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Schwuler Jude im Nazi-Reich

Google ehrt Fredy Hirsch mit Doodle

Anlässlich seines 105. Geburtstags zeigt Google in Deutschland einen Doodle des offen schwulen Lehrers und Athleten Fredy Hirsch, dessen Leben im Vernichtungslager Auschwitz endete.


So sieht google.de am Donnerstag aus (Bild: google.de)

Der amerikanische Suchmachmaschinenkonzern Google ehrt am Donnerstag den offen schwulen deutsch-jüdischen Athleten Fredy Hirsch in mehreren Ländern mit einem sogenannten Doodle, weil er an diesem Tag seinen 105. Geburtstag feiern würde. Hirsch war ein Vertreter des 1928 gegründeten Jüdischen Pfadfinderbundes und kam 1944 als Insasse des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau ums Leben.


Fredy Hirsch (1916-1944) (Bild: ZDF)

"Alfred 'Fredy' Hirsch wurde an diesem Tag im Jahre 1916 in Aachen, Deutschland, geboren, wo er eine Laufbahn als Lehrer von mehreren jüdischen Jungendorganisation und Sportverbänden begann", so beschreibt Google auf Englisch den Lebensweg Hirschs. Dabei wurde auch ausdrücklich seine Homosexualität erwähnt: "Er war offen schwul in einer Zeit, in der queere Menschen von der wachsenden NSDAP verfolgt wurden.

Er floh in die Tschechoslowakei, bis das Nazi-Regime ins Land einmarschiert ist und ihn zuerst ins Ghetto Theresienstadt und dann 1943 nach Auschwitz deportiert hat." In Gefangenschaft kümmerte sich Hirsch um Tausende jüdischer Kinder, die er unter schweren Bedingungen unterrichtete. Google merkte an, dass Hirsch in Auschwitz "gegen alle Widerstände" eine Kindertagesstätte betrieben habe. "Viele der Kinder, die Hirsch unterrichtet hat, sagten später, dass er ihre kreative Ader geweckt habe." Unter ihnen sei etwa Zuzana Růžičková (1927-2017), die Auschwitz überlebte und später laut Google zu einer der "weltgrößten Cembalistinnen" aufgestiegen sei.

Der Doodle ist laut Google in Deutschland, Tschechien, der Slowakei und Israel zu sehen.


(Bild: Google)

Als Google Doodle (Deutsch: Gekritzel) wird die grafische Veränderung des Firmenlogos des US-Techkonzerns bezeichnet. Bereits seit 1998 stellt das Unternehmen das Logo zu besonderen Anlässen in veränderter Form dar. Meistens sind die Buchstaben noch zu erkennen. Zusätzlich sind diese Grafiken mit einer Suchanfrage zu dem entsprechenden Thema verlinkt. Letztes Jahr ehrte Google mit einem Doodle bereits LGBTI-Aktivistin Marsha P. Johnson (queer.de berichtete). (dk)

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#1 AtreusProfil
  • 11.02.2021, 11:35hSÜW
  • Wer mehr über Fredy erfahren möchte:

    Dirk Kämper
    "Fredy Hirsch und die Kinder des Holocaust"
    Orell Füssli - Verlag

    Als E-Book erhältich; die gedundene Ausgabe erhält man noch in Booklooker oder auf ZVAB.
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#2 PeerAnonym
  • 11.02.2021, 12:06h
  • Sehr vorbildlich.

    Ich würde mir nur wünschen, dass Google auch jährlich am Internationeln Tag gegen Homo- und Transphobie (IDAHOT) am 17.5. ein entsprechendes Doodle macht. Und zwar nicht nur sichtbar, wenn man nach LGBTI-Themen sucht, sondern als generelles Doodle, für alle sichtbar.

    Denn dass Fredy Hirsch schwul war, ist ja Zufall - die Ehrung geht zur Hauptsache um das NS-Opfer, das sich im KZ für Kinder einsetzte.
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#3 WikipediaMedienAnonym
  • 11.02.2021, 14:11h
  • Leider wird in Wikipedia und den meisten anderen deutschen Medien, die darüber berichten, die Homosexualität komplett verschwiegen.

    Es folgt dem alten Muster: Queere Menschen entweder komplett totgeschwiegen oder ihre Lebensläufe so frisiert, dass das Queere unsichtbar wird.
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#4 RichtigAnonym
#5 NichtNurNöhlenAnonym
  • 11.02.2021, 14:49h
  • Antwort auf #3 von WikipediaMedien
  • Wenn du meinst, es sei wichtig, dass in einem Wikipedia-Artikel Hautfarbe, sexuelle Identität oder andere Eigenschaften genannt werden sollten, dann schreib sie doch in den Artikel rein. Wikipedia ist, was wir draus machen.
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#6 Girlygirl
  • 11.02.2021, 15:04h
  • Antwort auf #3 von WikipediaMedien
  • An dieser Stelle fühle ich mich aber mal gezwungen Wikipedia zu verteidigen. Es arbeiten unzählige Menschen an einzelnen Artikeln und die sie sind meist sehr streng was Quellenangaben angeht. Wikipedia Artikel haben sich in den letzten Jahren so weiterentwickelt, dass auch schon gleichgeschlechtliche Beziehungen historischer Figuren erwähnt wurden, selbst bei unbekannteren. Außerdem gibt es die Listenfunktion, d.h. viele sind in der Liste queerer Persönlichkeiten ohne dass es im eigentlichen Artikel erwähnt wird. Für alle Angaben in einem Wikipedia Artikel braucht es halt "handfeste" Beweise, nicht nur Sachen,die jemand gehört hat, zumal "offen schwul gelebt" ein extrem dehnbarer Begriff ist. Das hat nichts mit böswilligem Verschweigen zu tun.
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#7 NajaAnonym
  • 11.02.2021, 15:10h
  • Antwort auf #5 von NichtNurNöhlen
  • 1. Wenn die sexuelle Identität einer der Gründe für die Verfolgung ist, gehört das selbstverständlich in den Artikel. Genauso wie ja auch der jüdische Glauben zum Artikel gehört, obwohl bei anderen Personen der jüdische Glauben nicht genannt werden braucht, wenn er nicht für den Lebenslauf relevant ist.

    2. Allzu oft passiert es, dass man als Neuling zu Wikipedia beitragen will und dann Änderungen (obwohl man sie belegen kann) wieder gelöscht werden, weil einige "alte Hasen" da scheinbar ihren Privat-Club haben wollen. Und die meisten Leute haben halt keine Zeit, um stundenlange Diskussionen mit Leuten zu führen, die nichts anderes zu tun haben. Wenn man auch noch anderes im Leben hat, fehlt einem aber oft die Zeit dafür und dann gibt man auf und sagt sich "Dann eben nicht. Dann fehlt das eben in Wikipedia oder bleibt falsch stehen."
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#8 dazzleAnonym
  • 11.02.2021, 15:12h
  • Antwort auf #3 von WikipediaMedien
  • Wer den (deutschen) Wikipediaartikel genau liest, wird feststellen, dass hier nichts verschwiegen wird. Und auf der englischsprachigen Seite wird Hirschs Sexualität und sein Privatleben überaus präsent dargestellt.

    Ob es problematisch ist, dass die deutschsprachige Version hierzu nur am Rande informiert? Gemessen an der Länge des Artikels reicht es mir ehrlich gesagt aus, schließlich hat sich auch Fredy Hirsch selbst nicht in erster Linie als schwuler bzw. als homosexuell lebender Mann gesehen, sondern als Athleten und Lehrer.
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#9 VerschämtAnonym
  • 11.02.2021, 15:21h
  • Antwort auf #8 von dazzle
  • Da steht nur an einer Stelle "[...] wo er seinen Partner [...] kennenlernte". Was für ein Partner? Geschäftspartner? Bridgepartner? Zellenpartner? Lebenspartner?

    Dann kann man auch sagen: "Larry Page lernte seinen Partner Sergey Brin an der Uni kennen und dann gründeten sie Google." Dennoch waren die beiden nie ein Paar und sind beide Hetero.
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#10 Julian SAnonym
  • 11.02.2021, 15:29h
  • Antwort auf #9 von Verschämt
  • Genau das ist das Problem, wenn Wikipedia zu 90% von weißen, heterosexuellen Männern gemacht werden, die noch dazu alle computeraffin sind, also in der soziologischen Struktur sehr ähnlich sind.

    Die bemerken wahrscheinlich nicht mal das Problem und sagen nur "Ist doch alles in Ordnung. Da ist doch sein Partner erwähnt." Dass aber solche mindestens mehrdeutigen oder sogar missverständlichen Formulierungen Teil des Unsichtbarmachens sind, verstehen sie gar nicht erst.

    Das ist genauso entwürdigend, wie wenn man von seinem Lebenspartner als "Bekannter" vorgestellt würde. Und das ist hier nur ein Beispiel. Das zieht sich leider (auch bei Nicht-LGBTI-Themen) durch die ganze Wikipedia.
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