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Italienische Renaissance

Benvenuto Cellini – Bisexueller, Künstler, Mörder

Heute vor genau 450 Jahren – am 13. Februar 1571 – starb der italienische Bildhauer Benvenuto Cellini (1500-1571). Wegen gleichgeschlechtlichem Sex wurde er mehrfach verurteilt.


Benvenuto Cellini mit einem Männertorso

Als Cellinis Hauptwerk gilt die Bronzeplastik "Perseus mit dem Haupt der Medusa"

Benvenuto Cellini war Goldschmied und Bildhauer in der italienischen Renaissance. Diese Epoche – im Umbruch vom Mittelalter zur Neuzeit im 15. und 16. Jahrhundert – war von dem Bemühen um eine Wiederbelebung der griechischen und römischen antiken Kultur gekennzeichnet.

Von dieser Epoche geht auch für das schwule Leben von heute eine große Faszination aus, was u.a. durch die Ausstellung und das Buch "Die Lust der Götter. Homosexualität in der italienischen Kunst. Von Donatello zu Caravaggio" (1993) des Schwulen Museums in Berlin deutlich wird. Zahlreiche Kunstwerke aus dieser Epoche stammen von Künstlern, deren Empfindungen sich zumindest auch auf das eigene Geschlecht richteten. Neben Benvenuto Cellini gehören dazu auch Donatello, Michelangelo, Il Sodoma und vor allem Leonardo da Vinci. Zum 500. Todestag von Leonardo da Vinci habe ich 2019 hier auf queer.de einen Artikel geschrieben. Die größte Faszination scheint von Leonardo da Vinci auszugehen; die Quellenlage ist jedoch bei Benvenuto Cellini am besten.

Florenz und florenzen

Benvenuto Cellini wurde in Florenz geboren und starb dort auch. Aus beruflichen Gründen und um seiner strafrechtlichen Verfolgung zu entgehen, musste Cellini häufig seinen Wohnort wechseln. Über viele Jahre lebte er in Rom, aber auch in Bologna, Neapel und diversen französischen Städten. Das Zentrum der neuen künstlerischen Bewegung war unbestritten Florenz.

Im Jahre 1432 wurde Florenz die erste europäische Stadt mit einer eigenen Behörde zur Verfolgung der Sodomie. Die sogenannten "Ufficiali di notte" (Offiziere der Nacht) verfolgten in den nächsten 70 Jahren mehr als 10.000 Männer und Jungen; vermutlich wurden rund 2.000 von ihnen überführt und verurteilt. Von den florentinischen Behörden wurde auch Leonardo da Vinci wegen Sodomie angezeigt, er wurde aber wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. Aufgrund von Protesten senkten die florentinischen Behörden 1514 die Geldstrafen für Sodomie für 18- bis 25-Jährige (Wikipedia). Florenz wurde im 15. und 16. Jahrhundert so stark mit Homosexualität in Verbindung gebracht, dass "florenzen" in Deutschland zu einem Synonym für Analverkehr unter Männern wurde ("Deutsches Sprichwörter-Lexikon", 1867).

Cellinis Kunst


Cellinis Statue "Narziss"

Als Cellinis Hauptwerk gilt heute seine Bronzeplastik "Perseus mit dem Haupt der Medusa". Sie ist eine der berühmtesten Plastiken der italienischen Renaissance und eine künstlerische Meisterleistung jener Zeit. Heute wird sie auch unter feministischen Fragestellungen und Aspekten wie Gewaltverherrlichung diskutiert. Ebenfalls berühmt ist Cellinis "Saliera" (ein goldenes "Salzfass" als Tafelgefäß), die er für den König Franz I. von Frankreich anfertigte und die sich heute im Kunsthistorischen Museum in Wien befindet. Seine Skulptur eines nackten Jesus Christus am Kreuz hängt heute in der Kirche San Lorenzo del Escorial in Spanien, wo seine Lenden schamvoll mit einem Leinentuch verhüllt wurden.

Einige von Cellinis Werken sind über die griechische Mythologie im Kontext von Homosexualität zu verstehen. Der Kunsthistoriker James Smalls schreibt dazu: "Es gibt bemerkenswerte Skulpturen nackter Männer von Cellini, die mit dem homoerotischen Thema spielen." Dabei bezieht er sich auf Cellinis Statue "Narziss" und die Figurengruppe "Apollo und Hyazinth" (James Smalls: "Homosexualität in der Kunst", 2003, S. 90-91).

Narziss ist in der griechischen Mythologie ein schöner Jüngling, der sich in sein eigenes Spiegelbild verliebte. Die bei weitem wirkungsmächtigste antike Darstellung dieser Geschichte – einschließlich homoerotischer Bezüge – stammt von dem römischen Schriftsteller Ovid in seinen "Metamorphosen". Hyazinth gilt in der griechischen Mythologie als Geliebter des Gottes Apollo.

Darüber hinaus erschuf Cellini auch mehrere Statuen, die Ganymed mit einem Adler darstellen. Die homoerotische Bedeutung der Erzählung, wonach sich Göttervater Zeus in den schönen Ganymed verliebte und ihn in der Gestalt eines Adlers in den Olymp entführte, hat über viele Jahrhunderte Künstler inspiriert. Nach Jenny Bergel ("Michelangelos Ganymed und die Homosexualität in der italienischen Renaissance", 2009) erfuhren die Ganymed-Darstellungen zwischen 1530 und 1550 einen Höhepunkt.

Die Anklagen gegen Cellini und seine Verurteilungen

Wegen Sex mit Männern wurde Cellini mehrfach angeklagt und zweimal verurteilt. Das Urteil vom 15. Januar 1523 fiel, vielleicht aufgrund seines Alters, milde aus, er wurde nur "zu einer Buße von 12 Scheffeln Mehl verurteilt". Es wurde als bewiesen angesehen, dass Cellini mit einem anderen jungen Mann (das genaue Alter ist unbekannt), Domenico di ser Giuliano da Ripa, ein sexuelles Verhältnis hatte. Cellini war zur Tatzeit vermutlich 21 Jahre alt.
1548 wurde er von der Mutter eines seiner Lehrburschen beschuldigt, ihrem Sohn Vincenzo bzw. Cencio nahegekommen zu sein. Cellini entzog sich dieser Beschuldigung durch Flucht. Auf diesen, aus seiner Sicht ungerechtfertigten, Vorwurf ging er auch in seiner Autobiografie ein.

1556 wurde ihm von der Mutter seines Schülers, der ihm Modell für den Perseus gestanden hatte, ein sexuelles Verhältnis mit diesem vorgeworfen. Cellini gab zu, fünf Jahre lang ein sexuelles Verhältnis mit dem 13- bis 18-jährigen Fernando di Giovanni di Montepulciano gehabt zu haben, und wurde am 27. Februar 1557 zu 50 Scudi in Gold und vier Jahren Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde in Hausarrest umgewandelt und später aufgehoben.

Goethes Übersetzung von Cellinis Autobiografie – erster Band

Die wichtigste Quelle für Benvenuto Cellinis Leben ist seine Autobiografie, die auch in deutschen Übersetzungen erschien. Die bekannteste Übersetzung stammt von Johann Wolfgang von Goethe, die ich nachfolgend zitiere.

Im ersten Teil (1803) schwärmt Cellini von dem 14-jährigen Paulin, den er als Hilfsjungen angestellt hatte und für den er eine "große Liebe" empfunden habe. Er "lächelte so schön und herzlich, daß ich mich gar nicht mehr über jene Fabeln verwunderte, welche die Heiden von ihren Göttern des Himmels erzählten" (S. 50-51), womit er offenbar auf Liebesverhältnisse der griechischen Mythologie wie dem zwischen Ganymed und Zeus anspielte.

Cellini fand auch den 16-jährigen Diego "schön von Figur" und hatte ihn deshalb schon oft gezeichnet. An einem Tag bat er ihn, Frauenkleider anzulegen, und nahm ihn mit zu einer Gesellschaft, wo er eingeladen war. Von den anderen Gästen wurde Diego auf seine Wangen geküsst und als "Engel im Paradiese" bzw. schöner "Pfau" bezeichnet. Einige der anwesenden Gäste bemerkten erst sehr spät, dass Diego gar keine Frau, sondern ein Mann war (S. 66-70).

Nach Cellini hatte sich Ludovico Pulci – der "über die Maßen schön und anmuthig" war – einem 80-jährigen "Bischof von Urgenis" und dessen Neffen, dem venezianischen Edelmann Giovanni, angeschlossen. "Leider entdeckte man bald, an Herrn Johannes, nicht eine tugendsame, sondern eine unreine Liebe zu dem jungen Menschen (also Pulci), denn dieser erschien fast alle Tage in neuen samt- und seidenen Kleidern; man konnte leicht erkennen, daß er seine schönen Tugenden abgeschafft und sich ganz dem Verbrechen ergeben hatte." Cellini schreibt, er habe Giovanni seine "Laster vorgeworfen", ansonsten aber vertrete er die Einstellung, "jedes Ding wolle nach seiner Weise leben" (S. 75-77).

Cellini selbst hätte gerne geheiratet (S. 115). Als er 29 Jahre alt war, hatte er eine Beziehung zu einer schönen und anmutigen Magd, die für ihn Modell stand und mit der er auch die meisten Nächte verbrachte (S. 127). Auch an anderen Stellen berichtet er darüber, dass er sich in eine Frau verliebte (S. 155), die Nächte bei Frauen verbrachte (S. 167) und sich später von einer Geliebten trennte (S. 169). Daneben gab es auch einige Männer, von denen er schwärmte, wie zum Beispiel sein liebster Freund Albertaccio del Bene, der "Geliebtester unter all meinen Freunden" gewesen sei und der ihn "mit unschätzbaren Liebkosungen" empfangen habe (S. 175-177).

Goethes Übersetzung von Cellinis Autobiografie – zweiter Band

Im zweiten Teil (1803) berichtet Cellini, dass er mit einer Frau namens Catherine, "weil ich ein Mensch bin, auch sinnliche Vergnügungen […] gepflogen" habe. Cellini betont in diesem Zusammenhang, wenn sie von einem anderen Mann schwanger werden würde, würde er beide totschlagen. Catherine habe ihn bestehlen wollen, was er jedoch rechtzeitig bemerkt habe. Nach Cellini riet ein Anwalt Catherine in dieser Situation, "sie solle sagen, ich habe mich mit ihr auf italienische Weise vergnügt, das heißt gegen die Natur" (= Analverkehr). Catherine rechnete auf diese Weise wohl mit einem hohen Schweigegeld. Bei der anschließenden Gerichtsverhandlung sagte sie aus, dass Cellini "auf italienische Weise mit ihr gelebt" habe. Im Rahmen seiner Verteidigung betonte Cellini gegenüber dem Richter: "Das muss also eine französische und keine italienische Manier seyn, da ihr sie kennt und ich nicht." Als Cellini Catherine darauf hinwies, dass "das Gesetz beyde Theile [also auch den beim Analverkehr passiven Teil] zum Feuer verdammt", zog sie ihre Anklage zurück (S. 71-76).

Ein sexuelles Verhältnis hatte Cellini auch mit der jungen Johanna, die am 17. Juni 1544 ihre gemeinsame Tochter Constanza zur Welt brachte. Cellini zahlte ihr eine Abfindung, ohne sich weiter um beide zu kümmern (S. 87-88). Eine andere Form der Verantwortung für Kinder übernahm er allerdings einige Zeit später: Weil der Mann seiner jüngeren Schwester starb, kümmerte er sich nun um seine Schwester und ihre sechs Kinder (S. 132). Cellini berichtet auch von einem zwei Jahre alten Sohn, den er besuchte (S. 154).

In einer Kapitelüberschrift heißt es, eine Frau sei angestiftet worden, Cellini wegen "unnatürlicher Befriedigung mit ihrem Sohne, anzuklagen" (S. 130), wobei der nachfolgende Text nur vage andeutet, dass er von der Mutter seines Lehrburschen "Cencio", die man auch "die Gambetta" nannte, erpresst wurde (S. 140).


Cellinis Erzfeinz: Bildhauer Baccio Bandinelli

Zu einer bereits vorhandenen Skulptur wollte Cellini zusätzlich einen Adler gestalten, damit es insgesamt wie eine Ganymed-Zeus-Figurenkonstellation aussehen sollte (S. 157-158). Über diese Vorgehensweise geriet er mit seinem erbitterten Rivalen, dem Bildhauer Baccio Bandinelli (1488/1493-1560), in einen Streit und wurde von ihm schließlich mit dem Ausspruch "du Sodomit!" als Homosexueller beleidigt.

Cellini schreibt, er habe souverän reagiert und geantwortet, dass er sich zwar nicht "auf eine so edle Kunst verstünde", aber es sei doch schließlich bekannt, dass "Jupiter sie mit Ganymeden verübte, und hier auf der Erde pflegen die größten Kaiser und Könige derselben". Der anwesende Herzog und alle anderen hätten gelacht. Cellini betont, dass er Bandinelli für diese Beleidigung getötet hätte, wenn nicht auch der Herzog anwesend gewesen wäre (S. 162-163).

Die Übersetzung von Heinrich Conrad zum Vergleich


Ein Jüngling unter Frauen bzw. "Ein Pfau unter Krähen"

Erst nach dem Lesen von Goethes Übersetzung habe ich erfahren, dass diese sehr frei und ungenau ist, was u.a. daran lag, dass Goethe selbst nur eine unvollständige Vorlage zur Verfügung stand. Ich habe deshalb auch die Übersetzung von Heinrich Conrad (1866-1918) mit dem Titel "Leben des Benvenuto Cellini, von ihm selbst geschrieben" gelesen – allerdings nicht in der Erstausgabe von 1909/1913 (in zwei Bänden), sondern in der von 1994, die auch Zeichnungen von Michael Mathias Prechtl (1926-2003) enthält.

Text und Zeichnungen spiegeln damit recht unterschiedliche Epochen wider. Dass Cellini den 16-jährigen Diego in Frauenkleidern mit auf eine Gesellschaft nahm, ist ähnlich wie bei Goethe erzählt (S. 64, 75-77) und wird visuell gut durch eine Zeichnung von Prechtl "Ein Pfau unter Krähen" illustriert, wobei mit Krähen die anwesenden Frauen gemeint sind (S. 101). Auch die Geschichte vom als lasterhaft geschilderten Ludovico Pulci ist mit der Goethe'schen Fassung vergleichbar (S. 80-82).

Die strafrechtlich relevanten Vorwürfe sind in der Übersetzung von Conrad jedoch ausführlicher wiedergegeben. Dazu gehört, dass sich Cellini mit einer Frau "wie ein Sodomiter vergnügt" haben soll (S. 335-343), was Prechtl anregte, Cellini beim Analverkehr mit einer Frau zu zeichnen (S. 357). Auch der Vorwurf gegen Cellini "wegen unnatürlicher Befriedigung" mit Cencio (S. 387, 396-397) und die Beschimpfung "du ekelhafter Sodomiter!" (S. 401, 410, 413) werden ausführlicher berichtet. Aus dem wohl jugendlichen Cencio wurde in der Phantasie Prechtls eine "ganymedische Versuchung" mit einem sexuell gierigen Blick auf den Hintern eines schreienden männlichen Kleinkindes (S. 399).


Die "ganymedische Versuchung" als Referenz an Rembrandt

Zunächst hatte ich mit großen Unterschieden zwischen den beiden Übersetzungen des Cellini-Textes gerechnet, die Abweichungen sind jedoch bei den hier relevanten Textstellen unbedeutend. Das Besondere an diesem Buch sind viel eher die Zeichnungen von Prechtl und die Kommentare von Conrad. Prechtls Zeichnungen entsprechen nicht der üblichen Ästhetik von Illustrationen, sie sind provokativ, humorvoll und mit den Mitteln der Karikatur ironisch gebrochen. Wie seine anderen Zeichnungen zur Sittengeschichte sind auch diese symbolisch aufgeladen und die Bildtitel enthalten mehrdeutige Wortspiele. Insofern ist auch Prechtls "ganymedische Versuchung" keine homophobe Gleichsetzung von Homo- und Pädosexualität, sondern eher eine ironisch-kritische Hinterfragung dieser Gleichsetzung. Prechtls plärrendes Kleinkind ist eine deutliche Referenz an die kindliche Ganymed-Figur in einem Gemälde von Rembrandt, die Prechtl zwar spiegelverkehrt, aber ansonsten kaum verändert übernommen hat (s. Rembrandts "Ganymed in den Fängen des Adlers".)

Der Übersetzer Conrad wirkt zunächst recht prüde, wenn er in seiner Einleitung von der "falsche[n] Öffnung" (= Analverkehr) schreibt (S. 14). In einer ausführlichen Fußnote weist Conrad dann aber sehr deutlich darauf hin, dass Cellini in seiner Autobiografie die Jahre 1557 und 1558 wohl übersprang, weil er wegen eines "Ganymedes" im Gefängnis saß. Bandinellis "Sodomit"-Vorwurf habe "wohl ihren Hauptgrund darin [gehabt], daß Cellinis Laster allgemein bekannt" war, wobei Conrad auf Cellinis Verurteilung 1523 verweist. Damit war für Conrad die "Anschuldigung […] also an sich vollkommen begründet" (S. 461).

Die englische Übersetzung des Schwulenaktivisten John Addington Symonds

John Addington Symonds (1840-1893) war ein englischer Autor, Literaturkritiker und Kunsthistoriker, der vor allem aufgrund seiner Arbeiten über die Renaissance bekannt wurde. Weil sich Symonds als früher Verfechter der homosexuellen Liebe engagierte, kann er als früher Homosexuellenaktivist bezeichnet werden.

Mit "The Life of Benvenuto Cellini" (1889) brachte auch er eine Übersetzung von Cellinis Autobiografie heraus. In seiner mehr als 50 Seiten umfassenden Einleitung schrieb Symonds, Cellini sei nicht frei von dunkleren Begierden gewesen, wie sie die florentinische Gesellschaft deformiert hätten ("darker lusts which deformed"). In der Fußnote ergänzt er, dass Cellini 1556 wegen seines "unnatürlichen Lasters" ("unnatural vice") inhaftiert worden sei (S. XXXIV).

Vollkommen zu Recht weist Margaret A. Gallucci in ihrem Aufsatz "ACTing Up in the Renaissance: The Case of Benvenuto Cellini" (in: "Queer Italia: Same-Sex Desire in Italian Literature and Film", 2004, S. 71-82, hier S. 71) darauf hin, dass Symonds mit "unnatürliches Laster" homosexuelle Handlungen ("Sodomie") meinte. Selbst für Symonds war Homosexualität in diesem Fall also etwas so Unangenehmes, dass er es nicht deutlicher benennen wollte. Gallucci weist auch darauf hin, dass Symonds Cellinis Wünsche als "tierisch, zügellos, äußerst brutal" bezeichnet. Es irritiert heute, wie kritisch Symonds hier homosexuelle Handlungen kommentierte, was sich wohl auch mit der vermuteten Absicht begründen lässt, dass er eine "animalische" Homosexualität verdammte, um eine "edle" Homosexualität besser verteidigen zu können. In neueren Ausgaben von Symonds' Übersetzung (s. "Firebrand! The Autobiography of Benvenuto Cellini", 2014) wird betont, dass diese bis heute die beliebteste englische Übersetzung ist.

Die Bewertung von Cellinis Autobiografie

Bei der Episode, bei der Cellini als Sodomit beleidigt wird, gilt es zu berücksichtigen, dass die Italiener im übrigen Europa und damit auch in Frankreich als "Sodomiter" verschrien waren. Es spielt also eine wichtige Rolle, dass sich diese Episode in Frankreich zuträgt. Cellini versucht sich hier positiv als jemanden darzustellen, der Intrigen auf kluge und schlagfertige Weise abwehrt und dabei auch noch die "Ehre" der Italiener verteidigt. Für fast die gesamte Autobiografie gilt, dass wir die meisten Umstände nur aus der Sicht von Cellini kennen und nicht sicher sein können, ob sich die Einzelheiten tatsächlich so zugetragen haben.

In seiner Autobiografie verschweigt bzw. dementiert Cellini die mehrfach gegen ihn erhobenen Beschuldigungen von Sex mit anderen Männern. Dabei war sich schon Goethe offenbar sicher, dass Cellini nicht nur heterosexuell empfand, und schrieb, dass beim gemeinsamen Wohnen mit Männern bei seiner "Empfänglichkeit für sinnliche und sittliche Schönheiten" auch die "Schönheit männlicher Jugend, mehr als alles" auf ihn gewirkt habe. Goethe verweist dabei auch auf die Passage in Cellinis Autobiografie, in der das Essen mit dem als Frau gekleideten Diego geschildert wird. Mit solchen Szenen habe sich Cellini dem "Verdacht roher Sinnlichkeit ausgesetzt und deshalb manche Gefahr erduldet" (Nachwort des 2. Bandes, 1803, S. 303-304), womit Goethe wohl auf Cellinis Prozesse wegen gleichgeschlechtlicher Sexualität anspielt.

Zu Goethes Übersetzung von Cellinis Autobiografie gibt es einen eigenen Wikipedia-Eintrag, der erklärt, welche Schlussfolgerungen sie über Cellinis Charakter ermöglicht. Viele der Personen, die Cellini mit Vor- und Nachnamen nennt, wie zim Beispiel Ludovico Pulci, sind außerhalb der Autobiografie leider nicht bekannt und verifizierbar.

Auch Jake Plenderleith hat sich mit seinem Aufsatz "Benvenuto Cellini. The master goldsmith with a talent for violence" (4. Mai 2020) intensiv mit Cellinis Autobiografie auseinandergesetzt. Auf der einen Seite sei sie eine ausführliche Legitimation für sein gewalttätiges Verhalten, auf der anderen Seite eine lebendige Skizze des Alltags im Rom der Renaissance, durch die auch die nächtlichen Abenteuer des Malers Caravaggio (1571-1610) nachvollziehbarer würden. Durch sein aggressives Verhalten untergrabe Cellini jedoch – so Plenderleith – jede Sympathie, die man für ihn als hervorragenden Künstler empfinden könne. Wer aber bereit sei, Cellinis Schilderungen zu ertragen, werde mit Einsichten in sein Handwerk, aber vor allem in das künstlerische und soziale Milieu von Florenz und Rom belohnt.

Cellinis Rezeption in der frühen Homosexuellenbewegung

Der Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld, die wichtigste Person der frühen Homosexuellenbewegung, schrieb in seinem vielbeachteten Buch "Die Homosexualität des Mannes und des Weibes" (1914) nicht nur, dass Cellini "gleichgeschlechtliche Neigungen" gehabt habe (S. 944-945), sondern auch, dass er in seiner Autobiografie auf "seine homosexuellen Neigungen zu sprechen kommt" (S. 660), was nicht stimmt. Welchen Grund hat Magnus Hirschfeld, das zu behaupten?

Dieser Grund wird durch einige Sätze aus Hirschfelds Artikelserie "Von einst bis jetzt" aus den Jahren 1922/1923 deutlich (hier zitiert nach der Buchausgabe von 1986, S. 108): "Vor vielen Jahren" habe ihm ein Maler erzählt, dass er sich mit seiner Homosexualität erst habe abfinden können, als er erfuhr, dass die vier von ihm verehrtesten Künstler der Renaissance "seine Schicksalsgenossen" waren. Neben Leonardo da Vinci, Il Sodoma und Michelangelo sei dies Benvenuto Cellini. "Als er diese vier Unsterblichen als 'so' erkannte, habe sich seine Wehmut in Demut, seine Trauer in Stolz gewandelt." Hirschfeld wusste um die Bedeutung von Prominenten als Identifikationsmöglichkeiten, um Schwulen damit zu einem positiven Selbstbild zu verhelfen.

Benvenuto Cellini in Roman, Oper und Operette

Der französische Schriftsteller Alexandre Dumas ("der Ältere", 1802-1870) ist heute vor allem durch seine zu Klassikern gewordenen historischen Abenteuerromane wie "Die drei Musketiere" und "Der Graf von Monte Christo" bekannt. Sein Roman "Ascanio" (1844, hier zitiert nach Ausgabe von 1979, S. 190-193) basiert nur sehr vage auf Cellinis Biografie und so hat auch eine homoerotische Nebenhandlung keine Entsprechung in Cellinis Leben. Dabei tritt Antonia, die sich als Antonio ausgibt, als Novize in ein Kloster ein. Als der Vorsteher des Klosters später "sein Gewissen prüfte, bemerkte er, daß er seit der Aufnahme Antonios mehr denn je durch sündhafte Gedanken heimgesucht wurde". Nicht einmal andeutungsweise geht es hier auch um sexuelle Handlungen.

"Benvenuto Cellini" ist eine Oper von Hector Berlioz, die in den Jahren 1834 bis 1837 entstand und am 10. September 1838 uraufgeführt wurde. "Casta Diva. Der schwule Opernführer" (2019, S. 227-229) spricht von einem "eher freien Umgang der Librettisten mit Cellinis Autobiografie", auch weil sie die Handlung von Florenz nach Rom verlegten und sich für Cellinis Autobiografie nicht wirklich interessierten. "Vielleicht kann man in der Hosenrolle von Cellinis Gehilfen Ascanio eine dezente, nur für Eingeweihte verständliche Anspielung auf Homoerotisches vermuten." Wegen "seiner homosexuellen Vorgeschichte" sei Cellinis "Perseus"-Statue eine "Ikone der schwulen Kunst", weshalb der "Höhepunkt der Oper, der Guss der Perseus-Statue", als ein "homosexueller 'Zeugungsakt' ganz besonderer Art" gesehen werden könne. Auch die von Kurt Weill komponierte Operette "The Firebrand of Florence" (1945), bei dem Ira Gershwin und Edwin Justus Meyer die Texte beisteuerten, orientierte sich nur sehr vage an Cellinis Biografie. Einige Opern sind auch als Film erhältlich.

Benvenuto Cellini im Film

Es gibt mindestens 13 Filme, Serien etc., die Cellinis Leben in meistens freier Form aufgreifen. Einer dieser Filme ist "Mit Faust und Degen" (OF: "Il magnifico avventuriero", 1963, 44:20-46:20 Min.), der für diesen Artikel von Interesse ist, weil er eine Szene über Homosexualität enthält. Die Szene handelt von einer geplanten Theateraufführung von jungen Männern, die den Kampf zwischen Keuschheit und Laster darstellen sollen, wobei ein Schauspieler mit Flügeln offenbar Amor darstellen soll. Während ein Schauspieler betont, dass die Keuschheit immer gewinne, verlangt Cellini, dass dieses Mal das Laster gewinnen solle.

Der Kampf zwischen Tugend und Laster – bzw. zwischen Keuschheit und Laster – war ein beliebtes Thema in Theater und bildenden Künsten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Eine Aufführung mit diesem Thema als Unterhaltungsprogramm für Angehörige der höheren Schichten im Italien der Renaissance erscheint daher als durchaus passend, auch wenn die Szene hier von den Drehbuchautoren offenbar frei erfunden wurde.


Ein übertrieben femininer Schauspieler (l.) schmachtet Cellini (r.) an ("Mit Faust und Degen", 1963)

Die gesamte Szene ist darauf angelegt, sich über Schwule lustig zu machen, was vom Niveau her den Darstellungen in den späteren Sex-Klamotten entspricht. Die Schauspieler sind übertrieben tuntig und geschminkt dargestellt. Die Homosexualität dient der Unterhaltung für ein Hetero-Publikum, die "Männlichkeit" des Helden Benvenuto Cellini wird nicht angegriffen. Auch bei dem Gemälde im Hintergrund, einer Darstellung des heiligen Sebastian, ist ein beabsichtigter homosexueller Bezug möglich.

Künstlerische Freiheit oder "Namedropping"?

Wenn ein künstlerisches Werk mit der Biografie eines Prominenten sehr frei umgeht, kann dies nicht nur legitim, sondern auch inspirierend sein. Dabei kommt es u.a. auf das Genre und darauf an, ob der Film eine historische Faktentreue suggeriert. Sehr gelungen ist die Dokumentation "Die Akte Tschaikowsky. Bekenntnisse eines Komponisten" (2016), der den russischen Komponisten in das 21. Jahrhundert holt und auf den ich in meinem vorigen Artikel über Tschaikowsky eingegangen bin.

Die Form, wie in den oben genannten Werken mit Cellini umgegangen wird, sehe ich jedoch kritischer, weil sie mit dem historischen Cellini fast nichts mehr zu tun haben und – zumindest die Oper und der Film – eine Faktentreue suggerieren. Hier entsteht der Eindruck des Authentischen, obwohl sich die jeweiligen Künstler nicht für die wirkliche Biografie zu interessieren scheinen. Die Werke können daher nur als Versuch gewertet werden, mit dem Rückgriff auf einen Prominenten die eigene künstlerische Arbeit aufzuwerten. Dieser Umgang mit dem Bekanntheitsgrad eines Namens hat eine inhaltliche Nähe zu "Namedropping", womit eine nur kurze und oberflächliche Erwähnung einer Person gemeint ist. Wenn ein ganzer Film oder eine Oper nur von Cellini handelt, kann man dies zwar nicht mehr als "Namedropping" bezeichnen, aber die künstlerische Ausgestaltung in Form einer vorgespiegelten, aber fehlender Faktentreue in ähnlicher Form kritisieren.

Die Publikationen von Margaret A. Gallucci

Margaret A. Gallucci hat sich u. a. in dem von ihr herausgegebenen Buch "Benvenuto Cellini: Sexuality, Masculinity, and Artistic Identity in Renaissance Italy" (2003) mit Cellini ausführlich beschäftigt und seiner strafrechtlichen Verfolgung ein eigenes Kapitel gewidmet (S. 23-44). Aufmerksamkeit verdient auch ihr ein Jahr später verfasster Aufsatz "ACTing Up in the Renaissance: The Case of Benvenuto Cellini" (in: "Queer Italia. Same-Sex Desire in Italian Literature and Film", 2004, S. 71-82). Ich kann gut nachvollziehen, dass ihrer Meinung nach Cellini den Wissenschaftler*innen der Queer-Theorie und -Geschichte viel Forschungsmaterial zu sexuellem Begehren in der Renaissance liefert. Sie betont jedoch in einem positiven Kontext, dass sich Cellini alternative Möglichkeiten für sexuelle Erfahrungen habe vorstellen können ("alternative models for male sexual experience", S. 71). Dadurch sieht offensichtlich auch sie in Cellini eine schwule Ikone ("gay icon", S. 72) und die Wiederauferstehung eines Homo-Helden ("resurrection as a homosexual, gay, bisexual, or queer hero", S. 79).

Das ist eine Einschätzung, die ich nicht teilen kann. Im gleichen Jahr gab Gallucci übrigens gemeinsam mit Paolo L. Rossi das Buch "Benvenuto Cellini. Sculptor, Goldsmith, Writer" (2004) heraus, das mir zur Auswertung leider nicht vorlag. In einer Rezension zu diesem Buch in der geschichtswissenschaftlichen Online-Rezensionszeitschrift "Sehepunkte" (8/2008, Nr. 5) wird zumindest bezweifelt, dass Cellini tatsächlich ein "modern hero" sei, den Gallucci in ihm sehen möchte.

Weitere Sekundärliteratur

Immer noch gut zu lesen ist das wichtige Standardwerk von James M. Saslow "Ganymede in the Renaissance. Homosexuality in Art and Society" (1986), das ein eigenes Kapitel über Cellini beinhaltet. Leider wird es nicht online angeboten – ebenso wie der Kunstband "Homosexualität in der Kunst" (2003, S. 90-91) von James Smalls, der u.a. auf die beiden Verurteilungen in den Jahren 1523 und 1557 eingeht.

In dem Lexikon "Who's Who in Gay and Lesbian History" (2003, S. 111-112) weist Giovanni Dall'Orto zu Recht darauf hin, dass in der Geschichte der Renaissance der Aspekt der Homosexualität bei Cellini besonders deutlich herausgearbeitet werden könne, was an seiner Autobiografie und seinen Verurteilungen liege. Dieser Artikel ist eine gute Zusammenfassung über Cellinis Leben und Werk. Angesichts der damals angedrohten Strafe für bestimmte homosexuelle Handlungen finde ich es jedoch etwas zu positiv formuliert, wenn Dall'Orto schreibt, Cellinis Leben zeige, dass es in der italienischen Renaissance weder unvorstellbar noch unmöglich gewesen sei, sich über einen Lebensstil, der Homosexualität einschloss, theoretisch auseinanderzusetzen.

Das Buch von Louis Crompton "Homosexuality and Civilization" (2006) enthält ein Kapitel "Sodoma und Cellini" (S. 278-285). Darin geht der Autor auf Cellinis Autobiografie, seine strafrechtliche Verfolgung und seine homoerotisch interpretierbaren Kunstwerke ein. Clinton Elliot hat in seinem Buch "Hidden: The Intimate Lives of Gay Men Past and Present" (2013) auch einen kurzen Eintrag über Cellini aufgenommen (S. 60-61) und berichtet darin über dessen Beleidigung als "Sodomit" und seine beiden Verurteilungen.

Was bleibt von Cellini?

Es ist richtig, dass die heutige Sicht bei der moralischen Bewertung sexueller Verhältnisse eine genaue Unterscheidung zwischen Homo- und Pädosexualität einfordert. Ich kann nachvollziehen, dass dies bei Cellini, wo das Alter der Personen in seinem sozialen Umfeld nicht immer gut belegt ist, auf Schwierigkeiten stößt. Ich kann auch gut verstehen, dass man 500 Jahre später nicht ein Verhalten missbilligen möchte, bei dem man die zeitgenössischen sozialen und sexuellen Verhältnisse nicht ausreichend zu kennen scheint.

Folgendes ist jedoch gut dokumentiert: Cellini wurde zweimal verurteilt. Bei der ersten Verurteilung 1523 ging es um Sex zwischen zwei etwa gleichaltrigen erwachsenen Männern von Anfang 20. Bei der zweiten Verurteilung 1557 ging es darum, dass Cellini, der Mitte 50 war, mit einem seiner ihm anvertrauten Schüler ein jahrelanges sexuelles Verhältnis hatte, das begonnen hatte, als dieser 13 Jahre alt war. Meiner Meinung nach reichen diese Angaben aus, um zwischen beiden Urteilen genau zu unterschieden; in der gesamten Sekundärliteratur habe ich jedoch keinen Hinweis auf eine solche Unterscheidung gefunden.

Man kann Cellini aus heutiger Sicht nicht dafür verurteilen, dass er Sex mit einem gleichaltrigen Mann hatte. Man kann ihn, der jahrelang ein Kind sexuell missbraucht hat. aber ebenso wenig als einen schwulen Helden ansehen. Wie können so unterschiedliche Autor*innen wie Margaret A. Gallucci und Magnus Hirschfeld Cellini als positive Identifikationsfigur für schwule Männer sehen und dabei auch seine Gewaltbereitschaft ausblenden, die ihn, nach eigener Aussage, sogar dreimal zum Mörder werden ließ – auch wenn seine Morde nicht Gegenstand dieses Artikels sein können? Das ist schwulenpolitische Vereinnahmung, aber kein seriöser Umgang mit Geschichte. (Um Cellinis eigene Äußerungen und die seiner Zeitgenoss*innen einordnen zu können, bleibt es allerdings wichtig festzuhalten, dass es damals weder die Begriffe Homo- und Pädosexualität gab, noch eine Unterscheidung zwischen beiden vorgenommen wurde. Gleichgeschlechtlicher Sex zwischen männlichen Personen galt unabhängig vom Alter der Beteiligten als schwere Straftat. Der prinzipielle Gewaltaspekt, den wir heute sehen, spielte damals bei der Bewertung kaum eine Rolle)

Die meisten Menschen erwarten wohl, dass der Mensch und sein Werk ein geschlossenes Ganzes darstellen. Ich sehe hier eine Parallele zu Michael Jackson, dessen Musik nach seiner Verurteilung nicht mehr gespielt wurde. Einen solchen Ansatz sehe ich als falsch an. Man kann sehr wohl das künstlerische Werk vom Künstler selbst trennen. Benvenuto Cellini ist – vollkommen unabhängig von seinem Charakter – einer der bedeutendsten Bildhauer der Renaissance. Sein künstlerisches Wirken als Bildhauer und Goldschmied bleibt unvergessen.

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#1 MarcAnonym
  • 13.02.2021, 12:53h
  • Vielen Dank für diese informative und kenntnisreiche Darstellung! Wieder einmal sehr bereichernd und wirklich interessant.
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#2 AthreusProfil
  • 13.02.2021, 16:20hSÜW
  • Kritik: Die Frequenz, mit der Du, Erwin, hier Deine Beiträge veröffentlichst, ist viel zu gering. Danke für diesen und all die vorangegangenen Einblicke in queere Geschichte, bzw. in die Geschichte queerer Persönlichkeiten.

    Idee: Kann man Dir nicht einen Blog auf queer.de widmen, mit einer Vorstellung Deiner Person, analog zur Marke Phil Hollister? - Als kulturhistorisches Gegengewicht zu dessen Bestandsaufnahme der Gegenwart?!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Erwin In het PanhuisAnonym
  • 14.02.2021, 07:30h
  • Antwort auf #2 von Athreus
  • Vielen Dank für Deine "Kritik" bzw. Dein Lob. Weil ich diese Artikel in meiner Freizeit schreibe und aufgrund des notwendigen Rechercheaufwandes sind allerdings mehr als durchschnittlich zwei Artikel im Monat leider nicht möglich.
    Was den zweiten Teil deines Kommentars angeht, werden die Macher von queer.de diese und andere Entwicklungen im Blick haben und ggf. mit konzeptionellen Veränderungen reagieren.
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#4 KunstfreundAnonym
  • 14.02.2021, 10:11h
  • Vielen Dank für deinen sehr gut recherchierten und umfassenden Artikel zu einem außergewöhnlichen Künstler
    Ich habe schon als Junge über ihn gelesen aber natürlich nicht über seine Sexualität
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#5 AthreusProfil
#6 MadashtonAnonym
  • 14.02.2021, 11:49h
  • Einfach merci für diesen spannenden Artikel, hab gerade Sehnsucht nach Florenz bekommen und endlich entscheiden können, welche Skulptur ich noch für mein Zimmer haben will - hab mir gerade eine Replik des Perseus besorgt :) Liebe Grüsse aus der verschneiten Schweiz, Patrick
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#7 Geniale KunstAnonym
  • 15.02.2021, 13:52h
  • Wieder ein großartiger Artikel !

    Hast du schon mal überlegt, Deine Beiträge gedruckt zu einem Buch zusammen zu fassen ?
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#8 Erwin In het PanhuisAnonym
  • 15.02.2021, 15:17h
  • Antwort auf #7 von Geniale Kunst
  • Ich freue mich, dass Du meine Beiträge als geeignet ansiehst, in einem Buch veröffentlicht zu werden.
    Leider ist ein Buch viel schwieriger als viele kleine Online-Aufsätze umzusetzen. Meine Bücher über die BRAVO und die Simpsons haben nur deshalb gut funktioniert, weil es populäre und über Deutschland hinaus bekannte Themen sind. Mein Buch über die schwule Geschichte in Köln war nur durch massive Unterstützung vom Centrum Schwule Geschichte möglich.
    Für mein Buch über die Sex-Komödien der 70er Jahre habe ich keinen Verlag gefunden und es erschien deshalb im Selbstverlag. Über Amazon verkaufe ich hier 1-2 Bücher pro Monat, pro Buch verdiene ich hier übrigens 10 % = 1 Euro. Männerschwarm und Quer-Verlag sind bei meinen Anfragen immer skeptisch geblieben. Historische Themen sind nicht populär und lassen sich nur schwer verkaufen.
    Wenn einige meiner rund hundert Queer-Artikel als Buch erscheinen sollten, würde ihnen zudem der rote Faden fehlen. Auch das Urheberrecht an den Fotos stellt sich bei Print in ganz anderer Form als bei digitaler Form. Insofern bleibt ein Buchprojekt kaum umsetzbar.
    Positiv ausgedrückt: Kostenlos abrufbare Online-Artikel bei Queer.de sind für meine Themen, für meinen Wunsch möglichst breit zu wirken und für die Leserschaft die zur Zeit beste Form der Veröffentlichung.

    www.amazon.de/-/en/Erwin-In-het-Panhuis/e/B00DWXSAWC?ref=sr_
    ntt_srch_lnk_2&qid=1613396114&sr=8-2
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#9 RetroGayProfil
  • 16.02.2021, 14:02hDortmund
  • Antwort auf #8 von Erwin In het Panhuis
  • "Männerschwarm und Quer-Verlag sind bei meinen Anfragen immer skeptisch geblieben. Historische Themen sind nicht populär und lassen sich nur schwer verkaufen."

    Ja, das ist traurig.
    Dabei könnte das Wissen um die Geschichte von LGBT und deren Leistungen in Kunst, Kultur, Wissenschaft und Politik die heutige Community in ihrem Selbstbewußtsein stärken.
    Zudem herrscht das Diktat einer heteronormativen Sichtweise,
    die Kunst, Kultur und Geschichte von LGBT der Vergangenheit unsichtbar macht und kleinredet.
    Wie oft kommt das Argument, dass die Homosexualität/Queerness einer historischen Person nicht zweifelsfrei beweisbar wäre.
    Und selbst wenn, sei es ja nicht relevant,
    weil es -genau wie heute- Privatsache ist
    und damit unsichtbar bleiben soll.
    Der Beweis, dass eine vermeintlich heterosexuelle Person der Geschichte auch tatsächlich so hetero war, wie es die Heteronormativität verlangt, muß hingegen nie erbracht werden.
    Da herrscht eine Hybris anzunehmen,
    dass das, was hochwahrscheinlich ist, auch tatsächlich ist.
    Nur bei hochwahrscheinlich queeren Sexualitäten wird eine Beweisführung verlangt, die meistenfalls nicht zweifelsfrei zu führen ist.
    Dies führt dann dazu, dass diese Person, ihre Leistungen und ihre Bedeutung nicht als queer wahrgenommen werden darf.

    Tatsächlich wurden über Jahrhunderte Darstellungen von Homosexualität systematisch ausradiert.
    Bei griechischen und römischen Keramiken wurde sie einfach herausgekratzt, oder in der Museumsvitrine nach hinten gedreht.
    Homoerotische Shunga wurden aus den Kopfkissenbüchern herausgeschnitten und vernichtet.
    Wieviele Nachlässe von alleinstehenden Onkeln und Tanten wurden über die Jahrhunderte von queerem Inhalt gesäubert?
    Es ist ein Wunder, das queere Kunst und Antiquitäten überhaupt noch existieren.

    Und wie schön für all diejenigen, die mit ihrem heteronormativen Bullsh*t die hegemoniale Männlichkeit weiter festzementieren wollen,
    dass wir uns für die Hinterlassenschaften unseres kulturellen Erbes so wenig interessieren.
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#10 RetroGayProfil
  • 16.02.2021, 14:23hDortmund
  • Antwort auf #9 von RetroGay
  • Herzlichen Dank für deine Beiträge!
    (Irgendwie sind gerade meine Gedanken mit mir durchgegangen)
    Leider sind ja viele Bücher, die du anführst vergriffen oder sündteuer. Auch das ist leider ein Zeichen des allgemeinen Desinteresses.
    Umso schöner, dass du uns an deinem Wissen mit solch erhellenden Beiträgen teilhaben läßt.
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