Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?38145

Weitere Hinweise erbeten

"Aktenzeichen XY": Mehrere Hinweise nach Grindr-Überfall in Detmold

Nachdem ein Grindr-Nutzer letztes Jahr einen brutalen Überfall durch ein Date nur knapp überlebte, versuchen die Behörden, den Täter mit Hilfe der ZDF-Ermittlungsshow zu ermitteln.


Kriminalhauptkommissar Dietmar Simm-Koralewicz (zugeschaltet) spricht mit XY-Moderator Rudi Cerne über den Detmolder Fall (Bild: Screenshot ZDF)

Letzten Donnerstag zeigte die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY … ungelöst" den brutalen Überfall auf einen schwulen Mann im nordrhein-westfälischen Detmold, der am 22. April 2020 von einem Grindr-Date in seiner eigenen Wohnung schwer verletzt und bestohlen worden war. Nach der Sendung griffen offenbar mehrere Menschen zum Telefon: "Wir haben zahlreiche Hinweise bekommen. Viele davon sind griffig und könnten uns weiterbringen", erklärte Polizeisprecherin Laura Merks gegenüber der "Lippischen Landes-Zeitung".

Der Fall wurde im ZDF in einem knapp 15-minütigen Film dargestellt. Darin ist zu sehen, wie das 26-jährige Opfer, ein Musikstudent aus Japan, den zirka 30 Jahre alten Mann "mit südländischem Aussehen" kennenlernte. Der Täter habe demnach das Vertrauen des Studierenden erschlichen und sei dann zu ihm nach Hause in seine Innenstadtwohnung eingeladen worden. Dort habe er gesagt, dass der Mann, der fast akzentfrei deutsch sprach, dem Opfer wegen einer "Überraschung" die Augen verbinden wollte. Danach habe er den Studenten mehrfach mit einem selbst mitgebrachten Hammer auf den Kopf geschlagen. Der Täter habe dann sein Opfer unter Druck gesetzt und Bargeld, iPhone, iPad und Macbook entwendet. Das Opfer wurde mit Platzwunden und einer Schädelprellung ins Krankenhaus eingeliefert. Es leide bis heute unter den seelischen Auswirkungen der Tat.

Polizei: Opfer hatte Glück, nicht getötet worden zu sein

Es sei "nicht ganz auszuschließen", dass der Täter weitere derartige Straftaten begangen habe, so der ermittelnde Kriminalhauptkommissar Dietmar Simm-Koralewicz in der ZDF-Livesendung. Das Opfer habe sehr viel Glück gehabt, dass es den Überfall überlebt habe. Die Polizei bittet die Bevölkerung weiter um Hinweise und hat dazu ein Phantombild des Täters veröffentlicht. Die Staatsanwaltschaft setzte für sachdienliche Hinweise eine Belohnung in Höhe von 2.000 Euro aus.


Die Polizei bittet weiterhin um sachdienliche Hinweise, um den Täter zu schnappen (Bild: Screenshot ZDF)

Laut der Detmolder Polizei hätten sich inzwischen mehrere Grindr-Nutzer gemeldet, die glaubten, das Phantombild des Täters in Profilbildern wiedererkannt zu haben. Zudem gebe es Hinweise auf eine weitere Tat, die ähnlich abgelaufen sein soll. Die Ermittlungen dauern derzeit noch an. Weil Grindr in Kalifornien sitzt und seine Daten angeblich rasch löscht, entschied sich die Staatsanwaltschaft dagegen, bei der Dating-App überhaupt erst nach weiteren Informationen anzufragen.

Wer den Film zum Fall sehen will, kann sich "Aktenzeichen XY" noch in der ZDF-Mediathek anschauen (Minute 22 bis Minute 41). Allerdings muss man sich sputen: Das ZDF löscht das Video bereits nach Mittwoch (17. Februar) wieder von seiner Streamingseite.

Zuletzt gibt es immer wieder Meldungen über Gewalt gegen Grindr-Nutzer. Erst vergangenen Monat wurde etwa in England ein 26-jähriger Heterosexueller zu lebenslanger Haft verurteilt, weil er schwule Männer mit Fake-Profilen angeschrieben hatte, um sie mit K.o.-Tropfen zu überwältigen, auszurauben und ihre Konten zu leeren – ein Opfer starb an der Droge (queer.de berichtete). (cw)



#1 LegatProfil
  • 15.02.2021, 18:40hFrankfurt am Main
  • Ich habe den - vielleicht unangemessenen - Impuls, mich beim ZDF dafür bedanken zu wollen, dass ausnahmsweise mal nicht von einem "Verbrechen im Homosexuellen-Millieu" berichtet wird. Zufall oder Waldschlösschen-Apell tatsächlich angekommen?

    Darüber hinaus kann ich nur hoffen, dass der brutale Täter gefasst und verurteilt wird. Dem Opfer wünsche ich viel Kraft und gute Genesung, auch oder vielleicht sogar vor Allem, von den seelischen Wunden.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 Albaboy
  • 15.02.2021, 20:00h
  • Ich rufe zu sehr hohen Haftstrafen für solche Verbrechen auf. Die Community muss sich weiterbilden und endlich in diese Ämter reinkommen und für strenge Gesetze sorgen. Nur hohe Haftstrafen schrecken vor solchen Gewaltakten ab!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 Teddy63
  • 15.02.2021, 21:45h
  • Antwort auf #1 von Legat
  • Na ja, die Zeiten von Eduard Zimmermann haben die ja wohl hoffentlich hinter sich gelassen und ich traue dem ZDF inzwischen mehr Lernfähigkeit und Offenheit in solchen Fragen zu als der ARD. War früher mal andersherum (mit Ausnahme vom Bayerischen Rundfunk natürlich, hi hi).
  • Antworten » | Direktlink »
#4 AthreusProfil
  • 15.02.2021, 21:47hSÜW
  • Antwort auf #2 von Albaboy
  • Im Grunde bin ich da bei dir, aber nicht sicher, ob wir beide da nicht einem Irrglauben aufsitzen. Mal exemplarisch an den USA und Mord veranschaulicht: selbst die Todesstrafe schreckt Mörder nicht ab. Und eine höhere Strafe kann es ja nicht geben.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 Teddy63
#6 daVinci6667
  • 16.02.2021, 00:32h
  • Antwort auf #4 von Athreus
  • Eine lange oder lebenslange Haftstrafe mit Verwahrung kann für einige viel schlimmer sein als die Todesstrafe. Das zeigen die steigenden Gesuche auf Sterbehilfe von Gefangenen.

    In der Schweiz setzt sich nach vielen Diskussionen langsam die Erkenntnis durch, dass auch Gefangene selbstbestimmt Sterbehilfe erhalten sollen. Wie alle anderen auch.

    Ich finde das schwierig. Bin hin und hergerissen. Bisher konnten nur freie Bürger über ihr Leben und ihren Tod entscheiden und assistierten schmerzlosen Suizid in Anspruch nehmen. Ihr Leben soll nicht zur Qual werden. Gefangene jedoch haben sich ihr Scheissleben im Knast selbst eingebrockt. Ein Gericht hat ihnen diese Strafe auferlegt. Einige sprechen von Einführung der Todesstrafe durch die Hintertür. Andere von feiger Flucht vor ihrer gerechten Strafe.

    Schlussendlich aber setzt sich das finanzielle Argument wohl durch. Gefangene die assistiert aus dem Leben gehen kosten viel weniger und können nie mehr rückfällig werden.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 StaffelbergblickAnonym
  • 16.02.2021, 11:08h
  • Antwort auf #6 von daVinci6667
  • Vor vielen Jahren hat ein in Belgien verurteilter Sexualstraftäter beantragt, ihn hinzurichten. Interessanterweise wurde dieser Antrag von Opferfamilien nicht unterstützt, genau mit dem Argument, dass für ihn damit alles "erledigt" wäre. Während sie, die Opferfamilien aber lebenslang mit dem gewalttätigen Verlust leben müssen.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 daVinci6667
  • 16.02.2021, 12:40h
  • Antwort auf #7 von Staffelbergblick
  • Genau. Aus Sicht der Opferfamilien ist diese Haltung sehr verständlich.

    Interessant bei dem Thema ist auch die Haltung der politischen Akteure. Rechtsaußen die üblicherweise sonst mit der Todesstrafe sympathisieren sind hier plötzlich strikt gegen assistierten Suizid von Gefangenen und die Linken wollen einen Ausbau der Rechte der Sterbehilfe auf ebendiese. Die Mitte ist unschlüssig und möchte dem Thema am liebsten ausweichen.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 AthreusProfil
  • 16.02.2021, 13:01hSÜW
  • Antwort auf #6 von daVinci6667
  • Unbestritten, aber dennoch reden wir glaube ich aneinander vorbei. Es ging ja um die Strafverschärfung zur Abschreckung und Prävention von Taten. Die von dir genannten Schicksale haben ja oder finden gerade im Vollzug statt, d.h. die Tat wurde bereits verübt. Interessant wäre es, ob es in Bezug zu den Todeswünschen schweizer Strafgefangener Zahlen gibt, die einen Rückgang gleichwertiger Straftaten belegen, weil potentielle Täter dadurch abgeschreckt werden oder wurden.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 daVinci6667
  • 16.02.2021, 14:16h
  • Antwort auf #9 von Athreus
  • Mir sind solche Zahlen nicht bekannt. Eine gewisse Abschreckung würde ich nicht pauschal verneinen wollen, Ist sicherlich auch Deliktabhängig.

    Bei Sexualstraftaten ist halt festzuhalten, dass es Pervers-Kranke Subjekte wohl leider immer geben wird. Deshalb hat sich hierzulande die Erkenntnis durchgesetzt, bei denen lieber mal einer zu viel als zu wenig für immer wegzusperren, heisst nach Verbüssung der Strafe zu verwahren.

    Dazu massgeblich beigetragen hat eine deutlich angenommene Volksinitiative initiiert von einer Mutter, deren Tochter bestialisch von einem Serientäter vergewaltigt und ermordet wurde. So hart diese Massnahmen für den Einzelnen auch sind, gemäss Volksabstimmung ist der Schutz der Bevölkerung höher zu bewerten als der berechtigte Wunsch von Extremtätern sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren.

    Doch es gibt andere Delikte bei denen ich massiv höhere Chance sehe Täter abzuschrecken und präventiv zu wirken.
    Gerade bei Hass und Gewalt gegenüber LGBTI.

    In diesem Zusammenhang die Bitte an
    @ Alle doch beiliegende Petition an den Bundesrat zu unterzeichnen:

    actionsprout.io/856517
  • Antworten » | Direktlink »