Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?38128

"Spiegel"-Bericht

Dresdner Terror-Mord: Homo-Hass nun doch ein Motiv

Lange hatten die Behörden Homosexuellenhass als mögliches Motiv des Terrorangriffs auf zwei schwule Männer totgeschwiegen. Mehr als vier Monate nach der Tat soll er nun offenbar doch wegen Mordes aus islamistischen und homosexuellenfeindlichen Motiven angeklagt werden.


Nach dem Mord wurden Blumen am Tatort niedergelegt (Bild: Dresden.Respekt – Place to be! / twitter)

Der Generalbundesanwalt in Karlsruhe hat laut einem "Spiegel"-Bericht vom Donnerstag Anklage gegen den mutmaßlichen Attentäter von Dresden erhoben. Dem 21 Jahre alten Abdullah Al H.H. werde Mord aus islamistischen und homosexuellenfeindlichen Motiven vorgeworfen, berichtete das Portal unter Berufung auf sächsische Justizkreise.

Der aus Syrien stammende Beschuldigte soll am 4. Oktober ein schwules Paar aus Nordrhein-Westfalen, das touristisch in der Dresdner Altstadt unterwegs war, mit einem Messer angegriffen haben. Ein 55 Jahre alter Mann starb, sein 53 Jahre alter Partner überlebte schwer verletzt. Laut "taz" werde Abdullah Al H.H., der zu seiner Motivation schweige, daher auch wegen versuchten Mordes angeklagt.

Zunächst hatten die Behörden jegliche Frage nach dem Motiv Homosexuellenfeindlichkeit zurückgewiesen und die Beziehung der beiden Männer nicht publik gemacht. Der Dresdner Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt hatte bei einer Pressekonferenz etwa auf eine entsprechende Frage betont, dass man sich "zur sexuellen Orientierung von Tatopfern nicht" äußere, das sei "nicht unsere Aufgabe" (queer.de berichtete). Erst durch Medienrecherchen wurde die Homophobie des mutmaßlichen Täters publik: Laut "Spiegel" habe er bereits lange vor dem Terrorakt seinen Hass auf Homosexuelle in Chats offenbart.

"Die beiden Männer seien für ihn als Homosexuelle erkennbar gewesen", schreibt das Redaktionsnetzwerk Deutschland zum Inhalt der Anklage. "Auch sei der Angriff unvermittelt erfolgt, ohne vorherigen Austausch, der Grund für ein anderes Motiv hätte sein können", ergänzt die "taz".

Erster islamistischer Mordanschlag gegen Homosexuelle in Deutschland

Dem Hamburger Nachrichtenmagazin zufolge wäre es der erste Mordanschlag eines Islamisten aus Hass auf Homosexuelle in Deutschland, wenn die Vorwürfe der Ankläger zutreffend sind. Der Prozess soll vor dem Oberlandesgericht Dresden stattfinden.

Bei dem Angreifer handelt es sich um einen bereits zuvor als islamistischer Gefährder eingestuften Mann. Er wurde erst wenige Tage vor dem Anschlag aus der Haft entlassen und überwacht, weil er weiter als gefährlich galt. Dennoch konnte er den Anschlag verüben.

Laut "taz" äußerte sich der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) positiv über die neueste Entwicklung: "Es ist zu begrüßen, dass Homosexuellenfeindlichkeit als Tatmotiv explizit benannt wird. Denn damit wird der Angriff klar als Hasskriminalität erkenntlich und erfasst", erklärte demnach ein Sprecher. Der LSVD hatte zuvor das Schweigen der Behörden kritisiert. (AFP/dk)



#1 DramaQueen24Profil
  • 12.02.2021, 05:09hBerlin
  • Jeder weiß doch, dass "Schwuchteln" den Tod verdient haben. So sagte man im Jahr 1960. Bis heute!
    Und wer sagt so etwas?
    Meist Männer, die durch ihre Religion zu Hass erzogen wurden, oder Männer, die Angst vor ihren homosexuellen Anteilen haben.
    Was der Täter braucht, ist nicht nur eine Verurteilung, sondern auch ein "brain washing", weil auch ein Urteil dem Täter nicht zur Einsicht verhelfen wird.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Korinthen KKAnonym
  • 12.02.2021, 11:48h
  • Das Tatmotiv wurde gestern als solches auch in den Nachrichten genannt.
    Aber noch immer werden die beiden Opfer als "2 Touristen" bezeichnet. Hätte man das bei einem "klassischen" Ehepaar auch so gemacht, anstatt zu sagen "ein Ehepaar"???
  • Antworten » | Direktlink »
#3 NonBinary
  • 12.02.2021, 12:10h
  • Antwort auf #2 von Korinthen KK
  • Interessante Beobachtung. Offenbar gilt nach wie vor: ein (Ehe-)Paar sind ein Mann und eine Frau.

    Ich habe mich vor ca. 5 Jahren mal mit dem Anbieter eines Fernlehrgangs* herumgestritten. Da sollte man in einem Test "Paare" bilden. Ich habe zwei ähnliche Sachverhalte "gepaart", da diese aus meiner Sicht am nächsten beieinander lagen.
    Dieses wurde dann als falsch bewertet. Auf Rückfrage bekam ich die Antwort, ein Paar sei immer die Paarung zweier GEGENSÄTZLICHER Sachverhalte. Mein Argument, dass man unter einem Paar selbstverständlich z.B. auch zwei Männer oder zwei Frauen (mit mehr wollte ich die Herrschaften dort nicht überfordern) verstehen könne, wurde ignoriert bzw. abgewiesen. Und zwar mit folgendem Gegen"argument":

    "Darüber hat sich bisher bei uns noch nie jemand beschwert."

    Im Ernst jetzt - das war das einzige "Argument", das mir geliefert wurde. Ganz nach dem Motto "Wir haben das schon immer so gemacht, und was wir schon immer so gemacht haben, kann schließlich nicht falsch sein - und es hat sich ja eben bisher auch noch keiner beschwert."

    Meine Beschwerde hatte also nicht etwa zur Folge, dass da jemand überhaupt mal ins Nachdenken gekommen wäre - es blieb dabei: ich hatte den "Fehler" begangen, Gleichartiges als Paarung zu betrachten.

    *übrigens einer der bekanntesten deutschen Anbieter von Weiterbildungskursen und -abschlüssen

    ***

    Anderer, kurzer anekdotischer Fall: jemand berichtete mir von der Geburt von Zwillingen: es sei ein "Pärchen". Ich sagte noch, na klar ist es ein Pärchen, es sind ja Zwillinge. Mir wurde dann erwidert, dass damit selbstverständlich gemeint sei, dass es sich um einen Jungen und ein Mädchen handle, denn nur das sei ja ein "Pärchen". Zwei Jungen oder zwei Mädchen könnten schließlich kein Pärchen sein. *augenroll*
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Ralph
  • 12.02.2021, 12:49h
  • Antwort auf #3 von NonBinary
  • Ich erlebe immer wieder, dass Leute sich davor drücken, für mich oder meinen Mann im Gespräch das Wort "Ehemann" zu verwenden, und statt dessen "Partner" sagen, als hätten wir zusammen eine Firma.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Sven100Anonym
  • 12.02.2021, 13:29h
  • Antwort auf #4 von Ralph
  • Es gibt im Alltag immer wieder Situationen, bei denen ich gefragt werde "Leben Sie allein?" wie zum Beispiel noch vorgestern in einer Arztpraxis. Dann antworte ich "Nein, ich bin verheiratet". Dann kommt manchmal die Frage "Haben Sie Kinder?". Meine Antwort "Ich bin mit einem Mann verheiratet. Wir sind 30 Jahre zusammen." Daraufhin erhellt sich oft das Gesicht meines Gegenübers, es wird freundlicher und man hört Sätze wie "Dann sind Sie ja in guten Händen".
    Ich persönlich habe eigentlich nur gute Erfahrungen mit meinen heterosexuellen Mitmenschen gemacht.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Ralph
  • 13.02.2021, 11:18h
  • Antwort auf #5 von Sven100
  • Nach der Verpartnerung sprach ich nicht mehr von meinem Freund, sondern von meinem Mann. - Mein damaliger Chef: "Ach, Sie sagen jetzt: mein Mann?". - "Ja, ist er ja auch. Außerdem ist das eine Empfehlung der Gesellschaft für deutsche Sprache." - "Und er, was sagt er, wenn er von Ihnen spricht? ... meine Frau...?"
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Teddy63
  • 13.02.2021, 13:16h
  • Antwort auf #6 von Ralph
  • Ach ja, wie bekannt mir das alles vorkommt. Einmal wurde ich von der damaligen Personalratsvorsitzenden (!) meines Betriebes nach der Heirat gefragt, wer denn bei uns die Rolle der Frau übernehme... Noch platter und dümmlicher geht´s kaum. Und ausgerechnet von einer Person, welche mich am Arbeitsplatz bei Konflikten beraten soll und die sich in ihrer Funktion auch mit Gleichstellung und Mobbing beschäftigt. Mir hat´s damals fast die Sprache verschlagen...

    Aber aus genau solchen Erfahrungen verstehe ich dann auch andere queere Menschen, die eine gendergerechte Anpassung von Sprache und Ansprache fordern, weil es einfach der richtigen und respektvollen Wahrnehmung von Mitmenschen dient. Ich beherrsche das allerdings im Alltag auch noch nicht immer richtig, bin aber lernfähig.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 NonBinary
  • 13.02.2021, 13:28h
  • Antwort auf #7 von Teddy63
  • "Aber aus genau solchen Erfahrungen verstehe ich dann auch andere queere Menschen, die eine gendergerechte Anpassung von Sprache und Ansprache fordern, weil es einfach der richtigen und respektvollen Wahrnehmung von Mitmenschen dient."

    BINGO!
    Ich persönlich komme nur sehr schlecht damit klar, nachvollziehen zu sollen, weshalb es einerseits fehlender Respekt ist, wenn ein Ehemann als "Partner" bezeichnet wird, aber andererseits vehement dafür gekämpft wird, dass nichtbinäre Menschen gar nicht benannt werden sollen, weil Anderes angeblich viel wichtiger sei. Ist Letzteres denn KEIN fehlender Respekt?

    Da fehlt für mich die argumentatorische Konsistenz.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Teddy63
  • 13.02.2021, 13:33h
  • Antwort auf #1 von DramaQueen24
  • Die ganze Zeit schon, in der ich mich in diesem Themenstrang bewege, störe ich mich sehr an deiner Forderung nach einem "brain washing", zu deutsch Gehirnwäsche. Das ist nach meinem Verständnis eine psychische Foltermethode. Z. B. sind auch sogenannte Konversionstherapien "brain washings". Auch Sekten wie Scientology haben Menschen mit sogenannten "brain washings" manipuliert und psychisch stark beeinträchtigt und willfährig gemacht.

    Gehirnwäsche als Therapie ist völlig sinnfrei und selbst bei einem Hassmörder aus gutem Grund unzulässig. Mir gruselt es bei dem Gedanken, im Strafrecht könne so etwas Einzug halten...
  • Antworten » | Direktlink »
#10 Korinthen KKAnonym