen Therapeuten in die Hand. Dieser hatte aber erst in einem halben Jahr ein Termin frei. Wären da nicht all die besonnenen zum Teil schwulen Betriebsärzte von der Post gewesen, hätte mich die Post schon weit vorher entlassen. Heute leide ich unter chronischen Schlafstörungen und bin oftmals immernoch schnell aufbrausend. Meine Schlafstörungen versuche ich, soweit es geht mit CBD Cannabis in den Griff zu kriegen und es funktioniert wunderbar. Nur rate ich dringend davor ab, sich einfach mal so Cannabis illegal von der Straße zu besorgen. Ich pflanze mir selbst welches auf den Balkon an. Ein Tipp noch hier, falls Interesse besteht. Suche Dir den richtigen Arzt und mit viel Glück erhältst Du medizinisches Cannabis auch auf Rezept. Oder nutze Telegramm;-) Dort gibt es wenigstens auch gute Angebote zum Genießen. Ich wünsche Dir alles erdenklich Gute für Deinen weiteren Lebensweg und hoffe Dir ein klein wenig helfen zu dürfen. Ach, beinahe hätte ich es vergessen. Klar mußte ich ja auch mal zum Medizinischen Dienstamt, wegen meiner sehr langen Krankschreibung. Da wird u.a. nach dem momentanen Befinden nachgefragt. Vor mir saß eine Mittvierzigerin. Als ich ihr sagte, mir ginge es momentan den Umständen entsprechend als schwuler Mann, sagte sie doch glatt zu mir, dafür haben wir ja auch die Siegessäule. Lachte mir dabei frech ins Gesicht. Urteil, ich wurde als gesund eingestuft. Aber nicht mit mir. Mein Hausarzt schrieb mich umgehend wieder krank. Auch ihm habe ich viel zu verdanken. Machs gut. Ich drücke beide Daumen.
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#8 weißichlängstAnonym
#9 KumpelAnonym
  • 10.02.2021, 17:45h
  • Antwort auf #8 von weißichlängst
  • Gerne. Eins noch zum Thema medizinisches Cannabis. Du hast sehr gute Gründe dafür. Nur brauchst Du den richtigen Arzt, der alles, bis ins kleinste in seinen Antrag an Deine Krankenkasse mitliefert. Macht er seine Sache richtig, dürfte dem nichts im Wege stehen. Nur die Krankenkasse könnte sich weigern. Aber wozu warten einfach die KKasse wechseln. Habe ich auch gemacht, nachdem mir die KK den medizinischen Dienst aufgehalst hatte.
    Falls Du Nichtraucher bist, CBD Öl ist frei käuflich. Doch je nach Stärke aber auch sündhaft teuer. Leider.
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#10 BeraterAnonym
  • 10.02.2021, 18:34h
  • Um meine Haltung etwas auszuführen: Ich finde es wichtig, die politische und die individuelle Ebene zu unterscheiden.

    Als Kollektiv sind wir gefordert, nicht nur langfristig an der Verminderung von krank machenden Diskrimierungen zu arbeiten, sondern auch kurz- und mittelfristig die Infrastrukturen zu erhalten und auszubauen, die uns dabei helfen, in einer weiterhin diskriminierenden Welt zurechtzukommen. Im Gegensatz zu anderen Minderheiten können queere Menschen selten auf kompetente (wenn überhaupt) Unterstützung in ihren Familienstrukturen zählen. Wir müssen das also fast komplett als außer-familiäres Kollektiv auffangen.

    Wir erleben Diskriminierungen als Individuen, sie sind aber nie nur ein individuelles Problem, sondern immer auch ein gesellschaftliches.

    Bestärkende Botschaften und allgemeine Hinweise auf Hilfsstrukturen und mögliche Umgangs-Strategien können auf dieser Ebene natürlich hilfreich sein.

    Was die individuelle gegenseitige Unterstützung angeht, habe ich in meiner Beratungszeit vor allem gelernt, mit Sätzen wie "Man muss...", "Du darfst nicht...", "Wir alle können..." extrem zurückhaltend zu sein. Da geht es erst einmal darum, die konkrete Situation zu erfassen und herauszufinden, welche konkreten Probleme vorliegen und welche Ressourcen im Umfeld und in der jeweiligen Person jeweils zur Verfügung stehen - oder eben nicht.

    Ich kenne die Versuchung, leidenden Menschen schnell Ratschläge zu geben, u.U. auch, weil es schwierig ist, eine ausweglose Situation auszuhalten. Manchmal sind Ratschläge natürlich sinnvoll. Dabei besteht aber die Gefahr, Ressourcen zu überschätzen und der anderen Person das Gefühl zu geben, an der Notlage selbst schuld zu sein, weil sie einfach nicht genug oder das Falsche tut und getan hat. Ich finde es wichtig, uns klarzumachen, dass genau diese Idee, dass queere Menschen an ihrem Leiden irgendwie selbst und ganz individuell schuld seien, ein Teil queerfeindlicher Narrative ist, und dass wir vermeiden sollten, das ungewollt zu bestärken.

    Ich kenne Depression sowohl als selbst Depressiver als auch als Freund von depressiven Menschen. Es gibt Momente, in denen kein Ratschlag hilft. Man weiß z.B., dass Sport oft Depressionen lindert. Das hilft aber nicht, wenn man es mit aller Anstrengung gerade mal hinbekommt, sich morgens die Zähne zu putzen. Solche Hinweise, mögen sie auch gut gemeint sein, können das Gefühl der Isolation ggf. noch weiter verstärken.

    Für mich hat es sich (aus beiden Perspektiven) bewährt, irgendwann das Ratschläge geben einzustellen und einfach nur da zu sein. Manchmal muss man es aushalten, dass mehr leider nicht geht, aber dass das vielleicht schon viel ist.
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